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FR 1997
Originaltitel:Serial Lover
Alternativtitel:Serial Lover - Verliebt, verlobt, verstorben
Länge:80:05 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:James Huth
Buch:James Huth, Romain Berthomieu, Hugo Jacomet
Kamera:Jean-Claude Thibaut
Musik:Bruno Coulais
Darsteller:Michèle Laroque, Albert Dupontel, Elise Tielrooy, Michel Vuillermoz, Zinedine Soualem, Antoine Basler, Gilles Privat, Isabelle Nanty
Vertrieb:Highlight
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0
Sprache:Deutsch
Verpackung:KeepCase
Specials:
  • 8seitiges Booklet (Kurzinformationen zu Regie, Darsteller und Pressestimmen)
  • Trailer zum Hauptfilm
  • 7 Darsteller-Kurzinformationen
  • Trailershow:
    • Die Häupter meiner Lieben
    • Sliding Doors
    • Marrakesch
    • Faszination Natur I
    • Faszination Natur II
    • Everest - Gipfel ohne Gnade
Es ist der Abend vor ihrem 35. Geburtstag und Claire (Michèle Laroque) möchte sich entgültig für einen Mann entscheiden. Dazu lädt sie ihre 3 Liebhaber Charles (Michel Vuillermoz), Sacha (Antoine Basler), Hakim (Zinedine Soualem) und ihren besten Freund Ruichi (Gilles Privat) zum Abendessen ein. Jeder von ihnen buhlt um die Liebe von Claire und versucht, in diesem Wettbewerb seine Konkurrenten auszustechen. Jedoch durch eine unglückliche Verkettung von Zufällen, an denen Claire nicht ganz unbeteiligt ist, segnet jeder der 4 Gäste das Zeitliche. Das Haus voller schriller, partywütiger Uberraschungsgäste müssen Claire und ihre nervenschwache Schwester Alice (Elise Tielrooy) versuchen, sich unauffällig der Leichen zu entledigen, bevor Inspektor Cellier (Albert Dupontel), der nach zwei, in diesem Viertel recht aktiven Einbrechern fahndet, wieder auftaucht und rumschnüffelt.
Das Chaos wäre nicht schon perfekt, hätten sich die beiden entflohenen Häftlinge nicht just an diesem Abend die Wohnung von Claire für ihren diebischen Beutezug ausgesucht.
Wieder einmal durch Zufall bin ich auf diesen Film gestoßen. Vom französischen Film halte ich im Allgemeinen nicht soo viel (mag am Programm von ARTE liegen, das mir dort eher schweres Material liefert), diese Perle hat mir aber die Augen geöffnet. Heute zähl ich ihn zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.
Als Eröffnungsvorstellung des Fantasy Film Fest 1998 fand der Film großen Anklang beim Publikum und wurde wenig später mit Preisen diverser Festivals ausgezeichnet und durch die Presse hoch gelobt.



Das grandiose Spielfilm-Debüt des Regisseurs und Drehbuchautors James Huth bietet eindeutig die unglücklichsten, aber gleichzeitig witzigsten Unfälle und Todesszenen, die ich je gesehen habe. Der Humor ist tiefschwarz und die Art, wie mit den Leichen umgegangen wird, definiert das Wort "makaber" neu. Wie oben angedeutet geht es um die Wahl einer ansehnlichen Dame, die in ihren 35. Geburtstag reinfeiert und sich von ihren langjährigen Freunden bzw. Liebhabern umringt sieht, welche allesamt um ihre Hand bitten. Frei nach dem Motto "was nicht passt, wird passend gemacht" werden jene Verehrer, die nach und nach das Zeitliche segnen und sich noch während des Films im Stadium der Rigor Mortis befinden, unter großer Anstrengung und mit hörbarem Knochengeknacke in Sitzkissen gepresst und fachgerecht entsorgt - wer sowas nicht mag, ist an der falschen Stelle.

Dabei nimmt sich der Film gewissermaßen sehr ernst, denn die Akteure blödeln nicht etwa nach Slapstick-Manier herum, sondern ihnen ist ihre angespannte Situation deutlich anzumerken. Von Grausamkeit im eigentlichen Sinne ist aber keine Spur, denn so mancher Charakter wird überspitzt dargestellt: Albert Dupontel mimt den bitterernsten und ein wenig snobbischen Inspektor Cellier (erinnert an Falco), der in seiner kühlen und überlegenen Art wirklich großartig rüberkommt, weil er sich stets sehr exzentrisch gibt, was die expressionistisch anmutende Ausleuchtung des Filmes noch unterstützt. Man mag sogar manchmal glauben, er wäre der Protagonist in einem Film noir. Die Art von feinem oder manchmal auch grobem Humor widersetzt sich dieser Kategorisierung aber, denn "Serial Lover" ist vor allem eins: eine Komödie. So zeigt auch der überaus korrekte, fast beängstigende Inspektor seine Macken, z.B. wenn er einen einem launigen Partygast den Joint stiehlt, dran zieht, um ihn dann zurück in die Nase des Eigentümers zu stecken.
Die weibliche Hauptrolle der Claire, gespielt von Michèle Laroque, ist der Ursprung des Chaos. Wie sie ihre ausweglose Situation immer wieder meistert, die ihr über den Kopf zu wachsen droht, ist eine wahre Freude. Man befürchtet ständig, ihre folgenschwere Tollpatschigkeit könnte jeden Moment auffliegen und doch schafft sie es immer wieder mit viel Glück und dem richtigen Timing ihre Verehrer, die Partygäste und die Polizei zum Narren zu halten, bis von denen keiner mehr übrig ist.
Auch herrlich anzusehen sind die zwei dümmlich-trotteligen Einbrecher, die in dieser Nacht eine wundersame Wandlung vom Verbrecher zum Retter durchmachen (ihr werdet schon sehen!) und die mit ihrer A-Cappela-Coverversion von "Only You" ein echtes Filmhighlight zaubern. Aber das sind natürlich noch nicht alle guten Charaktere: Auffallen werden auf jeden Fall noch der trottelige Hilfsinspektor oder die psychotische Blondine, die sich die ganze Zeit mit dem Toten vor dem Fernseher unterhält, ohne dass sie bemerkt, dass ihr einseitiges Gespräch auf dem miserablen Gesundheitszustand ihres Gegenübers basiert. Insgesamt kann man behaupten, dass die neun Protagonisten nicht nur allesamt ein sehr gutes Timing besitzen, was die Qualität der Komik erhöht, sondern durchaus sympathisch und lebensnah gespielt sind.



Die Kameraarbeit bietet einige interessante Einstellungen und Effekte (besonders gut gelungen in den Szenen mit Inspektor Cellier). Das und die hohe Farbkraft, die in beinahe jeder Szene eine große Rolle spielt, macht auch ruhige Momente visuell aufregend, so dass man als Zuschauer die gesamte Spielzeit über keinen Einbruch des Unterhaltungswertes mitbekommen wird. Die Musikuntermalung verbindet sich auf sehr skurrile Weise mit der Handlung, denn wenn zuckersüße Klassiker zu kruden Szenen spielen, ist das schon etwas gewöhnungsbedürftig.
Ein großer Pluspunkt des Filmes sind die spritzigen Dialoge und die vielen kleinen Details, die ihn "Serial Lover" eingebaut wurden. Auch das führt dazu, dass man die Handlung als angenehm kompakt wahrnimmt. Auf Füllszenen oder langwierige Charaktereinführungen wird verzichtet, indem die wichtigsten Wesenszüge der Figuren in die Komik eingearbeitet sind.



Für alle, die sich noch nicht sicher sind, ob sie eine Komödie in Verbindung mit Blut mit ihrem Gemüt vereinbaren können, sei Entwarnung signalisiert. Die wenigen Brutalo-Szenen sind nicht wirklich gemein, gezeigt wird zwar so einiges, aber durch die vordergründige Komik wird dies sowieso in ein anderes Licht gerückt als das eines Horrorfilmes. Nach der "Mixer-Szene" zu Beginn des Filmes ist sowieso das Schlimmste überstanden.
Und dass das angedeutete Happy End nicht wirklich als solches den Film beendet, ist doch wohl klar, oder? Das würde man dem Film nach solch furiosen 80 Minuten sowieso nicht abnehmen.

So wie schon der Film selbst hat mich auch Bild & Ton dieser Umsetzung auf DVD angenehm überrascht. Das Bild ist gestochen scharf und äußerst farbenfroh, die exzessive Verwendung der Farben Blau und Rot könnte man schon als Stilmittel einordnen. Bewegungsunschärfen oder Kompressionsartefakte treten keine auf, lediglich ein paar kleinere Dropouts sind zu erkennen, die aber kaum auffallen und deshalb das gute Gesamtbild nicht trüben.
Auch der Ton gehört zur Oberliga. Im 5.1-Modus werden einige nette Soundeffekte im Raum verteilt und bei den Party-Szenen fühlt man sich, als würde man mittendrin mitfeiern, was für eine Komödie gar ungewöhnlich ist. Die Dialoge sind gut verständlich und der Ton ist in seiner Gesamtheit sehr klar und sauber.
Hier können sich die großen Studios mit ihren millionenschweren, letztendlich aber doch manchmal verhunzten DVD-Produktionen mal ein Beispiel nehmen.



Das Bonusmaterial ist leider sehr dürftig. Von den auf der DVD-Hülle bemerkten "ca. 11 min. Bonus" gehen schon 9 Minuten für die Trailershow zu 6 anderen Filmen drauf. Was bleibt ist ein Trailer zum Hauptfilm und Textinfos zu 7 Darstellern, wobei man die alle schon im Booklet abgedruckt hat und 5 von ihnen mit 2 bis 3 Sätzen abgefertigt sind. Daher nur 1 Punkt.
Im Abspann sind noch einige Informationen und Scherze versteckt, die ich aber mangels guter Französisch-Kenntnisse kaum entschlüsseln konnte. (Würde mich freuen, wenn mir da jemand helfen könnte.)

An "Serial Lover" werden Fans des pechschwarzen Humors ganz sicher nicht vorbeikommen. Action- und Klamauk-Fetischisten sollten vor dem Kauf einen Blick riskieren, denn obwohl der Film keine Pause zum Durchatmen lässt, ist er doch eher subtiler Spaß als eine plumpe Gag-Aneinanderreihung - was ihn äußerst interessant macht. In Südkorea ist seit 2007 ein Remake am Markt, aber ob es den hier gezeigten Höllenspaß nachstellen kann, möchte ich bezweifeln.


Film++++++
Bild+++++-
Ton+++++-
Bonus+-----


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