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IT 1977
Originaltitel:Quel maledetto treno blindato
Alternativtitel:Counterfeit Commandos
aka. Inglorious Bastards
aka. Deadly Mission
aka. Hell's Heroes
aka. G.I. Bro
Länge:95:26 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:Keine Jugendfreigabe
Regie:Enzo G. Castellari
Buch:Sandro Continenza, Sergio Grieco, Franco Marotta, Romano Migliorini, Laura Toscano
Kamera:Giovanni Bergamini
Musik:Francesco De Masi
SFX:Gino De Rossi
Darsteller:Bo Svenson, Peter Hooten, Fred Williamson, Michael Pergolani, Jackie Basehart, Michel Constantin, Debra Berger, Raimund Harmstorf, Ian Bannen, Peter Boom, Donald O'Brien, Pietro Plinio Quinzi
Vertrieb:Koch Media
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel:-
Verpackung:KeepCase im Schuber
DVD-Start:08.06.2007 (Kauf)
Specials:
  • Making of (46:32 Min.)
  • Bildergalerie (5 Bilder)
  • Italienischer Kinotrailer (3:44 Min.)
  • 8seitiges Booklet von Christian Kessler
Frankreich zur Zeit des Zweiten Weltkrieges: Fünf US-Deserteuren gelingt nach einem Artilleriegefecht die Flucht vor der US-Militärpolizei. Auf ihrem Weg in die kriegsneutrale Schweiz geraten die Fahnenflüchtigen in die Fänge französischer Partisanen. Auf deren Befehl soll das Quintett nun den Sprengkopf der deutschen V2-Rakete entwenden - eine Mission, die einem Todeskommando gleichkommt ...
"If you're a Kraut, he'll take you out!" - Werbezeile

Nicht umsonst werkelt Kult-Regisseur Quentin Tarantino an einem Remake dieses italienischen Kriegsfilms, der zwar ganz eindeutig lediglich einen "The Dirty Dozen"-Rip-Off darstellt, inszenatorisch aber deutlich aus der damaligen Exploitationwelle hastig abgekurbelter Genrefilme herausragt. Hier lässt sich für Italo-Fans tatsächlich eine kleine Perle entdecken. Schade nur, dass man sich hierzulande bisher mit einer um ca. 20 Minuten gekürzten Version zufrieden geben musste, aus der hauptsächlich Handlungsballast (u.a. komplett erleichtert um den sinnlosen Handlungsstrang der Romanze zwischen Tony und einer französischen Krankenschwester und einige Auftritte von Donald O'Brien) getilgt wurde. Eine unzensierte Fassung liegt uns aber jetzt mit dieser Veröffentlichung von Koch Media vor.



Seinen Spaß hat man an Enzo G. Castellaris (Interner Link"Django - Die Totengräber warten schon", Interner Link"Keoma") herrlich unkompliziertem Kriegsabenteuer dennoch, zumal die extreme Kürzung dem unwissenden Zuschauer gar nicht auffällt, man die 20 Minuten im Nachhinein aber auch nicht mehr missen möchte. "Ein Haufen verwegener Hunde" schreitet flott voran, ist bisweilen auch ganz witzig und wurde wirklich professionell von Castellari umgesetzt. Den billigen Charme des Italoschmodders findet man hier nur ganz selten, zumal der Filmemacher, geboren im Italowestern, auch weiß, von wem er sich bei seiner Umsetzung die Ideen abschauen muss. Sam Peckinpahs "Cross of Iron" sei da nur als ein Vorbild genannt, wenn in Zeitlupe Menschen nach Granateneinschlägen durch die Luft fliegen oder durchsiebt zu Boden gehen.


Der Cast dieser Produktion ist recht illust, wobei natürlich vorwiegend Fred Williamson, wie üblich ständig mit Kotzbalken zwischen den Kauleisten, auffällt. Der ehemalige Blaxploitation-Star (u.a. "Hammer", "Boss Nigger") und damals gefragter Darsteller in Italiens produktiver Filmlandschaft, die ihm mit der "Cobra nero"-Reihe sogar eine eigene Trilogie widmete, konnte stets mit seinem coolen Charisma glänzen und wurde auch deshalb von Tarantino für Interner Link"From Dusk Till Dawn" aus dem Nirwana zurückgeholt.
Ähnlich erging es auch Bo Svenson, der nach Italoproduktionen, wie dem Rambo-Plagiat "Thunder", von Tarantino mit einer Nebenrolle in Interner Link"Kill Bill: Vol. 2" berücksichtigt wurde. Svenson spielt den Anführer der Truppe aus Deserteuren, Befehlsverweigerern, Mördern und Diebe, bleibt insgesamt aber leider blass. Um sie herum tummeln sich noch bekannte deutsche Gesichter wie Udo Kier (in einer winzigen Nebenrolle) und Kartoffelzerquetscher Raimund Harmstorf, der als deutscher Obergefreiter, übrigens ausgerechnet mit den Namen Adolf (*gg*), dem zusammengewürfelten Haufen in die Arme läuft und sich ihnen anschließt.


Selbstverständlich wurde von "The Dirty Dozen" auch nur dessen grundlegende Prämisse übernommen und so genehmigt sich "Ein Haufen verwegener Hunde" auch keinerlei Zeit, um überhaupt Charaktere zu formen, sondern verfrachtet die aus diversen Gründen inhaftierten Soldaten schnurstracks auf einen LKW, der bei einer Panne von einem deutschen Jagdflieger, der verdächtig nach Modellflugzeug ausschaut, beschossen wird. Die auf dem Präsentierteller sitzenden Gefangenen ergreifen die Initiative, müssen auch hohe Verluste hinnehmen, weil die eigenen Leute sie keine Deckung suchen lassen wollen und mit Erschießung drohen, bis man sie endlich überwältigt.
Von dem tendenziell antiautoritären Denken über notorische Gelegenheitsverbrechen bis hin zum eigenen Gewissen, das zur Befehlsverweigerung zwingt, wurden dabei und vorweg auch schon alle Beweggründe der sich nun auf ein überschaubares Grüppchen reduzierten Hauptfiguren kurz und knapp erläutert. Trotz anklingenden Rassismus ist auch niemand darunter, den man unsympathisch findet, aber lieb gewinnt man auch keinen. Die konturlosen Stereotypen sind eben der große Unterschied zum Vorbild. Ab und an ein markiger, trockener Kommentar der harten Männer muss in dieser Hinsicht ausreichen. Wobei dieses Manko erwartungsgemäß die Macher auch wenig gejuckt hat. Denn die schicken ihre nun freien Figuren mit dem Ziel Schweiz hinter die deutschen Linien ...


Aber nicht nur mit Waffen, sondern auch einer Portion Humor. So ganz ernst nimmt der Film sich nämlich nicht und geht damit dem Problem vieler wannabe-seriöser Kriegsabenteuer dieser Zeit aus dem Weg. Wahrlich witzig wird es zwar nicht, aber der Grundton ist schon locker und sei es nur, wenn sich die "Hunde" in einen Fluss stürzen, in dem gerade nackte Frauen baden, dabei aber deren Wehrmachtsuniformen am Ufer übersehen und nach ein paar Tollereien gar nicht wissen, wie ihnen geschieht, als der schwarzhäutige Fred Williamson um die Ecke biegt und sein Wunder erlebt ...
An Action wird einiges geboten. Sie trägt natürlich zur Kurzweiligkeit bei und deswegen ist der Bodycount auch sehr hoch. Bis zum Finale legen die Vier sich mehrmals mit deutschen Übermächten an und gehen jedes Mal unverletzt daraus hervor, bis sie sich dann zweckmäßig selbst mit deutschen Uniformen eindecken. Besonders spektakulär sind die Kämpfe meist nicht, weil sich Castellari seine besten Ideen wohl alle für das große Finale aufhebt, doch dank vieler authentischer Schlachtfelder, auf denen meist unzählige Fahrzeugwracks mit einigen Leichen stehen, und andauerndem Kugelhagel kommt dabei gewiss keine lange Weile auf. Der Zuschauer wird meist zwar orientierungslos zurückgelassen, aber das stößt angesichts des angenehmen Tempos nicht sauer auf. Die deutsche Artillerie hat ihre Augen eben manchmal überall.


Weniger nachvollziehbar wird es nämlich erst später, als man versehentlich ein amerikanisches Kommandounternehmen, das in deutschen Uniformen steckt, über den Haufen knallt und sich dann selbst der Mission annimmt, was nicht ganz logisch ist, weil die Motivation dafür reichlich nebulös bleibt. Etwa nur, um nicht sein Leben lang in der Schweiz zu verrotten und von den französischen Widerstandskämpfern, denen sie vorgaukeln die erwartete Spezialeinheit zu sein, nicht weiter behelligt zu werden? Mithilfe der französischen Résistance und einem amerikanischen Offizier müssen sie im Finale jedenfalls einen schwerbewachten deutschen Zug infiltrieren und kapern, weil dieser einen V2-Raketensprengkopf beherbergt, dessen fortgeschrittene Technik die Alliierten gern näher unter die Lupe nehmen möchte. Die Folgen sind klar: Gute Stunts auf den Dächern der Waggons, herunterfallende deutsche Soldaten, viele, blutige Sterbeszenen und ein dank aktiviertem Selbstzerstörungsmodus kitzeliger Ausbau der begehrten Technik. Wobei es auch hier nicht sonderlich spannend wird, doch die Ästhetik der Kämpfe mit vielen hämmernden Maschinengewehrsalven, schicken Zeitlupenaufnahmen, einigen halsbrecherischen Motorrad-Stunts, effektiver, spektakulärer Pyrotechnik im Zuginneren und einer dicken Abschlussexplosion des Zugs nebst Bahnhof, beides leider nur noch offensichtliche Modellbauten, sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Ich erwarte ja gar kein Shakespeare.


"Whatever the Dirty Dozen did they do it dirtier!" - Werbezeile

Lobend erwähnt sei auch an dieser Stelle noch einmal Enzo G. Castellaris Umsetzung, der sich auch abseits des Kampfgeschehens keine Blöße gibt. Uniformen und Fahrzeuge wirken alle authentisch und auch in Szenen, wo gleich Dutzend von Soldaten, und sei es nur im Hintergrund, herumwuseln, hinterlässt "Ein Haufen verwegener Hunde" nie den billigen Eindruck eines Italo-Discounts. Das liegt auch an der nicht sonderlich plakativen Darstellung von Gewalt. Es gibt zwar blutige Shootouts und Genickbrüche, aber artet nie in einen inflationären Gebrauch von Kunstblut aus.



Enzo G. Castellari, den man übrigens hier auch in einer kleinen Nebenrolle auf deutscher Seite sehen kann, schuf hier ein kurzweiliges, actionreiches Kriegsabenteuer, dessen Vorbild natürlich nur allzu offensichtlich ist und selbstverständlich nie erreicht wird. Dafür setzt man hier eindeutig zu sehr auf oberflächliche Unterhaltung vor dem Hintergrund des Krieges. Doch der solide, mit bekannten Gesichtern gespickte Cast und die vielen, gut inszenierten Actionszenen heben "Ein Haufen verwegener Hunde" deutlich in die Oberschicht der italienischen Filmkunst der Siebziger und Achtziger.
Besonders das tolle Finale ist gelungen. Weil sich der Film zudem auch noch für eine Portion Humor hergibt, ich der unbeschwerten Herangehensweise der Italiener einmal mehr etwas abgewinnen kann und ganz andere Graupen in diesem Genre herumschwirren, kann ich schlussendlich den Film mit kleinen Abstrichen empfehlen. Wer sich generell für das italienische Exploitation-Kino interessiert, wird überrascht sein, wie gelungen und professionell so was aussehen konnte, wenn man die richtigen Personen ranließ. Nur schade, dass Komponist Francesco De Masi hier leider nur einen seiner Allerweltsscores beisteuert.


"Together they take on Hitler's war machine." - Werbezeile

"Ein Haufen verwegender Hunde" gehört noch immer zu den besten DVD-Veröffentlichungen aus dem Hause Koch Media und darf vor allem in puncto Bildqualität für einige offene Münder sorgen. So liegt uns Castellaris Klassiker erstmalig komplett ungekürzt und aufwendig restauriert vor. Was hier erreicht wurde, macht einfach Spaß und wirkt selbst hochskaliert auf einem Großbildschirm oder einer Leinwand noch sehr gut. Vor allem das Schärfeverhältnis ist unglaublich und der komplette anamorphe Transfer erscheint durchweg detailliert, plastisch und knackig scharf. Nur selten fällt die Schärfe auf ein durchschnittliches Niveau zurück, was in Anbetracht des Alters der Produktion aber alles andere als eine Schande ist. Hinzu kommt ein ausgezeichneter Kontrastwert und die Farben erstrahlen satt und kräftig, fast so als liegt uns eine neue Produktion vor. Defekte und Schmutz sind ebenfalls kaum vorhanden und selbst Bildrauschen trübt den Sehgenuss nicht. Hinzu kommt eine saubere Kompression und ein ruhiger Bildstand. Für einen Film aus den späten 1970er Jahren einfach topp ...
Der Ton kann da nicht ganz mithalten, bleibt aber in allen drei Sprachfassungen gut verständlich. Er klingt insgesamt etwas blechernd und betagt. Leider ist hierbei die deutsche Fassung die schlechteste und offenbart etwas deutlicheres Hintergrundrauschen. Im Vergleich zu den anderen beiden Sprachen ist das aber nur dezent heraus zu hören. Ansonsten klingt die Musik ordentlich, obgleich der Hochton etwas zu wünschen übrig lässt. Allerdings kommen beim englischen und italienischen Mix die Nebengeräusche besser und natürlicher zur Geltung.
Die damals geschnittenen Szenen liegen mit deutschen Untertiteln vor. Optional können deutsche Untertitel auch für den kompletten Film hinzugefügt werden.


Beim Bonusmaterial ließ Koch Media ein 46minütiges Making of produzieren, bei dem Darsteller Massimo Vanni, SFX-Spezialist Gino de Rossi, Produzent Roberto Sbarigia Drehbuchautorin Laura Toscano und der Sohn von Komponist Francesco de Masi zu sehen sind. Wirklich eine tolle Dokumentation, bei der vieles an Hintergrundinfos und Anekdoten zu den Dreharbeiten und der Produktion zum Besten gegeben werden. Dabei ist es lediglich schade, dass Fred Williamson und Regisseur Enzo G. Castellari nicht mit von der Partie sind, dies hätte die Doku abgerundet. Wer aber die beiden plus Franco Nero sehen möchte, der sollte sich "Durch die Nacht mit ... Franco Nero und Fred Williamson" zu Gemüte führen, welcher ebenfalls als DVD erhältlich.
Aber bleiben wir bei dieser Special Edition. Die Dokumentation ist deutsch untertitelt. Außerdem gibt es noch eine etwas magere Bildergalerie mit gerade mal 5 Bildern, den italienischen Originaltrailer und das 8seitige Booklet, welches von Christian Kessler verfasst wurde und reichhaltige Hintergrundinformationen zu bieten hat. Ausgeliefert wird die DVD im KeepCase im hübschen Schuber und sollte in keiner Sammlung fehlen. Es sollte vielleicht noch Erwähnung finden, dass die DVD völlig ungekürzt und somit 20 Minuten länger als die alte Fassung ist.


Film++++/-
Bild++++/-
Ton++----
Bonus+++---


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Inglorious Bastards
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