IT 1972
Originaltitel:Più forte, ragazzi!
Alternativtitel:All the Way Boys
aka. Plane Crazy
Länge:90:49 Minuten (gekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Giuseppe Colizzi
Buch:Barbara Alberti, Giuseppe Colizzi, Amedeo Pagani
Kamera:Marcello Masciocchi
Musik:Guido De Angelis, Maurizio De Angelis
Darsteller:Terence Hill, Bud Spencer, Reinhard Kolldehoff, Carlos Muñoz, Riccardo Pizzuti, Marcello Verziera, Sergio Bruzzichini, Cyril Cusack, Alexander Allerson, Ferdinando Murolo, Michel Antoine, Antoine Saint-John, Raffaele Mottola
Vertrieb:3L
Norm:PAL
Regionalcode:0
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0
Sprache:Deutsch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase mit FSK-Wendecover
DVD-Start:28.09.2009 (Kauf)
Specials:
  • Alter dt. Kinotrailer (3:42 Min.)
  • Alter dt. DVD-Trailer (2:08 Min.)
  • Alte dt. Titelsequenz (1:52 Min.)
  • Bildergalerie (8 Bilder)
  • Aushangfotos (16 Bilder)
  • Original Presseheft (12 Seiten)
  • Filmo- und Biografien:
    • Terence Hill (13 Seiten)
    • Bud Spencer (12 Seiten)

Die zwei Tagediebe Plata (Terence Hill) und Salud (Bud Spencer) versuchen sich als professionelle Bruchpiloten. Für die Hälfte der Versicherungssumme täuschen sie Flugzeugabstürze im undurchdringlichen Dschungel Südamerikas vor. Doch der nächste Auftrag verläuft alles andere als geplant: Die Maschine schmiert über einer Kolonie von Diamantenschürfern ab, die von dem skrupellosen Mr. Ears ausgebeutet werden. Er diktiert die Diamantenpreise, besitzt die einzige Kantine und das einzige Flugzeug. Er hat alle in der Hand ... alle, bis auf Salud und Plata. Die beiden Haudegen sagen ihm und seinen Schergen mit schwingenden Fäusten den Kampf an ...

Diesmal hat es Spencer und Hill in den südamerikanischen Dschungel verschlagen, und dort erleben sie ihr vielleicht bestes gemeinsames Abenteuer.
Wieso, ist schwer zu erklären. Der allgemeine Eindruck ist jedenfalls der, dass "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" atmosphärisch unvergleichbar ist und vollkommen für sich alleine steht. Komik, Action, Melancholie und Story sind absolut verträglich aufeinander abgestimmt und eingebettet in über alle Maßen authentisches Südamerika-Flair. So könnte man die Magie des Films vielleicht kurz zusammenfassen.



Im Detail gesprochen befinden wir uns zunächst einmal noch in der Frühphase des Duos. Das Produktionsjahr ist das gleiche wie Interner Link"Vier Fäuste für ein Halleluja", und das sieht man unter anderem an dem schön dreckigen Look der Umgebung und vor allem der Hauptdarsteller. Vom Filmcover her würde man fast schon einen weiteren Western vermuten, und tatsächlich zeigen sich Spencer und Hill als Salud und Plata gewohnt dreckig und verlaust, mit abgenutzten und zerrissenen Klamotten. Die Survival-Andeutungen stehen ihnen ins Gesicht geschrieben, und so gibt sich auch die Story. Salud und Plata geben vor, Piloten zu sein, sind tatsächlich aber Bruchpiloten, die ihre eigenen Abstürze vortäuschen, um anschließend die Versicherungssumme zu kassieren. Von der Anlage her ein sehr actionreicher und todesmutiger Job, gilt es hier aber vor allem, das eigene Überleben und das der Familie zu sichern. Um die Not, die Versicherungsgesellschaften auszutricksen, darzustellen, lernen wir Platas Bruder kennen, der chronisch pleite ist und einen Haufen von Kindern zu versorgen hat. Zudem wird der Staat - in Form der Polizei - als sorglos und gleichgültig dargestellt, so dass man als Zuschauer überhaupt keine Gewissensbisse bezüglich der Betrügereien haben muss.
Von den Abstürzen selbst sollte man sich keine allzu großen Versprechungen machen. Wie üblich wurden die so billig getrickst, dass man nie wirklich einen Absturz zu Gesicht bekommt, sondern einen solchen höchstens vermutet. Dass die Maschine überhaupt abstürzt, merken wir an Spencers vollmundigem Urschrei und Hills Vortäuschen der Bewusstlosigkeit / des Todes nach der Bruchlandung.

In die Survival-Situation des südamerikanischen Dschungels verschlägt es die Himmelhunde, weil Saluds Bruder ihnen eine schrottreife Maschine angedreht hat und es tatsächlich zum Absturz kam. So verschlägt es die beiden Teufelskerle mitten ins Grün, wo sich ein paar vereinzelte Überlebenskünstler und Einheimische zu Hause fühlen, darunter ein verrückter Einsiedler, der behauptet, eine Smaragdader gefunden zu haben, und eine Gruppe von skrupellosen Diamantenschürfern unter dem Regiment des schwerhörigen Mr. Ears, der die Gegend ausbeuten will.
Sehr witzig und trashig ist übrigens der Schnitt kurz nach der Landung, als Hill erst noch seine Verarsche am besorgten Brummbär Spencer durchzieht und gleich nach dem nächsten Schnitt ohne jede Vorwarnung plötzlich Hill mit einem dichten Bart durchs Bild läuft, was uns sagt, dass inzwischen eine Menge Zeit vergangen sein muss. Der Absturz hat die Runde gemacht, und die Umgebung ist neugierig auf die beiden Tontauben geworden.



Nun kommt es natürlich, wie es in einer Spencer/Hill-Komödie immer kommen muss. Den Schwachen wird geholfen, die bösen Buben werden verdroschen. Eine Schwarzweißmalerei, wie sie jeder Fan liebt, nimmt ihren Lauf. Ein bisschen grau wird's aber doch, denn ganz ohne eigenen Vorteil agiert man nicht. Man wittert gar ein Geschäft, weshalb man den abgestürzten Flieger wieder flott macht und jeder abwechselnd einen Tag in die Stadt fährt, um Waren zu importieren, die ihnen von den Ansässigen nur so aus der Hand gerissen werden.

Wie schon zu Beginn angesprochen, glänzt das Drehbuch von Giuisippe Colizzi, Amedeo Pagani und Barbara Alberti mit einer absolut ausgewogenen Mischung aus Prügeleien, witzigen Dialogen, einer gesunden Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit sowie einem Buddy-Gespann, das sich bedingt durch die Flüge in die Stadt angenehmerweise auch schon mal trennt. Gerade Bud Spencer wird öfter mal im Dschungel mit den Einheimischen alleine gelassen (weil er immer "Gerade oder ungerade"-Spielchen verliert) und verliert mehr als einmal unter den Verhaltensweisen des verrückten Einsiedlers seine Fassung, zeigt aber auch Herz und schließt Freundschaft. Das einzige, was fehlt, sind die Techtelmechtel vom werten Herrn Hill (das Mädel im Blumenladen gilt nicht).



Die Prügeleien sind verhalten, rar und insgesamt relativ unspektakulär, glänzen aber mehr als in allen anderen Filmen mit stinkfrechem Wortwitz und sind auf dem Verarsch-Prinzip aufgebaut. Das heißt, erst werden Plata und Salud wegen ihres Absturzes auf den Arm genommen, bevor die es doppelt und dreifach zurückzahlen. Und zwar etwa in Form von Messertricks, Lockvogel-Zeigefinger etc. Dennoch sind die Kloppereien spektakulär genug, dass in einer Szene sogar ein ganzes Haus zusammenbricht.
Der Big Boss Mr. Ears, äußerlich an einen Bond-Bösewicht erinnernd, tritt jedoch viel zu selten in Erscheinung, um Eindruck hinterlassen zu können und ist darüber hinaus bei weitem nicht böse genug. Viel gemeiner sind seine Handlanger, die ungewohnt rabiat zur Sache gehen und auch nicht davor zurückschrecken, auf einen Hund zu schießen oder das Haus eines Einheimischen abzufackeln.
Der finale Fight ist etwas ganz Besonderes. Diesmal gibt's nämlich keine von den altbewährten Massenschlägereien, sondern einen Godzilla-ähnlichen Zweikampf zwischen den beiden Titanen Spencer und Hill. Als Vorbereitung dient eine mehrfache, an "Der unsichtbare Dritte" erinnernde Flugzeugattacke, bevor sich Salud und Plata schließlich gegenseitig verkloppen. Ich erinnere mich noch genau an meine Gedanken, als ich diese Prügelei als Kind gesehen habe. Es war quasi eine Bestätigung einer Vermutung, die ich schon immer hatte: Spencer und Hill sind unbesiegbare Kampfmaschinen, denen kein Böser etwas anhaben kann. Und wendet man sie gegeneinander, wird es unvermeidlich ein Unentschieden geben und die Klopperei wird andauern, bis die Endzeit anbricht. Natürlich bevorzugte und identifizierte man sich normalerweise mit einem der beiden Buddies, doch hätte man es den Machern nie verziehen, den einen dem anderen überlegen zu machen. Somit ist diese Prügelei alles andere als ein Eyecatcher, dafür aber mit einer speziellen Bedeutung im Hinterkopf versehen, welche die Unbesiegbarkeit von Spencer und Hill unter Beweis stellte.



Mit dem Flugzeugausflug des verrückten Einsiedlers wird zudem noch der Vergleich zwischen Urbanisierung und unberührter Natur thematisiert, sicherlich auch in Hinsicht auf die eigentliche Handlung, nämlich die Ausbeutung der Diamantenvorräte in dem südamerikanischen Dschungel. Gewertet wird dabei allerdings nicht, wenn überhaupt, dann nur für beide Seiten positiv. Zu Beginn schwärmt der Alte noch von seinem wunderschönen Berg, während Spencer die Augen verdreht und nach Essen schreit. Später jedoch gibt er auch seine Begeisterung für die Stadt preis, für ein Wunderwerk der Menschheit. Fasziniert schaut er im Flugzeug aus dem Fenster und staunt ob der neuen Perspektiven, die ihm das Erfindungsreichtum der Menschen beschert. Er ist voller Ehrfurcht einerseits vor der Moderne, andererseits vor der unberührten Schönheit der Natur. Beides wird gleichermaßen respektiert und damit für einen Mittelweg plädiert, der von den gierigen Diamantenschürfern, die für den radikalen Kapitalismus stehen, keineswegs verfolgt wird. Stattdessen verkörpern Spencer und Hill diesen Weg, indem sie sich zwar der Vorzüge der Technik bedienen, diese aber für das Gute einsetzen, was hier heißt, die Natur zu schützen, ebenso wie ihre Bewohner, was vor allem in einer Szene eindringlich klar gemacht wird, als Salud sich unter Lebensgefahr ins Flugzeug setzt und einen schwer Verletzten in die Stadt transportiert und ihm damit das Leben rettet.

"Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" ist einer der privilegierten Titel, die in der aufgearbeiteten Fassung von 3L vom ersten Augenblick an einen sehr guten Eindruck machen. Bei diesem Film überrascht wie schon bei Interner Link"Die rechte und die linke Hand des Teufels" die ausgesprochen frische Detaildarstellung, die kaum nachlässt. Diesmal ist auch das Rauschen nur schwach ausgeprägt und trotzdem wird eine außerordentlich gute Plastizität geboten, die auch Bewegungen standhält. Auch die Farben sehen nun relativ frisch aus, auch wenn das Bereich ist, in dem man noch am ehesten das Alter des Materials erkennt. Wenn allerdings die Wüstenlandschaft mit etwas ausbleichteren Tönungen gezeigt wird, ist das halb so schlimm. Da die DVD von einem durchgängigen Master erstellt wurde, gibt es zwischen Szenenabfolgen auch keine Schwankungen. Es ist lediglich schade, dass die manchmal ins Auge springenden, weißen Kratzer nicht komplett entfernt werden konnten.



Das eben angesprochene Master zeigt die internationale Fassung. Die weicht in einigen Szenen von der bekannteren deutschen Fassung ab. Das bemerkt man nicht nur am englischsprachigen Intro, das sonderbar oft die Rollennamen der beiden Hauptdarsteller einblendet, sondern auch während einiger nicht eingedeutschter Szenen, die in Englisch belassen werden mussten. Zumindest blenden sich hier deutsche Unterttitel ein, die es auch für den gesamten Film gibt. Außerdem wurde versucht, der etwas abgenutzten, also verhalten klingenden deutschen Synchro etwas mehr Qualität beizubringen, indem in einigen dialogfreien Szenen der etwas besser erhaltene Originalton eingeblendet wird oder sogar auf einwandfrei wiedergegebene Musik umgeschaltet wird. Beides bringt zwar einen etwas helleren Klang mit sich als es die brummige Synchro bietet, aber eine durchgängig "alte" Version wäre mir lieber. Auch fehlt es seltsamerweise am Originalton (bzw. der englischsprachigen Version).

Nachproduziertes Bonusmaterial enthält die DVD zwar nicht, dafür aber einen guten Querschnitt über die alten Werbematerialien. Zu denen gehört u.a. der damalige Kinotrailer, der durchaus etwas Besonderes ist. Dazu kommt der alte Vorspann, der nicht ganz so gut gelungene DVD-Trailer, ein paar Galerien und die Standard-Infos zu Spencer und Hill, die man bereits von anderen DVDs her kennen wird. Das Presseheft ist leider zu klein aufgelöst, um es wirklich lesen zu können.


"Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" ist die wohl ausgewogenste Geschichte, die jemals mit den Protagonisten Bud Spencer und Terence Hill erzählt wurde. Nichts kommt zu kurz, und ebenso wird nichts übertrieben. Zusätzlich begeistert die grüne Fauna, die dem Film ein absolut einzigartiges Flair verleiht.


Film: 5/6
Bild: 4.5/6
Ton: 2.5/6
Bild: 1.5/6



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