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AUS, HK 1975
Originaltitel:Man from Hong Kong, The
Alternativtitel:Dragon Flies, The
aka. Zhi dao huang long
Länge:103:12 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Brian Trenchard-Smith
Buch:Brian Trenchard-Smith
Kamera:Russell Boyd
Musik:Noel Quinlan
SFX:Dan Tyler, Gary Walker, Li Wing
Darsteller:Wang Yu, George Lazenby, Peter Armstrong, Max Aspin, Deryck Barnes, Kevin Broadribb, Geoff Brown, Ruth Erica, Robert Fay, Gerry Gauslaa, Rebecca Gilling, Bob Hicks
Vertrieb:Retrofilm
Norm:PAL
Regionalcode:0
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Mono)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:große Hartbox (2 Motive, limitiert), kleine Hartbox
DVD-Start:08.08.2008 (Kauf)
Specials:
  • Audiokommentar mit Regisseur Brian Trenchard-Smith
  • Originaltrailer (3:40 Min.)
  • Deutscher Trailer (3:40 Min.)
  • Australian Movie Magazine (0:58 Min.)
  • Filmpremiere in Australien (1:25 Min.)
  • Bildergalerie (50 Bilder / 4:10 Min.)
  • Wang Yu Trailershow:
    • Haruschi - Das blanke Schwert der Rache (3:12 Min.)
    • Der Silberspeer der Shaolin (1:24 Min.)
    • Ma Su Chen - Rebel Boxer (3:25 Min.)
    • The Thundering Ninja (2:13 Min.)
    • Island of Fire (4:08 Min.)
    • Todesbucht der Shaolin (3:34 Min.)
    • Furious Slaughter (3:04 Min.)
    • One Armed Boxer (4:02 Min.)
    • Knight-Errant (4:01 Min.)
    • Fantasy Mission Force (3:54 Min.)
    • Shanghai Police (2:52 Min.)
  • Hidden Feature (2:21 Min.)
In der australischen Wüste nimmt die Polizei einen Drogenkurier fest. Doch der will nicht auspacken, woher die Ware kommt. Um ihn zum Reden zu bringen, holt man sich den "Mann von Hongkong", Fan Sing Ling. Nach einer kleinen "Plauderei" schafft Fan Sing Ling es tatsächlich den Mann zum Sprechen zu bringen. Der Unterweltboss von Sidney, Mr. Wilton, scheint hinter der Sache zu stecken. Leider wird der Kurier auf dem Weg zum Gericht ermordet, die ortsansässigen Bullen haben rein gar nichts drauf und so muss Fan Sing Ling die Sache selbst in die Hand nehmen. Die Ermittlungen führen in eine Martial Arts-Schule und schon bald steckt Fan Sing Ling bis zum Hals in Schwierigkeiten ...
Zeitgleich zu den konkurrierenden Shaw Brothers-Studios begann auch Golden Harvest Anfang der 70er seine Finger wegen einer therapeutischen Frischzellenkur Richtung Westen und damit ausländischen Produktionen hin auszustrecken. Der Kung Fu-Boom hatte ein Jahr zuvor mit Interner Link"Der Mann mit der Todeskralle" seinen absoluten Höhepunkt erreicht und sollte nun auch in den lancierten Nachfolgeprodukten den entsprechend internationalen Erfolg bewerkstelligen. Sowohl die Amerikaner als auch die Italiener und die Deutschen griffen beherzt auf die zahlreichen kantonesischen Talentreservoire zurück und stießen dort auf ebenso offene Arme; die Folge waren eine Reihe aufgrund der gemischtrassigen Paarung ungewöhnlicher Western-, Cop-, Horror- und anderer Exploitationfilme.


Auch die Australier beteiligten sich mit einigen staatenverbindenden Kollaborationen an dieser Fallstudie für den kommerziellen Grenzübergang: Huang Fengs "Stoner" im Jahre 1974 bereitete den Weg vor und wurde ein Jahr später mit "Der Mann von Hong Kong" fortgeführt. Wieder Golden Harvest als Finanzier von chinesischer Seite aus, noch ergänzt mit der lokalen Greater Union und The Movie Company Pty. Ltd. und wieder George Lazenby als ausländisches Zugpferd. ("Todeskommando Queensway" folgte ein weiteres Jahr darauf.)


Lazenby, der einmalige und zumeist verdrängte Bond, dessen Name dem weniger Filmbegeisterten ebensowenig einfällt wie Brad Dexter bei den "Glorreichen Sieben", war zu diesem Zeitpunkt schon recht am Ende. Der ehemalige Schokoladen-Boy ("Big Fry"-Reklamefigur), dessen Macken und Scherereien beim Interner Link"Im Geheimdienst ihrer Majestät"-Set für aufregendes Herzklopfen der anderen Teammitglieder sorgte, wanderte nach dem gescheiterten Gastspiel von der Weltöffentlichkeit zurück in das Vergessen; ausbleibende Angebote wurden mit Depressionen und LSD-Halluzinationen gefüllt.
Die drei Brückenschlag-Offerten von Produzent Raymond Chow kamen da gerade recht; er brauchte das Geld und war im Gegenzug sowohl für die entsprechend globalere Promotion geeignet als auch noch zumindest optisch gut in Schuss (was man von sowohl Stuart Whitman als auch Robert Mitchum und Joe Don Baker in den zeitnahen Marketing-Mix-Fabrikaten "Der tödliche Schatten des Mr. Shatter", "Der Tiger von Taipeh" und "Der Bulle von Hongkong" eher nicht behaupten kann).


Von asiatischer Warte aus wurde Jimmy Wang Yu als Counterpart gesetzt. Seit 1965 einer der beliebtesten Darsteller, trotz seiner nicht wirklich attraktiven Gestalt, der es auch an Präsenz und Charisma mangelt und so nie den seelischen Hunger nach einer legendären Figur befriedigen konnte. Und ähnlich wie Lazenby ist er für egomanische Schwierigkeiten und erbarmungslosen Gagenpoker bekannt. Das perfekte Team für das Duell der Giganten:


Als der Drogenkurier Wen Zhan (Sammo Hung im kleinen Schwarzen) bei einer Butterfahrt im australischen Outback verhaftet wird, wollen die Fahnder Bob Taylor (Roger Ward) und Morrie Grosse (Hugh Keays-Byrne) vom Federal Narcotics Bureau an die Hintermänner gelangen und lassen Inspector Fang Sheng Ling (Jimmy Wang Yu) von der HKer Special Branch zur Übersetzung einfliegen. Fang prügelt den Namen "Jack Wilton" (George Lazenby) aus dem Verbrecher heraus und setzt sich alsbald allein auf dessen Fährte; die Reporterin Caroline Thorne (Rosalind Speirs) versorgt ihn weiter mit Informationen und anderer Hilfe.

Hilfe = Sex.
Auch die zweite Dame im funky Rambazamba-Gig hat nicht viel mehr Funktion, als dem Recken das Hemd von der Hühnerbrust zu reißen und sich ihm hinzugeben. Falls dabei wirklich eine Liebesgeschichte in zarter Linienführung angedeudet werden sollte, ging diese gründlich daneben, hält aber zumindest für etwas nackte Haut, ein aufpeitschendes Revenge-Alibi und den Auslöser einer wüst-ausgedehnten Verfolgungsjagd im Auto her.


Anders als zum gleichlaufenden Intermezzo auf den weiteren Leinwänden fungiert "Der Mann von Hong Kong" nämlich nicht nur als Handkantenfeger, sondern wird hier und da auch mit holpriger, nichtdestotrotz überzeugender Stuntarbeit aufgefüllt. Autos werden bis auf ihre Karosserie zerschrottet, breschen durch Plakate, Straßenarbeiter und Restaurants hindurch, legen den Steigflug in die Botanik ein und lösen sich dann in einer formvollendeten Explosion auf. Sowieso verfügt der Film über genug "money shots", die aneinandergereiht auch heutzutage durchaus noch für helles Entzücken beim verwöhnten, mittlerweile fast schon übersättigten "action painting"-Aficionado sorgen vermögen. Anders als Bruce Lee, der sich nur auf Schläge und Tritte verließ, webt Wang in seiner ureigenen Steigerung bereits das erst später zur wahren Kunst erhobene Todesmutverhalten eines Jackie Chan ein, kickt die Angreifer von fahrenden Motorrädern, klettert eigenhändig und ohne Sicherung Wolkenkratzer empor und lässt sich selbst vom zirkusreifen Kampf in einem Fahrstuhlschacht nicht abbringen.


Ein beispielloses, loungelastiges Visualisierungsprogramm in Flower Power-Farbtönen, das abseits australischer Behaglichkeit und Vintagelook seine knappen Meinungsverschiedenheiten zu allgegenwärtigen rauflustigen Kontroversen ausarten lässt. Die hautengen Stoffhosen im Retrodesign, die bereits beim Ausfallsschritt in der Mitte zerreißen, werden für den nächsten Einsatz schnell in modisch schicke Polyester-Anzüge getauscht.
Auseinandersetzungen werden erst quer über Stadt und Land verteilt und dann kulminierend in weniger geräumige Schauplätze wie Küchen, Restaurants, Hotelflure, Trainingsgym und Penthouse verlagert. Der gattungsinharänte Waffenfetischismus ist kaum an handelsüblichen Schießeisen interessiert und tafelt stattdessen Nunchaku, Eight Diagram Pole, Langstock und Doppelmesser auf. Dabei ist man mit zuweilen sehr hölzern aussehenden Bewegungen und einer gelegentlich unattraktiven Choreographie bar überschwappender Euphorie ausgestattet, die wenig mit den bis ins Detail durchkomponierten und entsprechend komplexen Akrobatikeinlagen der Shaw Brothers zu tun hat. Der Einsatz der Zeitlupe als akzentuierendes Kennzeichen dramatischer Ewigkeit lässt sich an einer Hand abzählen; was man aber mit viel Wut im Bauch, Backpfeifen-Stakkato, blutig-schmerzhaften Gewaltausbrüchen und einer Straßenkampf-Mentalität ersetzt. Außerdem ist man auf pyrotechnische Effekte fixiert: Auf Teufel komm raus - Detonationen zuhauf plus mehreren effektiven Feuerstunts.


Ohnedies braucht das Gedankenkonstrukt von Autor und Regisseur Brian Trenchard-Smith, der sich zuvor mit der Dokumentation "Die Gelben Männer mit ihren fliegenden Fäusten" für den Job empfahl, alle schlagkräftige Unterstützung, die es kriegen kann. Trenchard-Smith hat sich sichtlich mit den Anfangskenntnissen und Grundbegriffen des Genres beschäftigt und weiß auch manch geschickte Dialoge zu schreiben, kommt mit seiner Handlung aber nie über das Einmaleins eines Treatments hinaus; incl. asymmetrischem Rhythmus und dezimierten Spannungsbogen, excl. der Kunst des Weglassens (die etwaigen Frauengeschichten) und einer inneren Dramatik. Der Ablauf wird angesichts der potentiellen Standout-Höhepunkte sinnvoll ohne elaborierten Nonsens, aber eben nicht optimal im Sinne eines progressiven Crescendos entwickelt. Die jeweiligen Actionszenen als die isolierten Schauwerte im Kalkül, dazwischen unlegendärer Genretypismus mit einem eher blassen Rächer mit der Todespranke, rassismusversprühend-schmierigen Bad Guys und gesichtslosen Schergen.


Zwar hätte das monothematische Spektakel in seinen Materialschlachten gelegentlich einen Nachdreh oder Kniff in der Nachproduktion bedurft und kommt deswegen auch nie über B-Movie-Faible hinaus, so sorgt es doch durch strammes Tempo, wenig Umwege und seinen vorwegnehmenden "international crossover appeal" für viel neckische Ergötzung. Umschmeichelt durch einen treibenden Score von Noel Francis Quinlan ist man zusätzlich mit dem ohrwurmtauglichen Evergreen "Sky High" als Titelthema ausgestattet, der - wenn der zugehörige Film nicht selber vorübergehend in Vergessenheit geraten wäre - auch hierzulande die Schlagercharts erklommen hätte. 1984, im Jahr der deutschen Erstveröffentlichung, sah dies natürlich etwas anders aus.


Nun, im Jahre 2008, wird "Der Mann von Hongkong", dank dem Medium DVD, wieder auf die breite Masse losgelassen und kann endlich aus der Vergessenheit geholt werden, dies sogar in einer wirklich ordentlichen Qualität. Retrofilm spendiert dem Film einen anamorphe 2,35:1-Transfer, der über eine natürliche und satte Farbgebung verfügt. Auch der Kontrast macht eine gute Figur, wirkt sehr ausgewogen und wartet mit einem gelungenen Schwarzwert auf. Dennoch kommt es selten vor, dass feine Details in dunklen Szenen etwas verschluckt werden. Das Schärfeverhalten hingegen ist nur als durchschnittlich anzusehen und wechselhaft ausgefallen, da Nahaufnahmen zwar meist detailliert dargestellt werden, das Bild in Totalen jedoch etwas weich wirkt, was zu leichten Unschärfen führt und für Verluste innerhalb der Detailwiedergabe zuständig ist. In schnellen Kameraschwenks fallen hin und wieder leichte Bewegungsunschärfen auf. Zudem ist im Hintergrund immer ein dezentes Rauschen bemerkbar, welches aber nicht störend auffällt. Dafür arbeitet die Kompression sehr ordentlich und Defekte oder Verschmutzungen sind nicht auszumachen.

Die deutsche Monospur klingt klar, neigt aber zu leichten Verzerrungen. Die Stimmen sind immer gut zu verstehen und wurden homogen abgemischt, sodass es zu keinen Überlagerungen kommt. Der Score hingegen klingt ein wenig kratzig und verzerrt, was auch im ebenfalls vorhandenen englischen Monotrack der Fall ist. Auch hier sind die Dialoge klar und gut zu verstehen, doch begleitet ein deutlich hörbares Hintergrundrauschen die Tonspur. Zwar ist auch in der deutschen Synchronspur ein Rauschen vorhanden, doch fällt dieses viel dezenter und nur in nur einigen Szenen auf und ist nicht weiter als störend zu empfinden. Optional lassen sich deutsche Untertitel für den gesamten Film hinzuschalten und englische Untertitel für einige Szenen.


Das Bonusmaterial hingegen ist filmspezifisch nicht sonderlich groß ausgefallen. Neben einem ausführlichen und vor allem auch sehr interessanten Audiokommentar mit Regisseur Brian Trenchard-Smith befindet sich noch der Originaltrailer, das deutsche Pendant, eine umfangreiche Bildergalerie und zwei kleine Featurettes auf der DVD. Besonders der Audiokommentar weiß zu gefallen, da Trenchard-Smith viele Informationen zu seinem Film und dem Martial Arts-Film im Allgemeinen zu berichten hat. Ebenfalls ist die Bildergalerie ein echter Hingucker geworden, da nicht einfach Filmszenen benutzt wurden, sondern unzählige Artworks und Aushangfotos aus verschiedenen Ländern präsentiert werden. Die Featueretts sind kleine, zeitgeschichtliche Dokumente des Australian Movie Magazine, die sich der Filmpremiere und den Darstellern widmen, jedoch mit knapp 1 Minute Laufzeit mehr als kurz geraten sind. Als Highlight dürfte allerdings die "Wang Yu Trailershow" bezeichnen werden, da es hier viele seltene Trailer des Darstellers zu begutachten gibt. Leider gibt es keine deutschen Untertitel für den Audiokommentar, was leider einen Abzug in der B-Note fordert, ansonsten kann man aber mit dem Gebotenen zufrieden sein.

Retrofilm veröffentlicht mit "Der Mann von Hongkong" einen gesuchten Klassiker im Genre der Actionfilme. Die schicken Hartboxen als auch die ansprechende Qualität des Films tragen dazu bei, dass jeder Fan von Action- und Martial-Arts-Filmen nicht an dieser Veröffentlichung vorbei kommt.


Film++++--
Bild++++--
Ton++----
Bonus++----


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Mann von Hongkong, Der
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