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IT 1966
Originaltitel:Resa dei conti, La
Alternativtitel:Account Rendered
aka. Big Gundown, The
aka. Halcón y la presa, El
aka. Presa, La
Länge:105:51 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Sergio Sollima
Buch:Sergio Sollima, Sergio Donati, Tulio Demicheli
Kamera:Carlo Carlini
Musik:Ennio Morricone
Darsteller:Lee Van Cleef, Tomás Milian, Luisa Rivelli, Fernando Rancho, Nieves Navarro, Roberto Camardiel, Tom Felleghy, Benito Stefanelli, Walter Barnes, Gérard Herter, Lanfranco Ceccarelli, María Granada
Vertrieb:Koch Media
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Deutsch, Italienisch
Untertitel:Deutsch, Deutsch für nicht synchronisierte Szenen, Englisch
Verpackung:DigiPack
DVD-Start:04.04.2008 (Kauf)
Specials:
  • 3seitiges Essay
  • Sergio Sollima "Face To Face" (32:01 Min.)
  • Bildergalerie (9:20 Min.)
  • Drehort-Fotos (2:05 Min.)
  • Dt. Trailer (3:31 Min.)
  • Ital. Trailer (3:46 Min.)
  • US-Trailer (2:07 Min.)
  • Danksagung (1 Seite)
Der Mexikaner Cuchillo (Tomas Milian) wird verdächtigt, ein kleines Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. Jonathan Corbett (Lee Van Cleef), Texas' berühmtester Kopfgeldjäger, nimmt die Verfolgung des Gauners auf. Doch Cuchillo scheint unfassbar, und Corbett muss eine Niederlage nach der anderen einstecken. Als er dem Mexikaner endlich gegenübersteht, begreift Corbett, dass Cuchillo unschuldig ist und stellt sich auf dessen Seite. Gemeinsam versuchen sie, den wahren Mörder zu stellen.
Die Western des Regisseurs Sergio Sollima gehören zu den intelligentesten Beiträgen des Italowesterns. Die inszenatorische Brillanz mag der legendäre Sergio Leone vielleicht gepachtet haben, die wirklich kontroversen und hintergründigen Filme hat aber Sollima gedreht und das stellt der erste seiner drei Italowestern eindrucksvoll unter Beweis. Die Klasse des ein Jahr später realisierten Interner Link"Von Angesicht zu Angesicht" erreicht er zwar nicht ganz, das liegt aber vornehmlich am dort grenzgenial spielenden Gian Maria Volonté und Edelsupport William Berger.



Gleich vorweg muss man dieses Mal leider vor der völlig verhunzten Neu-Synchronisation von Lunatic Synchron warnen, die die deutsche Fassung geradezu vergewaltigen, glücklicherweise aber nicht auf dieser DVD vertreten sind. Die Sprecher wirken furchtbar aufgesetzt und die Geräusche passen nicht so recht zum Bild, eindeutig eine dem Film nicht würdige Arbeit.

Dabei hat "Der Gehetzte der Sierra Madre" wieder einiges zu vermelden. Sergio Sollima nimmt hier ein Urthema des Genres, der des Jägers und des Gejagten, auf. Der berühmte wie gefürchtete Kopfgeldjäger Jonathan Corbett (Lee Van Cleef, Interner Link"Für ein paar Dollar mehr", "Sabata") wird auch nicht jünger und muss sich eingestehen, dass eine Umorientierung dringend Not tut, weil soviel Gesindel sich inzwischen auch nicht mehr herumtreibt. Der findige Eisenbahntycoon Brokston (Walter Barnes) möchte ihn in die Politik drängen, finanziert seinen Wahlkampf und glaubt mit dem berühmten Corbett an seiner Seite leichtes Spiel bei der Durchsetzung seiner Interessen zu haben. Auf einer gesellschaftlichen Veranstaltung platzen urplötzlich völlig außer Atem zwei Cowboys herein, die von der Vergewaltigung eines jungen Mädchens durch den Mexikaner Cuchillo Sanchez (Tomas Milian, Interner Link"Töte, Django", "Von Angesicht zu Angesicht") berichten. Corbett, sich inmitten dieser feinen Gesellschaft wie ein Fremdkörper vorkommend, nimmt ein letztes Mal dankbar die Verfolgung auf. Dabei ist er in seinem Charakter sehr ungewöhnlich, denn er zielt wirklich nur darauf ab, dem Gesetz genüge zu tun und nicht möglichst hohe Kopfgelder zu kassieren.



Sollimas Regie ist von gewohnt innovativen Ideen geprägt. Die Anfangsszene, in der Corbett auf einen Baumstamm überdimensioniert drei Kugeln vor den im Hintergrund angespannt wartenden Verbrechern auftürmt, ist genauso unvergesslich, wie die spätere Szene, in der sich Cuchillo mühevoll über den Vorsprung stemmt und im Hintergrund die weiten des Canyons zu sehen sind. Sollima besitzt ein ungewöhnlich sicheres Auge bezüglich brillanter Montagen von Vor- und Hintergründen. Ähnliches bewies er ja auch in "Von Angesicht zu Angesicht".

Was sich zu Beginn noch als eine Geschichte anhört, die zwischen Gut und Böse klar trennt, entpuppt sich schnell als intelligentes Statement über das alles andere als gerecht, voreilige Verurteilen offensichtlicher Sündeböcke. Denn dieser Cuchillo ist lediglich ein armer Mexikaner, der zum Banditen gemacht wurde. Der gescheiterte Revolutionär wurde mit Verleumdungen überhäuft, ist deswegen ständig auf der Flucht, hat seinen Humor aber noch längst nicht verloren. Das soll auch Corbett zu spüren bekommen, der mehrmals von ihm verhöhnt wird, indem er ihn auf einfachste Art und Weise austrickst. Obwohl er den Mexikaner mehrmals stellt, kann der ihm immer wieder entwischen.



"Der Gehetzte der Sierra Madre" ist, wie schnell klar wird, die Zusammenkunft zweier sich gar nicht mal so unähnlicher Figuren. Beide suchen ihren Platz in der sich neu ordnenden Welt und beide wissen doch nur zu gut, dass sie nie wieder wird, wie sie mal war. Die Jagd soll sie in reichlich skurrile Situationen führen. Da wäre beispielsweise eine schwarze Witwe, die mit zwielichtigen Cowboys eine Ranch betreibt und nacheinander Cuchillo wie Corbett in ihr Spinnennetz fängt, oder ein Mönch der famos mit dem Schießeisen umgehen kann.

Tiefgründige Dialoge ("Das Opfer ist nicht immer der, auf den man schießt", "Wer von uns beiden ist eigentlich das Tier") paaren sich mit Situationen, in denen Corbett, der die Werte, an die er sich sein Leben lang ausrichtete, zerfallen sieht, Cuchillo immer näher kommt, ja schlimmer als er wird (Prügelt Siedler nieder und stiehlt ihm Waffe wie Pferd). Veredelt wird auch dieser Italowestern mal wieder von den Kompositionen Ennio Morricones (im übrigen von Bruno Nicolai arrangiert), der hier nicht an seine Höhepunkt heranreicht, aber innerhalb des Genres nach wie vor eine Klasse für sich bleibt.



Über einen Mormonentrack bis über die Grenze nach Mexiko führt sie beide ihre Jagd/Flucht. Längst muss der systematisch und planmäßig vorgehende Corbett sich eingestehen, dass er dem spontanen, schlitzohrigen Cuchillo nichts entgegen zu setzen hat. Genau wie bei "Von Angesicht zu Angesicht" prallen hier zwei völlig unterschiedliche Lebensphilosophien aufeinander. Allerdings belässt Sollima es hier dabei, die Einflüsse aufeinander zu zeigen. In seinem wenig später folgenden Western sollte er noch weiter gehen.
Wenn dann schließlich die Worte des Mexikaners zu Corbett durchdringen, ist er sich seiner eigentlich klar definierten Aufgabe gar nicht mehr so sicher. Als auch noch Brokston eintrifft, scheint sich seine Vermutung zu bestätigen, aber ich will an dieser Stelle nicht zuviel verraten.

Später wartet auf den Zuschauer noch ein toll inszeniertes Doppelduell in der staubigen Wüste, in dem dann Corbett unter anderem gegen einen deutschsprachigen Scharfschützen (dieser Preuße ist pure Exotik) antreten muss. Beide Duelle (u.a. Messer vs. Colt) erreichen nicht vibrierende Spannung diverser Leone-Kompositionen, sind aber dennoch klasse in Szene gesetzt.
Das eigentlich Interessante ist aber wieder Sollimas Intention, hier die Machtfülle der Obrigkeit anzuklagen, die für ihre Sünden gewissenlos die entsprechenden Böcke sucht und dann von voll und ganz in ihren Ansichten von Gerechtigkeit aufgehenden Menschen jagen, verurteilen und töten zu lassen. Abstrakt kann man hieraus auch die aktuelle politisch-wirtschaftliche Lage Deutschlands deuten, aber das würde jetzt zu weit führen.



Bleibt noch zu erwähnen, dass, neben den gewohnt erstklassigen Leistungen von Lee Van Cleef und Tomas Milian, akustisch wie visuell alles im Lot ist. War von Sollima aber auch nicht anders zu erwarten. So sorgfältige Handwerker wie er findet man leider nicht immer Westerngenre. Das hierfür deutlich sichtbar noch kein so hohes Budget wie bei "Von Angesicht zu Angesicht" zu Verfügung stand, sei umständehalber zu vernachlässigen. So schrecklich viele Erfolg feierte das Genre damals noch nicht.

Koch hat diesen Film bereits zuvor in der Sergio Sollima-Western-Box mit drei weiteren Titeln veröffentlicht, bringt den Titel aber nochmals einzeln im DigiPack heraus. Dabei ändert sich natürlich nicht viel an der DVD selbst, so dass auch hier wieder zwei Tonspuren und drei Untertitel am Start sind. Der deutsche Ton ist zwar leiser und erklingt eher dumpf als das italienische Orginal, das im Hochtonbereich einen besseren Eindruck macht, kratzt aber dafür weniger. Beide Tonspuren bleiben gut verständlich, auch wenn die Gesamtqualität nur moderate Werte erreicht. Hintergrundgeräusche und Musik kommen im Original etwas besser zur Geltung. Das muss sich zwangsweise an ein paar Stellen zuschalten, weil die alte deutsche Synchro lückenhaft ist. Darauf weist eine Tafel zum Filmstart hin und legt für diese Stellen deutsche Untertitel bereit. Außerdem sind durchgängige deutsche und englische Untertitel vorhanden.



Mag sein, dass das Rauschen etwas stärker als gewöhnlich präsent ist, nicht aber übermäßig für einen Italowestern des Jahres 1966, weil es im Hintergrund bleibt. Koch Media hat diesem Film ein sehr sauberes, sehr schön anzusehendes Antlitz verpasst. Kleinere Schwächen sind da verzeihbar. Die finden sich bei einigen etwas milden, weil manchmal zu Farben, was aber nur deutlich wird, wenn die Kamera Landschaftsaufnahmen im Fokus hat. Sonst darf man nämlich mit der aufgearbeiteten, aber typisch erdigen Farbgebung zufrieden sein. Die Detailschärfe mag zwar nicht allzu hoch sein, es entsteht aber trotzdem ein angenehm plastisches Bild. Dabei ist es natürlich eine Wonne, den Film im Originalformat von 2,35:1 genießen und dabei kaum auf Schmutzpartikel zu treffen. Lediglich zwei kurze Szenen fielen mir durch eine deutliche abfallende Qualität auf, könnten also Inserts sein. Das mag den guten, stellenweise sogar sehr guten Gesamteindruck aber nicht wirklich mindern.

Gefüllt ist die DVD mal wieder mit sehr hochwertigem Material. Dazu zählt zu allererst der Klappentext von Wolfgang Luley, der sich über drei Seiten des DigiPacks (mit Prägedruck) erstreckt. Auch wenn es als Überschrift nur über einem Kapitel steht, ist dieses Essay eine Würdigung des Films und der Personen, die ihn gemacht haben. Das lässt sich auch für das hervorragende 32minütige Interview mit Sergio Sollima sagen, das aus aktueller Eigenproduktion stammt und mit zusätzlichem Bild- und Videomaterial gespickt ist. Sollima erzählt von seinen ersten Kontakten des Genres über seine Herangehensweise an seinen ersten Western, die Darsteller, die Filmmusik bis hin zu Problemen mit einem Pferd, die ihm fast den Dreh versaut hätten. Es ist natürlich eine klasse Sache, den Regisseur live zu erleben, wie er von der damaligen Zeit erzählt und dabei oft auch seine Kollegen zitiert. In der Bildergalerie fasziniert vor allem die Zusammenstellung internationalen Plakate und für die Drehortfotos suchte man die tatsächlichen Sets auf, um sie abzufotografieren und sie mit Filmszenen zu vergleichen. In den Menus und die Extras erklingen Teile des Scores in CD-Qualität.


Bleibt nur festzuhalten, dass der Name Sergio Sollima für intelligente Westernkost steht, die gleichzeitig kritische Parabel, wie Charakterstudie bezüglich zwei völlig unterschiedlicher Lebensstile darstellt. "Der Gehetzte der Sierra Madre" ist intelligentes Filmgut mit spannenden Momenten, skurrilen Situationen, tollen Darstellerleistungen, visueller Kreativität und edler Musik. Für den Westernfan ein Muss!


Film+++++-
Bild++++--
Ton+/----
Bonus+++---


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Gehetzte der Sierra Madre, Der
Gehetzte der Sierra Madre, Der (Streng limitierte Sonder-Edition)
News"Eine Kugel für McGregor" und "Drei gegen Sacramento" erscheinen
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