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BE, D, FR, IT 1971
Originaltitel:Lèvres rouges, Les
Alternativtitel:Blut auf den Lippen
aka. Solo für einen Vampir
aka. Blood on the Lips
aka. Children of the Night
aka. Daughters of Darkness
aka. Promise of Red Lips, The
aka. Red Lips, The
aka. Redness of the Lips, The
aka. Rouge aux Lèvres, La
aka. Vestale di Satana, La
aka. Erzebeth
Länge:96:00 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Harry Kümel
Buch:Pierre Drouot, Harry Kümel, Manfred R. Köhler, Jean Ferry
Kamera:Eduard van der Enden
Musik:François de Roubaix
SFX:Eugene Hendrickx
Darsteller:John Karlen, Delphine Seyrig, Danielle Ouimet, Andrea Rau, Paul Esser, Georges Jamin, Joris Collet, Fons Rademakers
Vertrieb:Eyecatcher Movies
Norm:PAL
Regionalcode:0
Bildformat:1,66:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono (Deu), Dolby Digital 2.0 Stereo (En)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:kleine Hartbox (2 Cover), große Hartbox
DVD-Start:26.09.2008 (Kauf)
Specials:
  • Deutsche Kinofassung (85:28 Min.)
  • US-Trailer (2:04 Min.)
  • Bildergalerie (18 Bilder / 1:30 Min.)
  • DVD-ROM-Ordner (18 Aushangfotos und 1 Plakat)
Stephan und Valerie sind auf der Hochzeitsreise. Da sie ihr Schiff verpassen, übernachten sie in einem einsamen Hotel in Ostende. Dort machen sie die schicksalhafte Bekanntschaft mit einem merkwürdigen, exzentrischen Pärchen: Die ungarische Gräfin Bathory und ihre devote Begleiterin Hona Harczy, Stephan fällt der bezaubernden Ilona zum Opfer, ohne zu wissen, dass sie ein Vampir ist. Unterdessen kümmert sich die Gräfin um die schöne Valerie, um sie auf Ilonas Nachfolge vorzubereiten. Als Stephan die Situation erkennt, ist es für beide zu spät ...
"Blut an den Lippen" ist ein reichlich ungewöhnlicher Film, der sich zwar in gewisser Weise als Vampirfilm bezeichnen lässt, aber dabei weit mehr ist und das Thema Vampirismus komplett anders behandelt als man es bisher kannte.
Gedreht 1971, sorgte der Film damals auf Grund seiner freizügigen Art und der Gewaltdarstellung für einen kleinen Skandal, dürfte aber heute bei jedem, der den Film aus diesen Gründen ansieht, nicht mehr als ein müdes Gähnen entlocken. Wer sich aber die Zeit nimmt, sich auf diesen außergewöhnlichen Film einzulassen, wird mit einer grandiosen Atmosphäre und unglaublich symbolhafter Optik belohnt.


Die Story ist schnell erzählt: Ein junges Paar, das gerade geheiratet hat, sitzt in einem riesigen Hotel an der belgischen Küste fest, das außer den Beiden nur noch einen Portier beherbergt. Wenig später treffen zwei Frauen ein, von denen die eine dem Portier erstaunlich bekannt vorkommt, was aber bedeuten würde, das sie seit 40 Jahren nicht gealtert ist.
Regisseur Harry Kümel macht aus dieser denkbar einfachen Grundkonstellation einen Film über Obsession, sexuelle Abhängigkeit und Perversion. So steht der Vampirismus hier auch für das erotische Verlangen, man sieht keine gebleckten Vampirzähne, keine Fledermäuse und keine Vampirjäger. Es ist eine tragische Geschichte, darüber, wie nah sich Verlangen und Gewalt liegen können, wie schnell man einem Menschen verfallen kann.
Der junge Ehemann, der fasziniert von Gewalt ist, wird, als er in die Enge getrieben wird, gegenüber seiner Ehefrau gewalttätig, scheint sich aber am nächsten Tag keiner Schuld bewusst zu sein. Als er sich an die junge Begleiterin der Gräfin ranmacht, was diese mit ihrem Verhalten heraufprovoziert, um sich über diesen Weg von der Gräfin zu lösen, ist es ein tragischer Unfall, der aus dem Mann einen Mörder macht. In einer stilistisch herausragenden Szene begräbt er mit der Gräfin und seiner Frau die Leiche am Strand, nur um kurz darauf von den beiden umgebracht zu werden. Seine Frau ist mittlerweile selber der unwiderstehlichen Aura der Gräfin verfallen und wird zu ihrer Begleiterin.
Es gibt kaum eine Szene in "Blut an den Lippen", die nicht voller Symbolik ist. Jede Kameraeinstellung scheint einen neue Hinweise zur Deutung des Gesehenen geben zu wollen. Kümel gelingt es mit einfachsten Mitteln Großes zu vollbringen. Egal ob es nun der Einsatz von Farben, Schatten, flackernden Lichtern, Kerzen oder Kamerawinkeln ist, immer hat man den Eindruck, dass jede Einstellung mit viel Bedacht ausgewählt wurde. Herausragend ist dabei sicherlich die schon erwähnte Szene am Strand, als in der Dämmerung die Gräfin mit der jungen Ehefrau auf der Anhöhe einer Düne steht, sie die junge Frau mit ihrem Umhang umschließt und die beiden somit optisch zu einer Person verschmelzen. Noch deutlicher kann man die Themen des Films nicht auf den Punkt bringen.


Die Atmosphäre ist über die gesamte Spielzeit des Films enorm bedrückend und wirkt geradezu alptraumhaft. Das riesige Hotel ist total verlassen, ebenso wie die Strandpromenade, das Licht immer düster und auch wenn es mal Tag ist, es ist doch nie wirklich hell. Die Kamera schwelgt dazu in den Bildern, bewegt sich nicht hastig, verharrt oft lange ohne sich zu bewegen und lässt dem Zuschauer somit viel Zeit, sich der Schönheit der Bilder bewusst zu werden. Sicherlich kann man Kümel vorwerfen, dass er das Tempo manchmal zu sehr drosselt, der Film fast schon zum Stillstand kommt, aber wenn man sich darauf einlässt und keinen bluttriefenden Vampirschocker erwartet wird man erkennen, dass es der Geschichte enorm dienlich ist so vorzugehen.


Was letztlich eine noch höhere Wertung verhindert sind zwei Dinge: Zunächst wäre da das Ende, das zwar schön gefilmt und geschnitten ist, aber auch offenbart, dass man wohl erhebliche Budgetprobleme hatte, denn wenn da eine deutlich als solche zu erkennende Schaufensterpuppe durch die Luft fliegt, nimmt das viel der Atmosphäre und sorgt dann doch eher für ein Schmunzeln. Auch hätte es sicher den finalen Plot-Twist nicht gebraucht, der uns noch mal zeigt, dass das Böse (in dem Fall das Verlangen, die Lust) nie stirbt.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die Darsteller und zwar nahezu alle. Einzig Delphine Seyrig als Gräfin Bathory kann überzeugen und verkörpert die nötige kühle und doch zugleich auch das Verlangen mit der nötigen Ausdrucksstärke. Aber mit der Wahl von Andrea Rau als die ihr hörige Begleiterin hatte ich meine Probleme. Zum einen weil sie wirklich miserabel schauspielert, zum anderen weil sie eben so gar nicht als Schönheitsobjekt an der Seite der unsterblichen Gräfin passen will. Auch John Karlen wirkt eher unpassend als junger Ehemann. Da konnte Danielle Ouimet als seine Ehefrau schon mehr überzeugen, wenn man auch ihr keine Glanzleistung bescheinigen kann. Zudem wurde der Film in Englisch gedreht und man merkt deutlich, dass die französischen Darsteller doch erhebliche Probleme mit der Sprache haben, was zu einer Ansammlung von Dialekten und seltsamen Aussprachen führt.


Trotz dieser Kritikpunkte sollten sich alle Fans von außergewöhnlichen Filmen nicht abschrecken lassen, denn "Blut an den Lippen" bietet eine Menge. Man muss sich aber auf den Film einlassen können, dann wird man einen optisch mehr als gelungenen Film sehen, der dem Thema "Vampire im Film" ganz neue Seiten abgewinnt; weniger vom Thema her als von der Umsetzung.

Die kleine Hartbox, in der die DVD steckt, macht optisch wirklich etwas her, was man auch von der Bildqualität der DVD sagen kann. Ganz ehrlich, mit so einem guten Transfer hätte man ganz sicher nicht bei diesem über 30 Jahre alten Film gerechnet. Die Farbgebung ist sehr kräftig und satt ausgefallen und auch der Kontrast zeigt sich von der besten Seite, indem er neben einem gelungenen Schwarzwert sehr ausgeglichen wirkt, ohne auch nur kleinste Bildbereiche zu beeinflussen. So werden auch in dunklen Szenen feine Details erkennbar. Das Schärfeverhalten hinterlässt ebenfalls einen überzeugenden Eindruck, der lediglich in Totalen variiert und etwas weicher erscheint mit entsprechenden Detailverlusten. Unscharf wird das Bild allerdings nie und dank einer guten Kantenschärfe erscheint der Transfer sehr plastisch. Im Hintergrund gibt sich ein dezentes Rauschen zu erkennen, welches aber keine gravierenden Formen annimmt. Die Kompression arbeitet sehr sauber und Blockrauschen oder Defekte sind nicht auszumachen, dafür tauchen in der Vorlage kleinere Schmutzpartikel auf, die aber nicht weiter störend sind.
Die deutsche Monospur klingt etwas dumpf und neigt zu leichten Verzerrungen. Probleme innerhalb der Verständlichkeit sind aber nicht auszumachen. Hin und wieder fällt ein leichtes Rauschen im Hintergrund auf. Der englische Track wirkt in den Stimmen nicht so dumpf wie sein deutsches Pendant, lässt aber auch altersbedingte Probleme mit minimalen Verzerrungen aufkommen. Es können deutsche Untertitel für den gesamten Film oder für ehemals geschnittene Szenen hinzugeschaltet werden. Besagte Szenen liegen auch nur im englischen Original vor.


Bei den Extras gibt es neben dem US-Trailer noch eine Bildergalerie mit Aushangfotos, welche auch im separat vorhandenen DVD-ROM-Ordner zum Ausdrucken bereit liegt. Für Sammler wurde noch die gekürzte deutsche Kinofassung mit auf die DVD gepackt, welche ein etwas größeres Bildformat von 1,78:1 aufweist. Dafür muss man bei dieser Fassung qualitative Abstriche im Bild hinnehmen. Deutlich hat der anamorphe Transfer mit einem unzureichenden Schwarzwert zu kämpfen, der ins Gräuliche abweicht und den etwas zu steilen Kontrast beeinflusst. Gerade in dunklen Szenen gehen Feinheiten verloren. Die Farben wirken etwas matt und zudem wirkt das Bild grünstichig, was auch dazu führt, dass die Farben nicht immer natürlich wiedergegeben werden. Auch die Schärfe bewegt sich nur im mittelmäßigen Bereich und so wirkt alles tendenziell etwas weich. Neben Bildfehlern und Verschmutzungen macht auch die Kompression durch Blockrauschen auf sich aufmerksam. Als Bonus sicherlich eine nette Dreingabe, doch sollte man die ungeschnittene Fassung bevorzugen und auf ein paar unwichtige Bildinformationen an den Seiten verzichten.


Eyecatcher Movies veröffentlicht mit "Blut an den Lippen" einen überaus gelungenen Beitrag im Vampir-Genre und das erstmalig völlig ungekürzt in Deutschland. Die schön designten Hartboxen, sowie die ansprechende Qualität tragen ihren Teil dazu bei, dass Filmliebhaber an diesem Kleinod nicht vorbei kommen werden.


Film++++/-
Bild++++/-
Ton++----
Bonus+/----


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Blut an den Lippen
Blut an den Lippen (Drop Out 020)
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