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UK 1996
Originaltitel:Trainspotting
Alternativtitel:Trainspotting - Neue Helden
Länge:88:27 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Danny Boyle
Buch:Irvine Welsh, John Hodge
Kamera:Brian Tufano
Musik:Sleeper, New Order, Iggy Pop, Blur, Pulp, Underworld u.a.
Darsteller:Ewan McGregor, Ewen Bremner, Jonny Lee Miller, Kevin McKidd, Robert Carlyle, Kelly Macdonald, Peter Mullan, James Cosmo, Eileen Nicholas, Susan Vidler, Pauline Lynch, Shirley Henderson, Stuart McQuarrie, Irvine Welsh, John Hodge
Vertrieb:Universal
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:Steelbook
DVD-Start:30.11.2006 (Kauf)
Specials:
  • Beipackblatt mit Limitierungsinformationen
  • 8seitiges Booklet mit rückseitigem Poster
Disc 1:
  • Audiokommentar
  • Entfallene Szenen (mit opt. Audiokommentar):
    • Szene #1 (0:50 Min.)
    • Szene #2 (0:26 Min.)
    • Szene #3 (1:16 Min.)
    • Szene #4 (0:49 Min.)
    • Szene #5 (1:14 Min.)
    • Szene #6 (2:17 Min.)
    • Szene #7 (1:09 Min.)
    • Szene #8 (0:47 Min.)
    • Szene #9 (0:43 Min.)
  • Making Of (9:27 Min.)
Disc 2:
  • Retrospektive:
    • Der Look des Films (4:01 + 3:12 Min.)
    • Die Musik des Films (7:40 + 4:50 Min.)
    • Interviews:
      • Ursprünge - Interview mit Autor Irvine Welsh (4:36 Min.)
      • Interview mit Regisseur Danny Boyle (14:31 Min.)
      • Interview mit Produzent Andrew Macdonald (10:31 Min.)
      • Interview mit Drehbuchautor John Hodge (7:57 Min.)
    • Hinter den Kulissen:
      • Featurette "Injection Scene" (6:22 Min., 3 Kameraperspektiven, opt. Audiokommentar)
      • Treffen mit den Calton Athletic Boys (0:30 Min.)
  • Trainspotting auf dem Festival von Cannes 1996:
    • Martin Landau (0:52 Min.)
    • Noel Gallagher (2:09 Min.)
    • Damon Albarn (1:02 Min.)
    • Ewan McGregor (0:44 Min.)
    • Schnappschüsse (1:55 Min.)
  • Fotogalerie (5:04 Min.)
  • Original-Kinotrailer:
    • Teaser dt./engl. (1:04 Min.)
    • Kinotrailer dt./engl. (2:02 Min.)
Eine Clique schottischer Heroin-Junkies bestreitet ihren Tagesablauf mit der unablässigen Suche nach Betäubungsmitteln, was sich als endloser Kampf um den nächsten Kick beziehungsweise die Mittel, sich Drogen zu verschaffen, darstellt. Erst als einer ins Gefängnis und ein anderer in den Entzug wandert, scheint der Teufelskreis durchbrochen zu werden.
Danny Boyles Drogengroteske "Trainspotting" entwickelte sich vom Geheimtipp zum zweiterfolgreichsten britischen Film aller Zeiten und gilt schon jetzt als Kultfilm. Nebenbei machte er Hauptdarsteller Ewan McGregor international salonfähig, so dass in diesem Streifen sein heutiger Starruhm begründet liegt.

Kritiker werfen Boyle immer wieder vor, Drogenkonsum zu verharmlosen bzw. zu glorifizieren. Genau in diesem Punkt unterscheidet sich "Trainspotting" von anderen Suchtfilmen, denn hier wird nicht eingehend vor Heroin, Speed und anderen Sachen gewarnt, sondern man muss sich als Zuschauer ein eigenes Urteil bilden. Hauptfigur Mark Renton überlässt uns die Wahl: Entweder ja zum Bausparvertrag, niedrigem Cholesterinspiegel und einem pervers großem Fernseher sagen oder Heroin nehmen - alle WG-Insassen haben sich für letzteres entschieden und verbringen ihr Leben nun mit der unablässigen Suche nach dem nächsten Schuss.



Obwohl die Lebensumstände der süchtigen Charaktere hier nur den Schluss zulassen, dass Konsum harter Drogen und Asozialität nicht weit auseinander liegen, wird nie ein warnender Zeigefinger sichtbar. Vielmehr zeigt Boyle, dass Großteile der Konsumgesellschaft selbst abhängig sind, bloß in einer vom Staat und der Gesellschaft tolerierten Art und Weise.
Von einer Glorifizierung von Drogen kann dennoch keine Rede sein, denn die meisten Figuren sind so kaputt, dass man unmöglich so sein wollen kann: "Spud" ist ein totaler Loser, der herumrennt wie ein kindischer Haspel und gesellschaftlich niemals Anerkennung finden wird, dank dauerhafter Arbeitslosigkeit und Ins-Bett-Scheiß-Aktionen.
"Sick Boy" ist jung, smart, intelligent, langweilt jedoch mit seinem unablässigem Gelaber über James-Bond-Filme und kommt trotz seiner Fähigkeit zur sozialen Integration nicht von der Nadel los.
Begbie rührt zwar "chemisches Zeugs" wie Heroin nicht an, ist aber ein echtes Ekelpaket: Alkoholsüchtig, selbst zu seinen besten Freunden unehrlich und unablässig auf der Suche nach der nächsten Schlägerei.
Renton ist schließlich der einzige, mit dem man als Zuschauer etwas anfangen kann. Er weiß selber um sein Dilemma und ist sich im Klaren darüber, dass er seinen erbärmlichen Freundeskreis und die Lebensumstände nur ertragen muss, weil er zum Leben nein sagen wollte. Der "normalste" unter den Vieren ist schließlich auch die Identifikationsfigur schlechthin.

Episodenhaft zeigt der Film mehrere Lebensabschnitte Rentons (begleitet vom eigenen Off-Kommentar), wobei nicht so sehr der Plot, sondern das Innenleben der Figuren interessiert. Obwohl sich die Charaktere kaum weiterentwickeln, geht von der Story eine ungeheure Anziehungskraft aus, weil es Boyle immer wieder schafft, den Zuschauer mit kühnsten Einfällen zu überraschen. Selbst übelste Trips, die fast mit dem Tod enden, werden noch mit pechschwarzem Humor versehen (und diese Mischung geht perfekt auf), nur um die grotesk-komischen Szenen immer wieder mit derbsten Fiesheiten, wie einem toten Baby, zu unterbrechen, bei denen einem aus Entsetzen die Spucke wegbleibt. So funktioniert "Trainspotting" als unterhaltsame Groteske ebenso wie als brutaler Schocker.



Einen würdigen Abschluss gibt es nicht, ganz im Gegenteil: Am Ende zerbricht nach einem großen Deal sogar die Gemeinschaft der vier, ein Freund stirbt an Aids und Renton will am Ende ja zum Leben sagen, doch es ist völlig klar, dass diese letzte Szene nur ein Auftakt zu einer weiteren Episode in Rentons Leben ist. Wie die aussieht, ist völlig unklar, doch ob er sein Leben noch einmal auf die Reihe kriegt, ist zu bezweifeln.

Universal setzt sich nun mit diesem Steelbook das Ziel, die bislang beste Fassung auf DVD zu präsentieren. Beim Bild soll dieses Ergebnis etwas zwiespältig ausfallen. Richtig ist nun das Widescreen-Format, auch wenn es gematted ist (vgl. hierzu die Vollbild-VÖ von Alligator), aber auch die Farben wurden dem Film etwas angepasst. Die sind nun dreckiger, das Bild generell etwas düster. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das möglicherweise dem Gedanken des Filmteams entspricht, auf den Zuschauer macht es aber immer wieder den Eindruck, als ob das Bild mehr Leuchtkraft verdient hätte. Insgesamt macht es aber einen ordentlichen Eindruck, trotz ein paar weißer Kratzer, feinen Hintergrundrauschen und einer Plastizität, die zwar gute Ansätze erkennen lässt, aber in den meist dunklen Bereichen vielleicht nicht mehr als eine gute Plastizität erreicht. Trotzdem, die 3,5 Punkte sind problemlos verdient, es fehlt nicht mehr viel zur Aufwertung.

Es ist nicht unbedingt anzunehmen, dass der "kleine" Film "Trainspotting" mit großen Leistungen beim Ton aufwartet. Das gelingt höchstens der charismatischen Synchro, die zwar nicht den Geist des stark schottischen Akzents einfangen können, was praktisch unmöglich wäre, trotzdem aber witzig, direkt und angemessen ist. Leider muss man sagen, dass der Film nicht viele Möglichkeiten besitzt, um sich raumfüllend zu entfalten. Das gelingt höchstens mal in der Disko bzw. etwas durch die eingespielte Musik, die doch etwas offensiver als üblich genutzt wird, aber sehr oft bleibt der Track auch hier frontlastig, fast eindimensional. Den Klang gibt die deutsche Fassung aber sehr satt wieder, u.a. wegen einem aufpolierten Bass gegenüber dem Originalton, was für ein sattes Brummen in entsprechenden Szenen sorgt. Dank deutscher Untertitel dürfte es auch kein Problem sein, das Original zu verfolgen.



Mit der "Definitive Edition" darf man natürlich auch einiges im Bonusbereich erwarten oder sollte es zumindest. Universal hat dem Film ein ins Auge stechendes Äußeres gegeben, denn das Steelbook ist orangefarben. Im Inneren befindet sich neben den zwei DVDs ein kleiner Zettel, auf dem Universal den Käufer zu dieser DVD beglückwünscht und die Nummerierung der auf 20000 Stück limitierten Auflage gleich mit angibt. Außerdem ist das Booklet nicht nur ein Informationstext mit den Inhaltsangaben der DVD (Bonus- und Kapitelliste), sondern enthält auch einen Kurztext vom Romanautor Irvine Welsh, der sein Werk in Bezug auf sein eigenes Leben setzt. Das mehrfach zusammengefaltete Booklet enthält übrigens auf der Rückseite noch das Poster, das man allerdings an zwei Kontaktstellen kleben muss, weil es dort absichtlich geschnitten wurde (um die Faltbarkeit zu verbessern).

Auf DVD 1 ist bereits eine Menge Material untergebracht, z.B. die herausgenommenen Szenen, die zwar nicht gerade die beste Qualität besitzen, dafür aber noch einen Audiokommentar neben dem Originalton. Der ist natürlich untertitelbar und wird eingesprochen von verschiedenen Personen: John Hodge, der den Autor des Romans überzeugen konnte, den Roman zu einem Film zu machen und ihn zu einem Drehbuch brachte, der Produzent Andrew McDonald, Regisseur Danny Boyle und Hauptdarsteller Ewan McGregor. Sie sprechen einen ebenfalls untertitelbaren Audiokommentar für den gesamten Film ein, bei dem aber einige Sprecher separat aufgenommen wurden. Was solls, durch die Vielzahl an Involvierten bekommt man verschiedenste Aspekte des Films und auch des Romans geboten, u.a., wie man für den Film recherchierte, dabei mit ehemals Abhängigen zusammenarbeitete und was sich manchmal wirklich im Milieu abspielte. Im etwas kurzen Making Of werden dann die Personen hinter den Kulissen und die Darsteller mit ihren Charakteren vorgestellt. Offensichtlich war dieses Special aber nicht dafür gedacht, um damit vor dem Kinostart die Werbetrommel zu rühren, denn dafür werden bereits zu viele interessante Sachen erklärt.
Disc 2 startet mit einer Menge thematisch geordneter Interviews mit Personen, teils zweimal befragt (einmal beim Dreh 1995 und einmal 2003), die man sich als Fan des Films unbedingt anschauen sollte. Zwar nerven nach einiger Zeit die immer wieder gleichen Inserts von kurzen Szenenausschnitten, die Gespräche sind aber immer sehr ausführlich gehalten. Als Besonderheit wird die Nahaufnahme der in die Vene einstechenden Nadel in mehreren Kameraperspektiven gezeigt. Perpektive Nr. 1 enthält die Crew beim damaligen Dreh, bei dem natürlich nicht McGregors Arm sondern eine Prothese herhielt, Perspektive Nr. 2 den Regisseur mit einem Kommentar und Nr. 3 beides zugleich im Split-Screen-Verfahren. Vorher darf man natürlich noch auswählen, welche Audiospur (Ton vom Drehort oder Regiekommentar) man anschauen möchte. Etwas sinnlos ist der halbminütige Kommentar von McGregor über die "Calton Athletic Boys", die man zu Beginn des Films im Fußballspiel sieht und die selbst einmal abhängig waren. Der Grund ist, dass man diesen Kommentar bereits im Making Of sehen konnte. Da während der Produktion offensichtlich regelmäßig Polaroids von den Darstellern geschossen wurden, präsentiert man diese inklusive der Angabe der Szene und des Darstellers als Bildergalerie. Beim Filmfestival in Cannes wurden diverse Gäste interviewt, was im entsprechenden Menupunkt anwählbar ist. Hier stört lediglich, dass die Kurzinterviews mehr im Vorbeigehen gemacht wurden und ebenso wie die Fotos in einem zu kleinen Format (hier sogar: anamorphotisch nicht entzerrt) ablaufen. Unter den Schnappschüssen werden dann noch weitere Gäste der großen Party in Cannes kurz angesprochen und um ihre Meinung befragt. Bis auf den Teaser (lustig) und den Trailer (tonzensiert), die es beide in deutscher Sprache gibt, wurden sämtliche Extras deutsch untertitelt.
Wer das limitierte Steelbook von 2006 also verpasst hat, der darf sich jetzt schon ärgern und kann höchstens auf die 2008 nachgeschobene Einzel-DVD von Universal zurückgreifen. Aber der fehlt dann natürlich einiges an Extras ...


Fest steht, dass Danny Boyle hiermit einen echten Kultfilm geschaffen hat, der Drogen weder verharmlost noch zu penetrant vor ihnen warnt und der immer den schmalen Grat zwischen Komik und Tragik schafft. Man muss ihn fast zwangsweise zu einen der besten fünf Filme zählen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, der unterhaltsamste ist er auf jeden Fall, dazu politisch hundertprozentig unkorrekt. Sag ja zu "Trainspotting"!


Film+++++-
Bild+++/--
Ton+++/--
Bonus++++--


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