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USA 2007
Originaltitel:Butcher, The
Länge:109:00 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Jesse V. Johnson
Buch:Jesse V. Johnson
Kamera:Robert Hayes
Musik:Marcello De Francisci
SFX:Alex Noble, Andrew Baier
Darsteller:Eric Roberts, Irina Björklund, Robert Davi, Vernon Wells, Geoffrey Lewis, Bokeem Woodbine, Paul Dillon, Roslyn Cohn, Guillermo Díaz, Julie Carmen, Duane Whitaker, Garrett Warren, Michael Ironside, Keith David
Vertrieb:Mr. Banker Films / Illusions
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1 (Deu), Dolby Digital 2.0 Surround (Deu, En)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:03.08.2009 (Kauf)
Specials:
  • Behind the Scenes (15:13 Min.)
  • Original Teaser (2:20 Min.)
  • Original Trailer (2:12 Min.)
  • Bildergalerie (2:45 Min.)
  • Trailershow:
    • Seed (1:22 Min.)
    • Sophie (0:55 Min.)
    • Doomsday (1:33 Min.)
Als Unterwelt-Boss Murdoch versucht, seinem alternden Auftrags-Killer Merle Hench den Raub von Mafiageldern anzuhängen, zieht der alle Register und eine blutige Spur der Vergeltung durch Los Angeles. Mit der Barkeeperin Jackie im Schlepptau startet er einen tödlichen Feldzug gegen Murdochs Syndikat. Auf der Jagd nach den Millionen macht er seinem Spitznamen "The Butcher" alle Ehre: Wer sich ihm in den Weg stellt, bezahlt mit seinem Leben. Hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe zu Jackie und seiner gewalttätigen Vergangenheit plant Merle einen Neustart. Doch vorher muss er noch ein paar alte Rechnungen begleichen…
Ein Mann geht seinen Weg. Zielstrebig mausert sich Independent-Regisseur Jesse Johnson (Interner Link"The Last Sentinel", "The Fifth Commandment") zu einem der vielversprechendsten Nachwuchsregisseure, die sich auf dem Low-Budget-Sektor momentan mangels Perspektiven zugegebenermaßen rar machen. Während seine seine ersten Regiearbeiten noch die charakteristischen Grundzüge actionlastiger B-Movies trugen, ihren Unterhaltungswert aus den teils eruptiven Gewaltausbrüchen bezogen und grundsätzlich von Johnsons handwerklichen Fähigkeiten profitierten, selbst aus niedrigen Budgets authentische Szenarien und sehenswerte Actionszenen nebst dichter Atmosphäre zu quetschen, stellt "The Butcher" nun den nächsten Schritt in seiner Entwicklung dar.



"The Butcher" ist bis dato sein reifster Film geworden, weil er seinen Fokus nun auf die Schauspieler und ihre Dialoge ausrichtet. Hauptdarsteller Eric Roberts ("Runaway Train", "Best of the Best") gewährt er damit ein kleines Comeback, hatte der in den letzten Jahren doch nur noch wenige Gelegenheiten sich schauspielerisch wirklich zu profilieren. Sein Merle Hench steht als Außenseiter und Antiheld ganz in der Tradition der von Jesse Johnson vornehmlich entwickelten Charaktere, die ihrem Schicksal doch noch einmal die Stirn bieten wollen und sich nicht unterkriegen lassen wollen. An dem Ex-Boxer ist das Leben mehr oder weniger vorübergezogen. Er steht bei seinem Spielmacher tief in der Kreide, blickt den verpassten Chancen seiner vermurksten Vergangenheit traurig hinterher und hängt an der Flasche. Er hätte mehr aus sich machen können, tat es aber nie und arbeitet nun als Handlanger und Laufbursche für die Unterweltgröße Murdoch (Robert Davi, "Raw Deal", "Licence to Kill"), der ihn schließlich abservieren will. Hench durchschaut das falsche Spiel in letzter Sekunde und nimmt die Gelegenheit wahr, eine Tasche voller Dollars mitgehen zu lassen. Dumm nur, dass es sich dabei um Mafiageld handelt. Als er mit zusammen mit der Barkeeperin Jackie (Irina Björklund, "Red Is the Color of") durchbrennt, heften sich Murdochs Männer an seine Fersen, um ihn zur Strecke zu bringen.

Was sich wie ein handelsübliches B-Movie liest, erweist sich als Independent-Film, der um seine Qualitäten weiß und sie ausspielt. Johnson, der auch dieses Drehbuch wieder selbst schrieb, beweist das richtige Fingerspitzengefühl für die Dialoge und kann sich wie gewohnt auf einen exzellenten Support-Cast verlassen, der sich neben Geoffrey Lewis (Interner Link"Double Impact", Interner Link"Joshua Tree") und Michael Ironside (Interner Link"Total Recall", Interner Link"Starship Troopers") aus den üblichen Verdächtigen wie Keith David (Interner Link"The Thing", Interner Link"They Live"), Bokeem Woodbine (Interner Link"The Rock", "The Big Hit"), Jerry Trimble ("Full Contact", Interner Link"Heat") und Nils Allen Stewart (Interner Link"Barb Wire", "Undisputed") zusammensetzt.



Trotz kleinerer Temposchwierigkieten im zweiten Akt bewahrt sich "The Butcher" seine Kurzweiligkeit weitestgehend, was nicht zuletzt auf das von Jesse Johnson phasenweise wieder einmal bewusst gepflegte Großstadtflair zurückzuführen ist. Los Angeles erweist sich bei Tag und besonders bei Nacht einmal mehr als solides Fundament für urbane Atmosphäre und stimmige Sets, in denen im Fall von "The Butcher" Figuren existieren, die über die Einsilbigkeit monotoner B-Movie-Figuren deutlich hinausgehen. Insbesondere auf Merle Hench wird relativ viel Zeit verwendet. Eric Roberts nutzt sie nicht nur dank der Coolness, die sein Charakter inklusive einiger Oneliner mit sich bringt, sondern auch dank der Melancholie, die ständig mitschwingt und diesen Verlierer zu einer schwer sympathischen Persönlichkeit macht.

Die Actionszenen, aus denen drei Shootouts herausragen, sind mit ihrem rauem, stylischem Charme von der typischen Handschrift Jesse Johnsons geprägt. Von MGs bis zu Pumpguns kommen dabei allerlei Kaliber zum Einsatz. Das dynamische Zusammenspiel diverser audiovisueller Stilmittel beweist, dass Johnson sich auch auf diesem Bereich noch weiterentwickelt. Insbesondere der finale Showdown, der neben blutigen Shooouts noch einige weitere Gewaltspitzen aufbietet, dürfte speziell den Actionfans gefallen, gerade weil das einfallsreiche Zusammenspiel von Kamera und Schnitt sich deutlich vom Genredurchschnitt abzuheben weiß.

Ein Actionthriller sollte trotzdem nicht erwartet werden. "The Butcher" versteht sich eigentlich als ein Mix aus Drama und Thriller mit Actionanteilen und fährt damit auch ganz gut, obwohl man sich insgesamt betrachtet bei einer Nettolaufzeit von fast 110 Minuten doch 5-10 Minuten kürzer hätte fassen können. Die Vorstellung der Hauptcharaktere und des Szenarios erfolgen nämlich ungewöhnlich ausführlich und bedächtig. Getragen wird der Film in erster Linie von Eric Roberts, der wirklich gut spielt und mit Robert Davi in Hochform einen ebenso hochmotivierten Gegenspieler erhält, der dem Zuschauer als Bösewicht einmal mehr viel Vergnügen bereitet. Daneben existert aber ebenso eine weder kitschige noch mit Klischees überzogene Beziehung zwischen Hench und Jackie, die dem Film letztlich seine tragischen Momente gewährt.

Abgerundet wird "The Butcher" von einem über weite Strecken guten Score von Stammkomponist Marcello De Franciscis (Interner Link"Pit Fighter", Interner Link"The Last Sentinel"), der einzig und allein in den Actionszenen den letzten Kick vermissen lässt, die Bilder aber vor allem dann hervorragend unterstützt, wenn Hench sich durch die Straßen von L.A. bewegt.



Dem Bild sieht man zwar etwas an, dass "The Butcher" budgetbedingt nur in der B-Liga angesiedelt ist, doch dafür ist das Ergebnis als deutsche DVD durchaus gelungen, was wohl auch daran liegt, dass Robert Hayes den Film auf 35mm bannte. Man bekommt die meiste Zeit über ein detailreiches Bild geboten, das lediglich in dunklen Bereichen an Intensität verliert, was dem vorhandenen Rauschen anzulasten ist. Kritik gibt es für die deutlichen Bewegungsunschärfen, die etwas störend sein können. Die Farbgebung ist natürlich und mit kräftigen Tönen ausgestattet. Dafür ist der Kontrast nicht ganz sauber, denn in hellen Szenen kommt es zu Überstrahlungen, während in dunklen Bereichen kleinere Probleme mit dem Schwarzwert zu verzeichnen sind. Defekte oder Fehler zeigt die Vorlage nicht, wodurch schlussendlich ein sauberes Bild entsteht. Eine Erwähnung sollten noch die Rückblenden in die Vergangenheit finden, da diese sich vom restlichen Bildmaterial durch ihren Super-8-Ursprung deutlich unterscheiden. Diese Sequenzen wurden nicht in die Bewertung einbezogen, passen aber unheimlich gut in das Gesamtkonzept von "The Butcher". Die Vertonung ist zwar überdurchschnittlich, hat aber auch kleinere Makel, die nicht hätten sein müssen. Gerade bei der deutschen Synchronfassung fällt bei der Dolby Digital 5.1-Abmischung ein sehr starkes Ungleichgewicht auf, das dafür sorgt, das man auf die ebenfalls vorhandene Stereospur auszuweichen wird. Die Dialogwiedergabe ist gelungen, keine Frage, doch will das Klangbild nicht wirklich gefallen. Die Dialoge übersprechen deutlich den M und E-Track, wodurch bei normaler Zimmerlautstärke lediglich die Stimmen zu vernehmen sind. Man muss den Lautstärkepegel schon sehr stark anheben, um etwas von der Musik oder Umgebungsgeräuschen mitzubekommen. Dafür sind dann aber die Dialoge viel zu laut. Da hilft es auch nicht sonderlich, dass durch die hinteren Boxen sogar ein recht angenehmer Raumklang geschaffen wird. Wenn man gern die Nachbarn mitunterhält, wird man aber wohl die Dolby Digital 5.1-Spur als erste Wahl für sich nutzen, auch wenn die enorme Dominanz der Dialoge ein unnatürliches Klanbild zaubert. Wesentlich besser, wenn auch nur im Rahmen der Möglichkeiten, gestaltet sich die Stereospur. Diese bietet ein sehr ordentliches und vor allem homogenes Klangbild, das zufrieden stellt. Auch der englische Originalton liegt lediglich in Stereo vor und es kommt der Verdacht auf, dass es sich bei den Dialogen um Set-Ton handelt, wodurch je nach Drehort ein schwankendes Klangbild entsteht, das zuweilen auch die Verständlichkeit etwas beeinträchtigt. Für Freunde der Originalfassung liegen selbstverständlich deutsche Untertitel vor.



Bei einem neuen Film erwartet man meistens eine ordentliche Menge an Bonusmaterial, was bei "The Butcher" leider nicht der Fall ist. Neben dem Originaltrailer und einem Teaser gibt es lediglich noch eine Bildergalerie und ein 15minütiges Making of. Zumindest ist dieses sehr interessant ausgefallen. Neben diversen Interviews wird auch einiges über die Effekte berichtet sowie ein Blick hinter die Kulissen der Produktion gewährt, leider ohne deutsche Untertitel. Drei weitere Trailer runden das Bonusmaterial ab.

Jesse Johnson ist ein Name, den man sich für die Zukunft merken sollte. Sein endgültiger Durchbruch wird nur eine Frage der Zeit sein, zumal "The Fifth Commandment" in Amerika mit über 1000 Kopien seine Kinopremiere feierte und sein Bekanntheitsgrad danach mit Sicherheit steigen wird. "The Butcher" fällt für so ein niedriges Budget unglaublich versiert und professionell aus, hat dies neben seinem Regisseur aber vor allem der eingespielten Crew und den tollen Darstellern zu verdanken. Vor allem Eric Roberts spielte lange nicht mehr so gut und fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle. Das stimmige Szenario, gute Dialoge, ein paar stark choreographierte Shootouts und die atmosphärischen Schauplätze lassen über ein paar kleinere Längen hinwegblicken. Mit Sicherheit kein außergewöhnlich guter Film, aber einer, der mit Engagement, Leidenschaft und Talent realisiert wurde.


Die abschließenden Worte gelten der DVD: Aufgrund der Gewaltspitzen entbehrt die deutsche, FSK geprüfte Fassung rund 8 Minuten. Bei der von uns besprochenen Version handelt es sich um die von der Juristenkommission ungekürzte Fassung, die Mr. Banker Films zusammen mit Illusions über Österreich vertreibt. Also aufpassen beim DVD-Kauf!


Film++++--
Bild++++--
Ton+++/--
Bonus+/----


Druckbare Version
Butcher: The New Scarface, The
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