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HK, USA 1985
Originaltitel:No Retreat, No Surrender
Alternativtitel:Karate Tiger - Der letzte Kampf
Länge:94:06 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Corey Yuen
Buch:See-Yuen Ng, Keith W. Strandberg, Corey Yuen
Kamera:David Golia, John Huneck
Musik:Paul Gilreath
Darsteller:Kurt McKinney, Jean-Claude Van Damme, J.W. Fails, Kathie Sileno, Tai Chung Kim, Kent Lipham, Ron Pohnel, Dale Jacoby, Peter Cunningham, Timothy D. Baker, Gloria Marziano, Joe Vance
Vertrieb:Splendid
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,33:1 (Vollbild)
Tonformat:Dolby Digital 5.1 (Deu), Dolby Digital 2.0 (En)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:Steelbook
DVD-Start:30.05.2008 (Kauf)
Specials:
  • Trailer:
    • Schwerter des Königs (1:48 Min.)
    • President Evil (2:06 Min)
    • Postal (1:22 Min.)
    • Dragon Tiger Gate (2:47 Min.)
    • The Cold Hour (1:36 Min.)
    • Jade Warrior (1:40 Min.)
    • Harsh Times (2:11 Min.)
    • Born To Fight (1:09 Min.)
Von einem skrupellosen Verbrecher-Syndikat unter Druck gesetzt, flieht der Karate-Lehrer Stillwell von Los nach Seattle um eine neue Existenz aufzubauen. Sein Sohn Jason (Kurt Mc Kinney), ein glühender Verehrer von Bruce Lee, ist über das feige Verhalten seines Vaters tief enttäuscht. Niedergeschlagen pilgert Jason in Seattle, der Heimatstadt Lees, zu dessen Grab und fleht um Beistand. Eines Nachts erscheint ihm der Meister im Traum und lehrt ihn die Geheimnisse der Karate-Kunst. Gewappnet mit kostbarem Wissen und stählernem Mut nimmt Jason den Kampf gegen das Verbrecher-Syndikat auf. Doch mit dem Russen Ivan (Jean-Claude Van Damme) steht ihm ein übermächtiger Gegner gegenüber. Kann Kurt mit der Hilfe von Bruce Lee diesen Kampf für sich entscheiden ...
Dieser Film hat das Klischee erfunden.

Amerikanische Kampfsportfilme der 80er sind natürlich von Natur aus klischeehaft. Man kann sie ohne Gewissensbisse, und ohne die wirklichen Perlen zu beleidigen, als Abziehbilder der asiatischen Martial Arts-Werke bezeichnen. In der Regel besteht auch gar kein Anspruch, sich mit den Meistern der Materie zu messen. Die Amis werden lediglich mal aufmüpfig, um dem Rest der Welt ihren hippen Life Style unter die Nase zu reiben, so wie in "American Shaolin" geschehen. Wer das Genre aber wirklich ins Leben gerufen hat, daraus machen sie gar keinen Hehl.


Wer hat's erfunden? Die Schweizer? Nee, der ferne Osten!

Dementsprechend wird der verstorbene Meister Bruce Lee für unseren jungen Helden aus L.A. auch zur treibenden Kraft. Sein Geist hilft ihm, in Seattle Fuß zu fassen und seine innere Kraft zu finden, um gegen alle Hindernisse bestehen zu können.

Round 1 ... Fight!

Seine Ausgangsposition ist nicht gerade die beste. Mit seinem Vater zog er um nach Seattle, wo unser L.A.-Bübchen es natürlich besonders schwer hat. Zwar ist Kampfsport auch im tiefen Nordwesten der USA angesagt, allerdings haben die ansässigen Seattle Sidekicks etwas gegen Fremde. L.A.-Karate ist Schrott. Bübchen stößt also von Anfang an auf Ablehnung. Er hat neben seinem großen Vorbild nur noch zwei Ansprechpartner: zum einen den frech-hippen Michael-Jackson-Verschnitt, den ich im folgenden Bubbles nennen werde. Bubbles ist der Eddie Murphy / Chris Tucker der Achtziger, eine alte Brabbel mit einer Stimme, als hätte er was in die Weichteile gekriegt. Während Bruce Bübchens Geist trainiert, ist Bubbles für die physische Kondition von Bübchen verantwortlich. Das hat schon was, wenn er frech mit seinem Bike voranfährt und Bübchen ihn am Ende beim Lauftraining glatt überholt. Ach ja, und er macht den Fremdenführer, eröffnet ihm die feindselige Kampfsportwelt Seattles.
Zum Anderen hätten wir noch das Mädchen von einem der Seattle-Kämpfer (und zwar vom Lehrer himself), das sich so langsam in den schüchternen Neuling aus der Stadt der Engel verliebt. Klaro, ist doch ein toller Storykniff. So gibt's Gelegenheit für 'ne zünftige Prügelei abseits der Karate-Turniere.


Wer sind die Seattle Sidekicks?

Wie gesagt, ein Haufen böser Halunken, bestehend aus Karateschülern und ihrem Trainer. Wobei vor allem drei Leute wichtig sind. Erstens: der bösartige Karate-Fettsack, der nur frisst und lacht und die Befehle des Mackers von Bübchens neuer Freundin befolgt. Chris Farley war als "Beverly Hills Kampfwurst" eindeutig das liebenswertere Exemplar. Zweitens: der arrogante Karatelehrer und gleichzeitig jener Macker. Er wird zum Feindbild aufgebaut, indem man alle Charaktereigenschaften, die ein guter Lehrer haben sollte - etwa Mitgefühl, Redebereitschaft, Gerechtigkeitssinn - einfach umkehrte. Er unterstützt also die Faxen der verzogenen Seattle-Gören. Und zuguterletzt: die Kampfmaschine. Wir erleben Jean-Claude van Damme in seiner ersten Rolle mit einer gehörigen Portion Trash. Er wird zum Endgegner von Bübchen und erzeugt damit den gleichen Effekt wie ein Fußballtrainer, der bei einem Spiel von 12-jährigen in sein Team einen 25-jährigen Fußballstar einwechselt, um seinem Team so zum ungerechten Sieg zu verhelfen.
Wie man sieht, wird hier mit den Farben schwarz und weiß gemalt. Der L.A.-Einzelkämpfer gegen die übermächtigen Seattle-Bösewichte.

Macht ja nix. Ich bin trotzdem Seattle Sonics-Fan geworden.


Handwerklich, storymäßig, schauspielerisch, inszenatorisch, visuell und von der Charakterzeichnung her ist "Karate Tiger" ein Stümperwerk, das seinesgleichen sucht. Von der Logik wollen wir gar nicht sprechen. Für die DVD könnte man alleine mit den Goofs das Bonusmaterial um 100 Minuten ausweiten. Der natürlich niemals brillante, aber doch zeitweise zum Kultstar aufgestiegene belgische Kampfsportexperte Jean-Claude van Damme gibt ein ähnlich dilettantisches Debüt wie einst Arnie mit "Herkules in New York". Sein Gegenüber ist nur leidlich sympathisch, und die gesamte Seattle-Crew besteht aus Stereotypen, wie sie im Buche stehen. Irgendwo muss eine klischeehafte Zeichnung ja ihren Ursprung haben, warum also nicht hier?

Rein filmisch betrachtet bleibt einem nichts anderes übrig, als 1/6 Punkten zu vergeben.


Teil 2: Der Trash-Faktor

Natürlich ist "Karate Tiger" mehr wert als ein läppischer Punkt. Damals als Kinder sind wir nach Ansehen des Filmes nach draußen und haben uns mit anderen getroffen, um die Karate-Kicks nachzuspielen. Das Kultpotential des Filmes ergibt sich vor allem aus dem Motivationsaspekt, der von Kindern (und vermutlich auch von einigen aktiven Kampfsportlern) ernst genommen wird und bei Erwachsenen für angenehme Belustigung sorgt.

Die Kicks sehen aber auch gut aus. Den finalen Überschlag mit einem Bein, während das andere festgehalten wird, den habe ich immer noch im Gedächtnis, obwohl ich den Film bestimmt schon länger als ein halbes Jahrzehnt nicht mehr gesehen habe. Das Ganze wird vorher durch das besessene Training noch schön aufgepuscht, und die überzeichneten Bösewichte sind so irrational bösartig, dass man ihnen am liebsten selbst ins Gesicht treten würde.

Fun pur.


Ja, Langeweile ist hier ein Fremdwort. So schlecht der Film ist, so viel Spaß macht er auch. Egal, ob man Bubbles bei seiner MJ-Tanzeinlage in der Disco zusieht oder den fiesen Fettsack beim Burgerfressen und Lästern beobachtet, lustig ist das Gezeigte allemal. Einfach nicht ernst nehmen, und schon erfüllt der Film seinen Zweck.

In Anbetracht dieser Tatsache muss ich knappe 5/6 Punkte für den Trash-Faktor geben, der nicht unterschätzt werden sollte. Die billige Machweise bleibt natürlich trotz Spaß bestehen. Nehmen wir also den einen Punkt für die Qualität, addieren ihn mit dem Fun-Bonus und teilen ihn durch zwei, so kommen dabei gute 2.5/6 raus.

Und die Menge tooooobt!


Nachdem sich Ascot Elite bereits an einer deutschsprachigen DVD-Fassung versucht hat und kein sonderlich gutes Ergebnis erzielte, ist seit 2008 Splendid mit einer DVD auf dem Markt, die einiges besser machen soll. Da der Film nun erstmals ungekürzt vorliegt, müssen einige Teile des Films, zu denen es keine Synchronisation gibt, im englischsprachigen Original bleiben. Hier hat Splendid fürchterlich geschlampt denn normalerweise müsste dieser Sachverhalt irgendwo auf der Verpackung oder der vor Filmantritt vermerkt sein. Außerdem fehlt einfach mal eine deutsche Untertitelung, die nur jene Stellen untertitelt, die nicht Deutsch vorliegen. Ansonsten muss man mit dauerhaften Untertiteln vorlieb nehmen. Der dritte Punkt, der ärgerlich ist, ist der unnötige 5.1-Mix, der so nötig ist wie Essstäbchen in einem Karatekampf. Dass es im Deutschen besser klingt als im Englischen (nur 2.0) liegt wohl eher an der Vorlage als an der Art der Abmischung. Aber auch hier macht sich ein deutliches Knistern breit, das nicht so recht zu den grad mal 20 Jahren passen mag, die das Material alt ist. Insgesamt ist die deutsche Fassung dünn, kraftlos und auf den Center forciert. Beim Score kommt es so schon mal zu einigen Übersteuerungen, die aber erst richtig während des Originaltons auffällt. Der ist kaum noch zu gebrauchen, etwas leiser und verzerrt bereits sehr stark. 2 Punkte wäre der also nicht wert.

Beim Bild sieht es schon etwas besser aus, aber hier wurden ganz klar Chancen verschenkt. Mit der Detailschärfe kann man in vielen Szenen sehr zufrieden sein, weil ein wirklich klares Bild geboten wird, das dem Alter trotzt. Das mehr oder weniger starke Rauschen steckt man als Fan weg, denn auch die Farben sind sehr kräftig und erinnern mehr an die schrillen 70er als an die meist etwas kühlen 80er. Auch der Kontrast sieht viel besser aus als das, was man von Video her kennt. Umso erstaunlicher ist dafür in einigen Szenen der unruhige Bildstand und der hohe Grad an weißen Kratzern, die sich manchmal doch etwas zu sehr breit machen. Eine Bereinigung in diesem Bereich hätte doch noch einiges ausgemacht, zum Beispiel die Wertung mit Leichtigkeit auf 4 Punkte gehievt.


Im Bonusmaterial sieht es dann leider sehr karg aus. Zwar ist die rotierende Trailershow keine schlechte Idee, nicht aber unbedingt praktisch. Außerdem fehlt der Trailer zum Hauptfilm. Damit hat es das Label leider verpasst, eine DVD für die Fans zusammenzubauen.
"Karate Tiger" in der etwas simplen Metallverpackung ist zwar äußerlich ein Hingucker, aber im Inneren wird nur wenig geboten, was den Fan, der vielleicht schon die erste Auflage hat, zu einem Neukauf bewegen sollte. Nun ja, eine Sache ist zumindest lobenswert: Mit dieser DVD gibt es "Karate Tiger" erstmals ungekürzt zu sehen, auch wenn die deutschen Zwangsuntertitel in nicht synchronisierten Szenen gerade beim Zuschalten des O-Tons nerven.


Film++/---
Bild+++/--
Ton++----
Bonus------


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