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IT, FR 1968
Originaltitel:Danger: Diabolik
Alternativtitel:Gefahr: Diabolik
aka. Danger: Diabolik!
Länge:96:13 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Mario Bava
Buch:Mario Bava, Dino Maiuri, Brian Degas, Tudor Gates
Kamera:Antonio Rinaldi
Musik:Ennio Morricone
SFX:Otello Fava
Darsteller:John Phillip Law, Marisa Mell, Michel Piccoli, Adolfo Celi, Claudi Gora, Mario Donen, Renzo Palmer, CaterinaBoratto, Lucia Modugno, Annie Gorassini, Carlo Croccolo, Lidia Biondi
Vertrieb:Paramount
Norm:PAL
Regionalcode:2, 4
Bildformat:1,78:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 1.0 (Mono)
Sprache:Englisch, Italienisch, Spanisch
Untertitel:Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Dänisch, Finnisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:13.08.2007 (Kauf)
Specials:
  • Audiokommentar mit Darsteller John Phillip Law und Tim Lucas
  • Danger: Diabolik - From Fumetti to Film (20:24 Min.)
  • Musikvideo - "Body Movin" von den Beastie Boys (6:28 Min.)
  • Audiokommentar mit Adam Yauch zu "Body Movin"
  • Teaser (1:06 Min.)
  • Originaltrailer (2:24 Min.)
Der skrupellose Superverbrecher Diabolik (John Phillip Law) hält die Polizei der ganzen Welt in Atem. Auf seinen genialen Raubzügen erbeutet er zusammen mit seiner Geliebten Eva (Marisa Mell) ungeheure Werte und entkommt ein ums andere mal aufs Eleganteste seiner Nemesis, Inspektor Ginko (Michel Oiccoli).
Es gibt Filme für die würde ich töten, um sie nur einmal im Kino sehen zu dürfen. "Danger: Diabolik" gehört in diese Kategorie. Mario Bava (Interner Link"Blutige Seide", Interner Link"Im Blutrausch des Satans") gilt gemein hin als Koryphäe des klassischen Italo-Horrorfilms und zwar vollkommen zurecht. Der Mann verfügte über ein unvergleichliches Phantasie-Spektrum, das ihn in einer eigenen Liga spielen ließ. Seine besseren Werke sind meist pures Sehvergnügen, auf das sich auch gern Zuschauer einlassen, die den Horrorfilm nicht zu ihrer Heimat zählen. Untypisch mutet seine filmische Adaption des gleichnamigen, italienischen Erfolgs-Comics der Geschwister Giussani an, die er im Auftrag von Dino DeLaurentiis (Interner Link"Hannibal") drehte. Italiens findige Produzenten waren auch zu dieser Zeit bereits in der Lage sich an angesagte Kino-Trends anzupassen und so kann "Danger: Diabolik" als ein irrwitziger Gegenentwurf zu James Bond identifiziert werden, der es sich auf der falschen Seite des Gesetzes so richtig gut gehen lässt.


Ausgestattet mit seinem persönlichen Rekordbudget von 3 Millionen Dollar, wusste Bava zunächst gar nicht so recht was er mit dem ganzen Geld anstellen sollte, war er es doch gewohnt viel sparsamer zu arbeiten. Daraus resultierte ja unter anderem auch sein unverwechselbarer Stil, der begrenzten Budgets zugrunde lag. Bava drehte seine Filme gern so, dass sie viel teurer aussahen, als sie letzten Endes waren. Deshalb verbrauchte er als sehr ökonomisch arbeitender Regisseur auch nur einen Bruchteil der großzügigen Summe und schuf trotzdem einen der sehenswertesten, italienischen Filme dieser Zeit. Ich möchte als lediglich bedingter Horror-Fan sogar behaupten, einen besseren Film hat Bava nie inszeniert.


Denn sein "Danger: Diabolik" atmet die Sixties förmlich. Wer gern in Nostalgie schwelgt, einen Faible für diese Epoche besitzt und gern mal wissen will, auf welchen Vorlagen "Austin Powers" und Co. fußen, der ist hier goldrichtig. Ich möchte mich am liebsten sofort hinein beamen und vier Wochen Urlaub machen.
Bavas Phantasie kennt mal wieder keine Grenzen und er inszeniert seiner Zeit deutlich voraus. Sein poppiger Look schreit nur so vor Stil. Jede Einstellung muss in möglichst abwechslungsreichen Kameraperspektiven farbenfroh und grell ausschauen. Bunte Farblampen, verzerrt reflektierende Spiegel, sorgfältige Miniaturen und eine exquisite Ausstattung sorgen für das richtige Flair.Die mit den psychedelischen Farbkompositionen abgestimmte Beleuchtung trägt wie gewohnt die Handschrift dieses überaus kreativen und visionären Filmemachers, der wie kaum ein anderer mit einfachsten Mitteln ein Maximum an Flair und Atmosphäre zaubert. Fast 40 Jahre später wirkt das Ambiente mit seinen schrillen Farbgebungen und den eigentümlichen Designvorstellungen der nahen Zukunft gleich noch einmal so urig auf den Filmliebhaber. Seine tricktechnischen Leistungen sind außerdem eine Nummer für sich.
Ennio Morricone lässt sich da als Komponist auch gar nicht lumpen und untermalt die Bilder mit einem swingenden 60s-Score, der sich an das Geschehen kittet, als wäre der Film mit seinen Tönen im Hinterkopf schon inszeniert worden. Klasse und Stil wohin man sieht und man kann sich gar nicht satt sehen. Mittendrin minutenlang ein Club mit kiffenden Individuen, Morricones Musik und Bavas psychedelischen Bildern. Eine Schande, dass der Film nach seiner Kinoauswertung in Deutschland nie veröffentlicht oder ausgestrahlt wurde.


Titelfigur Diabolik ist ein durch und durch anarchistisch angelegter Verbrecher. Ein Hedonist, der seine Streifzüge aus der puren Lust heraus plant und natürlich den Mammon liebt. Sein Unterschlupf erinnert an eine stilvolle, bunte Sixties-Lounge inklusive aller erdenklicher High-Tech-Bequemlichkeiten. Naja, eher eine Liebesgrotte ...
Als eine Quersumme aus James Bond und Batman sieht er seine Diebstähle als eine Kunstform an, die es zu perfektionieren gilt. In seinem schwarzen Anzug narrt er mit seinen technischen Gimmicks die überforderte Polizei, allen voran Inspector Ginko (Michel Piccoli, Interner Link"Das große Fressen"), der es sich auf den Leib geschrieben hat, den raffinierten Superverbrecher und seine wunderschöne Komplizin Eva Kant (in knappsten Minis: Marisa Mell, Interner Link"Nackt über Leichen") dingfest zu machen. Aber wie soll man jemanden fangen, der das Verbrechen perfektioniert?


"Danger: Diabolik" lebt von seinem Style und weniger von seiner Story, die im Grunde nicht mehr als ein ständiges, in Kapitel unterteiltes Katz- und Mausspiel zwischen Diabolik und Ginko darstellt. Zwar mischt sich auch noch der Unterweltboss Ralph Valmont (ausgerechnet Interner Link"Thunderball"-Bösewicht Adolfo Celi) ein, weil die Cops auf der Suche nach Diabolik ihn empfindlich in seinen Geschäften einschränken, worauf er ihnen seine Unterstützung anbietet, grundsätzlich landet Diabolik hier aber einen Coup nach dem anderen und ist den Gesetzeshütern immer einen Schritt voraus. Verfolgungsjagden mit dem Auto, riskante Klettereinlagen mit Saugnäpfen oder der Diebstahl eines 20 Tonnen schweren Goldbarrens per U-Boot gehören zu den Highlights. Notfalls stellt sich Diabolik eben tot, um den schwedischen Gardinen zu entgehen und stellt keck die Regierung erneut bloß, indem er eine Pressekonferenz, auf der die Wiedereinführung der Todesstrafe verkündet wird, mit Lachgas attackiert oder alle Finanzministerien sprengt. Durch den Verlust aller Unterlagen droht der Staat pleite zu gehen. Als hätte sein Image nicht schon stark genug unter den ständigen Attacken Diaboliks gelitten.

Die altmodische Inszenierung der Action (u.a. Rückprojektionen bei den Verfolgungsjagden), eine wahnsinnig originelle Kameraarbeit und die einfallsreichen Tricks (u.a. der Spiegel auf der Straße) treiben den Fans vor lauter, wehmütiger Anflüge von Nostalgie die Tränen in die Augen. Diaboliks unterirdisches Hauptquartier im futuristischen Design, das Batman vor Neid erblassen lassen würde, mit den originellen Duschen, dem Drehbett und natürlich den schicken Autos ist auch so ein Fall für sich.


Natürlich bleibt der Film von Anfang bis Ende schonungslos naiv und völlig überzogen, aber genau diese bewusst unwirkliche Art macht "Danger: Diabolik" so über alle Maßen charmant.
Ständig ist etwas los, obwohl die Handlung gar nicht so viel Abwechslung anbietet. Bava inszeniert eben mit hohem Tempo. Diabolik klettert an glatten Felswänden hoch, lässt Züge entgleisen, rast Polizeiwagen in seinen Sportwagen davon, lässt es sich gut gehen, springt mit dem Fallschirm aus Falltüren in Flugzeugen in die nächtliche Tiefe, liefert sich Schusswechsel mit der Polizei und nimmt sich trotzdem seiner Aufgabe immer ganz sportlich elegant an. Er kann aber auch anders, wenn es die Situation notfalls erfordert und das tut sie öfter, so dass doch einige Gegner auf der Strecke bleiben.
Die von Mario Bava versprühte Lust an der Unterhaltung saugt man als Zuschauer förmlich auf und sympathisiert dabei eher mit dem bösen Diabolik als mit der Polizei. Man mag dem Verbrecher gar nichts Böses wünschen, soviel Spaß macht es seinem Treiben beizuwohnen, denn Eyecandy gibt es ohne Unterlass. Sein Augenzwinkern zum Schluss ist kein Abschied, sondern eine Nachricht ans Publikum: Nehmt es bloß nicht zu ernst. Ich hoffe ihr hattet den selben Spaß wie ich. Schade, dass das Sequel nie realisiert wurde. Mario Bava verlor nach seiner ersten Großproduktion schnell wieder die Lust daran und kehrte zu überschaubareren Projekten zurück.


"Danger: Diabolik" ist ein zumindest hierzulande leider vergessenes Relikt, das man einfach lieb haben muss. Style over Substance wird von Mario Bava nicht nur sorgfältig gepflegt, sondern launig zelebriert. Seine lustvolle Comic-Adaption überzeugt als erstklassig inszeniertes, Popart-Abenteuer, das tief verwurzelt in den Sechziger seine Schauwerte mit unwahrscheinlich viel Flair aus dieser Dekade bezieht. Bava übertrifft sich dabei selbst, inszeniert mit Drive, Phantasie und Stil und verliebt sich über beide Ohren in seine unglaublichen Sets. Die Tricktechnik und die Setbauten zeugen von seiner Genialität, wobei man auch die Darsteller nicht vergessen darf, die ihre Figuren herrlich überzogen spielen und damit dem Film erst den rechten Drive verleihen. Morricones Score untermalt den Film mit einem kribbelnden, swingenden Sound der Sechziger, der eigentlich in jede gut bestückte Soundtrack-Sammlung gehören müsste. Ich konnte mich für meinen Fall gar nicht satt sehen und habe ihn gleich noch einmal angeschaut.


Was die Bildqualität dieser in Deutschland verschollenen Perle betrifft, erfreut Paramount mit einem wirklich tollen Transfer, den man so sicherlich nicht erwartet hätte. Einzig wirklicher Mängelpunkt sind die gelegentlich auftauchenden analogen Bildfehler und kleinere Verschmutzungen. Man bekommt nämlich ein farbenfrohes Bild geliefert, das über kräftige und natürliche Töne verfügt. So kommen die vielen Farbspiele von Regisseur Mario Bava besonders gut zur Geltung. Die Schärfe befindet sich zudem auf einem ausgesprochenen hohen Niveau, das zwar nicht kontinuierlich gehalten werden kann, doch insgesamt ist das Ergebnis wirklich gelungen. Auch der Kontrast überzeugt, wirkt sehr ausgewogen und leistet ein gutes Zusammenspiel mit dem vorhandenen Schwarzwert. In einigen Szenen ist ein dezentes Rauschen auszumachen, wird aber niemals als störend empfunden. Die Kompression arbeitet tadellos und selbst auf größeren Diagonalen überzeugt der Transfer auf ganzer Linie, sodass man die Möglichkeit erhält, dieses Kleinod der Filmgeschichte auch über einen Beamer in einer guten Qualität zu genießen.

Obwohl die von Paramount herausgebrachte DVD eine universelle Veröffentlichung für Europa darstellt, weist der Film weder eine deutsche Tonspur noch deutsche Untertitel auf. Gerade in Anbetracht, dass die deutsche Tonspur eine wirkliche Rarität darstellt und nur während der Kinoauswertung zur Verfügung stand, war die Hoffnung auf eine entsprechend ausgestattete DVD-Auswertung groß. Aber scheinbar konnte man diese nicht auftreiben oder besaß nicht die Rechte für Deutschland an dem Film. So muss man sich mit Englisch, Italienisch und Spanisch zufrieden geben, wobei alle drei Tonspuren trotz ihres Alters in der vorhandenen Monospur überzeugen. Ein leichtes Rauschen ist im Hintergrund auszumachen, führt aber zu keinen Beeinträchtigungen. Die Dialoge werden durchgehend klar und deutlich wiedergegeben und wurden gut abgemischt. Die englische Tonspur schneidet hierbei am Besten ab, da die Stimmen klarer und zudem frischer wirken. Nennenswerte Höhepunkte gibt es nicht und auch eine gewisse Dynamik vermisst man, aber dennoch gibt es drei gelungene Tonspuren. Zusätzlich befinden sich noch diverse optionale Untertitelspuren auf der DVD.


Neben dem Teaser und dem Originaltrailer befindet sich noch ein sehr aufschlussreicher Audiokommentar mit Hauptdarsteller John Philipp Law und Bava-Biograf Tim Lucas auf der DVD. Neben allerlei Informationen zum Film selber wird auch ausgiebig über Mario Bava gesprochen und viel an Informationen rund um sein Schaffen geboten. Sehr gefallen kann auch die kleine Dokumentation "Danger: Diabolik - From Fumetti to Film" in der ein Bezug zwischen dem Comic und dem Film hergestellt wird. Darin wird die interessante Aussage gemacht, dass Bava es als einziger Regisseur zu wissen schien, wie eine Comicverfilmung zur damaligen Zeit auszusehen hatte. Eine kleine Huldigung an den Film leisteten sich die Beastie Boys, die einen Videoclip als Hommage mit dem Titel "Body Movin'" inszenierten. Dieser und den dazu gehörigen Audiokommentar mit Adam Yauch gibt es ebenfalls zu entdecken.


Letztendlich ist es Paramount gelungen, "Danger: Diabolik" in einer sehr ansprechenden und qualitativ hochwertigen Veröffentlichung auf den Markt zu bringen. Mittlerweile muss man anmerken, dass einige Gauner eine Rolle der deutschen Kinokopie ausfindig machen konnten, um ein Bootleg herzustellen, das gerade auf Filmbörsen reißenden Absatz findet. Sicherlich allein durch die sehr seltene deutsche Synchronfassung ein gewisser Anreiz, doch sollte man von einem Kauf abstand nehmen und lieber hoffen, dass irgendwann eine legale Veröffentlichung mit deutschem Ton erhältlich sein wird, denn verdient hat es Mario Bavas Film allemal.


Film+++++/
Bild++++/-
Ton++----
Bonus+++---


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