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USA 2007
Originaltitel:Girl Next Door, The
Alternativtitel:Jack Ketchum's The Girl Next Door
Länge:91:06 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:Keine Jugendfreigabe
Regie:Gregory Wilson
Buch:Jack Ketchum (Buch), Daniel Farrands, Philip Nutman (Drehbuch)
Kamera:William M. Miller
Musik:Ryan Shore
SFX:Michael Bevins
Darsteller:Blythe Auffarth, Daniel Manche, Blanche Baker, Graham Patrick Martin, Benjamin Ross Kaplan, Austin Williams, William Atherton, Grant Show, Catherine Mary Stewart, Kevin Chamberlin, Peter Stickles, Spenser Leigh
Vertrieb:Galileo Medien
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,66:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0 Surround
Sprache:Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 2.0)
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase, Steelbook
DVD-Start:24.04.2008 (Verleih) / 16.05.2008 (Kauf)
Specials:
  • Trailershow:
    • Pure (1:13 Min.)
    • Johnny Was (1:18 Min.)
    • Confession of Pain (1:19 Min.)
    • Der Unhold (0:31 Min.)
Sommer 1958: In einer kleinen, ruhigen amerikanischen Vorstadt lebt der 12-jährige David, dessen Nachbarn, die Chandlers, gerade zwei Mädchen bei sich aufgenommen haben: Megan und ihre jüngere Schwester Susan. Bei einem Autounfall haben sie ihre Eltern verloren und leben nun bei ihrer psychisch etwas labilen Tante Ruth. David freundet sich mit dem älteren der beiden Mädchen an und verliebt sich in sie. Er bemerkt, dass die Anwesenheit der Mädchen im Nachbarhaus auf unerklärliche Weise zu Missgunst und Abneigung bei der Tante führt. Ruths Feindseligkeit den Mädchen gegenüber eskaliert bald von verbalen Attacken zu körperlichen Übergriffen. Das Schockierende daran ist, dass auch die drei kleinen Söhne der Tante involviert zu sein scheinen. David beginnt, der Sache auf den Grund zu gehen - eine Entscheidung, die sein Leben für immer verändern soll ...
"The Girl Next Door" (2007) basiert auf Jack Ketchums gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1989, der in Deutschland inzwischen (2006) unter dem ebenso passenden Titel "Evil" erschienen ist. Ketchum, der im Alltag Dallas Mayr heißt, seine Werke aber ausschließlich unter dem genannten Pseudonym veröffentlicht, nahm sich im Rahmen seiner Geschichte der literarischen Aufarbeitung eines wahren Verbrechens an, das 1965 die USA schockierte. Es ging ihm dabei weniger um eine detailgetreue Aufarbeitung des Falles - vielmehr war er daran interessiert, einen ungeschönten Blick auf einige der tiefsten menschlichen Abgründe zu werfen, was ihm auf diese Weise auch eindrucksvoll gelang. Interner Link"An American Crime" (2007), eine weitere Verfilmung des Stoffes (nicht des Buches), orientierte sich im Zuge ihrer konzeptionellen Annäherung stärker an den historischen Fakten - die Namen der Beteiligten wurden nicht geändert sowie die juristischen Nachwirkungen in den Fokus der Betrachtung gerückt, während sich die vorliegende Produktion primär auf die psychologischen Aspekte der geradezu unfassbaren Ereignisse an sich konzentriert. Im Gegensatz zur Realität entfaltet sich die Handlung hier hauptsächlich im Jahre 1958 - eingebettet in einem narrativen Aufbau, welcher, gemeinsam mit einigen anderen Punkten, (positive) Erinnerungen an Rob Reiners hoch angesehene Stephen King-Adaption "Stand by me" weckt ...


David (William Atherton) ist ein erfolgreicher Geschäftsmann an der New Yorker Wall Street, der ein Haus auf dem Lande besitzt, in einem edel eingerichteten Firmenappartement in der City wohnt und eigentlich eine zufriedene Existenz führen sollte - nur ist dem nicht so. Am vergangenen Nachmittag hatte er einem Obdachlosen erste Hilfe geleistet, der von einem Wagen angefahren wurde, und jetzt, am Abend, kommt ihm eine Aussage seiner zweiten Frau ins Gedächtnis zurück, wie sie mal davon berichtete, von einer Katze angefallen worden zu sein, worauf die Wunden gar genäht werden mussten - beide erlitten sie gewiss starke Schmerzen, doch wahrer Schmerz war das beileibe jeweils nicht. Ihm ist es möglich, eine solche Aussage zu treffen, denn er kannte mal jemanden, der letztere Empfindung erfahren bzw. über sich ergehen lassen musste. Er war damals gerade mal 12, das war im Sommer '58, als er Zeuge einer Ereigniskette wurde, die sein Leben auf ewig prägte wie veränderte: In jenen Tagen verbrachte er (Daniel Manche) seine unbeschwerte Kindheit vorwiegend damit, Flusskrebse zu fangen und sich mit seinen Kumpels zu verabreden - in erster Linie daheim bei seiner (erwachsenen) Nachbarin Ruth (Banche Baker), die ihm sowie ihren Söhnen Ralphie (Austin Williams), Willie (Graham Patrick Martin) und Donnie (Benjamin Ross Kaplan) gern auch mal ein Bierchen gestattete und von Dingen erzählte, für die sie an und für sich noch etwas jung waren. Heutzutage würden Kids sie gewiss als "cool" beschreiben. Alles begann sich aber zu ändern, als die 16-jährige Meg (Blythe Auffarth) und ihre jüngere Schwester Susan (Madeline Taylor) ebenfalls bei Ruth, ihrer Tante, einzogen, nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall zu Tode gekommen waren ...


David und Meg verstanden sich auf Anhieb - eine zarte Freundschaft erkeimte, die beiden sichtlich gut tat. Allmählich offenbarten sich David allerdings Gegebenheiten, die ihn nachdenklich stimmten, verwirrten und zu belasten anfingen. Wie es schien, verhielt sich Ruth den Mädchen gegenüber ein wenig "seltsam" in ihrer Art: Anfangs ließ sie sie nicht an bestimmten Aktivitäten teilhaben, die sie ihren Söhnen zugestand, wie beispielsweise Ausflüge zum örtlichen Jahrmarkt, später verbot sie Meg zudem die Essensaufnahme für mehrere Tage - begründet damit, dass sie sonst fett werden würde. Stetig nahmen die Strafen an Härte zu, Schläge und verbale Erniedrigungen inklusive. Offen (vor allen) als "Schlampe" betitelt, angesichts nichts als ihrer unschuldig-freundschaftlichen Art, wollte Meg einfach nur sich und (vor allem) Susan schützen, weshalb sie sich irgendwann an einen Polizisten wandte, der jedoch nichts weiter in die Wege leitete, als ein Gespräch mit Ruth zu führen, das natürlich nichts bewegte, außer ihren Zorn zusätzlich anzuheizen, der sich gleichermaßen gegen Männer, Frauen und ihre ganzen Lebensumstände richtete. Zur Strafe fesselte sie Meg daraufhin in einer stehenden Position mit ihren Händen an die Kellerdecke - ihre Augen verbunden, im Mund einen Knebel. Infolge dessen ließ sie sie von "ihren Jungs", die Spaß daran hatten, diesem "Schauspiel" beizuwohnen und gar aktiv daran mitzuwirken, ausziehen und auf verschiedenste Weisen herabwürdigen - es schlossen sich unzählige Akte unfassbarer Gewalt an dem hilflosen Mädchen an, die Tag für Tag abscheulicher wurden, während David in seinem Innern verzweifelt nach der Kraft suchte, sich jemandem anzuvertrauen, ohne selbst zu einem Opfer zu werden ...


"The Girl Next Door" ist ein zutiefst ungemütlicher Film, der einen benommen, fassungslos, traurig und unendlich wütend zurücklässt. Allein der Gedanke daran, dass es da draußen tatsächlich Menschen gibt, die zu dem hier Aufgezeigten allen Ernstes fähig sind, jagt einem unweigerlich einen Schauer den Rücken hinunter, macht Angst und will einem noch lange nach dem Abspann nicht mehr aus dem Kopf weichen. Was Sylvia Likens im Alter von 16 im Jahre 1965 unter dem Dach ihrer psychisch gestörten Pflegemutter Gertrude Baniszewski durchleiden musste, kann man in Prinzip nur mit "die Hölle auf Erden" umschreiben: Man hat diesen unschuldigen Teen, das ihre an Polio erkranke Schwester mit ihrem Leben beschützte, über eine längere Zeitdauer (nahezu ohne Essen und Trinken) unter anderem in einem dreckigen Kellerraum gehalten, sie gefesselt, permanent beleidigenden Bemerkungen und Taten ausgesetzt, regelmäßig geschlagen und getreten, ihr Schnittverletzungen und Brandwunden zugefügt, Salz in diese gerieben, ihr per erhitzter Nadel einen Schriftzug in den Bauch eingeritzt sowie sie (mit Glasflaschen) vergewaltigt - bis sie am 26. Oktober schließlich an den Folgen ihrer Folterqualen verstarb. 1966 verurteilte ein Gericht Baniszewski wegen Mordes zu lebenslanger Haft - Ende 1985 entließ man sie wegen guter Führung auf Bewährung, 1990 raffte sie der Lungenkrebs dahin. Etliche der Kinder erhielten mehrjährige Gefängnisstrafen. Ich persönlich hoffe, sie haben nie Frieden mit sich gefunden und verrotten irgendwann in der Hölle, wenn es eine solche denn gibt.


Bewusst wurde diese Version der Geschichte in den amerikanischen 50ern angesiedelt - einer auf den ersten Blick idyllischen Epoche der Unschuld, bei der einem klassische Norman Rockwell-Motive in den Sinn kommen. Heutzutage vermag ja leider kaum mehr eine Schreckensschlagzeile ernsthaft zu entsetzen - damals war noch einiges anders, und sollte etwas in einer solchen Richtung doch mal vorkommen, hob es sich umso deutlicher von jenem (gewissermaßen stilisierten) Hintergrund ab. Entsprechend kräftig erstrahlen die von der Sonne am blauen Himmel zur Geltung gebrachten Farben der Wälder, Kleidungsstücke und Häuserfassaden - ein krasser Gegensatz zum kalten, schmutzigen Grau des betreffenden Raumes im Kellergeschoss. Spezielle, allerdings eigentlich alltägliche Augenblicke, wie Davids und Megs Freilassen zuvor gefangener Flusskrebse, das Legen eines Wurms inmitten eines Haufens aggressiver Ameisen oder ein "Tat oder Wahrheit"-ähnliches Spiel der Nachbarschaftskinder, sind Vorboten noch anstehender Dinge, genauso wie der Grad der aufblühenden unbeschwerten Freundschaft beider erstgenannten Protagonisten. Dank der Erzählstruktur besteht kein Zweifel daran, dass unter der Oberfläche dieses gezeichneten Bildes mächtige Abgründe existieren - und als sich diese dann auftun, werden alle im Zuge dessen mit in die Tiefe gerissen ...


Es ist eindeutig zu erkennen, dass Regisseur Gregory Wilson die allgemein bekannte, nichtsdestotrotz vielfach ignorierte Tatsache erfasst und verinnerlicht hat, dass ein Anregen der Vorstellungskraft des Zuschauers das effektivste Mittel markiert, eine wahrlich nachhaltige Wirkung zu erzielen - und das grenzt sein Werk klar von solchen der Kategorie "Torture Porn" zugeordneten ab. Die dargebotenen Impressionen sind roh und wurden unverfälscht in Szene gesetzt, also frei von technischen Spielereien jeglicher Art (à la künstlich alterierte Optik, moderne Kameramätzchen etc.), so dass es (hoffentlich) ausgeschlossen ist, dass jemand ernsthaft irgendeine Form von Gefallen an ihnen findet. Die meisten Grausamkeiten werden nicht direkt aufgezeigt - stattdessen wählte man weitestgehend andeutende und/oder verhüllende Perspektiven sowie "Reaction-Shots", also die Ausdrücke in den Gesichtern der Beteiligten. Genährt von den deutlich zu vernehmenden akustischen Lauten, die keine vorhandene Musikuntermalung kaschiert, übernimmt der Kopf zwangsläufig das Ausmalen der zugehörigen Bilder - und genau diese Komponente ist es, die einem, wie beim Lesen eines guten Buchs, den ganzen Schrecken der präsentierten Situation erst umfassend bis ins Mark spürbar vermittelt. Unabhängig dieser Annäherungsweise ist das (an sich) Gezeigte dennoch derart heftig, dass man zeitweise den Blick am liebsten abwenden möchte - was einige gewiss auch tun werden. Das Publikum wird mitfühlender Zeuge dieses abscheulichen Verbrechens, bei dem die Beteiligung von Personen jungen Alters die empfundene Fassungslosigkeit zusätzlich verstärkt. Es geht um die Natur des Bösen, die hier zum Vorschein kommt - gekoppelt mit kindlicher Neugier, Boshaftigkeit sowie dem Fehlen an den richtigen Stellen platzierter Grenzen. Jeder verstreichende Tag kostet sie im Prinzip ein weiteres Stück ihrer Menschlichkeit. Manche nehmen an den erniedrigenden Akten teil, weil der Anblick eines nackten, hilflosen Mädchens sie förmlich anstachelt, andere treten sadistisch und emotionslos auf, etwaiger Gruppendruck spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Erlaubnis zu allem hat ihnen schließlich ein Erwachsener gegeben: Ruth segnet jedes Ausgeführte ab, weshalb sich bei ihnen kein Unrechtsbewusstsein bemerkbar macht - ohne Strafen befürchten zu müssen, können sie ihre schwärzesten Phantasien an jemandem ausleben, der sich nicht widersetzen kann. Einem erneuten Einwand Davids folgend, es würde nun drastisch zu weit gehen, schreit ihn Ralphie einmal an: "Aber wir haben die Erlaubnis!" Es sind Momente wie diese, die einem förmlich die Sprache verschlagen.


Eingangs tritt Ruth als eine Frau auf, die zwar spürbare Verbitterung angesichts ihrer Situation in sich trägt (von untreuen Männern hintergangen sowie mit den Kindern allein zurückgelassen etc.), sich aber ungeachtet dessen mit der Lage abgefunden zu haben scheint. Sie raucht und trinkt viel, versammelt die um sich herum, welche ihr noch aufmerksam zuhören - besonders wenn bzw. weil sie Themen anschneidet und ausführlich behandelt, die jene sonst in dem Alter nirgends zu hören bekommen. Es bereitet ihr sichtlich Vergnügen, diese "Erwachsenenweisheiten" weiterzugeben. Sie folgt dabei einer eigenen verqueren Logik, die sich in Anbetracht ihrer Vergangenheit schon fast nachvollziehen lässt - ihr Verhalten allerdings selbstverständlich in keiner Weise auch nur im Ansatz entschuldigt. Die zwei Mädchen passen von Anfang an nicht in diese Konstellation hinein - fortan werden sie zum offenen Ziel ihres aufgestauten Hasses, völlig unabhängig ihrer Aussage, sie würde ihnen nur die nötige persönliche Stärke anerziehen wollen. Sie ist eifersüchtig auf Meg, denn sie erinnert sie an ihre eigene verlorene Jugend sowie den nicht gerade idealen Verlauf ihres Lebens - will nicht, dass es ihr später besser ergeht. Susan, deren Beine beim Unfall in Mitleidenschaft gezogen wurden und die nun auf Krücken gehen muss, ist ihrer Ansicht nach bloß ein "nutzloser Krüppel", aus dem ohnehin "nichts mehr werden kann". Sie hält Männer für schlimm, denn sie wollen eh nur das Eine - Frauen hingegen sind ebenso verwerflich, da sie genau das zum eigenen Vorteil ausnutzen. Sie stellt die gewissenlosen Regeln des Missbrauchs auf, tritt kalt und manipulativ auf - die Kinder sind ihre ausführende Instrumente. Zunehmend verliert sie sich auf diesem eingeschlagenen Pfad, der leere Ausdruck in ihren Augen verrät das lange bevor ihre Taten den offensichtlichen Verlust der geistigen Gesundheit kundtun. Ohne je dem Overacting zu verfallen, verleiht Blance Baker ("Der City-Hai") dem Bösen ein (realistisches) Antlitz - Mimik, Gestik und Stimmlage passen präzise zu der Figur. Bestimmte Einstellungen, wie etwa die ihres Gesichtsausdrucks und Verhaltens, als sie mit einem entzündeten Bunsenbrenner langsam auf die zuvor vergewaltigte Meg zuschreitet, um ihr "die Sünde zwischen ihren Beinen abzutöten", kerben sich unumgänglich ins Gedächtnis ein ...


Meg versinnbildlicht die Reinheit, Unschuld, das Gute sowie Leben an sich - in stehender Position an den Handgelenken gefesselt, die Arme seitlich weggestreckt, erinnert das Bild nicht von ungefähr an das einer Kreuzigung. Wegen ihrem unbefleckten Wesen legt man ihr dieses Martyrium auf, welches sie primär zum Schutze ihrer Schwester auf sich nimmt und infolge dessen unerbittlich durchleidet. Ihre Verletzlichkeit versucht sie mit den nach außen getragenen starken Facetten ihrer Persönlichkeit zu überdecken. Der Schrecken des Unfalls hat bei ihr seelische wie körperliche Narben hinterlassen, und eigentlich hatte sie in dieser anderen Umgebung neu anfangen wollen - nicht nur deshalb sucht sie die heilsame freundschaftliche Verbindung zu David. Es ist leicht, sich in sie zu verlieben, mit ihrer ganzen Art, inklusive der Unsicherheiten - und genau deshalb ist der spätere Verlauf umso schmerzhafter mit anzusehen, da man bis dato (im übertragenen Sinne) selbst etwas für sie zu empfinden begonnen hat. Blythe Auffarth ("Glauben ist Alles!") verkörpert Meg beeindruckend intensiv - ihre komplexe, nahezu makellose Performance begeistert und beeindruckt gleichermaßen. Besonders ihre an David gerichteten Blicke (in diversen unterschiedlichen Situationen) transportieren mehr Informationen und Emotionen als jede noch so hochwertige Dialogzeile es hätte tun können. Die bislang recht unbekannte Auffarth ist eine echte Entdeckung und meistert diesen extrem schwierigen Part mit Bravour. Auf diese Weise gelingt es ihr auch, die Tatsache, dass ein 16-jähriges Mädchen vorliegend von einer zu Zeiten des Drehs knapp 22-jährigen jungen Frau gespielt wurde, im Gesamtbild zu einer absoluten Nichtigkeit zu degradieren. Nur minimal schwächer agiert Daniel Manche in der Rolle des David, dessen Gewissen und Gefühle ihn dazu drängen, irgendwas zu unternehmen, während er selbst nicht die richtigen Wege dafür findet. Daniel transportiert die innere Zerrissenheit der Figur eindrucksvoll nach außen. Davids Zögern resultiert aus der Furcht, er könne die Lage nur noch weiter verschlimmern - schließlich nimmt seine Umwelt, allen voran seine von Catherine Mary Stewart (Interner Link"Evil Twin") und Grant Show (TVs "Melrose Place") gespielten Eltern, seine (zugegeben, halbherzigen) Andeutungen und Hinweise kaum wahr, geschweige denn ernst. Er ist Megs alleinige Hoffnung, und sie sieht ihn als das einzige Licht innerhalb ihres Albtraums an, wie sie selbst sagt. Als Zuschauer würde man ihn am liebsten schütteln und zum sofortigen Handeln drängen. Dass er diesen Punkt letzten Endes verpasst, verfolgt ihn noch rund 50 Jahre später. William Atherton (Interner Link"Stirb langsam") liefert eine souveräne Leistung ab, ebenso wie Madeline Taylor als die von den um sie herum stattfindenden Dingen sichtlich verwirrte und verängstigte Susan. Allgemein war ich erstaunt, wie professionell und gut die Kinderdarsteller die teils äußerst schwierigen Szenen zu präsentieren vermochten.


Den beiden vergleichsweise unerfahrenen Drehbuchautoren Daniel Farrands (Interner Link"Halloween 6") und Philip Nutman gelang in Gestalt ihres Skripts eine kongeniale Adaption des zugrunde liegenden Romans. Änderungen waren unvermeidlich - entscheidend war dabei jedoch, die beabsichtige emotionale Wirkung auf den Betrachter zu erhalten, was den Verantwortlichen unter anderem durch den sich frei von Auflockerungen jeglicher Art unnachgiebig zuspitzenden Eskalationsverlauf gelang, gekoppelt mit reichhaltigen Charakterzeichnungen und einer dichten, glaubhaft anmutenden Atmosphäre. Obwohl einige der härtesten Torturen weggelassen sowie andere in einer variierten Form aufgezeigt wurden, ist die Wucht des Gebotenen nichtsdestotrotz (selbst für gestandene Horror-Fans) ungemein niederschmetternd, was auch damit zutun hat, dass Kinder involviert sind und die Realität dieser Geschichte den Nährboden lieferte. Alles in allem gibt der Film das exakte Feeling des Buches wieder - mit leichten Abstrichen im Bereich der Einblicke in Davids Gedankenwelt, die sich allerdings verschmerzen lassen. Ketchum zeigte sich sehr zufrieden mit dieser Produktion, was für mich restlos nachvollziehbar ist. Gregory Wilson schuf mit seiner (nach "Home Invaders", 2001) zweiten Regiearbeit eine handwerklich hochwertige, feinfühlige und zutiefst bewegende Indie-Perle, die einem (angesichts so zahlreicher erschütternder Sequenzen) noch lange im Anschluss nicht aus dem Kopf weicht - je länger man über das Gesehene nachdenkt, desto wütender und deprimierter wird man. Einfach unfassbar, was dort im Keller jenes Hauses geschah. Die letzten Momente zwischen David und Meg, unmittelbar nach dem sich in meinen Augen einen kleinen Tick zu schnell entfaltenden "Finale", rührten mich schließlich im Prinzip vollends zu Tränen und bewiesen mir erneut eindrucksvoll, unabhängig der Umstände dieses speziellen Falles, die heutzutage leider viel zu selten zum Vorschein tretende Kraft dieses Mediums ...


Den hochwertigen Inhalt des Films spiegelt die Qualität des Bildes leider nicht wie erwartet wieder. Zwar ist der Transfer solide ausgefallen, doch wäre wesentlich mehr möglich gewesen. Gerade in Bezug auf die Kompression hat die DVD von Galileo Media deutliche Defizite vorzuweisen, so dass besonders gegen Ende des Films stärkere Artefaktbildungen auftreten. Zudem tauchen immer wieder leichte Bewegungsunschärfen und minimales Ruckeln auf. Die Schärfe selber geht weitestgehend in Ordnung und zeigt sich meist sehr detailfreudig. Die Farben wirken natürlich, aber deutlich reduziert in ihrer Stärke, was der Handlung zugute kommt. Ansonsten hätte der Kontrast etwas ausgeglichener ausfallen können, da das Bild stellenweise sehr kontrastarm ausgefallen ist.

Der deutsche Dolby Digital 5.1-Ton überzeugt mit klaren Dialogen, die zusammen mit Hintergrundgeräuschen oder dem Score zu keinen Überlagerungen führen. Handlungsbedingt ist die akustische Wiedergabe sehr frontbezogen, doch gelegentlich wurden auch direktionale Effekte in die Tonspur eingebaut, die sehr passend eingesetzt sind. Die musikalische Begleitung wird zwar auch über die Rears verteilt, doch scheint die Lautstärke deutlich reduziert. Ansonsten wäre etwas mehr Dynamik wünschenswert gewesen, aber auch so ist alles im grünen Bereich. Die Originalfassung in ihrer Dolby Digital 2.0 Surround-Abmischung ist der deutschen Fassung weitestgehend ebenbürtig, wird in Sachen Natürlichkeit aber etwas besser wiedergegeben.


Bonusmaterial gibt es nur innerhalb der Special Edition im Steelbook. Die uns vorliegende Amaray-Version besitzt lediglich vier Trailer zu anderen Titeln des Anbieters.

Jack Ketchums "Evil" ist eine verstörende, schwer verdauliche Kombination aus einem soziologischen "Period Piece", "True Crime(s)"-Schocker, einer Charakterstudie und "Coming of Age"-Tragödie - ein stark geschriebenes, gespieltes sowie inszeniertes Werk, welches seinen Fokus weniger auf das unmenschlich grausame Verbrechen an sich richtet, sondern vielmehr in erster Linie verschiedene wesentlich komplexere Themen (wie etwa den Verlust kindlicher Unschuld) behandelt ...


Film+++++/
Bild+++/--
Ton+++/--
Bonus------


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