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HK 1978
Originaltitel:Zui quan
Alternativtitel:Challenge
aka. Drunk Monkey
aka. Drunken Fist
aka. Drunken Master
aka. Story of Drunken Master, The
aka. Drunken Monkey in the Tiger's Eye
aka. Eagle Claw, Snake Fist, Cat's Paw, Part 2
aka. Maître chinois, Le
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aka. Halleluja für 2 Schlitzohren, Ein
aka. Sie nannten ihn Knochenbrecher
aka. Cakar monyet dalam pandangam harimau
aka. Gyalia karfia stin Apo Anatoli
aka. Kotkan kynnet
aka. Mono borracho en el ojo del tigre, El
aka. Pijany mistrz
aka. Jui kuen
Länge:106:45 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Woo-ping Yuen
Buch:Hsiao Lung, See-Yuen Ng, Hsiao Lung
Kamera:Hui Chang
Musik:Fu Liang Chou
Darsteller:Jackie Chan, Siu Tien Yuen, Jang Lee Hwang, Ching Chiang, Ging Man Fung, Hsia Hsu, Chiao Lin, Linda Lin, Ying Li, Chen Tien Loong, Dean Shek
Vertrieb:Sony Pictures
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0
Sprache:Deutsch, Französisch, Kantonesisch
Untertitel:Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Türkisch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:10.04.2008 (Kauf)
Specials:
  • Audiokommentar
Won Fei Hung (Jackie Chan) ist der übermütige Sohn eines Martial Arts-Meisters, der ständig irgendwelche neuen Streiche ausheckt, statt sich der hohen Kunst des Kung Fu zu widmen. Nachdem der Sohn eines mächtigen Mannes im Dorf durch einen seiner Scherze verletzt wird, bittet sein Vater einen sadistischen Onkel, dem missratenen Sprössling endlich ein wenig Disziplin einzutrichtern. Dieser Fremde, der Gerüchten zufolge seine Schüler auch schon mal zu Krüppeln macht, bringt Fei Hung eine besonders seltene Kung Fu-Technik bei. Zunächst wehrt sich Fei Hung, doch nachdem er im Kampf gegen den Auftragskiller, der seinen Vater töten soll, unterliegt, sieht er ein, dass er den "Drunken Boxer"-Stil um jeden Preis erlernen muss.
Wer weiß, vielleicht war Jackie Chans zum Ende der Siebziger Jahre hin aufblühende Karriere nichts als eine glückliche Fügung äußerer Umstände. Fakt ist: Wäre er ewig dem Handlungsbereich von Lo Wei, seiner ersten Filmstation, unterlegen geblieben, gäbe es heute wohl kaum einen Superstar Jackie Chan, sondern nichts weiter als einen zunächst vielversprechenden, irgendwann aber ausgelaugten Kampfkünstler, von dessen Existenz höchstens Eastern-Spezialisten etwas wüssten. Ein Chris Tucker und ein Owen Wilson wären aber inzwischen mit einem anderen, glücklicheren chinesischen Wirbelwind auf Böse-Buben-Jagd gegangen, jemandem, der Jackies Platz bei Golden Harvest eingenommen hätte, um anschließend die USA zu erobern.
Wie es aber das Universum wollte, litt Lo Wei Ende der Siebziger Jahre unter Geldnot und war gezwungen, seinen Superstar kurzfristig an die Produktionsfirma Seasonal zu verkaufen, was sich wohl rückblickend als das entscheidende Ereignis in Jackies Karriere herausstellte. Bedenkt man nun, dass die Geldnot wohl in einem kausalen Zusammenhang mit dem Misserfolg der Lo Wei-Jackie Chan-Koproduktionen stand, hat die ganze Sache vielleicht doch nicht so sehr etwas mit seltsamen Zufällen zu tun, sondern war eine über kurz oder lang unvermeidliche Entwicklung, die so und nicht anders kommen musste.



Wollte Lo Wei nämlich unmissverständlich konventionelle Kung Fu-Streifen nach Bruce Lee-Muster drehen, war Jackie eher darauf aus, seine Vision einer "Kung Fu Comedy" zu verwirklichen - eine unvereinbare Situation, wenn zwei Künstler mit vollkommen gegensätzlichen Intentionen ein und dieselbe Leinwand bemalen. Seasonal war dagegen daran interessiert, den Lo Wei-Star voll und ganz zu unterstützen. Jackie musste also nicht mehr gegen den Strich pinseln, und das tat dem eigentlichen Endresultat, den beiden Jackie-Seasonal-Produktionen "Die Schlange im Schatten des Adlers" und "Sie nannten ihn Knochenbrecher" so gut, dass sie auch ein kommerzieller Erfolg wurden - der Take-Off war erfolgt.

Nun ist der erste Teil der legendären "Drunken Master"-Reihe sicherlich nicht das Über-Werk, als das es manchmal gerne verkauft wird, nur weil es eben einen der Meilensteine darstellt im Fundus des Meisters. Im Rahmen der berühmt-berüchtigten "Meister-bildet-Schüler-aus"-Streifen steht "Sie nannten ihn Knochenbrecher" allerdings gleich durch diverse Elemente ziemlich weit oben in der Rangliste.



In erster Linie fällt die erfrischende Selbstironie positiv aus, die alle Elemente betrifft, die sich im Genre traditionell eingebürgert haben und die nun eben zum Teil gebrochen werden. Nicht gleichzusetzen ist die Ironie bzw. Parodie mit den üblichen Albernheiten, die mit Chan nicht unbedingt neu erfunden wurden, sondern die auch schon vorher da waren. Vielmehr ist gemeint, wie klassische Eckpfeiler des Martial Arts-Films mit Ausbildungsunterbau demontiert werden. Wenn Jackie in der Kampfschule beginnt, seinem (dümmlichen) Ausbilder Lektionen zu erteilen und er mit seiner frechen Art auch noch Erfolg hat, dann ist das eine Parodie auf die Unfehlbarkeit der Ausbilderhierarchie - wenngleich das Opfer hier nur ein Ersatz ist und Jackie später auch noch für seine Taten bestraft wird. Nach dem gleichen Muster stopft er später seinen Meister - gespielt von Simon Yuen, der schon in Jackies erster Hauptrolle dessen Ausbilder mimte - ins Wasserfass und haut ab ... ein Moment, in dem der unnahbare, weise Meister seine Würde verliert. Kurz vor dem Endkampf gibt es zudem noch die klassische Ausbildung in Drunken Boxing nach überliefertem Rezept, und als Jackie die einzelnen Stile durchackert, kommt es ihm zwischendurch in den Sinn, besonders dümmlich erscheinende Stile wie die Fee mit tuckigen Gebärden nachzuäffen.



Das Drunken Boxing selbst darf wohl in seiner Konzeption auch irgendwo als Parodie ausgelegt werden, zumindest in seiner Art und Weise, wie es in diesem Film präsentiert wird. Die schwummrig-wackeligen Übergänge zwischen den einzelnen Kampfstellungen laufen nämlich der Präzision und Körperbeherrschung des klassisch gelehrten Kung Fu vollkommen zuwider. Die überragende Stilbeherrschung der Protagonisten ist demzufolge freilich ein Spott über die klassischen Kämpfer, die trotz oder sogar gerade wegen des vermeintlichen Defizits des Betrunkenseins ihre abgefüllten Sieger nicht zu besiegen vermögen.
Um den Spott perfekt zu machen, wird ein Kämpfer alter Schule gleich im, man möchte fast sagen nihilistischen Intro eingeführt als schier unbesiegbar erscheinender Kämpfer, der aber mit seinen Fähigkeiten nichts Gutes im Sinn hat, da er für Geld tötet. Die Tatsache, dass er nicht auf die Forderungen seines Opfers eingeht, für das Doppelte den ursprünglichen Auftraggeber zu ermorden, verleiht ihm allerdings ein gewisses Maß an Würde, was auch als Darlegung des Respekts an die Tradition verstanden werden kann. Dieser Killer (gespielt von Jang Lee Hwang) hat zumindest Prinzipien, eine Sache, die man von unserem Jungspund Wong Fei-Hung (Chan) nicht unbedingt behaupten kann. Und doch wird er - erwartungsgemäß - im spektakulär choreografierten Finale auf freiem Feld besiegt.



Wie Jackie Chan mit den ihm dargebotenen Möglichkeiten nun umgeht, zeugt von der Freiheit, die ihm zugestanden haben muss, denn ganz ähnlich wie in "Die Schlange im Schatten des Adlers" merkt man ihm die Freude daran an, einen Charakter ohne Auflagen frei entfalten zu können. Die Markanz des Charakters Wong Fei-Hung ist damit gar einer der Schauwerte, womit den Martial Arts-Szenen, in so mancher Lo Wei-Produktion der einzige Sehwert, ein wenig von der Bürde genommen wird, den ganzen Film tragen zu müssen. Zwar übertreffen sich die Martial Arts-Sequenzen auch diesmal wieder gegenseitig durch die ausgewogene Mischung aus verschiedenen Stilen mit dem Drunken Boxing als Highlight im letzten Drittel, doch Chan erschafft hier wahrlich einen individuellen Charakter. Inwiefern hier Anteile der realen Person Wong Fei-Hung, einem zwischen 1847 und 1925 lebenden chinesischen Volkshelden, reinfallen, dürfte je nach Sichtweise variieren; Fakt ist, dass in die Kämpfe einige Elemente eingebauten, die für Fei-Hung charakteristisch waren. So galt der praktizierende Arzt als Wohltäter der Armen, und im Film sehen wir, wie Jackie einem armen Souvenirhändler das Geld für einen zerbrochenen Artikel wiederholt, den ein arroganter Dieb ohne Rücksicht zerbrochen hat. Zum anderen erwischen wir Jackies Fei-Hung allerdings auch beim Zechprellen und Belästigen von jungen Frauen, was der Gesamtperson einen höchst interessanten, mehrdimensionalen Anstrich verleiht.

Die parodistischen Elemente sind leider beileibe nicht stark genug ausgeprägt, um mit dem Genrezweig des Ausbildungsfilms anständig abschließen zu können. Zu oft vermischen sich die immer gut gemeinten Seitenhiebe mit ordinärer Herumalberei, als dass der Gesamteindruck wirklich als konsequent zu bezeichnen wäre. In vielen Momenten hätte man sich einfach noch mehr Mut gewünscht, die Ideen durchzusetzen, damit die Wirkung die maximale Effektivität erreichte. Gewissermaßen ist "Sie nannten ihn Knochenbrecher" das östliche Pendant zu Terrence Hills und Bud Spencers Abrechnung mit dem Western in Interner Link"Die rechte und die linke Hand des Teufels".



Dennoch hatte dieser zweite große Erfolg Chans wenigstens für ihn selbst eine große Bedeutung: "Sie nannten ihn Knochenbrecher" ebneten den Weg zum Produktionsstudio Golden Harvest, das Jackie durch seine beste Zeit hindurch begleitete. Der Erfolg des Films ist nicht ganz unbegründet, denn zweifellos handelt es sich um einen in jeder Sekunde kurzweiligen Martial Arts-Streifen, der zeitweise mit den Traditionen des östlichen Kampfsportfilms spielt und dabei in der Lage ist, die Aufmerksamkeit des Publikums zum Teil von den reinen Fights abzuwenden und sie auf das Gesamtprodukt zu richten, das zudem noch gut ausgearbeitete Charaktere und eine witzige Geschichte zu bieten hat.

Nachdem die deutsche DVD von Splendid leider ziemlicher Murks in allen Bereichen war, den man wegen mieser Bildqualität und gekürzter Fassung schnell in die Tonne kloppen darf, hat sich 2008 Sony dieses Klassikers angenommen, was eine deutliche Steigerung erhoffen lies.
Ja, die darf man tatsächlich erwarten, denn zum ersten Mal darf man sich den Film im Originalformat und in einer sehr passablen Qualität anschauen, die eine deutliche Aufarbeitung erkennen lässt. Das zeigt sich besonders in der Anpassung des Kontrastes, der ein frisches Bild zaubert, und den aufgearbeiteten Farben, die teilweise sehr kräftig und leuchtend ausfallen, was für einen Eastern dieser Zeit ganz und gar nicht üblich ist. Besonders deutlich wird das während der Ansicht des Hauses vom Meister (z.B. während der Trainingseinheiten), bei der die Farben überaus kräftig ausfallen. Bei einem aktuellen Film würde man von überzogener Sättigung sprechen, für "Sie nannten ihn Knochenbrecher" ist es aber genau richtig dosiert.
Ein paar Wermutstropfen zeigt die DVD aber immer wieder. Die Schärfe ist zwar im Durchschnitt prächtig geworden, aber sie ist auch nicht sehr stabil, so dass einzelne Szenen wie aus dem Fokus geraten aussehen. Möglicherweise geht dies einher mit dem Grad der Rauschbekämpfung, denn die Partikelbewegung ist ebenfalls sehr wechselhaft. Während die Fans die Problemchen in der Plastizität verstehen können, wäre vielleicht eine komplette Bildbereinigung noch angebracht gewesen. Zwar sieht man nur wenige Kratzer auf dem Material, aber die verbliebenen hätten auch noch rausretuschiert werden können. Auch wenn wegen des leichten Flackerns und der Schärfe wegen keine 4 Punkte erreicht werden, können sich Fans des Filmes diese Wertung denken.



Aufgrund der längeren Filmfassung existiert keine durchgängige deutsche Synchro. Was also tun? Eine Möglichkeit wäre gewesen, einfach die fehlenden Stellen im Originalton zu belassen und deutsch zu untertiteln, aber Sony verpasste dem Film eine komplette neue Synchro. Das mag verkaufsfördernd sein, schließlich muss man auf dem Cover nichts von "Untertiteln in nicht synchronisierten Szenen" erwähnen, die Fans vergrämt diese Maßnahme aber oft. Denn die fabelhafte Ursynchro von "Sie nannten ihn Knochenbrecher" (so der üblichere dt. Titel) hat sich aus den Ausstrahlungen im TV, den Video- und der Vorgänger-DVD-Version mittlerweile soweit eingebürgert, dass es etwas seltsam ist, "neue" Stimmen zu hören. Insgesamt ist die Neusynchro aber ziemlich gut geworden, da sowohl die Wahl der Stimmen als auch die Art der Abmischung nicht zu sauber klingen und die Comedy-Stimmung annähernd getroffen wird. Ein paar mal übertreibt es das deutsche Dialogbuch aber wg. nicht ganz zeitgemäßer Gags ein wenig.
Für die Qualität ist die neue Synchro jedoch ein klarer Gewinn, denn die Stimmen klingen nun sehr fein und müssen sich nicht vergleichen mit dem sehr alten, abgestumpften kantonesischen Originalton. Der ist seltsamerweise auch nicht ganz komplett, denn immer wieder schalten sich englische Passagen bei diesem ein, was etwas unverständlich ist. Als weitere Tonspuren existiert die französische Sprache, die ebenfalls den Eindruck einer Neusynchro macht. Deutsche Untertitel gibt es ebenfalls.


Zwar enthält diese DVD nur wenig Bonus, aber der Audiokommentar entschädigt für vieles. Gesprochen wird dieser von Ric Meyers, Buchautor und Web-Autor bei Asian Cult Cinema, und Jeff Yang, ebenfalls Autor gedruckter, asiatischer Filmkritik. In den 100 Minuten können die beiden mehr über das frühe HK-Action-Kino und dessen Entwicklung bis in die heutige Zeit erzählen, als manche Dokumentation mit gleicher Spielzeit füllen könnte. Vor allem geht es aber auch um den Star des Films, den die beiden durch persönlichen Kontakt etwas genauer analysieren, aber auch um Kampfsport, um kulturellen Unterschiede zwischen asiatischen und amerikanischen Zuschauern und zwangsweise um die Vielzahl an versteckten Anleihen, die man vermutlich erst versteht, wenn man die Geschichte des asiatischen Filmes etwas genauer beäugt hat. Besonders interessant an diesem durchweg fesselnden Audiokommentar, bei dem sich die beiden Sprecher wunderbar ergänzen, sind zwei Momente: In einem wird eine Vermutung darüber abgegeben, warum moderne Actionregisseure wie Brent Rattner seine Actionszenen mit Jackie Chan in Interner Link"Rush Hour" so anders filmt als man es vom ursprünglichen Kung-Fu-Kino gewohnt ist: Die etwas unübersichtliche Nähe zwischen Kamera und Darstellern sieht Meyers in dem Umstand begründet, dass die amerikanischen Regisseure selbst mit den oftmals auf Vollbild gebrachten HK-Actionern aufgewachsen sind und so die Bildkomposition anders erleben durften als heutige Generationen, die dank DVD und Heimkino wieder das ursprüngliche Format sehen dürfen. An mehreren anderen Stellen erzählen die Sprecher, dass diese hier vorliegende Fassung definitiv nicht die komplette ist und dass gerade bei den Kämpfen im Vergleich zur damaligen Kinovorstellung einiges fehlt. Ob dieses Material allerdings noch existiert, ist eine andere Frage. Der Kommentar ist deutsch untertitelbar und sollte Pflichtlektüre für jeden sein, den das Genre und Jackie Chan interessieren.


Film++++/-
Bild+++/--
Ton++/---
Bonus+/----


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News"Drunken Master - The Beginning" in der ungekürzten Fassung
Sie nannten ihn Knochenbrecher
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