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UK 2008
Originaltitel:Disappeared, The
Länge:92:41 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Johnny Kevorkian
Buch:Johnny Kevorkian, Neil Murphy
Kamera:Diego Rodriguez
Musik:Ilan Eshkeri
SFX:Mary-Anne Waite
Darsteller:Harry Treadaway, Greg Wise, Alex Jennings, Tom Felton, Finlay Robertson, Nikki Amuka-Bird, Ros Leeming, Bronson Webb, Georgia Groome, Lewis Lemperuer Palmer, Jefferson Hall, Tyler Anthony
Vertrieb:Savoy Film / Sunfilm
Norm:PAL
Regionalcode:0
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1 (Dt.), Dolby Digital 2.0 Surround (Dt., Engl.)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase mit FSK-Wendecover
DVD-Start:20.11.2009 (Verleih) / 04.12.2009 (Kauf)
Specials:
  • Originaltrailer (2:23 Min.)
  • Trailershow:
    • 20 Years After (2:03 Min.)
    • Autumn of the Living Dead (1:40 Min.)
    • Dying God (1:45 Min.)
    • Emobodiment of Evil (1:23 Min.)
    • Freebird (1:37 Min.)
    • How to Be (1:51 Min.)
    • Plasterhead (1:03 Min.)
    • Russian Transporter (1:48 Min.)
    • Die Vollchaoten (1:36 Min.)
    • Bloodsport - The Red Canvas (2:25 Min.)
Seit dem unerklärlichen Verschwinden seines kleinen Bruders plagt sich Matt mit Schuldgefühlen herum. Die Polizei hat keine Spur, das Kind gilt offiziell als tot. Erschüttert hängt Matt seinen Erinnerungen nach – bis er die Stimme des Bruders auf Tonbändern zu hören glaubt. Nur Nachbarstochter Amy glaubt ihm, die anderen halten ihn für einen Spinner. Eine Hellseherin, die Matt in seiner Verzweiflung aufsucht, hat ihre eigene Theorie. Und warum verschwinden in der Nähe immer wieder Kinder? Wie auch die Schwester seines besten Freundes Simon?
In Form eines Sozialdramas kommen einem die üblichen Geisterkinder eigentlich weniger unter und insofern ist es gut, den Originaltitel nicht eingedeutscht zu haben. Denn als Übersetzung sind nicht nur "verschwunden" oder "untergetaucht" möglich, man könnte ja auch von mehreren Personen ausgehen, oder der sächlichen Form des "Verschwundenen". Die Spannung des Ungewissen kann der Streifen zwar nicht bis zum Ende aufrechterhalten, doch der Brite Johnny Kevorkian hinterlässt mit seinem Langzeitdebüt einen erstaunlich positiven Eindruck.



Angesiedelt ist das Geschehen im Südlondoner Bezirk, der sozial schwachen Gegend, in der Matthew (Harry Treadaway) und sein Vater Jake (Greg Wise) leben. Seit dem spurlosen Verschwinden des achtjährigen Bruders Tom vom nahe gelegenen Spielplatz befand sich Matthew in Therapie, doch kaum daheim wieder angekommen, hört er Toms flehende Stimme auf Bändern einer TV-Aufzeichnung. Doch niemandem kann sich Matt anvertrauen, selbst die schüchterne Nachbarin Amy will ihm nur bedingt helfen, bis ein weiteres Kind verschwindet ...

Fehlende Figurenzeichnungen sind seit jeher ein Manko typischer Geisterfilmchen, nur dass dieser nicht als typisch präsentiert wird und die Sache mit der Charakterisierung der Protagonisten ausgezeichnet verläuft. Matt ist ein Einzelgänger mit nur sehr wenigen Freunden, verschlossen, geplagt von Selbstzweifeln und einer brüchigen Verbindung zum Vater, der wiederum dem allabendlichen Alkohol verfällt und seinem Sohn gegenüber stark auf Distanz geht, gleichermaßen aber auch verunsichert ist, wie er auf ihn zugehen soll. Als Matt sich die Nachrichten vom Verschwinden seines Bruders noch einmal auf Video ansieht und an einer bestimmten Stelle Toms Stimme vernimmt, ruft er seinen Dad herbei, der daraufhin ein wenig ausrastet - schließlich ist nun Toms Stimme nicht mehr zu hören.

Eine ganze Weile wird diese latent bedrückende Stimmung kontinuierlich gesteigert und mit kleinen übersinnlichen Erscheinungen am Rande angereichert, mal in Form eines Gesichtes hinter dem Fenster oder als Spiegelbild im Schaufenster. Dabei kann man sich nie sicher sein, ob Matt das Trauma des Verschwindens immer noch nicht verarbeitet hat (zum dem Zeitpunkt kiffte er mit Freunden und ließ Tom unbeaufsichtigt auf dem Spielplatz) oder ob er einen Draht zur Zwischenwelt hat, der es ermöglicht, Signale aus jenem Reich wahrzunehmen.



Überaus gelungen ist bei alledem die Erzeugung einer tristen Stimmung, basierend auf einigen Blaufiltern und dem Setting der trostlosen Wohngegend, in der ein paar Jugendliche einfach mal so auf Matt einprügeln. Eine Gegend, in der man nicht wohnen möchte, in der sich die Kälte der schlichten Architektur auf seine Figuren überträgt und kaum jemand nahbar erscheint. Selbst Amy, die offensichtlich von ihrem Vater verprügelt wird, entzieht sich der etwas übereiligen Annäherung Matts und bleibt konsequent auf Distanz.

Schade, dass der Streifen diese Stimmung nicht über die volle Strecke halten kann und im letzten Drittel mit einer reichlich unglaubwürdigen Auflösung daherkommt, die gleichermaßen wie eine Entschuldigung ans Mainstream-Publikum anmutet. Denn hier wird die Spannungsschraube zwar merklich angehoben und es kommt mehr Bewegung ins Spiel, doch der Showdown erinnert in seiner Form zu sehr an typische Hollywood-Produktionen und bietet folgerichtig auch keine Überraschungen mehr.

Die sehr guten Darsteller können hingegen durch die Bank überzeugen. Allen voran ist Hauptdarsteller Harry Treadaway zu erwähnen, der die Rolle des Matt mit viel Charisma und feinen Nuancen ausstattet. Greg Wise als Vater hat zwar weniger zu tun, doch auch er weiß in bedeutenden Momenten sensibel zu agieren. In Nebenrollen sieht man noch Tom Felton, den man als Draco Malfoy in Interner Link"Harry Potter" kennt und Ros Leeming, die in der Rolle der Amy ein beeindruckendes Langfilm-Debüt gibt.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass "The Disappeared" stark auf seine Dramen-Anteile Rücksicht nimmt, seinen Figuren ein ordentliches Fundament verpasst und vor allem durch seine triste Stimmung punktet. Die wenigen Schreckmomente sind ordentlich integriert und auch wenn der Streifen im Kern eine wohl bekannte Prämisse ins Spiel bringt, so wird diese doch, bis auf das letzte Drittel, recht authentisch und ungeschönt in Szene gesetzt. Zudem herrscht eine dichte Stimmung, der man sich von Beginn an kaum entziehen kann - fernab jedes Hochglanz-Produkts aus Hollywood eine wunderbare Abwechslung.

Weiterhin ist es dem Bild zu verdanken, dass eine solch gelungene Stimmung eingefangen wird. Gerade den tristen und kalten Farbtönen ist es zu verdanken, dass neben dem Gruseleffekt auch der scheinbar aussichtlose soziale Brennpunkt gut zur Geltung kommt. So wird der psychische Aspekt - der verschwundene Bruder - gekonnt mit dem physischen Aspekt - die Gewalt in den Sozialbauten - verbunden. Die Schärfe erreicht zwar nur einen besseren Durchschnitt, da es dem Bild immer wieder an Details mangelt und auch der Rauschfaktor relativ hoch ist. Irgendwie will dies allerdings zum Gesamteindruck des Films passen, und könnte durchaus gewollt sein. Ein perfektes Bild würde bei der Kulisse nicht den gewünschten Effekt bringen und die aussichtlose Situation relativieren. Der Kontrast ist hingegen gut geworden und sorgt für Balance. Bildfehler sind nicht zu erkennen und auch die Kompression macht kaum von sich bemerkbar.
Der Ton liegt in Englisch in Stereo und in Deutsch als 2.0- und 5.1-Spur vor. Leider handelt es sich beim Surround-Mouds um einen Upmix, der dafür sorgt, dass die hinteren Effektlautsprecher nur die Frontkulisse spiegeln. Es ensteht ein unnatürlicher, sehr störender Hall. Freiwillig stellt man auf Stereo um, welches einen ordentlichen Eindruck hinterlässt. Die Dialoge werden sauber von der Front wiedergegeben und integrieren sich gut in den restlichen Mix, so dass keine Überlagerungen entstehen. Sogar einige Surroundeffekte sind zu vernehmen, wodurch ein atmosphärischer Raumklang in einigen Szenen geschaffen wird, wenn auch kein großes Spektakel erwartet werden darf. Zudem kommt der Score dynamisch rüber. Das englischsprachige Original ist fast identisch zu seinem deutschen Pendant, klingt allenfalls minimal dumpfer, dafür in den Dialogen natürlicher. Die Verständlichkeit ist in beiden Sprachfassungen aber sehr gut. Wer trotz passender deutscher Synchronisation lieber auf den Originalton ausweichen möchte, kann deutsche Untertitel hinzuschalten.
Der Schwachpunkt der DVD liegt im kaum vorhandenen Bonusmaterial, denn außer dem Originaltrailer sind keine filmspezifischen Extras vorzufinden. Das ist angesichts des tollen Films ein echtes Manko, da man gern mehr über die Idee hinter dem Film erfahren hätte, z.B. in Form von Interviews mit den Beteiligten.


Unterm Strich bleibt ein gelungener Mysterie-Thriller, der einige neue Ideen birgt und vom deutschen Rechteinhaber MIG auf einer ordentlich produzierten DVD veröffentlicht wurde. Daher darf "The Disappeared" uneingeschränkt empfohlen werden und sollte unbedingt in der dunklen, kalten Jahreszeit genossen werden, damit die unheimliche Stimmung auch vollkommen ins heimischen Wohnzimmer übertragen wird.


Film++++/-
Bild+++/--
Ton+++/--
Bonus/-----


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