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FR, SE 2008
Originaltitel:Låt den rätte komma in
Alternativtitel:Let The Right One In
aka. Let Me In
Länge:109:50 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Tomas Alfredson
Buch:John Ajvide Lindqvist
Kamera:Hoyte Van Hoytema
Musik:Johan Söderqvist
SFX:Hans Harnesk
Darsteller:Henrik Dahl, Ika Nord, Kare Hedebrant, Karin Bergquist, Lina Leandersson, Per Ragnar, Peter Carlberg, Pale Olofsson, Anders T Peedu, Karl-Robert Lindgren, Mikael Rahm
Vertrieb:MFA / Ascot Elite
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1 (Deu, Schw), Dolby Digital 2.0 Stereo (Deu)
Sprache:Deutsch, Schwedisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase mit FSK-Wendecover im Schuber
DVD-Start:23.04.2009 (Verleih) / 20.05.2009 (Kauf)
Specials:
  • Audiokommentar von Tomas Alfredson & John A. Lindquist
  • Deleted Scenes (5:31 Min).
  • Originaltrailer (1:14 Min.)
  • Trailershow:
    • Salvador (2:13 Min.)
    • The Host (1:28 Min.)
    • Todeshochzeit (1:48 Min.)
In dem Stockholmer Vorort Blackeberg wird die Leiche eines Jungen gefunden. Sein Körper enthält keinen Tropfen Blut mehr, alles deutet auf einen Ritualmörder hin. Noch ahnt niemand, was tatsächlich geschehen ist. Auch der zwölfjährige Oskar verfolgt fasziniert die Nachrichten. Wer könnte der Mörder sein? Und warum sind in der Nachbarwohnung die Fenster stets verhangen ...
"Eli is 12 years old. She's been 12 for over 200 years and, she just moved in next door."

Dass Vampirismus und Sexualität oft miteinander verflochten auftreten, ist nicht erst seit seit Coppolas Interner Link"Dracula" bekannt, jedoch ist es sehr erfrischend, zu beobachten, dass der Blutdurst und die damit verbundenen Probleme und Nöte auch auf einer eher gefühlsmäßigen Ebene funktionieren, als Metapher für Weltabgewandheit, Isolation und das erste Regen persönlicher Gefühle.
John Ajvide Lindqvist, Autor des Romans "So finster die Nacht", war in der außerordentlich glücklichen Position, aus seiner Vorlage selbst eine filmische Adaption heraus zu destillieren, die von dem schwedischen Regisseur Tomas Alfredson geradezu kongenial umgesetzt wurde. Anstelle von unausgelebten sexuellen Wünschen bzw. gelebter Sexualität unter der Metapher des Bluttrinkens, handelt "Let The Right One In" eher von einer behutsamen und daher viel schmerzhafteren Vorstufe.



Oscar, ein zwölfjähriger Junge, steht in seiner Welt fast ausschließlich allein da – seine Eltern sind geschieden, die Mutter relativ selten zu Hause und in der Schule ist der belesene, aber introvertierte und unzufriedene Junge das dauerhafte Ziel fieser Schulrowdys, die ihn soweit gebracht haben, dass er den Zustand nur in einsamen Gewaltphantasien kompensiert. Das geht so lange, bis in die Wohnung nebenan ein älterer Mann mit einem etwa gleichaltrigen Mädchen einzieht – was dem Zuschauer nicht lange verborgen bleibt, ist, dass das Mädchen Eli ein Vampir ist und ihr Begleiter notgedrungen für sie Leute ermordet, um ihren Durst zu stillen.
Beiden Kindern ist die Einsamkeit und der Unwillen an Kommunikation zu eigen, die Kontakte verbleiben eher statisch, doch als Elis Begleiter aufgrund seines Alters versagt, verhaftet wird und schließlich stirbt, entwickelt die Beziehung der beiden Kinder eine notgedrungene Eigendynamik.



Lindqvists Roman geht das Thema nicht als eine Sache von Gut und Böse, sondern praktisch ohne moralische Wertungen an. Er vermeidet grundsätzliche Informationen, wie etwa das Verhältnis zustande kam oder wie alt Eli wirklich ist, sondern konzentriert sich auf die momentanen Gegebenheiten. Dadurch gerät die Geschichte zu einer Situationsbeschreibung, die ganz auf die zwei Hauptcharaktere abgestimmt ist, die man als Zuschauer erfühlen und in die man sich hineindenken muss, ohne auf konventionelle Fragen oder Motive des Vampirfilms zurückgreifen zu können.
Oscar benötigt Liebe und Zuneigung, aber die Mutter ist zu selten da und der Vater ist offenbar, wenn auch freundlich, doch eher pflichtvergessen in seiner erzieherischen Position, die Lehrer sind mehr nette, aber nutzlose Karikaturen, denn Respektspersonen und die Persönlichkeit Oscars als solche wird nicht wahrgenommen. Das wäre um so wichtiger, da Oscar inzwischen soziopathische Tendenzen zeigt, mit einem Messer hantiert und Zeitungsausschnitte über Gewalttaten sammelt, alles Anzeichen für einen eventuellen Amokläufer oder Mörder.
Die wirkliche "Mörderin" dagegen ist Eli, die jedoch ihre Taten mit der Lebensnotwendigkeit verbindet, auch wenn sie nicht gern tötet, jedoch bei nicht vollzogener Tat neue ihrer Art produziert. Das Töten wird zu einem verzweifelten Akt, dem sie nicht mehr mit menschlichen Kontakten gegenüber tritt, doch die erzwungene Einsamkeit nähert die verzweifelten Kinder einander an.


Alfredson bebildert mit seinem Film eine vollends kalte und leblose Welt, die verschneite schwedische Stadt wirkt tatsächlich einfach nur kalt, leblos und ungemütlich; dazu passend erscheint die Umgebung wie jeglicher Farbe beraubt und ausgebleibt (der Film spielt 1982), unpersönlich, ärmlich, was auch durch die fast ganz leergeräumte Wohnung Elis unterstrichen wird. Die einzigen anderen Personen, an deren Schicksal man teilhaben kann, ist ebenfalls ein degenerierter Haufen von Nachbarn und Trinkern, die in einer Art Kettenreaktion in die Ereignisse hineingezogen werden, als Eli einen von ihnen aussaugt.


Die Gefahr für den Film bestand weniger darin, die mitunter recht herben Splatterszenen (der Film trieft bisweilen vor Blut und weist auch sonst einige herbe Szenen auf) zu rechtfertigen, sondern glaubhaft und gefühlvoll die emotionale Annäherung zweier fast gänzlich abgestorbener Menschen (schlimmer: Kinder kurz vor dem Teenageralter) darzustellen, ohne peinlich oder klischeehaft zu werden. Geradezu berückend naiv und deswegen so berührend ist die Sequenz, in der Eli, aufgrund ihrer Geschichte ohne falsche Scham (da nie sexuell aktiv) nackt in Oscars Bett krabbelt und sich die beiden darüber unterhalten, was es bedeutet, miteinander "zu gehen", ohne dass einer von beiden dazu näheres Wissen besitzt. Noch schockierender ist die Folgerichtigkeit, mit der es gegen Ende tatsächlich zu einem Kuss zwischen den Beiden kommt, Elis Gesicht dabei triefend blutverschmiert.
Lindqvist verfehlt nie den im Grunde optimistischen Kern einer stets pessimistischen Geschichte (in der der weibliche Vampir am Ende drei Jungen der fast gleichen Altersklasse aus der Not abschlachtet, um ihren "Liebsten" zu retten, ein bekanntes Hollywoodmotiv mit verkehrten Geschlechterrollen) und führt die Sehgewohnheiten an der Nase herum – provoziert sogar bei den Gore-Einsätzen Genrelacher, um dann aus dem stimmungsvollen Publikum in einem ironischen Dreh den eigentlichen Ekelreflex auszulösen, als der stets rotzverschmierte Oscar einen Tropfen seines Nasenausflusses runterschluckt.


Durch die Bank sind alle Darsteller Hervorragend, voran natürlich die Jugendlichen (auch die fiesen Mitschüler), wobei die Debutantin Lina Leandersson mit ruhiger Professionalität und ungewöhnlicher stiller Tiefe heraussticht – doch auch Kare Herebrant als Oscar ist ein Muster an sperriger, ungelenker, prä-pubertärer Natürlichkeit, jedoch in seiner Eckigkeit (er wirkt manchmal fast ein wenig dement) weniger einnehmend.

"So finster die Nacht" ist sicher kein Mainstream-Film, eher schon eine Horror-Drama-Arthaus-Mischung, die man sich erarbeiten muss, statt sie einfach so einpfeifen zu können. Es ist ein fast statisch beginnender, manchmal kurioser, ironischer, meistens deprimierender, aber stets gefühlvoller Film, dessen optimistisches Ende eine eher pessimistische Wahrheit kaschiert, der jedoch den Zuschauer mit jeder Szene mehr in den Bann schlägt, weil man wissen will, wo diese morbide Zweierbeziehung hinführt. Das ist ein Wagnis, das sogar über die Abstrusitäten der Gefühle eines Tim Burton bei weitem hinweg geht, weil all der Pomp, Kitsch und visuelle Ballast abgeworfen wurde. Und so atmet man als Zuschauer fast pure Melancholie und erträgt es, wie es die Figuren ertragen und sich dann doch entwickeln und in gewisser Weise befreien. Es ist harte Arbeit, auf der Leinwand und davor, aber es lohnt sich am Ende.


Tomas Alfredson "romantisches" Vampir-Märchen erscheint von MFA im Vertrieb von Ascot Elite völlig unzensiert auf DVD. Das anamorphe Widescreen-Bild bietet eine gute Schärfe mit vielen detaillierten Einstellungen. Der Transfer wirkt somit sehr plastisch und wartet mit knackigen und sehr sauberen Konturen auf. Der Kontrast zeigt sich sehr ausgewogen und bietet eine gute Durchzeichnung mit einem ordentlichen, aber nicht immer perfekten Schwarzwert. Zudem werden keinerlei Details verschluckt und lediglich helle Flächen überstrahlen etwas. Desweiteren überzeugt die sehr natürliche Farbgebung, welche trotz einer kühlen und schmutzigen Optik durchweg mit sehr satten und kräftigen Farben aufwarten darf. Hier darf man als Zuschauer sehr zufrieden mit dem Bild sein, dass weder Rauschen noch Defekte aufweist. Selbst die Kompression arbeitet nahezu fehlerfrei.
Die Tonabmischung ist hingegen reichlich unspektakulär ausgefallen und spielt sich fast nur im Frontbereich ab, was bei einem dialoglastigen Film auch kein Wunder ist. Der Score erstreckt sich bei Bedarf über sämtliche Kanäle und sorgt somit für etwas Räumlichkeit. Richtige Soundeffekte gibt es aber nur wenige. Auch wenn der Subwoofer, vor allem beim Score, ein wenig Druck ausübt, bleibt dieser doch genauso wie die Dynamik sehr zurückhaltend und die größte Stärke des deutschen 5.1-Track ist immer noch die gute Dialog- und Höhenwiedergabe. Das sollte beim eher ruhigen Vertreter aber auch nicht weiter stören, für seine Art ist die Abmischung nämlich wirklich gut. Der schwedische Orginal-Mix unterscheidet sich nicht sonderlich von seinem deutschen Pendant. Desweiteren gibt es eine deutsche Stereospur und optionale deutsche Untertitel.
Die Kauf-DVD wird mit einem FSK-Wendecover ausgeliefert und enthält noch einen Schuber, denn man aber getrost wegwerfen kann, zumindest wenn man nicht auf FSK-Logos auf der Frontseite steht. Als Bonus enthält die Disc einen deutsch untertitelten Audiokommentar des Regisseurs Tomas Alfredson und des Buchautors John A. Lindquist. Diesen sollte man sich nicht entgehen lassen, schließlich erfahren wir eine Menge über die Charaktere, über die Darsteller und die Dreharbeiten, sowie die nötigen Veränderungen gegenüber der Romanvorlage. Ansonsten gibt es noch eine Trailershow, den Trailer zum Film, sowie 5 Minuten an Deleted Scenes. Schade, dass es kein "Making of" oder Blicke hinter die Kulissen gibt. Ansonsten aber eine wirklich gute Umsetzung eines beeindruckenden, schwedischen Beitrages zum Vampir-Genre.


Film+++++/
Bild+++++-
Ton++++--
Bonus+-----


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So finster die Nacht
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