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USA 1995-1996
Originaltitel:Simpsons, The
Alternativtitel:Simpsons, Los
aka. Simpsonovi
Länge:549:11 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Wes Archer, Susie Dietter, Wesley Archer, Mark Kirkland, Bob Anderson, David Mirkin, Jim Reardon, David Silverman, Dominic Polcino, Steven Dean Moore, Mike B. Anderson, Swinton O. Scott III, Jeffrey Lynch
Buch:Matt Groening, James L. Brooks, Sam Simon, Bill Oakley, Josh Weinstein, John Swartzwelder, Jon Vitti, Greg Daniels, David S. Cohen, Steve Tompkins, Dan Greaney, Richard Appel, Spike Feresten, Mike Scully, Ken Feeler, Jennifer Crittenden, Bob Kushell u.a.
Musik:Danny Elfman, Alf Clausen
Darsteller:(Sprecher) Dan Castellaneta, Julie Kavner, Nancy Cartwright, Yeardley Smith, Hank Azaria, Harry Shearer, Tito Puente, Phil Hartman, Mickey Rooney, Pamela Hayden, Doris Grau, Maggie Roswell, Russi Taylor, Tress MacNeille, Marcia Wallace, Linda McCartney, Paul McCartney, Paul Anka, Glenn Close, Harry Morgan, Kelsey Grammer, R. Lee Ermey, Buzz Aldrin, Lawrence Tierney, Tom Kite, Bob Newhart, Donald Sutherland, Kirk Douglas, Jeff Goldblum, Jim Lau, Joe Mantegna, Billy Corgan, Christina Ricci
Vertrieb:20th Century Fox
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,33:1 (Vollbild)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:DigiPack
DVD-Start:04.05.2006 (Kauf)
Specials:
  • 32seitiges Booklet
DVD 1:
  • Audiokommentar zu allen Episoden
  • Eine Einladung von Matt Groening (1:52 Min.)
  • Nicht verwendete Szenen zu "Wer erschoß Mr. Burns - Teil 2"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Bart verkauft seine Seele"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Lisa als Vegetarierin"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Die Panik-Amok-Horror-Show"
  • Homer in der dritten Dimension (6:13 Min.)
  • Paul und Lindas Linsensuppe (0:41 Min.)
  • Animationsschaufenster (6:49 Min.)
DVD 2:
  • Audiokommentar zu allen Episoden
  • Nicht verwendete Szenen zu "Der behinderte Homer"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Wer ist Mona Simpson?"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Homers Bowling-Mannschaft"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Die bösen Nachbarn"
DVD 3:
  • Audiokommentar zu allen Episoden
  • Nicht verwendete Szenen zu "Eine Klasse für sich"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Bart ist an allem schuld"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Das geheime Bekenntnis"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Butler bei Burns"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Wer erfand Itchy & Scratchy"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Selma heiratet Hollywood-Star"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Die Reise nach Knoxville"
  • Ein kleiner Beitrag der Animatoren zu "Wer erfand Itchy & Scratchy" (14:31 Min.)
DVD 4:
  • Audiokommentar zu allen Episoden
  • Nicht verwendete Szenen zu "22 Kurzfilme über Springfield"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Volksabstimmung in Springfield"
  • Nicht verwendete Szenen zu "Ein Sommer für Lisa"
  • Alle nicht verwendeten Szenen mit optionalem Audiokommentar (18:21 Min.)
  • Simpsons international "22 Kurzfilme über Springfield":
    • Italienisch
    • Japanisch
    • Portugiesisch
  • Kunst und Animation:
    • Animationsschaufenster (7:28 Min.)
    • Ein kleiner Beitrag der Animatoren zu "Ein Sommer für Lisa" (9:37 Min.)
    • Originalskizzen (10 Bilder)
1. Wer erschoss Mr. Burns? - Teil 2 / Who Shot Mr. Burns? (Part 2) (22:24 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 04.11.1996
US-Erstausstrahlung: 17.09.1995


Die Polizei sucht fieberhaft nach dem Mann, der Mr. Burns niederschoss. Ein DNA-Test bringt Licht in den mysteriösen Fall und macht Homer zum Hauptverdächtigen. Nun heißt es handeln!


2. Filmstar wider Willen / Radioactive Man (21:57 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 05.11.1996
US-Erstausstrahlung: 24.09.1995


Springfield wird zum Zentrum der Filmindustrie, denn "Radioactive Man" soll hier verfilmt werden. Als die Rolle des Helden "Fallout Boy" besetzt werden soll, ist Bart Feuer und Flamme, doch leider fällt die Wahl auf Milhouse.


3. Bei Simpsons stimmt was nicht! / Home Sweet Homediddly-Dum-Doodily (21:56 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 06.11.1996
US-Erstausstrahlung: 01.10.1995


Eine Reihe unliebsamer Vorfälle veranlasst das Jugendamt dazu, das Sorgerecht für die Simpsons-Kinder an die Flanders zu übertragen. Als Ned mitbekommt, dass seine Schützlinge nicht getauft sind, plant er das Unglaubliche: eine Taufe!


4. Bart verkauft seine Seele / Bart Sells His Soul (21:52 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 07.11.1996
US-Erstausstrahlung: 08.10.1995


Bart verkauft seine Seele für fünf Dollar an Milhouse und glaubt damit ein super Geschäft gemacht zu haben. Leider hat die Aktion ungeahnte Konsequenzen und so setzt Bart alles daran, seine Seele zurückzukaufen. So ein Seelenrückkauf hat natürlich ihren Preis!


5. Lisa als Vegetarierin / Lisa the Vegetarian (21:56 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 08.11.1996
US-Erstausstrahlung: 15.10.1995


Ein Besuch im Streichelzoo lässt Lisa zur Vegetarierin werden. Leider wird ihr Engagement von der Familie nicht wirklich gewürdigt, also verlässt sie den ignoranten Clan und schließt sich den Gleichgesinnten Apu und Paul & Linda McCartney an.


6. Die Panik-Amok-Horror-Show / Treehouse of Horror VI (21:54 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 27.12.1999
US-Erstausstrahlung: 29.10.1995


Gigantische Werbeplakate attackieren Springfield, Hausmeister Willie terrorisiert Schulkinder in ihren Träumen und Homer landet in der dritten Dimension - in diesem coolen Halloween-Special jagt ein Alptraum den nächsten!


7. Der behinderte Homer / King-Size Homer (21:55 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 11.11.1996
US-Erstausstrahlung: 05.11.1995


Homer ist begeistert, als er mitbekommt, dass fette Mitarbeiter nach den neuen Firmenstatuten von zu Hause arbeiten dürfen. Natürlich bringt er vollen Einsatz, um sich die nötigen Pfunde anzufressen - leider hat sein neues Kampfgewicht nicht nur Vorteile.


8. Wer ist Mona Simpson? / Mother Simpson (21:54 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 12.11.1996
US-Erstausstrahlung: 19.11.1995


Homers Mutter, die ihn als Kind verließ, kehrt unverhofft in den Schoß der Familie zurück. Die Gute hat jedoch eine ziemlich turbulente Vergangenheit, denn in den 60ern gehörte sie einer radikalen Hippie-Gruppe an, die Mr. Burns' biologisches Waffensystem zerstörte. Auch wenn es lange her ist, das FBI interessiert sich immer noch dafür!


9. Tingeltangel-Bobs Rache / Sideshow Bob's Last Gleaming (21:54 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 13.11.1996
US-Erstausstrahlung: 26.11.1995


Tingeltangel-Bob, die Familienplage der Simpsons, kehrt zurück und bedroht Springfield und den Sender mit einer Atombombe. Auch Krusty steht auf Bobs Abschussliste. Als er jedoch versucht, ihn mit einem alten Flugzeug zu vernichten, ist das mal wieder ein Schuss in den Ofen!


10. Die 138. Episode, eine Sondervorstellung / The Simpsons 138th Episode Spectacular (21:53 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 27.10.1997
US-Erstausstrahlung: 03.12.1995


Moderator Troy McClure stellt in einem Rückblick bisher nie gezeigte Simpsons-Szenen und -Outtakes vor. Troy beantwortet außerdem Zuschauermails und präsentiert alternative Enden für den Cliffhanger "Wer erschoss Mr. Burns?"


11. Das schwarze Schaf / Marge Be Not Proud (21:55 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 14.11.1996
US-Erstausstrahlung: 17.12.1995


Als sich die Simpsons im Einkaufszentrum für ihr Weihnachtsfamilienfoto ablichten lassen, stellt sich raus, dass Bart ausgerechnet hier beim Diebstahl erwischt wurde. Marge ist total enttäuscht und Bart muss sich anstrengen, um das wieder auszubügeln.


12. Homers Bowlingmannschaft / Team Homer (22:36 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 15.11.1996
US-Erstausstrahlung: 07.01.1996


Homer gründet eine Bowling-Mannschaft und lässt sich von Mr. Burns das nötige Kleingeld zuschießen. Natürlich will der Hauptsponsor dann auch ins Team. Zwischenzeitlich sorgt Barts freches T-Shirt dafür, dass Rektor Skinner die Schuluniform einführt.


13. Die bösen Nachbarn / Two Bad Neighbors (21:53 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 18.11.1996
US-Erstausstrahlung: 14.01.1996


Kein geringerer als Ex-Präsident George H.W. Bush zieht gegenüber von den Simpsons ein. Homer ist total genervt wegen des neuen Nachbarn und reagiert ziemlich elektrisch, als Bush seinem Bart eine Tracht Prügel verpasst. Danach ist Schluss mit Lustig!.


14. Eine Klasse für sich / Scenes From The Class Struggle In Springfield (21:56 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 19.11.1996
US-Erstausstrahlung: 04.02.1996


Als sich die Simpsons unter die High Society von Springfield mischen, springt dabei nicht nur eine Einladung in den Country Club raus, sondern auch ein Haufen kostspieliger Probleme.


15. Bart ist an allem schuld / Bart The Fink (21:56 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 20.11.1996
US-Erstausstrahlung: 11.02.1996


Barts vehementer Versuch, ein Autogramm von Clown Krusty zu bekommen, hetzt seinem Idol die Steuerfahndung auf den Hals. Um dem Fiskus zu entgehen, inszeniert Krusty seinen eigenen Tod, dabei hat er natürlich die Rechnung ohne seinen Fan Bart gemacht.


16. Das geheime Bekenntnis / Lisa The Iconoclast (21:57 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 21.11.1996
US-Erstausstrahlung: 18.02.1996


Beim Graben in der Geschichte Springfields findet Lisa heraus, dass der verehrte Stadtgründer Jebediah Springfield eigentlich ein bösartiger Pirat war. Natürlich ist Lisa erst mal ratlos, wie sie mit dieser Wahrheit umgehen soll.


17. Butler bei Burns / Homer the Smithers (21:56 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 22.11.1996
US-Erstausstrahlung: 15.02.1996


Butler Smithers ist urlaubsreif! Damit sein Chef merkt, was er an ihm hat, heuert er als Vertretung Homer an, der sich als Butler natürlich völlig daneben benimmt. Doch genau davon ist Mr. Burns so begeistert, dass er Smithers feuert und Homer fest engagiert. Völlig genervt lässt Homer nichts unversucht, damit Smithers wieder eingestellt wird.


18. Wer erfand Itchy & Scratchy? / The Day The Violence Died (21:56 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 25.11.1996
US-Erstausstrahlung: 17.03.1996


Den Itchy & Scratchy Studios stehen schwere Zeiten bevor, denn Chester J. Lampwick will mit Hilfe von Bart und Lisa beweisen, dass die Itchy- und Scratchy-Figuren von ihm erfunden wurden. Wenn er seinen Anspruch geltend macht, ist das Studio ruiniert!


19. Selma heiratet Hollywood-Star / A Fish Called Selma (21:57 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 26.11.1996
US-Erstausstrahlung: 24.03.1996


Der abgehalfterte Schauspieler Troy McClure will sich durch eine Hochzeit mit Marges Schwester Selma erneut als toller Hecht ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Leider entpuppt sich der tolle Hecht als schlaffer Hering und so zieht Selma ihre Konsequenzen.


20. Die Reise nach Knoxville / Bart On The Road (21:55 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 27.11.1996
US-Erstausstrahlung: 31.03.1996


Bart kommt in den Besitz eines gefälschten Führerscheins und startet natürlich voll durch. Gemeinsam mit Nelson, Martin und Milhouse mietet er ein Auto an und braust mit Vollgas in Richtung Knoxville. Ein chaotischer Trip mit vielen Überraschungen.


21. 22 Kurzfilme über Springfield / 22 Short Films About Springfield (21:54 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 28.11.1996
US-Erstausstrahlung: 14.04.1996


An einem öden und langweiligen Nachmittag fragen sich Bart und Milhouse, ob überhaupt irgendwas interessantes in Springfield passiert - 22 Kurzfilme liefern den Beweis, dass auch in einem scheinbar verschlafenen Nest so einiges abgehen kann!


22. Simpson und sein Enkel in "Die Schatzsuche" / Raging Abe Simpson And His Grumbling Grandson In "The Curse Of The Flying Hellfish" (21:56 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 29.11.1996
US-Erstausstrahlung: 28.04.1996


Grandpa Simpson hütet ein lukratives Kriegsgeheimnis, denn er weiß, wo ein damals vergrabener Schatz zu finden ist. Wenn er der letzte Überlebende seiner Einheit wäre, wäre er glücklicher Schatzbesitzer. Doch leider ist er nicht der Letzte - Mr. Burns ist auch noch da!


23. Volksabstimmung in Springfield / Much Apu About Nothing (21:56 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 02.12.1996
US-Erstausstrahlung: 05.05.1996


Springfield geht verschärft gegen illegale Einwanderer vor und natürlich ist auch Homer voll bei der Sache, bis er mitbekommt, dass Apu illegal im Land ist. Apus letzte Hoffnung sind falsche Papiere, doch zum Glück hat Lisa dann eine bessere Idee.


24. Homer auf Tournee / Homerpalooza (21:59 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 03.12.1996
US-Erstausstrahlung: 19.05.1996


Homer tourt mit berühmten Rockbands durchs ganze Land und beglückt das Publikum damit, dass er Kanonenkugeln mit seinem Bauch auffängt. Eine coole Nummer, als jedoch ein Springfield-Auftritt ansteht, ist sich Homer seiner Sache nicht mehr ganz so sicher.


25. Ein Sommer für Lisa / Summer Of 4 Ft. 2 (21:54 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 04.12.1996
US-Erstausstrahlung: 19.05.1996


Sommerzeit, Ferienzeit. Auch der Simpsons-Clan genießt das Nichtstun am Strand. Für Lisa sind es ganz besondere Ferien, denn bei ihren neuen Urlaubsfreunden ist sie total beliebt. Ganz im Gegensatz zu Bart, der nur uncool nervt. Klar, dass er das nicht auf sich sitzen lassen kann!


Die magische 7

Ursprünglich sollte die Einleitung zum Review-Marathon der siebten Staffel mit der DVD-Veröffentlichung des Kinofilmes beginnen, nachdem ich die Besprechung der sechsten Staffel aus aktuellem Anlass mit dem großen Ereignis "The Simpsons Go Cinema" einleitete. Das war schon sehr euphorisch gedacht, mir gerade mal ein halbes Jahr Zeit zu lassen, um die 25 neuen Episoden zu analysieren (um nicht zu sagen: zu lobhudeln, zu bewundern, zu gottpreisen, zu mythologisieren, heilig zu sprechen, sie anzubeten, ihnen mein Leben zu widmen).

Es sind dann doch mal eben fast zwei Jahre ins Land gestrichen. Warum eigentlich? Die Zahl 7 ist doch bekanntermaßen eine magische Zahl, das weiß jeder, der mal ein Märchen gelesen hat. Hätte die Kreativität mir da nicht magisch aus dem Hirn schlüpfen müssen, hätte sie nicht fließen und sprießen sollen wie die Hansens Bohnenranke?

Nun, alleine der gemeine Cliffhanger zum Ende von Season 6 hätte mich motivieren sollen, möglichst schnell weiterzumachen. Und in der Tat, die Besprechung von "Wer erschoss Mr. Burns - Teil 2" erfolgte auch schon knapp eine Woche nach Veröffentlichung der gesammelten "Season 6"-Werke. Aber dann war sie weg, die Muse. Auch gewöhnliche Filmbesprechungen haben ihren Tribut zollen müssen, doch besonders quälend gestaltete sich die Arbeit an meinem Lebenswerk (wenn Fox nicht gottverdammt noch mal langsam aufhört, neue Staffeln zu bestellen, wird es das wirklich noch!). Oft vergingen Monate zwischen der Besprechung von einer Folge zur nächsten. Aber wieso bloß? Hat die Qualität der Folgen so stark nachgelassen?

Mitnichten! Alles im Vorangegangenen Beschriebene ist bloß das selbstmitleidige Wehklagen eines Überforderten, der nicht wusste, wie er seine Quote beibehalten sollte. Was aber wirklich zählt, sind die 25 neuen Abenteuer. Um die soll es jetzt endlich wieder gehen. Also - wo waren wir stehen geblieben? Ah richtig. Der Mörder von Mr. Burns ist ...

1. Wer erschoss Mr. Burns? - Teil 2

MAGGIE.
Mal ehrlich - wer hat etwas Anderes als Einstieg in den Kritikteil erwartet als diese sechs Buchstaben? Und wer die vorliegende Kritik 12 Jahre nach der deutschen Erstausstrahlung liest und sich gespoilert fühlt, ist ohnehin unwürdig, sich weiterhin mit den Simpsons zu befassen. Raus hier, aber sofort!
Die ganz Klugen haben sich freilich vor knapp zwei Jahren den ersten Buchstaben jedes Absatzes aus der Schlussbetrachtung zu meiner Besprechung der sechsten Staffel zusammengelegt und die Auflösung der Geschichte so erfahren. Ein Jahr hingegen war die Zeitspanne, in der man den Amerikanern damals die Auflösung vorenthalten hatte. Den Animationsstudios wurden unterschiedliche Entwürfe zugeschickt mit verschiedenen Varianten, wer denn nun auf Mr. Burns geschossen hat (wurde dann später in einer von Troy McClure gehosteten Clipshow aus unveröffentlichten Szenen wieder ausgegraben) und die Produzenten riefen die Gazetten an, um falsche Köder auszulegen. Ein Preisausschreiben, bei dem man den Mörder erraten sollte, gab es auch noch. Ein ganz dickes Ding sollte der Zweiteiler werden.


Nach dem auf Gigantomanie ausgelegten Springfield-Eroberungsplot in bester James Bond-Tradition wird die Geschichte nun als klassisches Whodunit zu Ende geführt. Im Zentrum steht der pathetische Cliffhanger, ein Mr. Burns, der sich vom Pistolenschuss schwer getroffen auf die städtische Sonnenuhr wirft und mit letzter Kraft zwei Buchstaben schreibt: "SW". Ein Indiz auf den Killer.
Die Autoren brennen nun ein Feuerwerk aus Krimi-Zitaten ab, angefangen bei der Soap "Dallas", als Smithers träumt, alles sei gut. Träume bleiben auch weiterhin der Schlüssel zur Auflösung des Falls, denn auch Polizeichef Wiggum kommt einem Puzzleteil in einem Traum auf die Spur, als der "Red Room" aus Interner Link"Twin Peaks" aufgegriffen wird und man sich nebenbei über den verstiegenen Symbolismus eines David Lynch lustig macht (nicht zum ersten Mal). Alles ist Trug und Schein, das ist die Quintessenz der Rätselraterei in dieser ohnehin unwirklichen und jenseitigen Atmosphäre, die so gar nichts mit einem normalen Tag in Springfield zu tun hat, und das beweist nur eines: Tatsächlich konnte man mit viel Intelligenz vor der Auflösung auf den Killer kommen, wenn man alle Hinweise aufnahm. Das erwähnte Preisausschreiben war wohl so etwas wie ein Intelligenztest für das Publikum, und selbiges hat gründlich versagt: Angeblich hat unter 1000 Einsendungen niemand den richtigen Killer erraten. Überhaupt habe man nur einen einzigen Fan gefunden, der in einem Internetforum auf Maggie Simpson getippt habe. Der Großteil traute Assistent Smithers die Tat zu. In Anbetracht des Umstandes, dass der Plot recht offensichtlich das Augenmerk auf Smithers richtet: ein Armutszeugnis für die ratende (und ratlose) Bevölkerung.
Wie es sich für einen echten Krimi gehört, dreht und wendet sich das Blatt nach Belieben, inklusive der beliebten Faktizität in Form eines DNA-Tests, von dem man ja meinen sollte, dass er absolute Sicherheit bringt. Am Ende scheint der Lichtkegel jedoch nicht auf Homer Simpson, sondern in einem Ballett aus aufeinander folgenden Plottwists und sich schließenden Kreisen seine (genetisch mit ihm übereinstimmende) Tochter Maggie. Letztendlich muss sie die einzig logische Wahl gewesen sein, denn als Kind repräsentiert sie schließlich die fehlende Verantwortung für das eigene Handeln. Anstatt also einfach einen beliebigen Bürger Springfields zum potenziellen Mörder zu machen, wird mit dem Paukenschlag noch mal eben ein Gedankenschwenk Richtung Intentionalität vollzogen, denn es ergibt sich folgende philosophische Frage: Kann ein Baby ein Verbrechen ausüben? Geht es nach dem amüsierten Smalltalk im Audiokommentar, dann: ja. Zumindest in Texas ...


2. Filmstar wider Willen

Gibt es was Herrlicheres, als wenn Comic und Film eine Symbiose eingehen? Ich denke, nein. Hollywood hat das in diesem Jahrtausend auch endlich begriffen und feuert Comicverfilmung zu Dutzenden raus. Marvel hat sich inzwischen gar selbstständig gemacht und lässt dadurch einen neuen Quantensprung erwarten, nämlich die Crossover-Kultur, die bislang aufgrund von Rechteverteilungen in größerem Ausmaß noch nicht möglich war.
Kurz, der Markt boomt - doch dem war nicht immer so. Mitte der Neunziger war man allenfalls stolz auf die beiden Interner Link"Batman"-Adaptionen von Tim Burton, ansonsten hatte der Markt noch eher wenig zu bieten.
"Radioactive Man" widmet sich dementsprechend auch eher beiden Gebieten auf dichotome Weise: Zuerst wird der Comic-Kultur gewürdigt, dann die Filmindustrie Hollywoods aufs Gröbste verarscht. Das Ende bietet einen der größten Satire-Arschtritte überhaupt: Untermalt von Bill Withers' "Lean on Me" ist alles happy Sonnenschein und jeder steht für den Anderen ein. So kennen und lieben wir die Traumfabrik!


Die Episode um die schon seit der ersten Staffel bekannte Parodie auf Superhelden aller Art beginnt mit einem Sprung in den Comicladen, und wenn der Comicbuchverkäufer mitsamt Watschelgang ins Bild tritt, kann es ja nur ein Klassiker werden. Ist es auch. Spätestens, wenn die alte "Batman"-Serie mit Adam West imitiert wird, ist es mal wieder um die Objektivität geschehen. Anhand des superschurkischen Pfadfinder-Anführers, seines linkischen Blicks, seiner plumpen Gehilfen, deren kuriose Methoden, Radioactive Man & Fallout Boy in die Bredouille zu bringen, der vielen Plakate mit onomatopoetischen Ausrufen und dem absolut sinnfreien Getanze (einer der KO-geschlagenen Schurken steht sogar auf, guckt kurz blöd in die Kamera und tanzt dann mit) ist bewiesen, wie sehr John Swartzwelder (Drehbuch) und Regisseurin Susie Dietter (die gesteht, mit Comics nie etwas hat anfangen können, jedoch stets gerne die "Batman"-Serie angeschaut hat) verstanden haben, worum es hier geht.
Der Dreh weg von der Comicwelt hin zur Filmindustrie ist etwas holprig inszeniert, was durch das immense Tempo aber gar nicht auffällt. Sowieso zählt ab sofort nur noch eines: Hollywood ist blöde bis auf den Grund, alleine deswegen schon, weil sie es wagen, den Drehort für den neuen "Radioactive Man"-Spielfilm nach Springfield zu verlagern.
Das gemütliche Springfield wird fortan von einer anderen Kultur überrollt. Häuser werden einfach in Beschlag genommen und halb zerstört, um Kabel zu verlegen, Straßen werden gesperrt, um Szenen zu drehen. Ein kluger Schachzug, dass mitten in dieses Szenario eine Konkurrenzsituation zwischen Bart und Milhouse geworfen wird, in der es um die Rollenbesetzung des Fallout Boy geht. Der Kniff liegt darin, dass Milhouse die Rolle eigentlich gar nicht will, sie im Gegensatz zum willigen Bart aber bekommt. Das macht die Situation zum einen komplexer als ein einfacher Wettbewerb (bei dem beide gewinnen wollen), zum anderen gibt es die Gelegenheit, Hollywood gleich noch ein paar Hiebe mehr auf die Mütze zu geben.
Eine der witzigsten Stellen ist sicherlich Homers "Gähn-und-Faulheits-Wettkampf" gegen Gewerkschaftsmitglieder (das Bild, das sich am Ende ergibt, ist zum Einrahmen bestimmt), einer der substanzreichsten Gags dürfte das Bemalen von weißen Pferden mit schwarzen Flecken sein, weil "Pferde im Kino eher nach Kühen aussehen als Kühe". Denn dahinter verbirgt sich eine Vorstellung von Schein und Illusion als Lug- und Trugbild Hollywoods, wie es auch David Lynch nicht besser hätte symbolisieren können, und weiterhin eine Auseinandersetzung mit dem Medium Fernsehen und seiner unbeabsichtigten Wirkung auf die Realität.
Selten jedenfalls wurde die doppeldeutige Schmierigkeit der Filmindustrie besser getroffen als auf die Art und Weise, wie die "Simpsons" ihr Tugendhaftigkeit, Ehrlichkeit und letztendlich vor allem Machtlosigkeit gegenüber dem raffgierigen Kleinstadtpöbel unterstellen. Klassiker.


3. Bei Simpsons stimmt was nicht!

Wenn man so sieht, wie sich Homer zwischen seine Tochter und das Taufwasser wirft, als wolle er eine Kugel aufhalten, könnte man auf den Gedanken kommen, die in Sachen Religion sonst so diffizile Trickserie hielte nun ein eindeutiges Plädoyer gegen das Christentum. Dabei wird in Wirklichkeit allenfalls religiöser Fanatismus attackiert, der hier von Flanders verkörpert wird. Der reagiert nämlich nahezu mit einem prophylaktischen Schock, als er davon erfährt, dass die Simpsons-Kinder nicht getauft sind.
Doch ohnehin geht es, wie im Kommentar erklärt wird, nicht um das Christentum oder darum, dieses zu verurteilen, sondern um den Agnostizismus der Simpsons. Durch den Bezug auf die Familie, der in dieser Folge die Kinder weggenommen werden, wird die Glaubensfreiheit zum Thema - und das Vorhaben des Ned Flanders zum Absurdum.
Natürlich propagiert Susie Dietters Regiearbeit den Wert der Familie, eines der zentralen Motive der Serie, doch das ist gar nicht mal das Interessante. Viel spannender ist es, wie die Gesellschaft hier als ein von Konventionen bestimmtes System gezeichnet wird. Die Art und Weise, wie den Eltern durch eine Reihe dummer Zufälle die Kinder weggenommen werden; Homers Streit vor dem Gericht und seine Freude nach der Rehabilitation ("Juhuuu, jetzt sind wir offiziell wieder gute Eltern"); und selbstverständlich der Sprung Homers zwischen Maggie und das Weihwasser, das nur Kraft der Konvention geweihtes Wasser ist, Homer jedoch darauf reagiert, als sei es ätzende Säure. Die Geschichte ist durchzogen von solchen von Menschenhand gemachten Konstitutionen, die nur deshalb existieren, weil die Gesellschaft sie hervorgebracht hat. Wenn nun also der Wert der Familie propagiert wird, geht der Gedanke viel tiefer, als es diese etwas abgedroschene Formulierung ausdrückt. Tatsächlich, so die Intention, geht es darum, hinter die Fassade der Konvention zu blicken, einen Menschen also nicht als Christen (oder Antichristen?) zu betrachten, sondern als Lisa, Maggie, Bart, Rod, Todd. Auch wenn Todd laut News Report stinkt.
(P.S. Rod und Todd erweisen sich mal wieder als ideale Demonstrationsobjekte für den Einfluss der Medien: als sie erstmals Itchy & Scratchy sehen dürfen, ziehen sie automatisch in Erwägung, mit spitzen Gegenständen aufeinander loszugehen. Offen bleibt, ob das einzig dem Einfluss der Medien zuzuschreiben ist oder nicht doch der protektionistischen Erziehung durch den streng gläubigen Vater ...)


4. Bart verkauft seine Seele

Düster geht es weiter mit der Religion, dem (Aber-) Glauben und einem ordentlichen Spritzer Nihilismus. Dabei demonstriert "Bart Sells His Soul" die Naivität der ersten Staffel mit all ihren Vor- und Nachteilen. Als die "Simpsons" nämlich größer wurden, wurden die Themen auch größer, Gesellschaftliches und Kulturelles nahm einen immer gewichtigeren Platz ein. Die Art und Weise, wie Bart nun mit seinem inneren Ich ringt, besonders gut zu erkennen in der Traumsequenz mit dem transparenten Seelenzwilling, erinnert wieder an frühe Episoden wie "Bart schlägt eine Schlacht", in denen spielerisch und sehr bildlich psychologische Sachverhalte in die laienhafte Sprache des Fernsehens übersetzt werden. Ein Schwenk also zurück in die Anfangstage, als alles noch ein bisschen grob war.
Mit dem Thema (angeblich wieder inspiriert durch ein reales Erlebnis des Autoren, der wohl selbst mal erfolgreich einem Mitschüler seine Seele zurückverkauft hat) wird ein Minenfeld eröffnet, in der Fragestellung "Existenz oder Nichtexistenz der menschlichen Seele" jedoch - wie üblich - keine explizite Stellung bezogen. Genau das macht ja auch den Reiz aus, dieser Interpretationsspielraum, mit dem es der Serie immer wieder aufs Neue gelingt, Gläubige und Atheisten unter einen Hut zu bringen.


Das Skript beschränkt sich leider im Wesentlichen darauf, eine Abfolge von Situationen aufzubauen, in denen sich Barts Seelenlosigkeit andeutet - dies allerdings durchaus subtil. Mal öffnet sich die elektronische Tür des Kwik-E-Marts nicht, dann reagieren die Haustiere bösartig auf ihr kleines Herrchen oder es fehlt schlichtweg der Atem, mit dem man eine Glasscheibe beschlagen könnte. Der Subplot um Moe und seinen Versuch, die Bar in ein Familienrestaurant umzufunktionieren, verfügt derweil über keinerlei Bezug zur Hauptgeschichte.
Immerhin jedoch die Atmosphäre stimmt. Zeitweise wird es recht düster. Nicht im Sinne der Anwesenheit eines Bösen, sondern vielmehr der Abwesenheit von allem. Jeglicher Sinn scheint in Barts Welt langsam im Erdboden zu versinken. Nichts verdeutlicht das besser als die diesmalige "Itchy & Scratchy"-Folge: Ansonsten stets in einer Parabelfunktion für die Geschehnisse im Plot, dient sie diesmal bloß dazu, Barts Fähigkeit, sich geistlos unterhalten zu lassen, ins Abseits zu stellen. Wenn selbst die Mechanismen der Serie ihre Bedeutung verlieren, ist das Ziel, eine bedrohliche Aura der Nichtexistenz um Bart herum aufzubauen, definitiv geglückt.
Daraus resultierend ist "Bart Sells His Soul" auch nicht die Monstergaggranate, einige gute Momente gibt's aber schon (Homer bleibt im Sofa stecken und wird dann von Knecht Ruprecht in den Hintern gebissen zum Beispiel, um den primitiven Humor mal zu lobpreisen) und ein wenig back to the roots ist auch nicht verkehrt.


5. Lisa als Vegetarierin

Vegetarismus - für die einen bedeutet das eine gesunde Lebensweise, für andere eine Entscheidung aus ethischen Gründen, für wieder andere ist Vegetarismus keine Option - außer man möchte in kulinarischer Freudlosigkeit "dahinvegetieren".
Aufeinander losgelassen werden die letzten beiden Gruppen, und zwar in einem Verhältnis von etwa 1:500. Lisa steht alleine gegen ein fleischverzehrendes Springfield und muss ihre Überzeugungen vertreten, die entwuchsen aus dem Paradoxon, dass der moderne Mensch genetisch nach wie vor darauf programmiert ist, andere Lebewesen zu verzehren, obwohl sein "gesunder Menschenverstand" dagegen rebellieren möchte.
Man sollte nun zweifellos erwarten, dass diese schwierige Grundsatzdebatte sich nicht in einfacher Lagerspaltung erschöpft, sondern mit vielen Abstufungen angereichert wird, und so ist man auch nicht sonderlich überrascht, dass es genauso kommt. Die Frage, was die "bessere" Lebensweise ist, stellt sich natürlich zu keinem Zeitpunkt. Viel mehr als der Vegetarismus wird der Umgang mit ihm beleuchtet und die Motive beider Parteien in Frage gestellt.
So steht vor allem die manipulative Wirkung von Bildern zur Debatte, wenn kleine Schäfchen den potenziellen Fleischesser davon überzeugen sollen, in Zukunft von seiner Passion abzusehen. Dass es aber eben immer ein noch süßeres Schäfchen gibt, zeigt, wie wankelmütig der "Homer Erectus" auf visuelle Impulse reagiert, und als Homer das normalsüße Schaf schroff wegstößt, um das Babyschaf zu sehen, ist klar, was Herr Cohen aus der Drehbuchabteilung von reißerischen Werbefilmen hält.


Auftritt Troy McClure, der nämlich in einem solchen typisch billigen Werbefilm für Rindfleisch (mit blassen Farben, Verschmutzungen und allem drum und dran) den Host gibt und nicht merkt, wie der Film durch seine günstige Machart unfreiwillig von pro Fleisch zu kontra Fleisch wechselt. Zumindest für den intelligenten Konsumenten. Die Springfield-Schule gehört zweifellos nicht dazu - mit dem Werbefilm geht nicht nur die Bildungskultur an US-Schulen baden (wie schon aus etwaigen Episoden bekannt), sondern auch der Individualismus (die Kantine führt nur Fleischprodukte, dafür aber hat die Lehrerin einen "Independent Thought Alarm" unter dem Pult).
Derweil das Simpson'sche Ritual des Abendessens dem Thema gemäß deutliche Züge einer Raubtierfütterung einnimmt (toll, wie sich Homer und Bart wegen des letzten Stücks Lammkotelett anknurren, sehr schön dabei auch Lisas Gedanken, woraus ein Hot Dog bestehen könnte) und "Itchy & Scratchy" alles kommentieren, indem dem Kater das eigene Fleisch als Abendmahl vorgesetzt wird, distanziert sich Lisa von der eigenen Familie und läuft Apu zum Dank den Gaststars Paul und Linda McCartney in die Arme. Damit ist der Auftritt des letzten seither noch lebenden Beatles gelungen (Ringo Starr und George Harrison waren bereits aufgetreten) - jedoch nur, wie der Audiokommentar verrät, wenn man McCartney versprechen würde, dass Lisa nach der Episode auch Vegetarierin bliebe und nicht gleich in der nächsten Folge wieder Fleisch essen würde. Der Mann kennt sich aus mit Zeichentrickserien.
Hier kommt dann auch der eigentliche Witz der Moral zum Tragen, als dem Vegetarismus, den Lisa durchaus zunächst mit einer gewissen Arroganz gegenüber den Fleischessern vertritt, der Veganismus gegenübergestellt wird und Lisa sich plötzlich ganz klein mit Hut vorkommt.
Die Auflösung muss natürlich in einem großen Knall erfolgen und das geschieht in einem gewaltigen, von Homer organisierten BBQ (Barbecue) mit einem fliegenden Grillferkel als Schlüsselmoment. Bevor das Tier wie ein Korken aus einem Damm geschossen wird, darf sich Chief Wiggum noch über die lustige Schweinsnase amüsieren. "Du bist, was du isst", möchte man da meinen und fühlt sich an "Dumbo" erinnert und das segelohrige Kind, das den kleinen Elefanten hänselt.
Da summieren sich schon viele nette Ideen, die sich darum bemühen, dem Thema reflektiert auf den Grund zu gehen, aber man merkt doch, es bleibt stets ein Bemühen. Obwohl oder vielleicht auch gerade weil Vegetarier an der Entstehung der Folge beteiligt waren und sie als eine ihrer Favoriten bezeichnen, es bleibt eine dieser "das müssen wir auch mal gemacht haben"-Geschichten, die grundsätzlich schon so schwermütig sind, dass nicht einmal die größten Gags - und derer hat "Lisa the Vegetarian" einige zu bieten - für wirkliche Auflockerung sorgen können.


6. Die Panik-Amok-Horror-Show

Attack of the 50 ft. Eyesores
Der Titel macht es unmissverständlich klar: wir befinden uns wieder in den Fünfziger Jahren, zumindest ideologisch, und Riesenwuchs bevölkert endlich mal wieder die Leinwand für ein paar Minuten. Waren es früher gigantische Ameisen, monströse Spinnen oder riesige Untertassen, die den mit dem McCarthyismus verbundenen Existenzängsten der Amerikaner symbolisch den Boden bereiteten, so wissen die Autoren der sechsten Halloween-Spezialsendung die epochentypische B-Movie-Gigantomanie hervorragend für die aufkeimende Konsumgesellschaft der Neunziger einzunehmen: Gier ist es nämlich, die Homer dazu treibt, einen Riesendonut zu stehlen, und falsche Werbebotschaften sind es, die Homer überhaupt dazu verführen. Typische 90er-Jahre-Attitüde.
Die Monster der Geschichte sind dann selbstredend auch gigantische Merchandise-Figuren, die am Straßenrand aufgereiht stehen, um den potenzielle Käufer auf Ware aufmerksam zu machen. Mit einem Godzilla-Schrei befreit sich der Donutmann aus seiner Verankerung und entfesselt einen Kampf der Giganten, der absurder nicht aussehen könnte. Eine Ausgabe des Marlboro-Manns zerquetscht - traditionelles amerikanisches Symbol, das er ist - Unbeteiligte mit seiner Neonflasche, eine Riesenerdnuss (nicht minder amerikanisch) knackt ironischerweise ein Auto und mampft die darin befindlichen Hülsenfrüchte (Menschen) und Chief Wiggum erschießt aus Versehen einen Basketballstar, den er für ein Riesenmonster hält.
Die Bekämpfung der Giganten erfolgt mit einer irrsinnig bescheuerten Pointe, die einerseits Genrefilme und deren Vorliebe für einfache, naheliegende Auflösungen (vgl. Interner Link"War of the Worlds") aufs Korn nimmt, zum anderen eine moralisch angehauchte Metapher einbaut für den Umgang mit Werbung und wie man sich von ihr nicht beeinflussen lässt.
Das Ganze ist allerdings nicht neu; schon Interner Link"Ghostbusters" verfolgte mit seinem "Marshmallow Man" - ebenfalls eine amerikanische Werbefigur - exakt die gleichen Gedankengänge, und tatsächlich kann man in den freundlichen Gesichtszügen des Donutmännchens gewisse Ähnlichkeiten zum Marshmallow Man erkennen.


Nightmare on Evergreen Ter.
An zweiter Stelle dann wieder eine konkrete Filmparodie, und zwar auf Interner Link"Nightmare on Elm Street". Dessen teilweise radikale Wechsel zwischen "schöner" Realität und "bösem" Traum schwingen sich zum Zentrum der Parodie auf, indem die normale Simpsons-Realität gegen eine übertrieben lustige Comicwelt eingetauscht wird, die frappierend an die "Looney Tunes"-Cartoons erinnert. Ansonsten beschränkt sich der Plot weitgehend darauf, der Vorlage nachzueifern, bis hin zu einem Flashback, in dem gezeigt wird, wie Hausmeister Willie zu dem Alptraummonster geworden ist. Die Parodie passt hervorragend ist das "Treehouse"-Schema, weil sie gerade den Autoren im Detail viel Gelegenheit gibt, zu glänzen. Mit Martins "Mathe-Zauberer"-Phantasie und Barts Spielplatz-Showdown werden gleich ganze Welten erschaffen - wenn man so will, waren das ja auch die einzigen Qualitäten, die man den meisten Sequels um Alptraumfigur Freddy Krueger zugestehen würde. Die Stimmungswechsel wirken sich tatsächlich unbehaglich auf den Zuschauer aus und Willies letzte Verwandlung ist abstoßend. Hier kommt wieder der harte Kern zum Vorschein, der besagt, dass wirklicher Horror durchaus zum Paradigma der "Treehouse"-Reihe gehört.


Homer³
Da die Serie hier im wahrsten Sinne des Wortes ganz neue Dimensionen beschreitet, könnte man mit der Analyse dieses dritten Teils vermutlich ein ganzes Kapitel füllen; diesen Eindruck legt auch der Audiokommentar nahe, in dem unzählige Insider enthüllt werden - etwa, dass jede der Zahlen, die an Homer in der Parallelwelt vorbeirauschen, eine codierte Bedeutung enthalten, teilweise gar berühmte mathematische Formeln aufnehmen und diese zu widerlegen versuchen.
Eine Ode an Mathematik und Physik ist diese Geschichte also gewissermaßen, die einmal mehr durch eine "Twilight Zone"-Ausgabe inspiriert wurde: Dort fiel ein Mädchen in die vierte Dimension, hier, in der zweidimensionalen Simpsons-Welt erfährt der Gelbling, was die dritte Dimension bedeutet.
Heute hat man schnell vergessen, wie revolutionär die 3D-Sequenzen eigentlich damals waren. Es ist zu bedenken, dass die Episode noch kurz vor "Toy Story" entstand. Dabei erreicht sie freilich nicht ganz deren Qualitäten, aber im Serienbereich waren die noch recht plumpen 3D-Figuren Quantensprünge.
Ein effektiv herausgespielter Gag stellt den dimensionalen Übergang treffend heraus: als Professor Frink das gewöhnliche Quadrat mit wenigen Strichen zu einem Kubus verbindet, geht ein Aha-Effekt durch die Reihen der Trickfiguren, die in just diesem Moment auf eine ganz neue Erkenntnis gestoßen sind. Homer derweil, der zunächst als Einziger physischen Kontakt zur 3D-Welt hält, begegnet der neuen Erfahrung mit seinen typischen Charakteristika: Neugierde, Verunsicherung, Freude, Ärger, Angst.
So klobig die simplen physikalischen Figuren - vom Kegel bis zum Zylinder - da auch umherhüpfen mögen, sie sind stets aufgeladen mit Bedeutung, die man auf den ersten Blick nicht im Geringsten erahnen würde. Und Homer kann sich mit einer zusätzlichen Dimension durchaus sehen lassen. Er selbst nimmt die Grundform eines Kegels an und verrät damit die Architektur seines eigenen Grafikdesigns. Dabei wird ihm zudem erstmals gewahr, was für einen vorstehenden Bauch er hat. Dieses Spiel mit der Anatomie sorgt dafür, dass dem plastischen Treiben trotz der eingebüßten Mimik nicht der Witz verloren geht.
Die Atmosphäre hingegen kann nicht ganz aufrecht erhalten werden. Zwar erscheint der alles verschlingende Strudel nihilistisch, dieser Nihilismus wird durch die Plastizität der computergenerierten Welt aber nicht besonders gut übertragen. Und doch wird hier Grund und Boden betreten, der es erlaubt davon zu sprechen, dass das Jenseitige beschritten wurde - letztlich nämlich unsere eigene Welt.


7. Der behinderte Homer

"Oh Schmerz, das Herz" (Staffel 4) war damals ganz schön diffizil und perfide bei der Handhabung seines nicht ganz einfachen Sujets. Homer sah man seine Fettleibigkeit äußerlich nicht mehr an als in jeder beliebigen anderen Folge. Die Fette operierten vom Inneren des Körpers aus. Um dies zu aufzuzeigen, arbeiteten die Animatoren sogar mit Splitscreens, die das aussetzende Herz des korpulenten Atomkraftwerkmitarbeiters zeigten. Damit stand die unsichtbare Gefahr hinter der Fettleibigkeit im Vordergrund.
"Der behinderte Homer" verlagert das Ganze nach außen, um dicke Menschen lediglich als Minderheitengruppe zu betrachten. Das Gesundheitsproblem ist dabei nur sekundär von Belang, sozusagen ein Punkt neben vielen auf Marges Liste der Kontras. Vor allem wird dieses Mal danach gefragt, wie es um die soziale Tragfähigkeit Übergewichtiger in der Gesellschaft bestellt steht.

So kommt die neue Variante des alten Themas wesentlich leichtfüßiger daher als sein ernster erzählter Vorgänger. Das Design Homers als "fetter, dynamischer Supermann" mit seinem unsäglichen Muumuu ist längst Kult, hängt angeblich sogar in den südkoreanischen AKOM-Animationsstudios immer noch an den Wänden und wird abgefeiert. Der dicke Homer (freilich längst in diversen Interner Link"Family Guy"-Episoden mit Peter Griffin nachgeahmt) ist ein eigenes Charakteruniversum für sich; eines, das zwar über eine Episode nicht hinausreicht, ikonisch aber den gleichen Stellenwert erreicht wie diverse Nebencharaktere. Um es pragmatisch auszudrücken: Homer im Muumuu würde sich als Actionfigur sicherlich besser verkaufen als ein Dr. Hibbert oder ein Smithers.
So evoziert der Plot eine einzige Kette von Witzen über Bequemlichkeit, Faulheit, aber auch Selbstzufriedenheit. Denn das eigentlich Lustige liegt ja in dem Umstand, dass Homer glücklich ist mit seinem Kampfgewicht oder, um es mit den Worten im Audiokommentar zu sagen: Er ist mit sich selbst im Reinen.
Groteske Bilder wie ein Fettsack, der auf der Couch sitzt und mit dem Besen gegen das Fenster schlägt, wo Bart seinen Freunden den eigenen Vater wie bei einer Freakshow vorstellt, oder ein wahnsinniger Vielfraß, der mit Affentempo einen Eiswagen durch Springfields Straßen steuert und dabei an einem Eis nuckelt, über jene Momente wurde die Folge zu einem Publikumsliebling, auch wenn man ehrlicherweise sagen muss: Bei all dem Spaß lässt sie den gesellschaftskritischen Punkt doch ein bisschen schleifen. Aber auch das sollte mal erlaubt sein. Wann hat man schließlich mal wieder so einen fetten Homer zur Verfügung, um seine Späße mit ihm zu treiben?


8. Wer ist Mona Simpson?

In "Grandpa gegen sexuelles Versagen" (Season 6) sah man in einer Rückblende kurz die Beine von Homers Mutter. Wie in einem dieser alten Cartoons, in denen die Welt des Kindes eingefangen werden soll und Erwachsene folgerichtig aus dem Bild gekürzt werden.
Homers Mutter hat bislang das gleiche Schicksal ereilt wie Marges Vater (den man bloß in "Angst vorm Fliegen" - ebenfalls Season 6 - zu Gesicht bekommt): Sie sind unbedeutend für die Serie. In Abraham Simpson spiegelt sich sein Sohn in vielerlei Hinsicht wieder, der wiederum ganz offensichtlich Erbgut an seinen nicht ganz so hellen Sohn Bart weitergegeben hat. Marges Mutter ist (nicht ganz so häufig, aber anfangs noch regelmäßig) ein Spiegelbild ihrer Tochter: die gleiche Turmfrisur, die gleichen Gesichtszüge, aber gealtert und verbittert. Also das, worauf Marge Simpson seit vielen Staffeln schon zusteuert mit ihrem Grummeln.
Was kann ein zweiter Elternteil in diese logische Folgerichtigkeit einbringen? Überraschungen. Dass die Autoren Mona Simpson dem Flickenteppich der Show hinzufügen, bedeutet für alle Beteiligten Umstellungen. In subtiler Form auch über die Episode hinaus. Und damit ist wieder ein Beispiel gegeben, dass "Die Simpsons" doch kontinuierlicher sind, als man bei der "neue Story - zurück auf Start"-Struktur erwarten sollte.
Die Reaktionen sind farbenfroh. Homer ist voll von naiver Freude über das Wiedersehen mit seiner Mom. Seine Ehefrau ist skeptisch über das plötzliche Auftauchen der neu gewonnenen Schwiegermutter. Lisa auch, wenngleich sie eine gewisse Bewunderung nicht verbergen kann, ganz einfach weil sie in ihrer Großmutter einen Sinn für alles findet. Endlich kann sie sich erklären, woher ihre Intelligenz geerbt ist. Bart nimmt's locker und auch Maggie zeigt schnell Einflüsse ihrer neuen Bezugsperson.


Der Plot kokettiert geschickt mit falschen Fährten und versucht zunächst noch, die Option aufrechtzuerhalten, aus Mona Simpson eine Trickbetrügerin zu machen. Doch schon ihre Manierismen (die Flucht vor dem Polizeiwagen, das schnelle Einschlafen als Reaktion auf unbequeme Fragen) verraten sie als Fleisch und Blut des liebenswertesten Trottels von ganz Amerika.
In vereinzelten Flashbacks frönt das Drehbuch wieder der alten Leidenschaft für vergangene Epochen. Die Flower Power-Phase war zwar schon Teil des gelben Feldzugs, ihr können aber immer noch neue Facetten abgewonnen werden. Altbekannte Charaktere wie Chief Wiggum und Mr. Burns findet man da wieder, allesamt entsprechend verjüngt und in den Gesellschaftsbezug integriert. Die berufliche Platzierung der Figuren leitet sich aus der 90er-Jahre-Gegenwart ab und sorgt für nicht abflauende Aha-Effekte. Mit dem Witz hakt es dabei öfter mal, statt dessen wird ein Gefühl der Rebellion nachempfunden, gegen das präzise sitzende System (passend dazu: der Kurzhaarschnitt eines Footballspielers, den Abe Simpson im Fernsehen sieht und erwidert "ein Haarschnitt, nach dem man die Uhr stellen kann").
Dass Homers Spontanität sich bloß aus den manischen, verwirrten Tendenzen seines Vaters herleitet, ist somit widerlegt; es gibt noch mehr Gründe, die in den Genen verborgen liegen, die seine Mutter ihm vererbt hat. Ein herzliches "D'Oh" von Mona Simpson beim Stoßen des Kopfes gegen einen alten, mit Flower Paintings bemalten Bus gibt Zeugnis darüber ab.


9. Tingeltangel-Bobs Rache

Bei der Besprechung von "Wer ist Mona Simpson" sprach ich noch von der Kontinuität einiger Aspekte der Serie, und wie zur Bestätigung tritt mal wieder Sideshow Bob auf den Plan. Der intellektuelle Vollidiot wider Willen ist längst Inbegriff einer Parodie auf Supervillains geworden, ein Abbild des Misserfolgs des logischen Denkens, eine Analogie zu "Pinky & the Brain"'s Brain (übrigens ein regelmäßiger Konkurrent im Wettbewerb um die Emmys). Eigentlich das perfekte Gegenstück zu Homer Simpson, der mit Unüberlegtheit und Spontanität regelmäßig Erfolge feiert, der eben beweist, welcher Typ Mensch in Amerika vom Tellerwäscher zum Millionär wird.
Wo "Am Kap der Angst" noch eine geradezu penibel exakte Parodie auf die beiden Interner Link"Cape Fear"-Filme durchzog, nimmt "Tingeltangel Bobs Rache" alles etwas lockerer, schießt sich aber dennoch hundertprozentig auf die antikommunistischen Paranoia-Filme und zugehörige Satiren der 60er Jahre ein, wobei es gelingt, die aktivistisch aufgeladene Atmosphäre hundertprozentig nachzuzeichnen. Mit der Militärbasis wird das geeignete Aktionsfeld errichtet; militärische Typen, wo man auch hinsieht, in der Originalfassung ist gar ein chargierender R. Lee Ermey in einer Gastrolle zu hören.
Schön, wie Professor Frink zum Dank eine "Dr. Seltsam"-Karikatur über die Mattscheibe dackelt und vor allem, wie der größenwahnsinnige Bob den Einfluss des Mediums Fernsehen verteufelt - mit der Ironie eben, diesen Hass ausgerechnet über einen Riesenbildschirm zu verkünden.
Vor allem fällt auf, dass in Dutzenden von Sequenzen die Globalität lächerlich gemacht wird, die den Kalten Krieg einst bestimmte. Eine vermeintliche Explosion (mit gänsehauterregenden Frozen Sequences) stellt sich als Staubaufbauschen beim Zerfallen der 50er-Jahre-Atombombe heraus und die finale Kamikazeaktion endet witzlos mit einem dumpfen *Puff* auf dem staubigen Boden mitten in der Wüste.
Dass darüber manchmal die Struktur ein wenig zu zerfallen droht, ist in Kauf zu nehmen, das war beim ersten Mal "Dr. Seltsam" gucken schließlich auch so.


10. Die 138. Episode, eine Sondervorstellung

Das Bestreben, auch aus dem schnöden Clipshow-Zusammengeschnipsel ein Höchstmaß an Innovation zu erzielen, erreicht neue Höhen. Der wundervolle Phil Hartman geleitet in Form der nicht minder wundervollen Cartoonfigur Troy McClure als Host durch eine "Sondervorstellung", die hinter die Kulissen führt und damit einen Metablick auf Springfield gewährt. Die Simpsons-Küche mal mit Scheinwerfern und Zuschauertribüne zu sehen, das hat etwas Ungewohntes und fast Paradoxes an sich. Satire eben, lustvolle Spielerei und irgendwo auch Ironie, die da aufblitzt, wenn eine Zeichentrickserie etwas imitiert, das echte Shows (wie etwa Reallife-Sitcoms) benötigen, eine Trickserie aber eben nun mal nicht - Sets, an denen die Handlungsorte platziert sind.
Dies ist der Rahmen, an dem nach dem bewährten Clipshow-Prinzip mal wieder altes Material aneinander gereiht wird. Diesmal aber überwiegend noch ungesehenes Material, weil nicht etwa beliebte Szenen vergangener Episoden im Zentrum stehen, sondern anno 1995 noch unveröffentlichter Stoff frisch aus dem Schneideraum (der später dann nach und nach auf den DVDs im Bonusmaterial komplett nachgereicht wurde - es lebe das Zeitalter der neuen Medien!).
Sprechen "Best Of"-Szenen ja immer auch irgendwie für sich, weil der Fan sie noch aus ihrem ursprünglichen Kontext kennt, so muss der angesprochene Rahmen diesmal mehr Originalität aufweisen, um den Kram, der ja irgendwann immerhin mal als überflüssig befunden wurde, angemessen zu präsentieren. Und da fällt gleich das Acting des Troy McClure ins Auge. Pseudosensationsgesteuert präsentiert er unser allerliebste US-Familie, um unmittelbar nach den Einspielern bei blöden Gesten wie einem verdutzten Glotzen (ob der miesen, noch von Groening animierten Kurzepisoden aus der "Tracey Ullman-Show") oder einem kurzen Nickerchen erwischt zu werden.
Man ist also mal wieder herrlich selbstironisch, insbesondere weil die Animatoren und Autoren sich auch selbst präsentieren. Matt Groening himself etwa als hageren, alten, glatzköpfigen, pillenabhängigen Wüterich, der mit seiner Knarre um sich ballert. Dazwischen schaut man sich gerne das alternative Ende des legendären Zweiteilers "Wer erschoss Mr. Burns?" an. Doch selbst die Schnittmontage bekannter Szenen darf sich als gelungen feiern (exemplarisch zu nennen der Zusammenschnitt der Sofa-Gags oder der Beweis, dass Homer von Staffel zu Staffel dümmer wird, anhand von aufeinander abfolgenden Ausschnitten der ersten Staffeln). Die intellektuelle Klientel bekommt dann noch in den Leserbriefen ihr Fett weg und damit wären alle Gruppen durch. Aber die dürfen das, die verarschen sich selbst ja schließlich am meisten.


11. Das schwarze Schaf

"Das schwarze Schaf" transpiriert wieder eine der moralischen Essenzen, die man auf dem Wege immer mal vorfindet. Freilich verbunden mit dem Weihnachtsfest, dessen kommerzieller Ausverkauf sich ja immer besonders dazu eignet, zu fragen: Worum ging's da eigentlich nochmal ursprünglich? So steht mit dem Prügler "Bonestorm" (eine eindeutige Parodie auf brutale 90er-Jahre-Beat-Em-Ups wie "Mortal Kombat) und dessen reißerischer Vermarktung jene Kommerzabteilung als Auslöser ganz am Anfang. Als ein muskulöser Weihnachtsmann, transportiert durch seine blutrünstigen Rentiere, mit einer Bazooka den neuen Messias der Spieleindustrie in die Konsole feuert und Bart wie konditioniert anfängt zu sabbern, wird eines klar: Das kriminelle Kind wird nicht mit seinen Abgründen alleine gelassen, es gibt vielseitige Gründe für den Ladendiebstahl. Einer davon könnte der verwirtschaftete Umgang mit dem Weihnachtsfest sein, verallgemeinert die Kommerzialisierung und ihr Einfluss auf die Sozialisierung von Kindern und Jugendlichen.
Ganz klar besteht kein Zweifel daran, dass nicht alles der Werbung in die Schuhe zu schreiben ist, aber schon dies provoziert ein Gegenargument: Ebenso ist das Kind durch den Diebstahl kein Schwerverbrecher.
Doch die Reaktion des Umfeldes repräsentiert ausnahmsweise mal ein gesundes Gesellschaftsbild im sonst so verpeilten Springfield: Von allen Seiten wird dem Sünder klargemacht, wie falsch sein Handeln war, in einer Bandbreite von Enttäuschung bis Verachtung, so dass das Erlernen der Moral am Ende nicht auf das simple Auswendiglernen einer Regel angewiesen ist ("Du sollst nicht stehlen"), sondern auf Erfahrung.
Die Episode rührt dabei so sehr, weil sie so realistisch wirkt. Die Szenen mit dem Kaufhausdetektiv (gesprochen vom knurrigen Lawrence Tierney) sind nicht zuletzt der oft in Aufsicht gefilmten Kameraperspektiven wegen angsteinflößend, die Szenen zwischen Bart und seiner enttäuschten Mutter mitunter geradezu deprimierend. Wenn man also Kritik übt wegen einer allzu offensichtlichen Aussage, greift man damit womöglich ein wenig zu kurz.


12. Homers Bowlingmannschaft

Vier willkürlich zusammengewürfelte Springfielder in einem Team, das erinnert stark an die Season-5-Eröffnung "Homer und die Sangesbrüder". Dabei ist die Willkür allenfalls in Homers Bowling-Team gegeben; der Rest Springfields wird in portionsgerechte Quartette aufgeteilt, von den "Stereotypes", bei denen die Klischeeherkunft und obligatorische Notwendigkeit gewisser Charaktere durchkommt, bis zu den "Holy Rollers", bei denen auch mal soziale Strukturen der Serie missachtet werden (Reverend Lovejoy kann den Fanatiker Ned Flanders eigentlich nicht ausstehen), nur damit die Charaktere rein thematisch zusammenpassen.


Während Bart im Subplot mit Hilfe des MAD Magazins einmal mehr die Anarchie auf die Probe stellt und damit auch ein Stück weit die amerikanische Kultur auf die Schippe nimmt (eigentlich sollte es langsam langweilig werden; dass es das nicht wird, ist dem Einfallsreichtum der Scriptwriter zu verdanken), geht es in der Hauptgeschichte um die Bildung von Einheiten in Form von Freundschaft und Teamgeist.
Der Zusammenhang zwischen diesen beiden Erzählsträngen dürfte oft übersehen worden sein. Auf der einen Seite werden zwei Extreme - die Anarchie und der schulische Militarismus als Zwangsmaßnahme - forciert und gegeneinander ausgespielt. Derweil steht in der Bowling-Geschichte die Freiwilligkeit im Vordergrund und das gegenseitige Bedürfnis der Zusammenarbeit zur Erreichung der wohl größten anthropologischen Maxime: des ökonomischen und sozialen Erfolgs. Der tatterige Mr. Burns - die Autoren setzen diesmal die Schwerpunkte wieder auf seine Altersschwächen anstatt auf seine Macht - stellt dieses Prinzip auf die Probe, an ihm und seiner Aufnahme in die Mannschaft zeigt sich, wie sehr der Teamgeist auf Empathie begründet liegt. Wenngleich insbesondere Homer alle Register zieht, den guten alten amerikanischen Egoismus zu bedienen, so muss am Ende natürlich die Selbstlosigkeit stehen; die moralische Aussage (auch wenn sie Simpsons-typisch gefühlte 20 Mal getwistet wird) muss am Ende stehen. "Team Homer" ist damit nicht gerade die mutigste Folge, angenehm anzuschauen ist sie aber doch, und mit Burns' drogenbedingter Weckmännchen-Vision ist auch mal wieder ein unvergessener Klassikermoment an Bord.


13. Die bösen Nachbarn

Der Satz "This is not a political satire" fällt im Audiokommentar mindestens fünfmal und wenn man von der dudengerechten Definition des Begriffs "Satire" ausgeht, kann man nichts weiter tun als den Satz ein sechstes Mal zu wiederholen. Denn George Bush Senior, der neue Nachbar der Simpsons, wird in den ersten beiden Akten so realistisch gezeichnet wie nur möglich. Von satirischer Überzeichnung keine Spur. Der Humor ergibt sich lediglich aus der skurrilen Konstellation, dass ein Ex-Präsident in das Vorortstädtchen Springfield zieht - und beide einen gegenseitig bedingten Kulturschock erleiden.
"Two bad neighbors" mag leicht misszuverstehen sein; die reine Anwesenheit Bushs in einer Serie wie "Die Simpsons" verleitet zur Annahme, dass politische Dinge auf dem Plan stehen müssen. Findet man solche nun nicht vor, kann man das Gesehene als schwachbrüstige politische Satire auslegen; oder aber, man pfeift auf das Politische und schaut dem ehemaligen Präsidenten dabei zu, wie er sich mit Homer in der Kanalisation prügelt und von Barts kindlicher Neugier zur Weißglut getrieben wird.
Die Bart-Abschnitte funktionieren als offensichtliche Anspielung auf die Trickserie "Dennis", von dessen Potenzial, das beim Dennis-Charakter laut Groening aber nie ausgereizt worden sei, Bart angeblich mit inspiriert worden sei (mit der Absicht, es quasi besser, sprich: böser zu machen). Bush wird somit zum genervten Mr. Wilson, seine Frau Barbara zur verständnisvollen Mrs. Wilson; in Einzelsketchen reiht sich ein Ärgernis an das andere und der Mann, der einzog, um Ruhe zu finden, erlebt, was es bedeutet, in Springfield zu wohnen.


Im Grunde wird einfach ein Stück US-Geschichte aus seinem ursprünglichen Kontext gerissen und ins Kleinstadtamerika der Neunziger Jahre verfrachtet. Die Pointe der Episode liegt darin, die Reaktion eines Reliktes zu sehen, das die USA einst entscheidend mitgeformt hat und nun höchstpersönlich mit der Welt konfrontiert wird, die sich enorm verändert hat. Doch nicht nur auf der diachronen Ebene im Zeitstrahl des Landes, auch mikroperspektivisch-lokal wird der Entscheidungsträger von gestern zum Probanden von heute. Gewissermaßen setzt man Bush hier einer Situation aus, für die er gar nicht mal so viel kann - und gerade die Hilflosigkeit des überforderten Rentners ist es, die der Schärfe erst die richtige Note gibt. Wo man Politiker sonst nämlich gerne mal die Konsequenzen ihres Handelns kosten lassen würde, hat dieser Politiker mit der Formung der amerikanischen Mittelstandsgesellschaft ja eigentlich überhaupt nichts mehr zu tun. Die Rednerszene generiert nicht nur den Anarcho-Humor eines Bart Simpson (Stichwort bunte Haare); zugleich verdeutlicht sie, wie gering der Einfluss des George Bush auf die Strukturen seines Landes inzwischen geworden ist, vergleicht man sie mit seinen Taten als Präsident der Vereinigten Staaten. Die Aussichtslosigkeit im Kampf gegen die Simpsons und das, was sie als Nachbarn verkörpern, nähert die Bush-Figur zuletzt gar derjenigen des Frank Grimes an, die ähnlich verbittert gegen rauschende Mühlen ankämpfte und letztendlich verlor.
Dass Gerald Ford schließlich als neuer Nachbar einzieht und mit Durchschnittsamerikaner Homer J. Simpson vom ersten Moment an auf einer Wellenlänge funkt, schießt da nurmehr den Vogel ab.


14. Eine Klasse für sich

Der "American Dream" mal um 180 Grad gedreht: Leute, wenn ihr unten seid, bleibt da!
So die Moral einer Folge, die doch sehr aufs weibliche Publikum abgestimmt ist. Mit kulturellen Barrieren bei der Sehnsucht nach erlauchteren Kreisen wird gespielt, und gesellschaftliche Akzeptanz tritt auf als richtende und henkende Instanz in einem.
Dass es ausgerechnet Marge ist, der die Chance zuteil wird, am Leben der High Society zu schnuppern, simuliert das Verlangen nach dem Unerreichbaren, wissen wir doch als Zuschauer einer Serie, die stets von neuem so beginnt, als wäre die 20 Minuten zuvor nichts passiert, dass Marge niemals aus ihrem Familienleben heraustreten wird (und dass es gut so ist).
Ohnehin ist die tapfere Hausfrau viel zu sehr in ihrem ursprünglichen Rollenbild verankert, als dass das Chanel-Kleid, das sich durch Irrungen und Wirrungen in einen Second Hand-Laden verirrt hat, mehr bieten könnte als ein kleines Abenteuer. Und so mutet schon das Bild einer staubsaugenden Marge im Wohnzimmer oder einer kundenbedienenden Marge an der Tankstelle paradox an, wenn sie dabei ihr edles Dress trägt.
Seine Tragik erntet der "Class Struggle" durch die Zeit: Je öfter Marge mit ihrer Familie den Golfclub besucht, desto auffälliger wird ihre einseitige Garderobe, und desto abfälliger die Bemerkungen ihrer Gesellschaft. Das Schlüsselbild einer Marge, die Abends an der Nähmaschine sitzt, um ihrem alten Kleid einen neuen Stoff zu verpassen, von den Animatoren eingetaucht in düstere Schattierung, es drückt einen verzweifelten Kampf um ein unsichtbares Gut an: Image. Dass die ganze Geschichte am Ende in einem Drecksladen wie "Krusty Burger" endet, gehört zum guten Ton; dass der pickelige Angestellte sich wundert, warum sich die Simpsons dort so wohl fühlen ("Man, you're crazy. This place is a dump!"), ist dagegen unvergleichlich "The Simpsons". Und ohnehin; beim nächsten Mal sind das grüne Kleid und die orangefarbene Perlenkette wieder zurück; ganz sicher.


15. Bart ist an allem schuld

Das Opening treibt die traditionelle Redundanz der meisten Episoden-Einleitungen auf die Spitze: mit der Spukhaus-Übernachtung (zu dem Zweck, etwas von einem verstorbenen Verwandten zu erben, was aber eben mit der Bedingung der Übernachtung verknüpft ist) wird gleich ein komplettes Subgenre des Horrorfilms als Klischee ausgehebelt. Interessanterweise verwendete später "Futurama" eine ganze Episode auf die Spukhaus-Übernachtungs-Thematik, während "Bart the Fink" (selbsterklärend eine Anspielung auf "Barton Fink") sie mal eben schnell abhandelt, um zum eigentlichen Thema überzuleiten: Steuerbetrug.
Wie man vom einen aufs andere kommt, ist ungefähr so absurd wie so manches Rätsel in "Monkey Island", aber das tut auch nichts zur Sache, wenn man anschließend sieht, wie köstlich die trockene Bürokratie des Steuersystems auf den Kopf gestellt wird. Angestellte einer Bank tragen mit ernsten Mienen Affenkostüme und Krusty Burger wird zum "Steuer-Burger" (geniale Szene), derweil Bart sein großes Idol ungewollt in den Ruin treibt.
Dank des Einbruchs der Show-Fassade darf man mal wieder tiefer in Krustys Innenleben blicken - allerdings erst zum Schluss, denn bis dahin bleibt das Schicksal des "weinenden Clowns" ungewiss. Über den Mittelteil verliert sich das Drehbuch auch mal in Verworrenheiten und Irritationen, manchmal gewollt, manchmal nicht. Das entspricht jedoch nur dem Wesen des Herschel Shmoikel Krustofsky, der sich nicht unähnlich Superman schminken muss, um wie ein normaler Mensch auszusehen, und dessen wahre Gestalt dasjenige ist, was aussieht wie Schminke.
Unterhaltungstechnisch gestaltet sich die Geschichte daher sprunghaft (Highlights wie die vom Finanzamt übernommene Burgerkette und der tanzende "Handsome Pete" wechseln sich ab mit Momenten des Abwartens), frei von Tiefe ist sie aber keineswegs, obwohl nicht immer ganz klar wird, was genau eigentlich Thema ist: Persönlichkeitsrechte? Das Showgeschäft? Das Finanzsystem?


16. Das geheime Bekenntnis

Seit "Bart köpft Oberhaupt" aus Staffel 1 genießt Stadtgründer Jebediah Springfield Tradition. Nicht nur transportiert er Meilensteine der US-Geschichte, insbesondere bezugnehmend auf die Entdeckung und Kolonisierung des amerikanischen Westens, sondern dient dem launischen Springfielder Pöbel auch als "Opium fürs Volk" - und wehe, jemand erhebt seine Stimme gegen den Volkshelden und lässt ein graues Haar an ihm. Beginnt eine Storyline um den schnauzbärtigen Pionier nun mit "Lisa" im Titel, so lässt sich erahnen, was in Springfield bald los sein wird ...
"Lisa the Iconoclaust" räumt vor allem mit der Heroisierung historischer Figuren gründlich auf. Mit der liebevoll kritischen Hingabe, die man zuletzt bei den Coens mit "No Country For Old Men" begutachten durfte, zeichnen die Autoren Jebediah Springfield, den die Geschichte zu einem ehrenvollen Mann gemacht hat, als hinterlistigen Piraten mit dem wenig schmuckvollen Namen "Hans Sprungfeld", der sich mit Freuden Ehrenmänner wie George Washington vornahm.
Die Recherchen Lisas sind im Grunde nurmehr eine Wiederholung ihrer Motive aus "Einmal Washington und zurück" (Season 3), doch dienen sie diesmal bloß als Antrieb, um die Wurzeln Springfields auszugraben. Und die sind mehr als drollig; mit Hut und Glocke darf Homer durch die Straßen wandern und "HEAR YE! HEAR YE!" schreien, während die Zivilisten mit Trapperhüten umherlaufen, um ihrem großen Idol Tribut zu zollen.
Freilich wäre es zu idealistisch und eindimensional, den Helden einfach zu entmystifizieren und die Stadt gebrochen zurückzulassen. So betont der letzte Akt die Nützlichkeit der "Opium fürs Volk"-Formel und lässt Springfield in dem betäubenden, zufriedenstellenden Glauben, der Stadtvater sei ein ehrbarer Mann gewesen.
Darüber hinaus ertrinkt die Episode in wundervollen, detailreichen Animationen, einer spannenden Rätselgeschichte und ist zudem mit einem Gaststar Donald Sutherland ausgestattet, dessen Museumswärter ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist.


17. Butler bei Burns

"Bringe einem Mann einen Fisch, ernährst du ihn für einen Tag. Bringe ihm bei, wie man Fische fängt, und du ernährst ihn ein ganzes Leben."
Dieses zur Selbstständigkeit aufrufende Sprichwort kann als Leitsatz von "Homer the Smithers" betrachtet werden, wird aber im Verlauf der 20 Minuten selbstredend ein wenig verdreht. Zumindest hat es nichts Ehrenhaftes oder Kluges an sich, wie Homer seinen Chef Mr. Burns dazu bewegt, die Zügel seines Daseins wieder selbst zu halten; es hat eher was Zufälliges. Und dass Smithers der Mann ist, der Mr. Burns jeden Tag aufs Neue einen Fisch bringt, hat auch nichts Dummes an sich. Im Gegenteil, der alte Mann wird seit all den Jahren ganz bewusst zur Abhängigkeit verdammt, damit Smithers sich gebraucht fühlen kann.
Man ahnt es schon, das Drehbuch von John Swartzwelder betont wieder eher die Altersschwäche des nun schon 107-jährigen Greisen und nicht seine Machtposition, obwohl beide Seiten der Burns'schen Medaille diesmal hervorragend gegeneinander ausgespielt werden. Im Gegensatz zu anderen "Altersschwäche"-Episoden sieht man Burns diesmal nämlich vorwiegend in seinem prunkvollen Büro, das in der Serie traditionell das Burns'sche Machtmonopol in Springfield symbolisiert. Das hilflose alte Ding auf dem riesigen Chefsessel will aber so gar nicht einschüchternd sein.


Wohin Isolation einen Menschen führen kann, wird anhand unzähliger Details im Umgang mit dem "Normalvolk" gezeigt. Insbesondere bleibt die "unheimliche Begegnung" mit Atomkraftwerksmitarbeiter Lenny haften, als der den von Smithers kurzzeitig unbeaufsichtigten Chef in seiner Limousine nach einem vertriebsinternen Ausflug zu einem Ultraspeed-Autorennen angetrunken ansäuselt. Die lieb gemeinten Worte und der erhobene "OK"-Daumen Lennys wirken auf Burns bedrohlich - ein Werk des Mannes, der kurz darauf den penetranten Angestellten schroff vom Auto wegreißt.
Smithers nämlich versucht nun, ob seines angedachten Zwangsurlaubes die Beziehung zu seinem geliebten Chef so zu erhalten, wie sie ist, und ernennt deswegen natürlich Homer Simpson zum Nachfolger; das Blatt wendet sich jedoch gegen den Anstifter und plötzlich greift das alte Sprichwort. Der alte Mann, der einst zu leben gewusst hat (immerhin hat er sich im Laufe seines Lebens ein stattliches Kapital angehäuft), erlernt es aufs Neue und plötzlich sind weder Homer noch Smithers noch von Bedeutung als Assistenz.
Wie in jeder Geschichte von Macht, Gier und Schicksal gibt es jedoch auch diesmal Variablen X und alte Hexen. Beides besorgt Mrs. Burns, Montgomerys Mutter (ein schauriger Gedanke ob des methusalischen Alters schon des Sohnemanns), die letztendlich ganz klassisch dazu dient, den Status Quo der Serie wieder herzustellen.
Wie tiefgründig der Witz der Serie übrigens schon in kleinen Wortspielen ist, in denen man auf Anhieb keine tiefere Bedeutung erwarten würde, zeigt das "Ahoi-hoi", mit dem Burns in neu gewecktem Tatendrang ans Telefon geht. Es spielt auf den Formatkampf bei der Einführung des Telefons zwischen Alexander Graham Bell und Thomas Alva Edison an (Bell wollte, dass man sich mit "Hallo" meldet, Edison bevorzugte das "Ahoi") und unterstreicht damit das altertümliche Denken des C. Montgomery Burns.


18. Wer erfand Itchy & Scratchy?

Das amerikanische Wirtschaftssystem spiegelt sich in der Gegnerkonstellation "Animationsstudioboss vs. Obdachloser" mehr als wieder. Wenn der Obdachlose dann schließlich vor seiner goldenen Villa sitzt, den reichen Nachbarn aber weiterhin niedere Dienstleistungen anbietet, so wird eines klar: Manchmal ändert sich der Lebensstil eines Menschen durch Zufälle und Schlupflöcher vor Gericht so massiv, dass der Charakter des Menschen dem gar nicht nachkommt. Der Irrsinn im Spiel mit der Waage der Gerechtigkeit, er ist Gegenstand von "The Day the Violence Died".
Bewusst ist alles karikaturistisch überzogen, wie ein Comic-im-Comic zieht sich der Plot hoch. Das Design des Penners Chester J. Lampwick (im Original gesprochen von Kirk Douglas) orientiert sich an der Jahrhundertwende - der vorletzten, versteht sich, also derjenigen ins 20. Jahrhundert hinein. Über allem schwebt der Geist von Walt Disney sowie der Kopf seines Simpsons-Pendants in einer Tiefkühlbox auf dem Schreibtisch seines Sohnes und "Itchy & Scratchy"-Erfinders. Springfield mutet in Gegenwart von Lampwick an wie mit Pflastersteinen ausgelegt und von Pferdekutschen befahren, Schwarzweiß-Stummtrickfilme vom altmodischen Rollenprojektor mit realer Klavierbegleitung inbegriffen.


Das Justizsystem wird geschickt aufgewogen mit dem ökonomischen Nutzen. Während im Endresultat nämlich die Trickfilmschmiede zugrunde geht, ist die Milliarde Dollar Schmerzensgeld in den Händen des Obdachlosen totes Kapital; keine Anlagen, lediglich ein goldenes Haus erwirbt sich der Neureiche, und Leber und Zwiebeln bleiben nach all den Jahren auf der Straße nun mal das Leibgericht, nicht etwa Kaviar. In Frage gestellt wird nicht der Gerechtigkeitsanspruch, sondern die Verhältnisse; ist einem Mann, der jahrzehntelang um sein geistiges Eigentum betrogen wurde und deswegen in ärmsten Verhältnissen lebte, am besten damit geholfen, indem man ihm eine Unsumme in die Hand drückt? Und vor allem: hat der Trickfilmboss, so wirtschaftlich-raffgierig und emotionslos er auch dargestellt wird, ein Verbrechen begangen, das eine Milliarde teuer ist? Fragen, die aufgewühlt werden, ohne dass direkt Stellung für sie bezogen würde.
Abgeschmeckt wird alles mit gewaltig vielen Anspielungen und Insidergags - wie eigentlich immer, wenn Comics den Rahmen einer Episode bilden, denn hier sind ganz offensichtlich Kenner der Materie am Werk. Einen ganz besonderen Schlussgag gibt es dann auch noch zu bestaunen, als die Regeln der Serie gebrochen werden. Mit selbstreflexiver Attitüde gesteht das Skript diesmal nicht Lisa und Bart zu, den Fall zu lösen, so wie man es gewohnt ist, sondern den bis dato unbekannten "Lester" und "Eliza" - hässlichen und verunglückten Bart- und Lisa-Karikaturen, die gewaltig an die ersten Simpsons-Shorties in der "Tracey Ullman-Show" erinnern. Womit ein Schema, dessen sich bei weitem nicht nur die Simpsons bedienen (man denke bloß an Trickserien wie "Scooby-Doo"), wieder mal aufgebrochen wäre.


19. Selma heiratet Hollywood-Star

Als Antrieb einer Persiflage auf den unattraktiven B-Auswurf des zehrenden Monsters Hollywood gerät Selma in die Apparatur, die Desperate der beiden Zwillinge, diejenige, die mit ihrem Leben unzufrieden ist. Es hat etwas zutiefst Tragisches an sich, wie sie im Wissen darum, ausgenutzt zu werden, sich auf eine Scheinehe mit einem Fernsehschauspieler einlässt, der mit Imageproblemen (kurios: es wird ihm unterschwellig eine sexuelle Affinität zu Amphibien unterstellt) zu kämpfen hat und dem aus diesem Grund eine neue Frau an seiner Seite bei seiner Karriere hilft.
Warum ausgerechnet eine Selma, die gemeinsam mit ihrer Schwester seit Anbeginn der Serie als Prototyp der unattraktiven Frau präsentiert wird, einen Ex-Filmstar wieder auf die Spur zurückbringen können sollte, erscheint im ersten Moment noch unglaubwürdig, ist in letzter Instanz aber ein geschickter Kniff: Das Menschliche, Fehlbare gerät ausgerechnet in diesem falschen Spiel in den Vordergrund, wodurch die Empathie des Publikums, die nicht selten Gekünsteltes als authentisch wahrnimmt, auf Herz und Nieren geprüft wird.
Gewissermaßen ergänzen sich Troy und Selma hervorragend; mit der bitteren Ironie abgeschmeckt, dass vor allem Troy nicht dazu imstande ist, dies zu erkennen, wenngleich angedeutet wird, dass in einer Parallelwelt ohne Showbiz diese verquere Partnerschaft tatsächlich funktionieren könnte.
Pools, futuristische Wohnzimmer, Abendgarderobe und Galas bestimmen dann auch das Setdesign der Episode, setzen Prunk den niederen Beweggründen der Beteiligten (neben Phil Hartmans wie immer herrlicher Hollywood-Karikatur Troy McClure unter anderem auch Gaststar Jeff Goldblum als skrupelloser Agent) entgegen und erschaffen so einen offensichtlichen, aber erfrischenden Kontrast, der Selmas Schicksal, das in weiteren Folgen (unter anderem mit Sideshow Bob) noch auf die Spitze getrieben wurde, greifbar macht.


20. Die Reise nach Knoxville

Blenden wir mal aus, dass die Auto-Spritztour von ein paar Viertklässlern ebenso unglaubwürdig wie unreflektiert bleibt, was ihre Durchführbarkeit anbelangt, entpuppt sich die "Reise nach Knoxville" als ausgesprochen witziges Abenteuer mit dem typischen "Stand by Me"-Flair (in Road Movie-Kombination), wenngleich festzustellen ist, dass die Episode das noch in dieser Staffel folgende "Ein Sommer für Lisa" vom Gefühl her schon vorwegnimmt und damit auch ein wenig vorbereitet.
Während Homer und Lisa sich über den Arbeitsplatz des Vaters relativ unoriginell, aber durchaus liebenswert wieder ein wenig näher kommen (und das ja nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Serie), gefällt die Reise der vier Kinder durch deren ungleiche Charaktere. Bart, Milhouse, Nelson und Martin in einem Wagen miteinander zu konfrontieren, hat ein derart enormes Potenzial, dass die Autoren darauf vertrauen, über weite Strecken einfach nur das fahrende Auto und die sich darin unterhaltenden Insassen zu zeigen. Zwar wird die Fahrt kameratechnisch ordentlich aufgepeppt (eine sehr starke Kamera-Rundumfahrt um das fahrende Auto leitet die Reise eindrucksvoll ein), doch auch so passiert genug - unter anderem sieht man den Anhalter, der den Twens aus Interner Link"Texas Chainsaw Massacre" bereits die Ferien gründlich versaut hat. Und diese Parallele kommt nicht von ungefähr: In beiden Fällen wird eine Reise mit großen Erwartungen an eine schöne Zeit angetreten, ohne dass sich die schöne Zeit jemals einstellen würde.
Das Ziel nämlich, die berühmte Sonnenkugel von Knoxville, ist ein Relikt der Weltausstellung 1982 und damit die Urkunde, dass sich die Welt seit damals 15 Jahren längst wieder von Tennessee abgewendet hat. Womit die Reise zur Verkörperung der These wird, dass der Weg das eigentliche Ziel ist. Vor allem Barts Rolle als "Oberhaupt" der Gruppe überzeugt in Parallele zum Verhalten eines Familienvaters, der seine Kinder in Zaum halten muss. Bart freilich macht das genaue Gegenteil und so nimmt das Abenteuer Wendungen, wie es sie im Grunde genommen nur im Trickfilm geben kann. Dennoch bleibt das Menschliche nicht außen vor - im Gegenteil, es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, Träume auszuleben, auch wenn man oftmals Filme (und Serien) braucht, die einem diesen Job abnehmen. Und die dann zeigen, dass es nicht der Traum selbst ist, dem man hinterherjagt, sondern der Weg, ihn zu erreichen.


21. 22 Kurzfilme über Springfield

Es war klar, dass die Simpsons, ihrerseits Aushängeschilder der Postmoderne, das andere populäre Aushängeschild der Postmoderne irgendwann verarbeiten mussten - Quentin Tarantinos Interner Link"Pulp Fiction" nämlich.
"22 Short Films About Springfield" (der Titel spielt an auf "32 Short Films About Glenn Gould") verwendet zwei Jahre danach nicht bloß einzelne Szenen der berüchtigten Gangsterballade, sie zelebriert vor allem dessen delinearen Erzählstil und damit die Abkehr von der klassischen Dramaturgie, welche die Inhalte in eine lose Verknüpfung setzt und sie soweit ins Profane zieht, dass ihre Bedeutung bzw. ihr Sinn ins Unsichtbare verschwindet.
In aller Regel verfolgt die Serie bekanntermaßen das klassische Dreiakt-Modell. Den Autoren gelingt es nun, die eigenen Strukturen mit den Mitteln des Episodenformats narrativ bloßzustellen. Zwar wird auf die Zeitsprünge von Interner Link"Pulp Fiction" verzichtet, dennoch ist die Wirkung enorm: Die Figuren werden in einer Charakterspirale festgehalten und reduzieren sich von einer Sekunde auf die andere zu Stereotypen.


Während man gerade in den Staffeln zwei bis vier darum bemüht war, erstmals die Nebenfiguren (also alles außer die Familie Simpson) in den Vordergrund zu zerren und sie im Zuge ihrer jeweiligen Geschichte Entwicklungen durchleben zu lassen, lässt die kurze Dauer der "22 Short Films" dies nun gar nicht zu.
Vor allem bekommen jetzt Charaktere aus der dritten Reihe ihre paar Sekunden Ruhm: Der Bienenmann (dessen echtes Leben sich nicht sonderlich von seinen Showauftritten unterscheidet), Cletus (der besonnen seinen Weg geht und in seiner hinterwäldlerischen Art unheimlich glücklich ist), Herman (der zwar vor Interner Link"Pulp Fiction" erfunden wurde, aber dem Ladenbesitzer aus diesem Film derart gleicht, dass man meinen könnte, er sei nur für diese Rolle geschaffen worden). All ihre Geschichten verknüpfen sich durch zufällige Anordnungen in Szenenübergängen. Mal wird dem Flug einer Biene von einem Schauplatz zum anderen gefolgt, mal löst eine Figur etwas aus, was für eine andere Figur den Beginn eines kleinen Abenteuers bedeutet. Der Blick wird auf das "Dazwischen" gelegt, jene Schauplätze zwischen den regulären Episoden, wo man eigentlich nichts von Belang erwarten würde - und überrascht ist, dass es auch dort recht turbulent zugehen kann. Zumindest Springfield selbst, wenn schon nicht seinen Bewohnern, wird damit eine Entwicklung zuteil; nie wirkte die Kleinstadt lebhafter als durch den Blick auf ihre Peripherie.
Es klingt zwar etwas moralisch, wenn Bart am Ende sinngemäß meint "... siehst du Milhouse, es scheint ja doch einiges zu passieren in unserem kleinen Städtchen", aber der Clou ist ja gerade der, dass eine solche Moral gar nicht auftaucht.
Was bei all dem liebevollen Gefühl für Details und den Gags im Kleinen die Episode letztlich zu Fall bringt, ist der Umstand, dass das Postmoderne seinesgleichen nicht nochmals postmodernisieren kann. Deswegen fehlt die bekannte Doppelbödigkeit nahezu vollständig. Es entsteht das Gefühl, einer Interner Link"Pulp Fiction"-Nacherzählung oder Neuinterpretation beizuwohnen; Interner Link"Pulp Fiction" selbst wird jedoch nicht aus einem Meta-Blickwinkel dargestellt. Kann es auch nicht, weil "Die Simpsons" sich - wenigstens seinerzeit, 1996 - auf dem exakt gleichen Level bewegen. Heute würde das vielleicht wieder anders aussehen.

22. Simpson und sein Enkel in "Die Schatzsuche"

Interner Link"Indiana Jones" und andere Mythensagen gleicher Tradition müssen aufhorchen, als sich Grampa Simpsons Ammenmärchen diesmal als Wahrheit herausstellen. Die Tradition solcher Sagen ist es, der jegliche Würde genommen wird. Erst die Chöre geheimnisvoll anschwellen lassen, sie dann mit einem Gag zu stürzen - auf diesem Prinzip baut Jeffrey Lynchs mit Aufwand realisierte Geschichte auf.
Es werden Rückblenden gebraucht, angereichert mit Reminiszenzen an Kriegsfilmklassiker und aufgepeppt durch die Väter altbekannter Springfield-Charaktere, die neben Abe Simpson und dem Original-Mr. Burns den legendären "Flying Hellfish" angehörten: von Wiggum über Skinner zu Gumble, alle sind sie da. Die Gegenwart dann in extravagantem Zwielicht mit hübschen, aber schwer zu bewerkstelligenden Schattierungen von Objekten und Personen. Durch und durch wird das Flair klassischer Fantasy-Abenteuer zelebriert, zuletzt gesehen in Guillermo del Toros Interner Link"Hellboy" samt Interner LinkFortsetzung.
Wer mit so viel Liebe fürs Detail einen Erzählstil mit Simpson'schen Werkzeugen demontiert, läuft Gefahr, sich in der Faszination der sogkräftigen Bilder zu verlieren, so wie man es meinen könnte, wenn man Burns und Abe bedeutungsschwanger im Regen auf dem Friedhof stehen sieht, der Scheinwerfer im Begriff ist, das Geheimversteck preiszugeben, oder wenn sich Enkel und Opa umarmen - doch rutscht Abe die Hose im ungünstigsten Moment herunter, der Scheinwerfer bleibt mitten im Gewässer stehen und die Umarmung wird durch einen überheblichen Deutschen gebrochen, der die Szene als homosexuell fehlinterpretiert. Kurz: es gelingt formidabel, jeden magischen Moment mit dem perfekten Timing auszuhebeln, um ihn ins Lächerliche zu ziehen.
Einige Handlungen können infolge dessen rüde wirken (zwar hält man Burns für bösartig, aber nicht so bösartig, dass er einen kleinen Jungen in eine Kiste treten würde und diese Kiste ins Wasser fallen ließe), sind aber selbstverständlich nicht auf die Charaktere zu übertragen, sondern den klassischen Motiven eines solchen Abenteuers zu verdanken - auch wenn es schwer fällt, zwischen dem gewöhnlichen Serien-Burns und dem speziellen Hellfish-Burns eine Grenze zu ziehen.
Unter dem Strich bleibt eine Episode, die sich vom Rest abhebt, und sei es nur durch die ungewöhnliche Kombination Bart und Grampa, da sich beide ansonsten doch sehr aus dem Weg gehen.


23. Volksabstimmung in Springfield

Diese politisch motivierte Folge beginnt mal wieder mit einem hervorragenden Einstieg, der nicht nur logisch mit dem Mainplot verknüpft ist, sondern dazu - so absurd er sich auch anhören mag - auf realen Ereignissen beruht: Springfield führt eine Bärenpatrouille-Steuer ein. Auslöser ist das Auftauchen eines einzelnen Bärs vor Flanders Haus, und dieses singuläre Ereignis bringt die Stadtverwaltung zum Glühen. Der populistische Bürgermeister folgt den Wünschen des Volkes, sieht das Volk dann aber aufgebracht, als es auf der Lohnabrechnung die Steuer für jene Einrichtung bemerkt, die das Volk selbst gefordert hat. Nicht nur Quimby fragt da verdutzt "sind die dumm?"
Dem verirrten Bären wird ein ganzes Arsenal an Abwehr entgegengebracht, dass die Begriffe "Paranoia", "Protektionismus" und "Kalter Krieg" nicht mehr fern liegen.
Das ganze Schlamassel wirft so viele Probleme auf, dass ein Sündenbock gesucht werden muss, und da wird man schnell fündig: Die Ausländer sind schuld und müssen raus aus Amerika!
Auftritt Apu. Die Einwandererthematik kommt immer mal wieder durch, diesmal wird sie zum Hauptanliegen gemacht. Der Inder sieht sich gezwungen, eine Amerikanisierung zu durchleben, möchte er in seinem Land bleiben. Es wird die Paradoxie aufgedeckt, dass manche Ausländer in ihrem Naturell "amerikanischer" sind als viele Amerikaner. Auswahlkriterien werden ins Lächerliche gezogen, in einer Rückblende gar wird der Kopf der Freiheitsstatue von den Eltern von Abe Simpson, die selbst Einwanderer waren, faktisch und metaphorisch mit Müll gefüllt.
Das Wahlsystem erweist sich als absurd, die Aufnahmeprüfung als willkürlich. Als Apu im Mets-Shirt mit Cowboy-Hut Tom Cruise und Nicole Kidman auf dem Cover der "Entertainment Weekly" als höchste Errungenschaft preist, wird das ganze Ausmaß der Scharade überdeutlich.
Aufgelöst wird die Geschichte ungewöhnt konventionell, mit Hinweis nämlich auf die multikulturelle Identität der "Salad Bowl" Amerika, auf die Spitze getrieben durch eine heißblütige Rede Homers beim Barbecue. Zwar wird Hausmeister Willie noch unfreiwillig aufs nächste Schiff gesetzt und damit ein letzter Treffer gesetzt, etwas mehr hätte man als Abschluss aber schon erwarten können, auch weil die schwierige Thematik bis zum unglücklich moralischen Ende mit Bravour gemeistert wird.


24. Homer auf Tournee

Als "Homerpalooza" seine Erstausstrahlung feierte, war ein Sender noch ganz groß: MTV. Dort sorgte Mike Judge seit drei Jahren mit den Taugenichtsen Interner LinkBeavis und Butt-Head für Zynismus pur gegenüber der aktuellen "Generation X"-Kultur, die sich für nichts interessierte und alles verneinte, inklusive sich selbst.
Was für ein wunderbarer Moment also, als Homer seine Kids (und deren Mitschüler) zu einem Konzert fährt und ihnen seine Art erläutert, abzurocken: er beJAHT das Leben, indem er ekstatisch mit seinem Kopf nickt. Zwei Kulturen stoßen aufeinander, und als Homer im Plattenladen steht und ratlos auf die Plakate von "Sonic Youth" und "Nine Inch Nails" starrt, wird klar: es geht auch um Verjährung.
Auf dem Hollapalooza sind unter anderem besagte Sonic Youth nebst Cypress Hill und den Smashing Pumpkins zu finden und mit unheimlich ausdrucksstarken Auftritten gesegnet. Die Musiker der Truppe um Billy Corgan greifen versiert, aber gelangweilt in die Instrumente, Cypress Hill missbrauchen ein Orchester, Sonic Youth machen sich am liebsten über das Frühstück her und das langhaarige Publikum schwankt wie in Massenhypnose von einem Punkt auf den anderen, zombieähnlich ins Leere starrend (und nicht etwa auf die vermeintlichen Idole vor ihnen auf der Bühne).
Als einzige Möglichkeit, einem Herausgewachsenen der Generation "Rock'n'Roll" in den Augen der "Generation X" Coolness zu verpassen, ist der oberflächliche Reiz des Freaktums, in das sich Homer als "Kanonenkugelmann" mit Freuden begibt, um seinem Sohn zu imponieren. Personen definieren sich über ihre Fähigkeit zur Selbstverstümmelung, was gewissermaßen den Kult um Interner Link"Jackass" schon vorwegnimmt. Die transportierte Botschaft ist standardmäßig und zu vernachlässigen, interessanter ist da schon, wie zielgenau die paradoxe Attitüde der Grunge-Bewegung der 90er Jahre erfasst und aufgedeckt wird. Und in diesem Zusammenhang wage ich fast zu behaupten, nie wurden Gaststars cooler eingebaut als hier.


25. Ein Sommer für Lisa

Wer "Stand by Me" kennt, der weiß in etwa, welch wundervoll wehmütiges Gefühl es ist, das auch von "Ein Sommer für Lisa" verströmt wird. Im Gegensatz zum auf Stephen King basierenden Coming of Age-Abenteuer jedoch steht im Season 7-Abschluss nicht die Gruppendynamik eines Freundeskreises im Vordergrund, sondern das Gegenteil, die Selbstfindung einer Einzelgängerin nämlich, wenngleich auch Lisa Simpson in diesem Sommer endlich Freunde findet.
Popularität steht auf der Zielflagge der Folge, die sich damit auseinandersetzt, mit welchen Mitteln Beliebtheit erreicht werden kann und welche dieser Mittel authentisch sind und welche nicht. In der gewohnten Alltagsumgebung kann die Erkenntnis nicht zu der aufstrebenden Schülerin durchreichen, sie würde lediglich in ihren Büchern versinken und die Welt um sich herum vergessen. Also geht es in den Urlaub, wo die Ausgangssituation ganz neu ist. Wenigstens fast; der liebe Bruder reist bereits mit einem Freund im Gepäck an, doch letztlich stellt sich das als nicht besonders großer Trumpf heraus; mit Milhouse lässt sich nun mal nicht angeben. Lisa muss nun verwundert feststellen, dass sie es ist, der das Interesse der "coolen Strandkids" (die übrigens die "Generation X"-Attitüde der vorhergehenden Episode fortführen; Zitat: "Yeah, stuff sucks!") gilt, sie aber nun im Dilemma gefangen ist, ihre wahre Identität begraben zu haben und sich für jemand auszugeben, der sie nicht ist.
Die Regie spielt hervorragend mit diesen Zutaten - der Maskerade und Bart als explosives Gemisch, das binnen Sekunden alles hochgehen lassen könnte. Nebenher weiß Homer allerhand Unsinn anzustellen und Milhouse nimmt nahezu eine Hans-Maulwurf-Funktion ein, hat gleich drei der besten Szenen der kompletten Staffel (1: taucht unerwartet hinter der Cornflakes-Packung auf, nachdem Lisa ihren Bruder massiv angegiftet hat, 2: verliert Brille und hält prähistorische Sandassel für einen Hund und streichelt sie, 3: wird von Homer beim Spieleabend auf seine Ähnlichkeit zu dem Bild auf der "Niete"-Karte aufmerksam gemacht).
Dazu einige ausgezeichnete Setdesigns, starke Beleuchtung und Kameraperspektien, und es setzt sich ein nachhallendes Sommerabenteuer zusammen, das nostalgisch nicht nur auf diese Episode, sondern auf eine komplette Staffel zurückblicken lässt.



Die Mittneunziger-Staffel bringt, so hat sich gezeigt, viel Zeitgeistiges zuwege, hat also eher wenig von einem Märchen und wird der symbolischen 7 nicht so wirklich gerecht. Vielmehr handelt es sich um die Staffel mit der vielleicht gewaltigsten 90er-Jahre-Attitüde.
Nicht etwa, dass sie diese Attitüde selbst annehmen würde; vielmehr macht sie sich umfassend über sie lustig. Der Ausklang hallt einer Serie stets nach. Zuletzt steht zweimal die Mir-egal-Generation im Blickfeld und auch vorher schon werden gerne aktuelle Ereignisse aufgegriffen und in absurde Plots umgewandelt ("Volksabstimmung in Springfield", "Die bösen Nachbarn").

Der postmoderne Blickwinkel ist jederzeit greifbar, wird mit einer Hommage an Interner Link"Pulp Fiction" einmal sogar selbst zum Thema gemacht ("22 Kurzfilme über Springfield"). Ansonsten gelingt einer supersaftige Mischung von allem, was irgendwie Spaß macht: Die Halloween-Folge erlebt einen Quantensprung ("Homer 3-D"), Homer findet seine Mutter wieder ("Wer ist Mona Simpson"), Grampa und Bart kämpfen sich durch ein Abenteuer Indiana Jones'schen Ausmaßes ("Simpson und sein Enkel in Die Schatzsuche"), Marge lernt die High Society kennen ("Eine Klasse für sich"), Maggie bleibt ungetauft ("Bei Simpsons stimmt was nicht") und Lisa findet dank Paul McCartney zum Vegetarismus ("Lisa als Vegetarierin"). Es geschieht selten, dass mal etwas nicht funktioniert, was die Autoren sich dabei vorgenommen haben, und wenn, sind es meist nur Details, die nicht ganz stimmig sind.

Die DVD-Aufarbeitung der siebten Staffel steht ganz im Zeichen des Showbuisness. Die Menus zeigen diverse Figuren (manchmal auch in Verkleidung) beim Auftritt auf dem roten Teppich. Wie immer lohnt es sich, hier ein paar Sekunden zuzuschauen, um extra erstellte Gags zu erleben. Auch die Untermenus wurden mit viel Aufwand erstellt und beinhalten ebenso wie die Hauptmenus ein paar witzige Momente. Das allein sollte schon als Bonusmaterial gelten, denn selten wird für eine DVD-Aufarbeitung soviel Mühe investiert; aber Fox ist sich der Wertigkeit ihrer hauseigenen Serie schließlich bewusst. Das Booklet im Stil einer Tageszeitung enthält Inhaltsangaben und Kapitelangaben sämtlicher Folgen inklusive Auflistung der Gaststars. Bis auf einen amüsanten Begrüßungsbrief von Matt Groening enthält es aber vorerst keine Hintergrundinformationen. Die gibt's mit Audiokommentaren, die zu jeder Episode existieren. Wenn ich behaupte, dass man als Simpsons-Fan um diese nicht umhin kommt, rede ich mir vermutlich den Mund fusslig, denn neben Autoren, Produzenten, Sprecher, Zeichnern sind ein paar Gaststars dabei, und das ergibt einen ziemlich wilden, lustigen Haufen!
Auf DVD 1 stellt "The Simpsons"-Vater Matt Groening erst mal die Folgen und ein paar Extras in nur 2 Minuten vor, was man beinah als Fernsehwerbung schalten könnte. Zur wegweisenden Folge, in der Homer in 3D erscheint, wird ein kleines Making Of präsentiert, das trotz der kurzen Laufzeit ausführlich die Schwierigkeiten und die letztliche Umsetzung der Renderings beschreibt. "Paul und Lindas Linsensuppe" bezieht sich auf den Gastauftritt von Paul und Linda McCartney in "Lisa als Vegetarierin". Paul McCartney liest dazu ein Rezept vor und hängt noch einen kleinen Bemerk an. Im Animationsschaufenster kann man erste Konzeptzeichnungen mit Testanimationen und der fertigen Folge betrachten. Dasselbe gibt es für eine weitere Episode auf Disc 4. Auf DVD 3 erwartet den Zuschauer ein Videokommentar, bei dem die Macher der Serie auf die Bilder der Folge malen und damit einige Zeichenkniffe erläutern können. Man muss sich nicht unbedingt fürs Zeichnen interessieren, um diese Art von Making Of zu mögen, denn man erfährt am Beispiel, wie einige Figuren konzipiert sind, welche perspektivischen und räumlichen Tricks angewandt werden und wo die Zeichner kleine Gags im Bild versteckt haben. Danach möchte man am liebsten noch ein mal alle Folgen anschauen, um genau auf solche Details zu achten. Auch die letzte DVD enthält ein solches Making Of. Außerdem kann man sich dort alle gesammelten Deleted Scenes nacheinander anschauen, die auch auf den einzelnen DVDs verteilt zu finden sind, wo sie nahtlos in den Film integriert werden können. Eine Folge wird zusätzlich mit drei weiteren Synchronisationen angeboten und an anderer Stelle darf man sich 10 bereits fortgeschrittene Konzeptskizzen anschauen. Sämtliche Extras sind natürlich in englischer Sprache verfasst und deutsch untertitelbar.


Die Bildqualität der Vollbild-Serie hat sich leider auch bei der 7. Staffel nicht geändert. Wirklich schlimm ist es zwar nicht, erbaulich aber ebenfalls nicht. Grund für diese Einschätzung ist, dass die DVD immer noch aussieht, als ob sie von einer analogen Quelle gemastert wurde. Das sehr dezente Hintergrundrauschen entsteht beispielsweise nicht während des Zeichenprozesses. Auch ein paar Moiré-Muster und zu weiche Konturen lassen 4 Punkte noch in weite Ferne rücken. Die Farbpracht ist dafür wieder erstklassig und das Bild bis auf wenige Ausnahmen sehr sauber. Kompressionsprobleme wird man höchstens mal bei genauem Betrachten von Standbildern erkennen.
Abermals bekommt die Serie sowohl den Originalton als auch die hervorragende deutsche Synchro im Dolby Digital 5.1-Upmix mitgeliefert. Wie bei den Vorgängerstaffeln fällt besonders in Musikeinspielungen eine sehr kraftvolle Abmischung auf, die man im TV so nicht erleben kann. Vor allem der Bass macht einen sehr guten Eindruck für eine TV-Serie, was z.B. bei den Band-Gastauftritten in "Homer auf Tournee" oder während der Kampfsequenzen in "Simpson und sein Enkel in 'Die Schatzsuche'" hervorsticht. Die 4 Punkte hat sich die Serie diesmal verdient, weil auch kleinere Geräuscheinspielungen immer mal wieder auf den Rears landen, was den actionreicheren Folgen der 7. Staffel zu verdanken ist. Ein raumfüllender Klang ist es zwar noch nicht, aber ein sehr klarer, warmer mit einigen hörbaren Effekten. Einzig dass die deutsche Version bei einigen kleinen Übersetzungen noch nicht ganz sicher ist (Witze gehen bei Texteinblendungen verloren, weil wörtlich übersetzt wird), ist noch zu bemängeln. Wer möchte, kann aber auf den ebenfalls sehr guten O-Ton zurückgreifen, dem man deutsche oder englische Untertitel zuschalten kann.


Sich durch die siebte Staffel "kämpfen" kann man nur, wenn man dazu "gezwungen" ist, die komplexen Diskurse in Schrift und Wort zu verewigen, die sich durch den Gelbling-Konsum ergeben. Das soll alleine mein Fluch sein. Alle anderen dürfen sich weitere 25 Tage lang den Vorabend versüßen mit einer Prise Springfield, die noch immer nichts von ihrem Aroma verloren hat. Es soll auch noch mindestens drei Staffeln lang dauern, bis sich das ändern wird.

Die 4-DVD-Box ist jeden Euro wert. Man hat die Wahl zwischen dem Marge-Kopf, also einer speziellen Verpackung, und einem DigiPack mit Sichtfenster, das ich persönlich bevorzuge.


Film++++++
Bild+++/--
Ton++++--
Bonus++++/-


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