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FR 1971
Originaltitel:Mais ne nous délivrez pas du mal
Alternativtitel:Don't Deliver Us from Evil
Länge:97:57 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Joël Séria
Buch:Joël Séria
Kamera:Marcel Combes
Musik:Claude Germain, Dominique Ney
Darsteller:René Berthier, Gérard Darrieu, Bernard Dhéran, Marc Dudicourt, Serge Frédéric, Jeanne Goupil, Jean-Pierre Helbert, Nicole Mérouze, Henri Poirier, Michel Robin, Véronique Silver, Catherine Wagener
Vertrieb:Bildstörung
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,66:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Französisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase im Schuber
DVD-Start:05.10.2012 (Kauf)
Specials:
  • 12-seitiges Booklet
  • Offene Rechnungen - Interview mit Regisseur Joel Seria (15:24 Min.)
  • Advokat des Teufels - Interview mit Hauptdarstellerin Jeanne Goupil (11:49 Min.)
  • Höllische Kreaturen - Interview mit Autor Paul Buck (12:04 Min.)
Die beiden 14-jährigen Klosterschülerinnen Anne und Lore interessieren sich nicht sonderlich für das, was Mädchen ihres Alters normalerweise so umtreibt. Statt sich mit so profanen Dingen wie Jungs abzugeben, lesen sie nachts lieber heimlich unter der Bettdecke die Werke von Lautréamont und Baudelaire und huldigen, ganz dem verführerischen Reiz des Verbotenen erlegen, hingebungsvoll ihrer einzig wahren Liebe, dem Teufel. Angefacht von ihrer Leidenschaft für das Böse und dem Plan, ihrem Liebsten zu imponieren, um sich ihm bei einem Hochzeitsritual vollends hingeben zu können, beginnen die beiden in den Sommerferien, den Männern aus ihrem Dorf gemeine Streiche zu spielen. Was als Spiel aus Verführung und Demütigung beginnt, gerät aber zusehends außer Kontrolle ...
Einmal mehr hat das Label Bildstörung eine absolut provokante Film-Perle ausgegraben, die erstaunliche Ähnlichkeiten zum tschechischen Film "Tausendschönchen - kein Märchen" aufweist. Auch hier stehen zwei junge Mädchen im Mittelpunkt der Geschichte, die sich durch ihr Verhalten äußerst stark von der Menge abheben und durch ihre provokanten Taten für jede Menge Aufsehen sorgen. Anne und Lore schwören nämlich der Kirche ab und huldigen dem Satan, sodass man den im Filmtitel geäußerten Wunsch "Und erlöse uns nicht von dem Bösen" durchaus wörtlich nehmen kann.
Anders als in "Tausendschönchen - kein Märchen" handelt es sich im vorliegenden Fall aber nicht um eine anarchistische Attacke zweier Außenseiterinnen gegen die bessere Gesellschaft, denn beide kommen aus guten Familien, wobei Anne sogar aus einer echten Aristokraten-Familie stammt. Gerade dieser Tatsache ist es aber auch geschuldet, dass die Mädchen anscheinend aus dem spießbürgerlichen Mief entkommen wollen. Denn schaut man sich als Zuschauer einmal die familiären Verhältnisse an, schnürt es einem die Luft zum Atmen ab. Strenge Regeln und absolute Monotonie kennzeichnen das Leben der beiden Mädchen, für Spaß und die Entfaltung einer eigenen Persönlichkeit scheint dabei kein Platz zu sein. Zudem müssen beide auch noch eine Klosterschule besuchen, in der es streng und extrem gläubig zur Sache geht. Und so fassen sie den Entschluss, sich dem Satan zuzuwenden und schwören der Kirche ab, sodass man das gesamte Szenario schon als äußerst krasse Blasphemie ansehen kann.



In der Folge denken sich die Teenager immer boshaftere Streiche aus und provozieren vor allem die Männer in ihrer Umgebung mit sexuellen Provokationen. Dabei sollte man anmerken, dass die beiden Hauptdarstellerinnen im Film 14 Jahre alt sind und vom Optischen her auch so wirken, jedoch beim Dreh des Filmes schon 19 und 21 Jahre alt waren. Das Erscheinungsbild der hübschen Mädchen kommt dem Gesamtbild sehr zu Gute, kann man ihnen doch einerseits die kindliche Naivität im Gesicht ablesen und verspürt doch andererseits den Aspekt des Frühreifen, der nicht nur visuell sondern insbesondere in den provokanten Dialogen extrem gut zur Geltung kommt. Hier liegt auch die meiner Meinung nach größte Stärke der Geschichte, denn obwohl die Handlungen der Mädchen immer boshaftere Züge erkennen lassen, liegt jederzeit ein Hauch von Verspieltheit und kindlicher Naivität über den Ereignissen. Dadurch entsteht eine noch höhere Intensität, und der Zuschauer steht dem Ganzen mit ziemlich zwiespältigen Gefühlen gegenüber. So werden beispielsweise auch durch kleine Szenen durchaus Gründe präsentiert, warum man die Abkehr der beiden Mädchen vom sogenannten Guten begründen könnte, wären da die lüsternen Blicke des Pfarrers bei der Beichte oder aber auch die Andeutung lesbischer Liebesspiele zweier Nonnen beim Blick durch ein Schlüsselloch.



Diese dezenten Andeutungen sind vollkommen ausreichend, um die schon oft ins Bild gesetzte Doppelmoral der Kirche anzuprangern und den Beweggründen der beiden Teenies Vorschub zu leisten. Die Art der Darstellung ist das Besondere in diesem Szenario, denn Regisseur Joel Seria war sehr wohl darauf bedacht, dem Geschehen eine gewisse Anrüchigkeit zu verleihen, dabei jedoch nie die verspielte Note außer Acht zu lassen, die phasenweise sogar einen heiteren Eindruck hinterlässt.
Umso schockierender wirken die folgenden Ereignisse, denn das Spiel der beiden jungen Grazien mit dem Feuer nimmt zum Ende hin sehr dramatische Formen an. Die Provokationen steigern sich immer mehr, und das Szenario nimmt eine Wendung, die einem mit dem Finale einen Tiefschlag in die Eingeweide versetzt. Auf einmal ist nichts mehr von der Heiterkeit zu verspüren, die selbst die boshaftesten Streiche der Mädchen begleitet hat und auch die kindliche Naivität ist gänzlich verschwunden. Stattdessen entfaltet sich eine regelrechte Schockstarre, in die man mit den letzten Bildern des Filmes versetzt wird. Das abrupte Ende wirkt sehr nachhaltig, und man braucht eine geraume Weile, bis man das Gesehene einigermaßen verdaut hat. Dennoch rundet gerade der Aspekt, dass es hier kein Happy End gibt, die Geschichte perfekt ab und entlässt einen aus einem Film, den man insgesamt nur als absolut grandios bezeichnen kann. Zu diesem Eindruck trägt insbesondere das herausragende Schauspiel der beiden Hauptdarstellerinnen bei, denn Jeanne Goupil (Anne) und Catherine Wagener (Lore) liefern eine Performance ab, die man nur als absolut brillant bezeichnen kann.



"Und erlöse uns nicht von dem Bösen" ist ein absolutes Meisterwerk des provokanten Filmes und bietet dem Betrachter ein Szenario, das ihn in einen absoluten Zwiespalt der Gefühle versetzt. Der Kontrast zwischen kindlicher Naivität und absoluter Boshaftigkeit ist dermaßen frappierend, dass man hin- und hergerissen ist zwischen aufkommender Sympathie für zwei verspielte Mädchen und der strikten Ablehnung ihrer hinterlistigen Taten gegenüber ihren Mitmenschen. Es ist ein äußerst schmaler Grat zwischen Gut und Böse, auf dem man sich hier bewegt, und die Umsetzung des Ganzen ist so perfekt gelungen, dass man einfach nur applaudieren kann. Trotz der fast durchgehend vorhandenen heiteren Note entfaltet der Film gerade durch diesen Gesichtspunkt eine ungeheuer starke Intensität und ist ein absoluter Schlag in die Magengrube, von dem man sich erst nach einer gewissen Zeit wieder erholen kann. Man muss sich dieses Werk einfach selbst anschauen, um sich ein Bild von der teils verstörenden Wirkung zu machen, die das Szenario beim Zuschauer hinterlässt.


Bildstörung veröffentlicht "Und erlöse uns nicht von dem Bösen" erstmals in Deutschland auf DVD. Im Originalformat von 1,66:1 und anamorph kodiert, stellt die Disc bildtechnisch leider die wohl schlechteste Veröffentlichung von Bildstörung dar. Das größte Manko der Disc sind die extrem penetranten Kompressionsprobleme des Bildes. Es gibt enorme Artefaktebildungen (Banding, Blockbildung) auf homogenen Flächen, die selbst auf kleinen Betrachtungsflächen unschön ins Auge fallen. Die Schärfe fällt gerade noch angenehm aus, zeichnet die Konturen sauber, ohne erkennbare Nachschärfung. Der Detailbereich hält sich allerdings deutlich zurück, und das Bild wirkt weich und gefiltert. Selbst in Nahaufnahmen werden Details nicht übermäßig herausgearbeitet, was u. a. an der Kompression liegen dürfte, die für stehende Rauschmuster und Bewegungsunschärfen sorgt. Der Kontrastwert fällt solide aus, und der Schwarzwert tendiert immer wieder leicht ins Bläuliche. In Anbetracht des Alters der Produktion kann man mit beiden Werten aber zufrieden sein, und auch die etwas ausgewaschenen Farben sind nicht unbedingt ein Negativ-Punkt bei der Bildbewertung. Dabei dominiert eine sehr warme und erdige Farbgebung, die stellenweise einen leichten Grünstich aufweist. Defekte und Verschmutzungen halten sich in Grenzen, und es ist im Grunde einzig und allein der unzureichenden Kompression zu verdanken, dass unsere Bewertung so hart ausfällt. Schließlich hat dies nichts mit dem Alter und Ausgangsmaterial zu tun.


Eine deutsche Synchronfassung gibt es für den Film nicht, weshalb Bildstörung den französischen Originalton mit deutschen Untertiteln aufspielte. Der Dolby Digital 2.0 Mono-Mix klingt aufgeräumt, rauschfrei und weder übermäßig dumpf noch blechern. Stimmen werden deutlich wiedergegeben, wobei sich ein leichtes Zischeln im Hochtonbereich kaum vermeiden lässt. Nebengeräusche als auch der Score lassen keine Störungen erkennen und intrigieren sich differenziert und natürlich ins Klangbild. Für einen Mono-Mix aus den 1970er Jahren sehr ansprechend. Die deutschen Untertitel fallen allerdings sehr pixelig aus und hinterlassen einen unruhigen Eindruck beim Betrachten.

Als Bonus gibt es ein 12-seitiges Booklet mit informativen Hintergrundinformationen zum Film sowie drei Interviews mit dem Regisseur Jóel Seria, der Hauptdarstellerin Jeanne Goupil sowie dem Autor Paul Buchl. Alle drei erzählen sehr ausführlich über die Entstehung des Filmes, ihren Gefühlen und Erfahrungen sowie Zensur und einen angestrebten deutschen Kinostart. Der kam allerdings niemals zustande. Auch hier gibt es deutsche Untertitel, die ebenfalls sehr verpixelt ausfallen. Des Weiteren enthält die Disc noch eine Trailershow weiterer Veröffentlichungen aus dem Hause Bildstörung.


Über 4 Jahrzehnte hat es gedauert, bis dieser fantastische Film dank Bildstörung endlich bei uns eine Veröffentlichung erfahren hat. Dabei hat das Label einmal mehr sein Gespür für die außergewöhnlichen Filmperlen eindrucksvoll unter Beweis gestellt und dem Zuschauer ein Geschenk gemacht, dass man nur zu gern dankend annimmt. Allerdings können wir die Kaufempfehlung nur aufgrund des Filmes aussprechen, da die technische Seite dieser Veröffentlichung leider nicht so toll ausfällt. Die Disc wird als KeepCase mit Schuber ausgeliefert. Das FSK-Logo sowie der EAN-Code befinden sich dabei auf einem Umschlag, der danach entsorgt werden kann. Das Cover-Motiv ist sehr stylisch, wird in diversen Foren von Fans aber weniger wohlwollend aufgenommen. Wer die alte Mondo Macabro-DVD aus den USA nicht sein Eigen nennt, darf hier getrost zugreifen, wobei die Kompression teilweise eine starke Zumutung und unverständlich ist.


Film+++++/
Bild+++---
Ton++/---
Bonus++----


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