UK, USA 1981
Originaltitel:American Werewolf in London, An
Alternativtitel:American Werewolf, The
aka. Todesbestie, Die
aka. Loup-garou de Londres, Le
aka. Lupo mannaro americano a Londra, Un
aka. Hombre-lobo americano en Londres
Länge:91:17 Minuten (gekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:John Landis
Buch:John Landis
Kamera:Robert Paynter
Musik:Elmer Bernstein
SFX:Rick Baker, Effects Associates Ltd.
Darsteller:David Naughton, Jenny Agutter, Griffin Dunne, John Woodvine, Lila Kaye, Joe Belcher, David Schofield, Brian Glover, Rik Mayall, Anne-Marie Davies, Frank Oz, Don McKillop, Paul Kember, Colin Fernandes, Michele Brisigotti, Mark Fisher, Gordon Sterne, Mary Tempest, John Landis
Vertrieb:Universal
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Deu), Dolby Digital 5.1 (En)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Specials:
  • DigiPack in Schuber
  • 4seitiges Booklet
  • Audiokommentar
  • Behind The Scenes (5:15 Min.)
  • Outtakes (3:07 Min.)
  • Interview mit John Landis (18:19 Min.)
  • Interview mit Rick Baker (11:13 Min.)
  • Die technischen Effekte im Film (10:51 Min.)
  • Vergleich: Vom Storyboard zur filmischen Umsetzung (2:28 Min.)
  • Fotogalerie (3:44 Min.)

David und Jack sind zwei amerikanische Studenten, die auf ihrem Europatrip durch das englische Hochmoor trampen. Müde und durchfroren erreichen sie einen kleinen Pub, "The Slaughtered Lamb". Dass die Engländer ein wenig merkwürdig sind, haben die Beiden schon festgestellt, aber die Bevölkerung in dem kleinen Nest benimmt sich ausgesprochen sonderbar. Nachdem man ihnen reichlich widerwillig eine Tasse Tee serviert hat, machen David und Jack sich schnellstmöglich wieder auf - nicht ohne noch eine letzte eindringliche Warnung mit auf den Weg zu bekommen: "Bleibt auf der Straße und haltet Euch vom Moor fern!" und "Hütet Euch vor dem Mond". Was auch immer das bedeuten soll, bleibt das Geheimnis der Pubgäste.
Ein wenig verwundert, aber ansonsten unbeeindruckt setzen die Beiden ihren Weg durch die regnerische Nacht fort, kommen natürlich von der Straße ab, verirren sich im Moor - und werden prompt von einem Werwolf angefallen ...

- "Look at me, here I sit in a porno theatre in Piccadilly Circus talking to a corpse!?! I'm actually glad to see you, Jack!" (David Kessler)

Bereits die Eingangssequenz lässt keine Fragen offen - das ist ein Horrorfilm, wie er im Buche steht: Zwei Studenten, Vollmond, Nebelschwaden, ein dunkler Wald voller Morast begegnen uns hier, und meist ist das erst der Anfang. Denn für gewöhnlich wird in diesem typisierten Ambiente jetzt entweder ein geistesgestörter Meuchelmörder mit Hockeymaske, ein Kettensägen schwingender Kannibale - oder eben ein blutrünstiger Werwolf, wie ihn einst Lon Chaney verkörperte, sein Unwesen treiben. In diesem Falle kündigt der trügerische Schunkelsong "Blue Moon" letzteres an, und Regisseur John Landis (Interner Link"The Kentucky Fried Movie") ist mit großer Freude dabei, die Klischees des Genres vorzuführen, um sie entsprechend augenzwinkernd auch zu bedienen und mit Verweisen auf Interner Link"The Wolf Man" und Interner Link"The Werewolf in London" anzureichern.


Mit diesem erneut unernsten Genrebeitrag knüpft Landis an seinen knapp 10 Jahre zuvor inszenierten "Schlock" an, der ebenfalls gelungen archetypische Muster und Monster zu parodieren verstand. "American Werewolf" funktioniert ähnlich wie dieser kaum als Horrorfilm, ist als solcher auch nicht konstruiert, sondern vielmehr als bissige Gesellschaftssatire, die nur unfreiwillig zu einer Reanimation des Subgenres führte. Das ist vor allem darin erkennbar, wie inkonsequent der Film seine Werwolfsgeschichte aufzieht. Auch wenn er es vortäuscht - an der romantisch-tragischen Passion des Helden ist Landis ebenso wenig interessiert wie an der Herausarbeitung von Ambivalenzen, die den Mythos des Monsters ohnehin kaum kennzeichnen: Der Werwolf verendet entgegen den Regeln, die einzuhalten der Film ebenfalls nur flunkert, nicht durch Silberkugeln, sondern irgendwo im kühlen Stadtmilieu, umgeben von Blinklichtern, Neonreklamen und gaffenden Engländern, also im übertönten Kontrast zur eingangs entworfenen Bestätigung der Erwartungshaltung.


"American Werewolf" beschäftigt sich tatsächlich mehr mit der feinen Betrachtung und überspitzten Darstellung der Londoner Gepflogenheiten, als mit seinen Gruselzutaten. Im ebenso spektakulär wie übertrieben inszenierten Finale, das nicht zufällig Erinnerungen an "Blues Brothers" hervorruft, kristallisiert sich Landis' Absicht, zahlreiche Seitenhiebe auf sein britisches Umfeld loszulassen, besonders heraus. Denn inmitten eines schäbigen Pornokinos erregt das blutige Treiben Davids offenbar ähnlich wenig Interesse wie bei der gierigen Jagd rund um den Piccadilly Circus - was ist schon ein Werwolf mehr oder weniger im Groß der Penner, Punks und Skinheads, die sich im nächtlichen Underground Londons tummeln. Doch wenn der junge Mann eines Morgens im städtischen Zoo mit Adamskostüm erwacht, dann ist das Entsetzen kaum mehr zu halten: So etwas gehört sich nicht!


Der wahre Horror mit all seinen Klischees offenbart sich somit erst in Landis' Gesellschaftsbild: Spießige Mittelstandsbürger treffen auf verwahrloste Gestalten im Vereinten Königreich - ein Gegensatz zwischen Upper- und Lower Class im verregneten London, den selbst ein ruheloser Werwolf nicht zu durchbrechen im Stande ist. Dieser Pessimismus des Films ist eigentlich ernster Natur, bleibt aber wie in vielen anderen Arbeiten des Regisseurs nur ironisches Mittel zum Zweck, um sich genüsslich zu amüsieren. Folgerichtig tritt "American Werewolf" auch mit einem hemmungslos ausufernden Einsatz von Blut und detailliert ausgearbeiteten Mordsequenzen zu Tage. Die gelungenen und effektiv positionierten Spezialeffekte Rick Bakers waren im Übrigen auch der Grund, warum die Academy 1981 schließlich die Verleihkategorie Bestes Make-Up einführte und dem durch seine Arbeit am Remake von "King Kong" (1976) bekannt gewordenen Künstler den verdienten Oscar zusprach.


Im technischen Teil ist die Geburtstagsedition nicht so sehr das tolle Geschenk. Dabei ist es nicht grad so, dass man die DVD verbockt hätte, aber so richtig zufrieden bin ich damit bei Weitem nicht. Fangen wir mit den guten Aspekten an: Die Farben sind typisch für die 80er Jahre, aber trotzdem natürlich und sehr kräftig, so dass beispielsweise eine rote Jacke im verregneten Moor hervorragend heraussticht. Auch die Anzahl der Verschmutzungen fällt fast schon verschwindend gering aus. Dicke Abzüge gibt's dann bei der Nachbearbeitung des Rauschens: Die mitunter sehr intensive Partikelbewegung erinnert stellenweise an die unbehandelte Granularität von US-DVDs. Das stört nicht unbedingt, da diese Bildbewegung von der Kompression sauber aufgenommen wird, wenn es denn der Schärfe zugute kommt. Hier übertreibt man es doch sehr oft mit der Filterung, was zu einer geringen Plastizität des anamorphen Bildes führt, die nur in Ausnahmen angenehm ist. Selbst für einen 25 Jahre alten Film sind die im Detail verschwommenen Aufnahmen mit höchstens befriedigender Konturenzeichnung zu wenig. Dass es deutlich besser geht, zeigen einige Szenen, die eine deutlich höhere Schärfe besitzen. Somit nur 3 Punkte, auch wenn es nicht weit zum Nächsthöheren ist.


Schade, dass der deutsche Ton nicht auch eine Dolby Digital 5.1-Abmischung bekommen hat. In den Dialogen unterscheiden sich die beiden Fassungen nicht sonderlich; beide sind leicht angekratzt, dünn und verzerren im Hochtonbereich, aber die Surround-Zusätze machen den O-Ton doch zu etwas Besonderem. Zwar darf man dort des Alters wegens nur einen sehr frontlastigen, Center betonten Klang erwarten, aber ein paar Effekte sorgen für Aufruhr und noch mehr Spannung in den jeweiligen Szenen und die Musik wurde auch etwas umverteilt, um ein breiteres, fülligeres Klangspektrum zu erzeugen. Wie bereits erwähnt zeigt die deutsche Tonspur Alterserscheinungen, die sie etwas flach, manchmal auch etwas dumpf klingen lässt. Außerdem ist die Synchro an sich, welche mit spritzigen Dialogen belegt wurde, etwas vereinnahmend, so dass man im Englischen die natürlichen Hintergrundgeräusche etwas besser wahrnehmen kann. Wenn auch hierbei die Wertung knapp ausfällt, es sind nur 2 Punkte, für den englischen Ton gute 3.


Wer den Film mag, wird sich sicherlich den optional deutsch untertitelten Audiokommentar der beiden Hauptdarsteller David Naughton und Griffin Dunne nicht entgehen lassen, für mich waren die meisten interessanten Sachen aber schon im Booklet abgedruckt. Dort geht es besonders um die Produktionsumstände. Zum 20jährigen Jubiläum bekam der Film nicht nur ein sehr schickes, stabiles Digipack, welches in einem halb durchsichtigen PVC-Schuber untergebracht ist, sondern auch eine Menge Bonusmaterial mehr.
Den Beginn macht eine Making Of, gedacht als Teaser für die damalige Kinopremiere, bei dem man schon von einem Making Of sprechen kann, auch wenn alles etwas kurz gehalten wird. Danach sind verschiedene Outtakes zu sehen, leider allesamt ohne Ton. Hier werden u.a. Stuntarbeiten aus anderer Kameraperspektive präsentiert und zum Schluss hält Landis einen Vortrag (welchen, kann man leider nur raten), bevor seine Kulisse zusammenfällt und ein paar nette Details offenbart. Guter Gag! Als ziemlich unterhaltsam würde ich die zwei folgenden Interviews mit Landis und dem Effektspezialisten Rick Baker bezeichnen, die stellenweise von Filmszenen ergänzt werden. Von den Make-Up-Arbeiten ist sogar ein 10minütiger Mitschnitt aus der damaligen Zeit gerettet worden, der zeigt, wie ein Abdruck von David Naughtons Arm gegossen wird. Die letzten beiden Extras sind ein Vergleich zwischen Storyboard und der gefilmten Sequenz (rund um Piccadilly Circus) und eine Bildergalerie. Sämtliche Extras sind im englischen Original gehalten, können aber deutsch oder englisch untertitel werden.


Nun noch ein paar kurze Worte zu dieser Special Edition: Leider fehlt in dieser Fassung eine etwa 2minütige Handlungssequenz, aus welchen Gründen auch immer. Zwar mag der Film auch ohne diese funktionieren, es ist aber schade, dass diese mit aufwendiger Verpackung versehene Veröffentlichung nun doch nicht als komplett anzusehen ist.


Film: 4/6
Bild: 3/6
Ton: 2/6
Bild: 3/6



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