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USA 1956
Originaltitel:Conqueror, The
Alternativtitel:Conqueror of the Desert
Länge:106:46 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Dick Powell
Buch:Oscar Millard
Kamera:Joseph LaShelle, William E. Snyder, Leo Tover
Musik:Victor Young
Darsteller:John Wayne, Susan Hayward, Pedro Armendáriz, Agnes Moorehead, Thomas Gomez, John Hoyt, William Conrad, Ted de Corsia, Leslie Bradley, Lee Van Cleef, Peter Mamakos, Leo Gordon
Vertrieb:Universal / Koch Media
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:-
Verpackung:KeepCase im Schuber
DVD-Start:05.10.2007 (Kauf)
Specials:
  • TV-Beitrag "Der Eroberer und seine Folgen" (17:37 Min.)
  • Deutscher Kinotrailer (2:49 Min.)
  • Bildergalerie (52 Bilder)
  • 16seitiges Booklet mit Informationen zum Film
Asien, im 12. Jahrhundert: Mongolenfürst Temujin macht bei einem Beutezug die Tartarentochter Bortai zu seiner Gefangenen. Bis die Widerspenstige seine Zuneigung widerspiegelt, ist noch ein langer Weg: Erst muss er die Mongolenstämme einigen, in einer gewaltigen Schlacht die Tartaren besiegen und zum Dschingis Khan ernannt werden ...
Mal wieder einen so richtig schlechten Film sehen? Hunderprozentig flopmäßig, saumies und unterste Schublade? Dann aber keine billige Videopremiere, da ist sowas zu einfach. Versuchts doch mal mit "Der Eroberer", eine sauteure John Wayne-Produktion, die trotz seiner tausend Macken noch ein Kassenknüller wurde. Denn der eröffnet dem Spaß am Schlechten eine neue Dimension. Also zunächst mal: Kann sich jemand John "The Duke" Wayne als Mongole vorstellen? Nein? Schön, denn so sieht er hier auch nicht aus. Zwar hat er sich einen spitzen Schnurrbart verpassen lassen, "asiatische" Augenbrauen und leicht geschlitzt schaut er auch aus (incl. Haarfärbung), doch trotzdem bleibt der Gesichtsausdruck dem Wunsche nahe, gleich mal vor den Saloon zu rotzen, wenn in der Pampa einer rumstände. Da Wayne den Film auch als "Western im Osten" ansah und anging, wird es niemanden wundern, wenn The Duke hier reitet wie am Missouri und nölt wie in Dodge City.



Überhaupt sind echte Mongolen hier nur kurz als Statisten zu sehen, die stehen blöd rum und gucken emotionslos Wayne beim Laut-Ansagen zu, als würde sie das nicht interessieren (was es vermutlich auch nicht tut, denn sie haben es vermutlich eh nicht verstanden). Dementsprechend katastrophal ist das Casting dieses Films. Weil die Asiaten diesen Schrott nämlich nicht mitgemacht hätten, wurden mal eben südländisch aussehende Schauspieler angeworben, die konnte man noch am ehesten "umwandeln". So reiten denn hier auch ein Ur-Amerikaner (Wayne) und ein Mexikaner (Armendariz) als Blutsbrüder Seite an Seite. Den Vogel abschießen tut natürlich Susan Hayward als Bortai, die Tartarentochter. Nur hat man sich gar nicht die Mühe gemacht, da etwas zu asiatisieren und so sieht die Hayward eben wie eine halbverruchte, schön arrogante Barschlampe in teuren Kleidern aus. Wenn sie sich in der ersten Szene auf ihrem pelzausgeschmückten Divan im Wüstenwagen vor Rückprojektion räkelt, dann weiß man, hier feiert der Realismus Triumphe. Überhaupt zieht einem ihre Garderobe die Socken aus, die passt so gut in die Mongolei, wie Dirndl in den Weltraum. Und was haut sonst noch rein? Jegliche schauspielerische Bemühung zum Beispiel. Allerdings verlangt das Drehbuch auch überhaupt nichts historisch Verbürgbares. Leider geht es in erster Linie dem wackeren Temuzin-Wayne darum, mit seinem lange aufgeschobenen Feldzug die widerstrebende Else zu beeindrucken. Nur war es schon immer höhlenmenschenmäßig, wenn Wayne auf Romantik machte und hier fehlt nur noch die Keule.
Das Gezuppel mit der Widerborstigen dauert zwei Filmdrittel, ehe sie sich endlich für eines der yakfressenden Idioten (eben Wayne) entscheidet. Vorher wird aber noch reichlich Intrigen gesponnen und die Steppe plattgeritten mit ein paar Speergefechten mittendrin.



Und wer gut aufpasst, dem entgehen nicht die Momente der Wahrheit, die diesen Film zu einem Juwel machen: Wayne in höchster Verzweiflung auf einen Berg steigend und die Götter um Beistand anflehend. Ein Kriegsgefecht, in dem zwei Seiten aufeinander zureiten und nacheinander die erste Reihe formvollendet stürzt, ohne dass auf einer Seite Pfeile abgeschossen worden wären. Wayne, der der Hayward mit einem Ruck das Kleid entsorgt, auf dass sie wie der kahle August in der Wüste sitzt. Der Schamane, der aussieht wie ein ausgebleichter Sarottimohr. Der Khan, den man komplett aus dem Interner Link"Dieb von Bagdad" geklaut hat. Wayne, dessen Liebeserklärung an Hayward (nachdem die ihn erstechen wollte) lautet: "Du bist wunderbar in deinem Zorn" und das in einer elchartigen Leidenschaft. Schwertstiche, die immer an dieselbe Stelle gehen. Und als besonderes Leckerli die vollkommen sinnlos eingeschobene Tänzerinnensequenz, eine Mischung aus Las-Vegas-Ballett, Stripshow und Cheerleader-Gehüpfe, ausgeführt in ein paar Modefetzen, die ich gerade noch Sindbad zugetraut hätte. Traurige Berühmtheit erlangte der Film noch durch die Locationwahl Utah, wo ein radioaktives Gebiet tagelang Drehort war und die halbe Besetzung und Produktion damit innerhalb der nächsten zwanzig Jahre zum Tode verurteilte (auch Wayne und Armendariz).
Wayne gewann jedenfalls den "Golden Turkey Award" für das größte Miscasting aller Zeiten und somit sollte der Film auch mehr als witzige Ruine betrachtet werden. Ein Western ohne Indianer, dafür mit allen sonstigen Gesten und lustigen Asiatenkostümen. Und das Fehlerzählen hält einen bei Laune.



Kommen wir nun zur DVD aus dem Hause Koch Media und dessen Ausstattung. Neben einem 16seitigen Booklet mit Hintergrundinfos zum Film spendiert uns Koch Media den Original-Trailer, eine umfangreiche Bildergalerie und eine knapp 20minütige Dokumentation über die Produktion und deren Folgen. Es ist erschreckend, dass nahezu alle Personen, die an der Produktion beteiligt waren, an Krebs gestorben sind, da die Drehorte radioaktiv verseucht waren. Die Doku zeigt Aufnahmen aus den 70er Jahren und lässt Betroffene und Einwohner der anliegenden Städte zu Wort kommen. Die Dokumentation liegt im Original mit deutschen Voice-Over-Stimmen vor. Eine Doku, die unter die Haut geht, vor allem da das Thema Atomkatastrophe bzw. überirdische Atomtests immer noch aktuell ist.
Sicherlich kann der anamorphe Widescreen-Transfer seine Herkunft nicht verbergen, wurde jedoch sehr schön restauriert. Kräftige und satte Farben übrzeugen genauso wie ein ausgewogener Kontrast, der selbst in dunklen Szenen stets gute bis sehr gute Werte abliefert. Hinzu kommt eine schöne Schärfe, mit sauberen Konturen. Lediglich im Detailbereich happert es in einigen wenigen Szenen etwas und in schnellen Bewegungen lassen sich stehende Rauschmuster und eine deutliche Bewegungunschärfe erkennen. Wenn man sich aber vor Augen hält, dass der Film über 50 Jahre auf den Buckel hat, dann darf man mit dem Gezeigten sehr zufrieden sein. Da stört dann auch leichtes Bildrauschen, sowie ab und an auftauchende Blockbildung auf homogenen Flächen nicht mehr. Defekte und Verschmutzungen treten kaum auf.
Der deutsche Monotrack bietet eine gute Sprachwiedergabe ohne größere Mängel. Hin und wieder klingt der Track etwas blechern und leichtes Rauschen ist auszumachen, für eine Monospur aus den 50er Jahren gibt sich der Ton aber wirklich gut. Die englische Synchronisation klingt recht leise und sehr dumpf, wirkt dafür aber in den Dialogen natürlicher und bei weitem nicht so blechern wie die deutsche Fassung. Deutsche Untertitel gibt es nur in den damals geschnittenen und von daher nicht synchronisierten Szenen.



Koch Media liefert uns eine gelungende Veröffentlichung ab, deren Bild- und Tonqualität sich für einen 50 Jahre alte Film sehen lassen kann. Schon allein die Dokumentation und die tragische Produktionsgeschichte sind Grund genug, "Der Eroberer" zumindest einmal gesehen zu haben. Für Trash-Fans dürfte er allemal interessant sein.


Film++----
Bild++++--
Ton++----
Bonus++----


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