Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
JP 2007
Originaltitel:Sukiyaki uesutan: Jango
Alternativtitel:Sukiyaki Western: Django
Länge:94:28 Minuten (gekürzt)
Freigabe:ab 18 Jahre
Regie:Takashi Miike
Buch:Takashi Miike, Masa Nakamura
Kamera:Toyomichi Kurita
Musik:Kôji Endô
SFX:JINNI's Animation Studios, OLM Digital, Viracocha
Darsteller:Hideaki Ito, Masanobu Ando, Koichi Sato, Kaori Momoi, Yusuke Iseya, Renji Ishibashi, Yoshino Kimura, Teruyuki Kagawa, Shun Oguri, Masato Sakai, Quentin Tarantino
Vertrieb:Universum
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:13.05.2009 (Verleih) / 12.06.2009 (Kauf)
Specials:
  • Trailershow:
    • Transporter 3 (1:53 Min.)
    • Transsiberian (1:26 Min.)
    • Crank 2 (2:04 Min.)
    • Eden Lake (1:51 Min.)
    • George A. Romero's Diary Of The Dead (1:38 Min.)
    • Princess (1:40 Min.)
    • Donkey Punch - Blutige See (1:55 Min.)
Im Zentrum der blutigen Geschichte steht der Konflikt zweier auf den Tod verfeindeter Clans. Genji - der weiße Clan, angeführt von Yoshitsune und der von Kiyomori geführte rote Clan - Heike - kämpfen unerbittlich um einen legendären Schatz, der in einem abgelegenen Bergdorf versteckt sein soll. Eines Tages verschlägt es einen namenlosen Fremden in die Einöde. Er ist innerlich eiskalt und emotional tot, aber mit einzigartigen Fähigkeiten an der Waffe gesegnet. Schon bald versuchen beide Clans, den Schützen auf ihre Seite zu ziehen und erkennen nicht, dass dieser für niemand anderen als für sich selbst arbeitet und sie gegeneinander ausspielt.
Takashi Miike gilt als Enfant Terrible des japanischen Kinos, seine entfesselten Bilderfluten brachten ihm weltweit eine große Fangemeinde ein. Über bloße Provokation ist der Japaner längst hinaus, bereits vielfach bewies er sein Gespür für expressive Bildkompositionen und gute Schauspielerführung. Mit "Sukiyaki Western Django" beweist Miike wieder seine scheinbare Experimentierfreudigkeit, indem er sich auf gänzlich neue Genrepfade bewegt - sein erster Western ist aber primär ein tarantinoeskes Zitatenspektakel ohne eigene Akzentuierung.



Leider nutzt sich das knallige Spektakel schnell ab, selbst die actionreichere zweite Hälfte kann den Unterhaltungswert kaum aufrechterhalten. Der Film versteht sich selbst als augenzwinkernde Hommage, verliert sich aber in seiner Zitierwut und kommt über bloßes Fanboy-Kino niemals hinaus. Der einzig subversive Ansatz, der gelingt, ist rein formeller Natur: Miike lässt seine overactenden Darsteller ein gebrochenes Englisch sprechen - ein stilistischer Kunstgriff, der geschickt die historische Verfremdung europäischer Western aufs Korn nimmt. Darüber hinaus entwickelt der Film leider keinerlei satirische Spitzen sondern setzt auf skurrilen Humor, der in seiner schrillen Art zwar konträr zum eigentlich eher ruhigen Genre steht, in seiner Penetranz aber schnell am Nervenkostüm zerrt. Alles an dieser schnell geschnittenen Achterbahnfahrt durch amerikanische Mythen ist auf kultig und modern getrimmt, was den Film durchschaubar und einseitig macht.

Als Gaststar konnte Miike Quentin Tarantino gewinnen, also das stilistische Vorbild direkt vor die Kamera zerren um ihn dort in einer redundanten Rolle dahinschimmeln lässt. Nicht, dass am Schauspieler Tarantino dem Film etwas verloren gegangen ist, dennoch wirkt er wie reingezwängt in das fragwürdige, wenn auch durchaus interessante Konzept. Ein wenig zu aufgeblasen zelebriert Tarantino seine eigene Coolness, ohne dafür, ähnlich wie zum Beispiel in seinem Interner Link"Desperado"-Cameo, ironisch "abgestraft" zu werden.

Die schießwütige Gewaltorgie, die wie ein bunter Comic-Strip inszeniert ist, richtet sich ganz nach ihrer Ästhetik aus, ohne wirklich eine Geschichte erzählen zu wollen. Leider vergisst auch das Drehbuch seine Figuren, die ohnehin nur schemenhafte Karikaturen ohne Gefühlsleben sind, was bezeichnend ist für die künstlerische Stagnation des Regisseurs. Auch wenn er neue Genres abgrast und seine Filme betont skurril in Szene setzt, so bleibt doch ein wirklicher Schritt nach vorne aus. Viel zu sehr klammert sich Miike an seinen etablierten Stil und bedient im Endeffekt damit nur die Erwartung an ihn. So und nicht anders hat man sich einen Django-Film aus seiner Hand vorgestellt und genau das Erwartete bekommt man nun serviert. Schmeckt nur mittlerweile etwas abgestanden und gewöhnlich.



Das gleiche Gefühl von Beliebigkeit beschleicht den Zuschauer bei einer Betrachtung der musikalischen Untermalung - auch hier wird freudig zitiert, vor allem natürlich Morricone. Koji Endo, mehrfacher Komponist für Takashi Miike, bringt atmosphärische Klänge zustande, die aber keinerlei Eigenständigkeit besitzen und sich nicht gerade durch eingängige Melodiebögen auszeichnen. Wettgemacht wird diese Unzulänglichkeit aber mit einer herrlich schrägen Verbeugung vor dem Titellied zum Interner LinkOriginalfilm von Corbucci. Auch der brillante Schlussgag, der in Form einer Texttafel erfolgt, zieht den Karren noch ein wenig aus dem Schlamm.

Mit diesem Schlusswort schafft es Miike eine zugleich hämische wie auch respektvolle Brücke zu schlagen zwischen der japanischen und der italienischen Filmkultur und verweist nicht ohne Stolz auf das Land, das Leone und Corbucci die entscheidenden Inspirationsfilme geliefert hat - Japan. Auch wenn es eigentlich zu wenig ist um die vorigen Defizite vergessen zu machen, so lohnt sich doch alleine schon wegen der angesprochenen Auflösung, sich "Sukiyaki Western Django" anzutun.

Takashi Miike-Filme sind stets Independent-Produktionen, die mit vergleichsweise geringen Kosten gedreht wurden und dementsprechend selten sonderlich hohe Bildqualität besaßen. Diese Produktion war mit 3,8 Millionen US-Dollar vergleichsweise gut finanziert, was sich auch in einem hervorragenden Bild widerspiegelt. "Sukiyaki Western Django" wartet mit einer tollen Farbgestaltung auf, die natürlich auch durch die Farben der beiden verfeindeten Seiten zustandekommt: der roten Heike und der weißen Genji. Dementsprechend wurden besonders diese beiden Farben herausgearbeitet und mit einem prächtigen Kontrast versehen. Dazu kommt manchmal ein goldgelber Anstrich, der die stark gesättigten Western-Farben aber nicht übertönt, sondern hervorragend mit diesen harmoniert. Ein Pluspunkt ist auch die durchweg hervorragende Schärfe und hohe Plastizität, die im Stande ist die Spuren im Matsch oder ein Kornfeld ohne einen Detailverlust wiederzugeben. Selbst bei der schwierigen Endsequenz mit dem dichten Schneefall kommt die Kompression nicht außer Atem. Übertrieben wurde der Detailgrad glücklicherweise nicht, denn zuviel Moderne könnte einem Film, der das klassische Genre aufnimmt, vielleicht sogar schaden.



Die Vertonung des Filmes offenbart eine ganz besondere Spezialität: Offensichtlich wurden bereits beim Dreh alle Dialoge englisch eingesprochen - auch von den japanischen Darstellern. Das macht die englische Tonspur nicht gerade leicht verständlich, aber umso interessanter. Besonders der längere Monolog von Tarantino zu Beginn, in der er japanischen Akzent annimmt, verliert in der deutschen Fassung etwas an Atmosphäre. Deutsche Untertitel helfen bei der Übersetzung. Der Klang ist sehr weiträumig und über die gesamte Spielzeit hinweg angenehm klar. Leise Dialogsequenzen wechseln sich mit lautstarken Action-Szenen ab (z.B. der Überfall auf den Treck), was eine kinoreife Dynamik erzeugt. Die Surround-Boxen sind zwar nicht im Dauereinsatz, das muss aber auch nicht sein, denn sie können dadurch wenige Geräusche wie Sturmwirbel besser hervorheben. Spätestens im Showdown bekommt man dann sehr häufig die Wuchtigkeit des Tons zu spüren, wenn Häuser explodieren, die Schusswaffen großvolumig durch alle Boxen tönen und die Kugeln in allen Ecken des Raumes von Gegenständen abprallen. Dort überzeugt mich dann auch der tolle Surround-Einsatz.

Die deutsche DVD des Films ist zwar technisch einwandfrei und besitzt ein tolles Menu, dahinter verbirgt sich aber kaum etwas: Die Trailershow ist auch schon alles, was diese DVD zu bieten hat. Das ist natürlich etwas wenig im Vergleich zum fast schon luxuriös ausgestatteten 3er-DVD-Set, das es im Heimatland des Filmes zu kaufen gibt. Außerdem muss die westliche Welt mal wieder mit einer besonderen Schnittfassung leben. Die ist laut Schnittberichte.com nicht unbedingt schlechter, aber ich frage mich trotzdem, warum es nicht möglich ist, auch die japanische Version im Rest der Welt zu zeigen.


Film+++---
Bild+++++-
Ton+++++-
Bonus/-----


Druckbare Version
IMDb.com OFDb.de



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.