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FR, IT 1960
Originaltitel:Yeux sans visage, Les
Alternativtitel:Schreckenshaus des Dr. Rasanoff, Das
aka. Eyes Without a Face
aka. Horror Chamber of Dr. Faustus, The
aka. House of Dr. Rasanoff
aka. Occhi senza volto
aka. Schreckenshaus des Dr. Génessier, Das
Länge:85:10 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Georges Franju
Buch:Pierre Boileau, Thomas Narcejac
Kamera:Eugen Schüfftan
Musik:Maurice Jarre
SFX:Charles-Henri Assola
Darsteller:Pierre Brasseur, Edith Scob, Alida Valli, François Guérin, Alexandre Rignault, Béatrice Altariba, Juliette Mayniel, Charles Blavette, Claude Brasseur, Michel Etcheverry, Yvette Etiévant, René Génin
Vertrieb:Concorde
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,66:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 1.0
Sprache:Deutsch, Französich
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:08.10.2009 (Kauf)
Specials:
  • Gekürzte Deutsche Kinofassung (81:15 Min.)
  • Deutscher DVD-Trailer (1:33 Min.)
  • Die kränkelnde Blume des George Franju (46:19 Min.)
  • Programmvorschau:
    • Die Bela Lugosi & Boris Karloff Edition (0:34 Min.)
    • Die Teuflischen (2:45 Min.)
    • Die Francis Truffaut Collections (1:26 Min.)
  • DVD-ROM-Teil
In einem Fluss wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Das Besondere daran ist, dass es so aussieht, als ob ihr Gesicht vollständig fehlt. Der Arzt Dr. Genessier identifiziert die Leiche als seine schon seit Tagen vermisste Tochter. In Wirklichkeit aber lebt seine Tochter Christiane noch, nur ist ihr Gesicht seit einem Unfall fürchterlich entstellt. Mit einer Transplantation des Gesichtes einer anderen Frau versucht Genessier das Aussehen seiner Tochter wieder herzustellen. Leider war dies bisher nicht von Erfolg gekrönt. Christiane muss immer mit einer Maske umherwandern und darf auch keinen Kontakt nach außen haben. Als Genessier eine weitere Frau entführen lässt und operiert, scheint Christiane endlich wieder ein normales Leben führen zu dürfen. Aber mit der Zeit verstößt ihr Organismus das Gewebe und die Polizeit kommt langsam auf die Spuren des Doktors ...
Das klassische Frankenstein-Thema ist ein oft gebrauchtes Grundgerüst im Bereich des Horrorfilms. 1957 wurde es in einer seiner wohl besten Formen von den britischen Hammer Studios auf die Leinwand gebannt. Die Story fasziniert, weil sie zugleich Mitleid und Abscheu, Verständnis und Ablehnung beim Zuseher bzw. Leser provoziert. Ein Film der sich ebenfalls in Grundzügen dieser universellen Grundidee bedient, aber bis heute nur einem kleinen Kreis, zumeist filmhistorisch Interessierter wirklich geläufig ist, ist der französische Film "Augen ohne Gesicht". Er entstand nur 2 Jahre nach der viktorianischen Hammer-Variante, beschreitet einen sehr viel realistischeren Weg und gleitet dabei doch immer wieder in großartigen Bildern aus der Realität hinaus, was ihn zu einem schon fast traumähnlichen Gebilde werden lässt.


Die Geschichte bietet nicht viel Neues, verpackt das Bekannte aber geschickt in eine Story, die den Zuschauer gefangen nimmt. Dr. Genessier, ein anerkannter Pariser Schönheitschirurg ist der tragische Mittelpunkt in dieser Geschichte. Seine Tochter, einst eine wunderschöne junge Frau, ist entstellt, ihr Gesicht kaum mehr als eine Furcht einflößende Fratze. Schuld daran ist ihr Vater, er fuhr das Auto an dem Abend als es zu einem folgenschweren Unfall kam. Seither ist er besessen davon mit Hilfe der Chirugie seiner Tochter ihre Schönheit wiederzugeben. Dabei geht er bis ans Außerste. Er entführt junge Frauen und versucht ihre Gesichtshaut seiner Tochter zu transplantieren. Doch seine Experimente schlagen immer wieder fehl.


Regisseur Georges Franju hat mit "Augen ohne Gesicht" einen zeitlosen Klassiker geschaffen. Der Film ist inszenatorisch tief verwurzelt in der Stummfilmära, denn immer wieder kommt er minutenlang ohne Dialoge aus, wird einzig von der eindringlichen Musik von Maurice Jarre getragen. Viele Worte sind aber auch nicht nötig, denn der Film erzählt seine Geschichte in der klassischsten Form, mehr oder weniger einzig über die Bilder. Es sind Szenen, die sich einem einprägen, in denen Georges Franju zeigt, wozu ein Horrorfilm in der Lage ist. Perfekt wird dies verdeutlicht in der ersten Szene, in der wir Christine, die Tochter des Arztes, sehen. Wir wissen nur, dass sie entstellt ist, ihr Gesicht komplett zerstört ist. So sind es dann die zwei typischen Gedanken, die einem durch den Kopf gehen: zum einen natürlich, will man sehen wie Christine aussieht, zum anderen ist da die "Angst" vor dem, was einen erwartet. Und genau das hat auch Franju erkannt. Somit gelingt es ihm auf grandiose Weise, den Zuschauer immer wieder auf die Folter zu spannen, immer wieder positioniert er die Kamera so, dass wir das Gesicht nicht zu sehen bekommen. Erst als Christine ihre weiße Plastikmaske aufsetzt, sehen wir sie auch von vorn, sehen in das weiße, ausdruckslose Gesicht einer Maske.


Der Film bewegt auf vielen Ebenen. Zum einen ist da natürlich die Geschichte an sich, die voller Tragik ist. Der Vater der seine geliebte Tochter entstellt hat, sie für immer aus dem Leben gerissen hat, und nun alles versucht, um seinen Fehler wieder zu bereinigen, dabei aber immer wieder aufs Neue scheitert. Genauso versinnbildlicht der Film aber auch den Verlust des Vaters. Auch er hat sein "Gesicht" verloren, scheitert immer wieder an der Medizin, fürchtet um seine Reputation, benutzt letztlich auch das Unglück seiner Tochter, um sich selbst sein Gesicht zu bewahren.
Dabei schwebt die Figur der Christine wie ein Schicksalsengel über der Geschichte. Durch ihre weißen, weiten Gewänder und ihre ausdruckslose Mine, verliehen durch die Maske, wirkt sie wie ein Geist, wie ein Schatten, der ruhelos durch das Gefängnis wandert, zu dem ihr Zuhause geworden ist. Letztlich ist sie aber doch das Lebendigste in diesem Haus: Sie ist es, die den Versuchen und Methoden ihres Vaters auf die Spur kommt, die liebevoll mit den Hunden umgeht, die ihr Vater für seine Transplantationsversuche gefangen hält, welche letztlich zu seinem Schicksal werden. Sie ergibt sich in ihre Aufgabe, ist zugleich voller Verzweiflung, ruft immer wieder die Telefonnummer ihres Verlobten an, der sie für tot hält, nur um seine Stimme zu hören, und ist sich doch zugleich bewusst, dass sie nicht mehr als ein Versuchsobjekt ist. Sie wird am Ende frei sein (auch wenn sie nie eine Gefangene war), wird aber auf immer entstellt sein. Ihre Emotionen werden sich weiter hinter einer weißen, nichtssagenden Maske verbergen.


All dieses (und noch etliches mehr) verpackt Franju in düstere, schwarzweiße Bilder. Selbst die Bilder strahlen hier keine Hoffnung aus, wirken bereits tot. Die Kamera fängt die Protagonisten und ihre Geschichte immer wieder in weitläufigen Fahrten ein, wirkt dabei aber trotzdem statisch, verliert sich nie in Hektik und auch die Schnitte wirken wohl platziert.
Trotz des fehlenden Tempos weist der Film keinerlei Längen auf. Die Story fesselt von der ersten Minute an, hat ihre einzige Schwäche in der Einführung der Polizei, baut diesen Punkt aber nicht zu sehr aus und konzentriert sich wieder auf das Wesentliche, das Drama, das hinter allem steht. Dabei geht die Spannung nie verloren, denn bis zum Ende bleibt der Ausgang des Films ungewiss, wirkt dann aber doch in gewisser Weise befriedigend und lässt den Zuschauer mit einem Gefühl der geübten Gerechtigkeit zurück, auch wenn ich es keineswegs als klassisches Happy End bezeichnen würde.


Der Film steht in dem Ruf, als einer der ersten in Richtung des späteren Gore-Horros zu tendieren. Letztlich ist diese Aussage dann aber doch weit verfehlt. Zum einen, weil die wenigen Szenen, die zur Zeit der Entstehung des Films wirklich schockiert haben dürften, keineswegs selbstzweckhaft eingesetzt werden, und zum anderen, weil sie einfach in ihrer Art der Ausführung zu eindeutig zu identifizieren sind. So ist es dann auch eher das Gefühl der puren Ungerechtigkeit, die einem bei der explizit gezeigten Gesichtshautentfernung mitreißen, als der leicht als Trick zu erkennende Einsatz von Kunstblut. Die Effekte sind trotzdem, auch in Anbetracht des Alters des Films, sehr gut gelungen und wirken durchdacht eingesetzt. So gelingt es zum Beispiel durch den simplen Überblendtrick bei der Abstoßung der Gesichtshaut durch Christines Körper etwas schon fast Lehrfilmhaftes einzuführen, das zugleich auch die Sichtweise des Arztes auf seine Patientin noch mehr hervorhebt.


Getragen wird der Film letztlich von den Leistungen seiner Darsteller. Herausragend ist sicherlich Pierre Brasseur als Doctor Génessier. Er spielt den Arzt als Mischung aus Skrupellosigkeit, klassischer Mad Scientist-Figur und verzweifeltem und zerrissenem Vater, der voller Schuldgefühle ist. Dabei hat man als Zuschauer aber immer den Eindruck, als ob der latente Wahnsinn und die Besessenheit von Minute zu Minute mehr durch die hauchdünne Oberfläche scheinen. Ganz große Leistung. Ähnliches gilt für Edith Scob, die ihrer Figur trotz der Maske, die sie in einem Großteil des Films trägt, immer genügend Aussagekraft vermittelt, um die fehlenden Emotionen im Gesicht durch Körpersprache und Haltung zu versinnbildlichen. Auch hier sind wieder die Anleihen an den Stummfilm vorhanden, denn vieles, was Christine an Gefühlen durchlebt, wird durch die leichte Übertreibung in der Gestik transportiert, die so typisch ist für die Zeit vor dem Tonfilm.


"Augen ohne Gesicht" ist ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnlicher Film. Er kann nicht nur mit den ersten dezenten Ausflügen in das spätere Exploitationgenre aufwarten, er ist vor allem ein stilbildendes Stück Filmgeschichte. Dass er dabei auch noch durch nahezu perfekte Spannung, eine packende Story, erstklassige Darsteller und eine begeisternde Optik überzeugt, macht ihn nur umso wertvoller. Der Film ist die endgültige Abkehr vom Charme der klassischen Horrorfilme, er zeigte zum ersten Mal, einen neuen Weg auf, den das Genre beschreiten kann, und in den folgenden Jahrzehnten auch immer wieder beschritten hat. Außerdem ist er realistisch, ist bedrückend und bezieht seinen Horror nicht aus einer durchweg bösen Kreatur. Es wird gezeigt, dass das Böse der Mensch selber ist, und dass auch das Böse hinterfragt werden kann und erst durch diese Hinterfragung letztlich seine ganze dämonische Präsenz bekommt. Dazu bedarf es keines Wolfmanns oder Dracula, dazu bedarf es nur eines Meisterwerks wie "Augen ohne Gesicht".


Concorde veröffentlicht "Augen ohne Angst" gleich in zwei Schnittfassungen auf der hier vorliegenden DVD: als gekürzte Kinofassung mit deutschem Ton und als ungekürzte Version, bei dem die damals geschnittenen Szenen in französischer Sprache mit deutschen Untertiteln vorliegen. Zudem ließ man das Bild komplett restaurieren, was dem Schwarzweiß-Film zugute kommt.
Zuerst fällt der sehr ruhige Bildstand auf. Es gibt auch keinen Schmutz, keine Bildstörungen oder Defekte. Hinzu kommt der hervorragende Kontrastwert, der einen ausgezeichnete Balance zwischen hellen und dunklen Flächen erzeugt und keine Details missen lässt. Auch das Schärfeverhalten ist bei diesem knapp 50 Jahre alten Film vorbildlich und braucht sich nicht hinter aktuelleren Produktionen verstecken. Der Transfer zeigt sich äußerst knackig und offenbart viele Details. Selbst in Totalen wird das Bild niemals unscharf oder weich. Lediglich auf großen Betrachtungsflächen wie einer Leinwand offenbart sich das Alter des Filmes. Der Film sieht jedoch immer noch fantastisch aus. Falls man dennoch etwas bemängeln möchte, dann vielleicht die minimalen Unruhen auf homogenen Flächen. Ansonsten ein toller Transfer mit einer sauber arbeitenden Kompression.
Der deutsche Monoton besitzt eine gute Stimmwiedergabe mit leichten Verzerrungen im Hochtonbereich. Dies beeinträchtigt die Verständlichkeit jedoch zu keinem Zeitpunkt. Lediglich das nahezu ständig hörbare Rauschen und Knistern im Hintergrund trübt die Qualität, sollte Nostalgikern den Spaß am Film aber nicht nehmen. Die französischsprachige Originalversion enthält kein Rauschen oder andere Störungen, klingt ebenfalls sehr verständlich und deutlich frischer als die deutsche Synchronisation. Leichtere Verzerrungen fallen kaum auf und Nebengeräusche sowie Musik klingen klarer und kräftiger. Beide Tonspuren klingen zum Glück weder blechern noch dumpf. Optional gibt es deutsche Untertitel.
Als Bonus gibt es neben einen deutschen Werbetrailer und einer Trailershow weiterer Concorde-Titel noch ein 49minütige Dokumentation mit dem Titel "Die kränkelnde Blume des Georges Franju", welche komplett deutsch untertitelt wurde. Diese lässt Freunde des Regisseurs, Darsteller, Kritiker und Filmemacher zu Wort kommen, welche die Karriere von Georges Franju Revue passieren lassen. Sie sprechen über seine ersten Filmangeboten, über seine eigene Art des Filme zu machen und natürlich überwiegend über die Entstehung von "Augen ohne Angst".
Eine tolle Dokumentation, sowie eine sehr gute Veröffentlichung eines knapp 50 Jahre alten Klassikers, der mit dieser Edition erstmalig offiziell und ungekürzt in Deutschland auf DVD erscheint.


Film++++++
Bild+++++-
Ton++----
Bonus+++---


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