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USA 2007
Originaltitel:Missionary Man
Alternativtitel:Black Chrome
Länge:89:20 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Dolph Lundgren
Buch:Dolph Lundgren, Frank Valdez
Kamera:Xiaobing Rao
Musik:Elia Cmiral
Darsteller:Dolph Lundgren, Kateri Walker, Chelsea Ricketts, Matthew Tompkins, John D. Montoya, James Chalke, John Enos III, Lawrence Varnado, Charles Solomon Jr., Jonny Cruz, August Schellenberg, Brad Imes, Morgana Shaw, Julian Guevara, Andrew Stevens, Bryan Massey, Richard Ray Whitman
Vertrieb:Sony Pictures
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,78:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Englisch, Deutsch, Türkisch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:07.02.2008 (Verleih) / 06.03.2008 (Kauf)
Specials:
  • Entfallene Szenen:
    • Alternative Anfangssequenz (4:34 Min.)
    • Nach der Schießerei (0:50 Min.)
  • Trailer:
    • Ich weiß, wer mich getötet hat (2:27 Min.)
    • Todeszug nach Yuma (2:20 Min.)
    • Der eisige Tod (2:20 Min.)
    • Straightheads (1:36 Min.)
    • Die Todeskandidaten (1:41 Min.)
Als Ryder, der geheimnisvolle Fremde, der noch eine Rechnung zu begleichen hat, unangemeldet in einer kleinen Stadt auftaucht, ändert sich das Leben für die Einwohner, die unter der diktatorischen Willkür des örtlichen Tyrannen leiden, für immer. Mit seiner Bibel, seinem Motorrad und seinen Rachegedanken bewaffnet, fordert Ryder den üblen Diktator heraus und beweist, dass Gerechtigkeit immer noch ein schlagendes Argument ist.
Dolph Lundgren ist wieder zurück in der Spur. Hatte sein mit Interner Link"The Defender" und insbesondere "The Mechanik" hart erarbeiteter Ruf als versiertes Multitalent im Low-Budget-Bereich durch den dank katastrophaler Produktionsumstände schwer enttäuschenden Abenteuerfilm Interner Link"Diamond Dogs" gelitten, präsentiert sich der blonde Hüne nun wieder gewohnt souverän als Hauptdarsteller, Drehbuchautor, Regisseur und mittlerweile auch Produzent in Personalunion.
Für "Missionary Man" musste Lundgren den Gürtel zwar enger schnallen, als ihm vermutlich lieb war, weil das Budget seiner letzten Arbeiten diesmal nicht zur Verfügung stand, einen sehenswerten Genrebeitrag abzuliefern, den speziell seine Fans zu schätzen wissen, lässt er sich deswegen aber trotzdem nicht nehmen. Und das ausgerechnet unter der Ägide von Andrew Stevens, dessen Produktionen sich in den letzten Jahren gewiss nicht mit Ruhm bekleckerten.



Nach nun mehr drei Regiearbeiten, und wenn man seine Beteiligung an "Diamond Dogs" mitzählen möchte sogar vier, lässt sich konstatieren, dass der Mann, ähnlich wie Sylvester Stallone momentan eine erstaunliche Entwicklung durchmacht, die ihm einen zweiten Frühling beschert.
Die Parallelen sind unschwer auszumachen. Noch zur Jahrtausendwende waren beide quasi weg vor dem Fenster, die Karriere an die Wand gefahren. Sly bemühte sich um einen zaghaften Imagewechsel, der letztlich dazu führte, dass sein Ruf gehörigen Schaden nahm, seine Filme reihenweise floppten und es schließlich nicht einmal mehr ins Kino schafften, Lundgren nahm derweil Rollen an, von denen er lieber die Finger hätte lassen sollen und gönnte sich schließlich eine Auszeit. Zwei ehemalige Publikumslieblinge, die keiner mehr sehen wollte, standen auf dem Abstellgleis. Nun hat sich aber bekanntlich keiner von beiden seinem Schicksal als ausrangierter Actionheld fügen wollen. Sie nahmen es eben selbst in die Hand, schrieben die Drehbücher und inszenierten sich selbst. Während Stallone mit Interner Link"Rocky Balboa" und Interner Link"Rambo" zwei legendären Figuren, die Filmgeschichte geschrieben haben, zu ihrem würdigen Abgang verhilft, entdeckt Lundgren nach ein paar Stolpersteinen und einem Zufall, dass in ihm ein sehr talentierter Regisseur und Drehbuchautor schlummert, der mit klassischen und einfachen Themen ein Publikum anspricht, das sich in Zeiten anpassungsfähiger Blockbusterware nach düsteren Szenarien und rauen Tönen sehnt, die das Mainstream-Kino heute nicht mehr bedient und auch nicht mehr bedienen will. Lundgren greift diese speziell in den Siebzigern äußerst populären Themen mit so viel Fingerspitzengefühl auf, wie man es jemanden, dessen Filme sich einst fast ausschließlich über den Bodycount definierten, kaum zutrauen würde. Dass er in seiner langen Karriere unter einer Riege absoluter Könner ihres Fachs arbeiten durfte, zahlt sich inzwischen aus.



Sein "Missionary Man" versteht sich eigentlich als klassisches Westernthema, das in die Gegenwart transferiert wurde. Vor 35 Jahren hätte Clint Eastwood diesen Fremden gespielt, der in ein abgelegenes Nest einreitet und die dortigen Bewohner vor den Machenschaften lokaler Gangster oder tyrannischer Viehbarone befreit und eigentlich hat er das ja auch. Nur eben mit dem Unterschied, dass er damals auf einem Pferd saß.
Lundgren hingegen sitzt auf einem Motorrad, muss zum Lesen in der Bibel eine Brille aufsetzen und schüttet die Tequilas ohne Salz und Zitrone herunter. Der Film erklärt nie vordergründig, welche Gründe ihn überhaupt in diese Stadt führten. Als er auf der Beerdigung eines Mannes eine Andacht hält, vermuten die Angehörigen, dass er den Toten aus gemeinsamen Zeiten beim Militär kennt, aber der mysteriöse Fremde ist auf keinem Bild auszumachen. Seine Beweggründe bleiben im Dunkeln, aber er will Gerechtigkeit und den Toten rächen. Deswegen legt er sich mit einem lokalen Drogenschmuggler und einer Rocker-Gang an, die ihrerseits die Bevölkerung, fast durchweg indianischen Ursprungs, terrorisieren und ermorden ...

Zu den düsteren, ausgewaschenen und grobkörnigen Bildkompositionen, die sich ganz hervorragend an die bedrückende Stimmung des Films schmiegen und Lundgrens Gesicht mehr als nur einmal in ein schattiges Schwarz tauchen, gesellt sich ein nuancierter Score Elia Cmirals (Interner Link"Ronin", "The Mechanik"), der in bester Ry-Cooder-Manier traditionell orientierte Tracks beisteuert und Lundgren dabei hilft seine Figur zu einem charismatischen Racheengel zu entwickeln, die sich den Machenschaften in diesem Ort entgegenstellt.
Dabei versteht "Missionary Man" sich nicht als schnelllebiger Actionreißer, sondern überraschend ruhige Geschichte, die sich die Mühe macht ihr Szenario vorzustellen, nicht alle Klischees umgehen kann und in der ersten Hälfte an ein paar Temposchwierigkeiten zu knabbern hat, aber mit Lundgren eben stets einen dicken Bonus in der Hinterhand hat.
Mit zunehmenden Alter wird der Mann als Schauspieler immer besser und im Gegensatz zu Kollegen wie Steven Seagal oder Jean-Claude Van Damme ist er darüber hinaus auch noch in physischer Topform. Lundgren strahlt hier in jeder Szene eine beängstigende Ruhe aus, wählt seine wenigen Worte sorgfältig, ist um eine Handvoll Oneliner nicht verlegen, grinst höchstens mal boshaft, verzieht sonst keine Miene und setzt seine Sonnenbrille nur selten ab.



Die Actionszenen sind jeweils nicht sonderlich spektakulär, besitzen bisweilen aber die Fähigkeit aufgrund der omnipräsenten Kaltblütigkeit ihres Hauptakteurs eine wohlige Gänsehaut zu erzeugen. Spätestens, wenn Lundgren in Slowmotion seine Pumpgun durchlädt, und zur Tat schreitet, wird auch der letzte Genrefan mit einem breiten Grinsen sich der Gewissheit bewusst einem Film der alten Schule beiwohnen zu können. Insbesondere diese bedingungslose Ikonisierung seiner Figur scheint Lundgren übrigens sehr viel Spaß zu bereiten.

Wenn man "Missionary Man" bei all seiner Affinität zum Western, die sich auch in der Inszenierung deutlich widerspiegelt, etwas vorwerfen kann, dann ist es die Einfallslosigkeit mit der das Drehbuch glänzt. Der Ablauf des Films ist von Anfang bis Ende vorhersehbar. Aus Lundgrens rätselhafter Figur werden leider keinerlei Überraschungen bezogen. Davon kann der Streifen auch nur wenig ablenken, indem er gängigen Genretypen, wie beispielsweise der lokale Schluckspecht, ihrem Schicksal überlässt, oder Gesetzeshüter skrupellos hinrichtet. Viel besser gelingt da schon das Verharren in klassischen Motiven. Die aufgehende Sonne, der Blick auf eine flimmernde Straße und das begleitende Heulen des Windes wecken Erinnerungen ...

Das Finale erweist sich Reminiszenz vor "High Noon" mit dem Unterschied, dass Lundgren in die Stadt einrückt, aus der alle Bewohner in Anbetracht des sich ankündigenden Gefechts schnell verschwinden. Mit einigen Verweisen auf Genrevorbilder und ohne Gefangene zu machen, knöpft er sich gnadenlos einem nach dem anderen vor, bis er auch den Letzten vor die Flinte bekommt. Und der erkennt ihn dann tatsächlich ...



Als Reminiszenz an vergangene Tage lässt sich auch die deutsche DVD von Sony beschreiben, die eine sehr eigenwillige Bildqualität anstrebt. Wie bereits beschrieben, ist das Bild farblich sehr stark ausgewaschen, so dass kaum noch eine andere Farbe als das helle oder dunkle Braun heraussticht. Nun ja, in einer Szene meint man eine rötliche Tönung zu erkennen und Lundgrens blonde Frisur ist auch als solche zu erkennen, sonst ist die Szenerie aber ziemlich karg. Man fühlt sich ein wenig an Super8 erinnert, denn man wird mit einer starken Körnung konfrontiert und der harte Kontrast zeichnet ein sehr düsteres Bild ab. Somit liegen weite Bildteile im Schatten, u.a. auch Gesichter. Was die IMDb.com als Übertragungsfehler beim Transfer vom HD-Master auf DVD bezeichnet, kann man bis zu einem geringen Grad noch als Stilmittel bezeichnen, ist aber auch als Defizit zu erkennen. Schwerer als das wiegt aber die unterdurchschnittliche Schärfe, die nicht gerade für Details gut ist. Meist sieht das anamorphe Bild leicht schwammig aus und ist nicht zu vergleichen mit anderen Independent-Produktionen des 2007er Jahrgangs. Das Rauschen pumpt manchmal etwas, insgesamt versteckt sich die Kompression aber problemlos unter dem Material. Trotzdem, der Käufer der DVD hat sicherlich mehr erwartet.

Stabilere Ergebnisse erbringen die zwei Tonspuren in Dolby Digital 5.1. Das Original gefällt mir wegen der deutlich natürlicheren Stimmen im Dialogbereich besser, ist doch die Synchro sehr stark auf den Center gedrückt und klingt dort ein wenig dünn. Bei den Umgebungsgeräuschen werden keine Unterschiede deutlich. Diese hätten effizienter genutzt werden sollen, auch wenn "Missionary Man" über weite Strecken ohne Action auskommt. Man hat sehr oft das Gefühl, die für die hinteren Boxen bestimmten Klänge, die relativ selten sind, könnten sich dort nicht richtig durchsetzen. Bezieht man die Wertung lediglich auf die Stereofront, wird ein kräftiger und klarer Track geboten, dem es eigentlich an nichts fehlt. Aber gerade in Shootouts verlangt der Zuhörer doch nach umherpfeifenden Kugeln, die ausbleiben. Auch eine Explosion kann sich nicht so recht räumlich entfalten. Sony packt noch Untertitel in beiden Sprachen plus in Türkisch dazu.

Der Bonusbereich der DVD enthält eine kleine Überraschung: Zwar gibt es die alternative Anfangssequenz nur ohne Ton, dafür aber in aufgearbeiteten Farben, also nicht so blass gefiltert wie der eigentliche Film. Letztlich ist diese Sequenz und auch die andere nicht von großer Bedeutung. Im Trailerbereich fehlt der Originaltrailer zum Film. Ein weiterer Grund, die DVD erstmal stehen zu lassen, ist ein erweiterter Kopierschutz, den man sich als Kunde nicht gefallen lassen sollte.


"Missionary Man" ist sicherlich kein Genrehighlight im eigentlichen Sinn und so gut wie "The Mechanik" ist er erst recht nicht. Dafür mangelt es dem Film auch an Spannung und Tempo, sein Publikum wird er aber allein schon aufgrund der Performance seines charismatischen Hauptakteurs finden, denn Lundgren liefert die wohl beste, schauspielerische Leistung seiner Karriere ab.
Dass "Missionary Man" darüber hinaus nicht der billige, charakterlose Look einer 08/15-DTV-Produktion aus dem Hause Sony anhaftet, der Film ganz im Gegenteil sogar Atmosphäre aufbaut, muss ihm als Regisseur allerdings ebenso angerechnet werden. Der Mann entwickelt mittlerweile einen Stil, der ihn möglicherweise nochmal in eine Liga mit deutlich höheren Budgets katapultiert, wenn der Erfolg seiner Filme weiterhin stimmt.
Speziell Westernfreunde werden sich darüber hinaus an Anspielungen auf bekannte Vorbilder erfreuen, wohingegen der eigentliche B-Action-Fan eventuell vom niedrigen Actionanteil, der nicht einmal besonders spektakulär ausfällt, enttäuscht sein wird. "Missionary Man" ist ein zutiefst anachronistischer Film geworden, der Leuten wie Sam Peckinpah oder Walter Hill mit Sicherheit gefallen würde, gehörten sie doch einmal zu denjenigen, die diese Art von Film formulierten.
"It's me." ... und das hoffentlich noch in vielen Filmen, denn da geht noch so einiges.


Film++++--
Bild+++---
Ton+++/--
Bonus+-----


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