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USA 2008
Originaltitel:Isle of the Damned
Alternativtitel:Bind Them and Kill Them!
aka. Cannibal Island Holocaust
aka. Isla del Maledetto
aka. Island of the Damned
Länge:81:49 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Mark Colegrove
Buch:Mark Leake
Kamera:David J. Kratz
Musik:Paul Joyce
SFX:Jenny Milich
Darsteller:Chris Brenza, Peter Crates, Aimee Cummings, Dustin Edwards, Larry Gamber, Keith Tveit Langsdorf, Morgan Mae, Megan Mundane, Patrician Rosa, Matthew Whoolery
Vertrieb:Illusions Unltd. Films
Norm:PAL
Regionalcode:0
Bildformat:1,78:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:DigiPak im Schuber
DVD-Start:29.03.2010 (Kauf)
Specials:
  • Audiokommentar von Lanbourne Stout und seinem Cousin Clarence
  • Vorwort (0:27 Min.)
  • The World of The Weird Monster Show (6:48 Min.)
  • Trailer "Pleasures of the Damned" (1:42 Min.)
  • Featurette 'Luigi Giallo Interview' (5:05 Min.)
  • "Isle of the Damned" Teaser (2:25 Min.)
  • Trailer "Isle of the Damned" (2:09 Min.)
  • Synchronisation "Isle of The Damned" (11:36 Min.)
  • Self-Promotion (6:38 Min.)
  • Publikumsreaktionen (1:10 Min.)
  • Einleitung von Regisseur Mark Colegrove (4:34 Min.)
  • Soundtrack-CD (18 Tracks, 57 Min.)
Als sich Privatdetektiv Jack Steele von Harold Thompson für eine Schatzsuche anheuern lässt, ahnt er nicht, dass er sich auf eines der größten Abenteuer seines Lebens einlässt. Gefunden werden soll der legendäre Aztekenschatz des Marco Polo, der der Legende nach irgendwo in Argentinien verschollen ist. Steele hält diese Unternehmung für die beste Gelegenheit, mit seinem homosexuellen Pflegesohn Billy ins Reine zu kommen. Die Reise führt das Trio und deren Gefolgsleute auf eine noch nicht erforschte Insel. Die dort herrschende Wildnis birgt weit mehr Gefahren als man es zuerst vermutet hatte, denn neben gefährlichen Tieren jagen auch menschenfressende Eingeborene durch den Dschungel. Die blutigen Vorkommnisse überschlagen sich und es stellt sich schon bald die Frage für das Trio, ob sie die Insel der Verdammten jemals wieder lebendig verlassen werden ...
In mindestens 492 Ländern verboten! (Werbetext)

Rund fünf Jahre hielt der Boom der Kannibalenfilme an, der 1980 mit Deodatos Interner Link"Cannibal Holocaust" erst so richtig durchstartete. Da die Geschichten jedoch häufig in einseitigen Bahnen verliefen, war dem Genre schon bald nichts Innovatives mehr hinzuzufügen. Diese Hommage versucht hingegen alle gängigen Zutaten damaliger Exploitation-Filme unter einen Hut zu bringen und durchkreuzt dabei leider oftmals den niveaulosen Ekel-Humor, anstatt die parodistischen Züge gezielter auszuspielen.



Die Geschichte klingt entsprechend vertraut: Drei Typen um Jack Steele stranden auf "Cannibal Island" irgendwo in Argentinien. Auf der Insel hoffen sie den berühmten Schatz von Marco Polo zu finden, doch neben den dort wohnenden Kincaid stoßen sie auf Kannibalen, die ihnen weniger freundlich entgegentreten ...

Das Vorwort erinnert in seiner Form bereits stark an Interner Link"Cannibal Holocaust", denn man will uns tatsächlich weiß machen, dass folgendes Bildmaterial aus den Achtzigern stammt und der italienische Regisseur nur knapp einer Verhaftung entgangen sei. Doch spätestens als man Hauptfigur Jack Steele erblickt, der mit Sonnenbrille, falschem Bärtchen und blonder Perücke zum Telefon greift, wird klar, dass einem hier reichlich trashiges Material erwartet, welches mit künstlichen Filmstreifen und abgedrehten Verkleidungen, einfachsten Synthie-Klängen der Gruppe Kobold (!) und übersteigert billiger Synchro im Gesamtbild wie eine Groteske auf Amateurniveau rüberkommt.

Das stört, bis auf die schrille Tonhöhe von Jacks Adoptivsohn (der natürlich nicht viel jünger ist als Jack selbst) nur selten. Im Gegenteil. Die billigen und oftmals völlig unpassenden Verkleidungen sorgen für einige Schmunzler, die vielen Zitate des Genres für Aufheiterungen und einige Fakten, die im Kontext überhaupt keinen Sinn ergeben, sogar für Lacher. Allein die Tatsache, dass auf der kleinen Insel (natürlich ein amerikanischer Wald um die Ecke) Nashorn, Krokodil, Gepard und überdimensionale, fleischfressende Pflanzen beheimatet sind oder der stumme Diener von Kincaid ein Spezialist der Yakuza sein soll, aber mit seinem Afro wie alles andere als ein Japaner aussieht, bleibt einige Zeit hängen.



Demgegenüber bietet die eigentliche Handlung kaum Spannung, geschweige denn Überraschungen. Sobald man auf Kannibalen trifft, wird ein wenig gerannt und gerangelt, es kommt zu einigen, durchaus detailfreudig in Szene gesetzten Splatterszenen (Schwanz ab, diverse Ausweidungen, abgetrennte Körperteile ...) und Reminiszenzen durch Kannibalenrituale, doch innerhalb jener Szenen hört der Spaß auch auf, denn gerade bei den Konfrontationen geht man recht ernst zur Sache und der Humor bleibt innerhalb solcher Szenen völlig auf der Strecke. Hier verpasst man die Chance, die Originale ad absurdum zu führen, indem man die grausame Vorgehensweise beider Parteien nicht nur mit Zitaten spickt, sondern sie auch der Lächerlichkeit preisgibt, was in nur einer Sequenz gelingt.

Zum Manko gerät auf Dauer ebenfalls ein wenig die Geschwätzigkeit, die sich aus den Nebenhandlungssträngen ergibt. Die latent mitschwingende Homosexualität fördert im Verlauf kaum eine Pointe zutage und auch die vielen Ausführungen Kincaids ermüden mach einiger Zeit, denn die wesentlichen Aussagen (wer sind hier die Wilden) werden vorzeitig getroffen und nicht nur einmal.

Dennoch kann man mit der skurrilen Mixtur seine Freude haben, da muss man nicht zwangsläufig ein Freund klassischer Kannibalenstreifen sein, obgleich man sich auf teilweise deftige Blutszenen gefasst machen sollte. Der billige Look mit seinen lächerlich verkleideten Darstellern im Overacting könnte kaum treffender sein, die simple Ausstattung und das Einfügen einiger Tieraufnahmen wurde adäquat von den Vorbildern übernommen und auch wenn im Gesamtbild ein wenig der Nährwert zu kurz kommt, für anspruchslose Unterhaltung und ein wenig Nostalgie-Feeling wird immerhin gesorgt.



Dieses Nostalgie-Feeling wird auch durch den Look von "Isle of the Damned" geschaffen, der ganz nach dem Grindhouse-Konzept umgesetzt wurde. Soll heißen: Der Transfer wurde künstlich gealtert, um als Hommage an die Filme der 1970er bis 1980er durchzugehen. Von Anfang bis Ende sieht der Film aus, als ob irgendwo ein abgenutztes Filmmaster so gut es eben geht restauriert wurde, nachdem es jahrelang in irgendeiner Kellerecke vor sich hingammelte. Weil es sich bei "Isle of the Damned" um einen Independentfilm handelt, ist der Prozess der künstlichen Alterung nicht ganz so gelungen wie bei den großen Hollywoodproduktionen Interner Link"Planet Terror" oder Interner Link"Death Proof", doch das Ziel, dass die Macher des Films erreichen wollten, ist dennoch erreicht. Es gibt Laufstreifen, Schmutz und analoge Defekte soweit das Auge reicht, was für ein tolles Schmuddelaussehen sorgt. Auch verliert sich die Schärfe in einigen Sequenzen ein wenig, was im Gegensatz zum sonst scharfen, detailreichen Bild steht. Trotz dieser absichtlichen Verschlechterung bietet die DVD einen noch immer plastischen Kontrast und eine satte, natürliche Farbgebung. Dem authentischen Retro-Gefühl steht auch durch die Kompression nichts im Wege. Natürlich fällt es bedingt durch die zahlreichen Verfremdungen schwer, eine objektive Bewertung abzugeben, doch da alles so gewollt ist, dürfen es 4 Punkte sein.

Auch beim Ton hat man versucht, eine vergangene Filmzeit wieder aufleben zu lassen; zumindest in der englischen Sprachfassung. Anders als im deutschsprachigen Raum waren die Synchronisationen importierter Filme nämlich meist sehr schlecht. Lippenbewegungen passten nur selten zum Geschehen auf dem Bildschirm, ebenso wie die Sprecher schlecht ausgewählt waren. Besonders im Horrorbereich und beim Eastern ist dieses Phänomen allgegenwärtig gewesen. So nun auch bei "Isle of the Damned", mit dem feinen Unterschied, dass dies hier so gewollt ist. Schon beim Dreh des Films bewegten die Darsteller nur ihre Lippen und wurden später nachträglich und absichtlich schlecht nachsynchronisiert. Kein Wunder, dass das zu Lasten des homogenen Klangbildes geht, denn die Stimmen drängen sich in den Vordergrund. Dennoch überzeugt die englische Tonspur und integriert Musik und Effekte in einen guten Stereomix. Bei der deutschen Fassung wurde versucht, die Asynchronität der Originalfassung anzupassen. Für den deutschsprachigen Zuschauer, der die Problematik der amerikanischen Fassung und damit auch den Gag dahinter nicht versteht, würde es sonst nach einiger Zeit nervig werden. Den Erstellern der deutschen Fassung kann man nur gratulieren. Auch hier werden die Sprecher etwas in den Vordergrund gestellt und Musik als auch Effekte werden hintergründig abgespielt. Gerade beim 5.1-Mix fällt diese auf, und es kommt der Verdacht auf, dass der Musik- und Effektetrack nur in Stereo vorlag. Denn beispielsweise hört man bis auf die Sprecher alle Umgebungsgeräusche auch aus den hinteren Effektlautsprechern. Wie bei einem Upmix wird die Klangkulisse lediglich gespiegelt, auch wenn es nicht sonderlich stört. Alternativ gibt es auch eine Stereoversion der deutschen Fassung. Bei beiden vermisst man allerdings Störgeräusche, denn grundsätzlich klingen die Tonspuren im Vergleich zum Bild viel zu sauber.


Der Bonusbereich dieser Illusions Unltd. Films–Veröffentlichung ist über alle Zweifel erhaben. Gerade die Beigabe des kultigen Soundtracks auf einer separaten CD ist ein geniales Gimmick. Auch die Verpackung mit ihrem lustigen Pop-Up-Aufsteller beim Öffnen der Hülle erweist sich als netter Einfall. Auf der DVD selbst befindet sich ein kurzes Vorwort zum Film, bevor man sich im Extra-Menü durchs Bonusmaterial wühlen darf. Besondere Beachtung sollte man dem Audiokommentar von Lanbourne Stout und seinem Cousin Clarence schenken. Leider ist nicht alles gut zu verstehen, da mit Stimmverzerrern gearbeitet wurde. Ebenfalls sehr interessant ist die extra für diese DVD erstellte Kurzdoku "Synchronisation "Isle of The Damned", bei der man Astro-Mastermind Oliver Krekel, der für die Synchronarbeiten zuständig war, über die Schulter schauen darf. In gewohnt liebenswerter Art führt Olli seine Arbeit vor und berichtet über die Schwierigkeiten zwischen deutscher und englischer Sprachfassung. Weitere Extras sind eine Einleitung von Regisseur Mark Colegrove, Publikumsreaktionen zur Kastration sowie Teaser und Trailer zum Film. Damit noch nicht genug, wenn auch beim Rest mehr der Spaß im Vordergrund steht als filmisches Wissen zu vermitteln: "The World of The Weird Monster Show" ist eine Fake-TV-Sendung, die sich mit dem sagenumwobenen Film "Isle of the Damned" und ihrem Regisseur "Antonello Giallo" beschäftigt. Dazu gibt es das "Luigi Giallo Interview", welches den Sohn des Regisseurs näher beleuchtet. Abschließend darf man die Crew des Films noch auf einer Horror-Konvention zusehen, wie sie die Werbetrommel für ihren Film rühren. Schlussendlich gibt es den Trailer zu "Pleasures of the Damned", dem nicht existierenden Vorgänger zu "Isle of the Damned".

"Isle of the Damned" ist eine Hommage an den Kannibalenfilm und dem Splatterfilm im Allgemeinen. Bedingt durch die trashige Inszenierung werden nicht nur Fans der härteren Gangart ihren Spaß haben. Neben Blut und Gedärm ist der reine Wahnsinn nämlich allgegenwärtig und sorgt für zahlreiche gelungene, aber auch untypische Szenen. Abgesehen vom Film kann die DVD aus dem Hause Illusions Unltd. Films in allen Belangen überzeugen. Ein Pflichtfilm, der mit ein paar Freunden und genug Alkohol zu einem grandiosen Abend führt.


Film+++/--
Bild++++--
Ton++++--
Bonus++++/-


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