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HK 2005
Originaltitel:Sha Po Lang
Alternativtitel:SPL
aka. Kill Zone
aka. Killzone
Länge:89:04 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:Keine Jugendfreigabe
Regie:Wilson Yip
Buch:Kam-Yuen Szeto, Wai Lun Ng, Wilson Yip
Kamera:Wah-Chuen Lam
Musik:Ken Chan, Kwong Wing Chan
SFX:Koan Hui
Darsteller:Donnie Yen, Simon Yam, Jacky Wu, Sammo Hung, Timmy Hung, Liang Jing Ke, Cheung Chi Yiu, Liu Kai Chi, Austin Wai Tin Chi, Kenji Tanigaki, Ha Shiu Sing, Vincent Sze
Vertrieb:Ascot Elite
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0
Sprache:Deutsch, Kantonesisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:SlimCases im Metallschuber
DVD-Start:11.01.2007 (Verleih) / 28.02.2007 (Kauf)
Specials:
  • Trailershow:
    • Renaissance (1:26 Min.)
    • Unknown (2:04 Min.)
    • Intermission (2:13 Min.)
    • Hooligans (2:45 Min.)
    • Shutter (2:22 Min.)
    • Feed (1:23 Min.)
    • Five Fingers (1:46 Min.)
  • Trailer (1:39 Min.)
  • Hong Kong TV-Spots 1 (0:15 Min.)
  • Hong Kong TV-Spots 2 (0:29 Min.)
  • Making of (10:00 Min.)
  • Pressekonferenz (22:57 Min.)
Inspektor Chan führt seit Jahren einen erbitterten Kampf gegen den Triadenboss Wong Po. Dieser entkommt seiner Verurteilung, indem seine Handlanger den Belastungszeugen einschließlich Familie abschlachten. Nur die kleine Tochter überlebt. Von diesem Tag an nimmt Inspektor Chan das Mädchen in seine Obhut und die Strafverfolgung persönlich. Doch gegen wen genau führt er seinen Krieg? Überläufer und Spitzel haben beide Lager infiltriert, und Wong Pos weiß gekleideter Todesengel Jack wütet mit unbarmherziger Härte durch Chans Polizeistab - bis dieser endlich zurückschlägt ...
Zusammen mit Interner Link"Dragon Squad" gehörte "Sha Po Lang" zu dem am heißesten erwarteten Hongkong-Actionern des Jahres 2005. Wobei man Wilson Yips ("Bullets Over Summer") Film da schon ein wenig Unrecht tut, denn der Hype um seinen Film war eindeutig größer. Immerhin vereinte er mit Sammo Hung ("Powerman", Interner Link"Operation - Eastern Condors"), Simon Yam (Interner Link"PTU", Interner Link"Wake of Death") sowie Donnie Yen (Interner Link"Hero", Interner Link"Seven Swords") gleich drei Ikonen Hongkongs und der Trailer machte auch noch richtig Appetit auf den fertigen Film.



Herausgekommen ist dann letztlich auch ein Streifen, der meine Erwartungen erfüllte, aber leider nicht toppte. Insgeheim hatte ich doch einen richtigen Kracher erwartet. Deswegen liegt er letztlich in meiner persönlichen Bewertungsskala mit Konkurrent Interner Link"Dragon Squad" gleich auf, obwohl die Filme rein von der Inszenierung kaum unterschiedlicher sein könnten.
Während Daniel Lee einen überinszenierten, teilweise schon anstrengenden Actionthriller drehte, verbleibt Wilson Yip traditionell und nähert sich damit wieder dem althergebrachten Hongkong-Kino an. Wem Interner Link"Dragon Squad" also zu wild und unübersichtlich war, der kann sich über "Sha Po Lang" freuen. Stilmittel wie Splitscreen gliedern sich dezent ein und ansonsten regiert Yip hier mit einer ruhigen, souveränen Hand, die ich im immer wilder geschnittenen, hektisch gefilmten Genre inzwischen vermisse.



Die Geschichte, die er hier erzählt, ist leider auch nicht neu und das ist einer von zwei Kritikpunkten, die ich anzubringen habe. Wo Interner Link"Dragon Squad" noch mit seinem visuellen Overkill nahezu alle Storyschwächen wegfegte, fallen sie bei "Sha Po Lang" etwas deutlicher ins Gewicht. Die Erzählung eines obsessiven Cops, der persönlich motiviert einen übermächtigen Unterweltboss zur Strecke bringen will und dafür auch über Leichen geht oder Beweise fälscht, ist inzwischen schon etwas abgegriffen. Aber der Cop wird in diesem Fall nun mal von Simon Yam gespielt und der Verbrecher von Sammo Hung, dem die Bad Guy-Rolle richtig gut steht und der sich sichtlich genüsslich abseits seines Images bewegt. Das wertet die Angelegenheit bereits deutlich auf.
Tragik, Loyalität, Freundschaft, Ehre, Verlust, Liebe, Schicksal, die Konsequenz des Handelns - "Sha Po Lang" fahrt sie alle auf, die elementaren Bestandteile seines Genres und verfügt darüber hinaus auch noch über Schauspieler, die ihren Figuren damit konfrontieren können, ohne zu viel Pathos aufzubringen und die eigentliche Handlung aus den Augen zu verlieren. Wilson Yip hält sie jedoch auch straff an der Leine, erzählt seinen Film in wenig mehr als 88 Minuten netto und schafft dabei die Gradwanderung zwischen Charakterdevelopment, Story und Action.



Chan (Yam), dem ein tödlicher Gehirntumor diagnostiziert wurde, weiß, dass seine Zeit abläuft, arbeitet aber, seitdem Po (Hung) seinerzeit einen ihn belastenden Zeugen auf dem Weg zum Gericht töten ließ, den Chan beschützte, wie ein Besessener daran Po mit engen, ihm vertrauenden Mitarbeitern unter allen Umständen hinter Gittern zu bringen. Seine Abkehr vom Gesetz erscheint ihm unbewusst als legitimes Mittel, denn was vor allem er tut, geht längst über die Grenzen des Jobs hinaus ...
Auch wenn Yam der unauffälligste der drei ist, so bleibt er die tragischste Figur in dieser Dreierkonstellation. Er grämt sich, weil er seiner Adoptivtochter nicht dabei zusehen kann, wie sie erwachsen wird und die Zeit tickt beständig gegen ihn. Der Kampf gegen die Selbstaufgabe fehlt da angesichts fehlender Illusionen schwer. Der dominante Darsteller ist eigentlich Hung, der zwar mit Drogen dealt, aber wenig mehr zu tun hat als unglaublich präsent zu sein. Mit 53 Jahren ist der Mann rein charismatisch eine unbesiegbare Naturgewalt sondergleichen, die schier nicht klein zu kriegen ist. Seinen weichen Kern hat er dennoch: seine Familie. Mit dem Kinderglück hat es jahrelang nach diversen Fehlgeburten nicht geklappt und deshalb ist der Vater jetzt umso stolzer. Diese kurzen Momente der Ruhe, die auch Hung zugestanden werden, hat es der Film zu verdanken, dass die Figuren nicht in überschäumenden Klischees versinken, sondern im Rahmen des Genres so etwas wie glaubwürdige Charaktere abgeben und, egal ob gut oder böse, menschlich sind.



Das wahre Highlight ist allerdings der überaus coole Donnie Yen, der in den ersten 60 Minuten kämpferisch nicht über drei Martial Arts-Kurzeinsätze hinauskommt, die allerdings bereits schon mal andeuten, was Yen da im Finale vom Stapel lassen wird. Sein Tiefgang geht nicht wirklich tief, denn er lebt mit einer Schuld aus seiner unbeherrschten Vergangenheit, übt einen Beruf entgegen des letzten Wunsches seines Vater aus und muss darüber hinaus als Simon Yams Nachfolger mit einer verschworenen Gruppe von Polizisten Vorlieb nehmen, die Yam auf seinem Feldzug loyal folgen, sich um dessen Tochter nach seinem Dahinscheiden kümmern wollen und ihm deswegen nur Misstrauen entgegenbringen.
Dieses Verhalten ist nicht ganz unberechtigt, denn Yam muss alsbald selbst mit ansehen, wie seine neuen Kollegen Gesetze überschreiten. Hin und her gerissen wird ihm eine Entscheidung abverlangt. Den Vorgesetzten über die unglaublichen Vorgänge informieren oder sich lieber anschließen? Seine Moral wird auf eine schwere Probe gestellt.



Natürlich entscheidet er sich richtig, dafür treffen Chans Männer allerdings eine folgenschwere, falsche Wahl, die die Charaktere auf ein überschaubares Maß reduzieren soll, als viel Drogengeld von Hung verschwindet, was der ganz unbeherrscht natürlich zurückfordert. Der Mittelteil geht deswegen so unter die Haut, weil man als Zuschauer das Unheil längst kommen sieht, die Opfer hingegen nicht. Menschen werden unversehens aus dem Leben gerissen und sterben qualvoll, aber nicht zu pathetisch, sondern mit den richtigen Worten auf den Lippen und nicht zu lange. Die Stimmung wird kontinuierlich bedrückender und der Spielraum für die Protagonisten immer enger abgesteckt. Yip meint es von Minute zu Minute ernster und bereitet schon einmal alles für den grandiosen Showdown vor.



Die Actionarmut in der ersten Stunde kreide ich ihm währenddessen ein wenig an, womit dann auch der zweite Kritikpunkt abgehakt wäre, aber was dann abgeht, ist jenseits von Gut und Böse, denn Yam, der mit seinem Leben abgeschlossen hat und endlich die Rechnung begleichen will, und Donnie, der den Dienst quittiert, legen dann so richtig los.
Yen hat gleich zwei Endfights und beide sind so ziemlich das Beste, was ich seit Ewigkeiten an Martial Arts gesehen habe. Zunächst muss sich Yen mit Jacky Wu ("Tai Chi Boxer") in einer engen Gasse duellieren. Während er eine Teleskopstange einsetzt, greift Wu zu seinem überdimensionierten Messer, worauf sich beide dann so richtig Saures geben und zwar bisweilen auch in längeren Takes und astreinen Choreografien. Dabei sind Kombinationen zu sehen, die jedes Genrefan-Herz höher schlagen lassen. Beide teilen aus und stecken ein, versuchen sich ihren Gegner zurechtzulegen oder auszukontern. Blutig und gnadenlos geht es dabei zu.
Keiner gönnt seinem Gegenüber eine Atempause, denn siegen kann nur einer. Wu hat ohnehin in seinen vorangegangenen Auftritten als eiskalter, sadistischer, schier gefühlloser Mörder schon alle Unsympathien auf sich vereint, was diesem Fight dem zusätzlichen Kick gibt. Doch das ist nicht alles...


Denn es wartet zum Schluss ja noch der "Big Brawl" zwischen Yen und Hung. Den muss man im übrigen mit eigenen Augen gesehen haben. Die beiden zerlegen in einer Art Nachtclub das gesamte Interieur. Yip dreht dazu gern den Bass bei jedem Schlag oder Triff auf bis der Subwoover bebt, lässt das Blut besonders laut squischen und erhöht die Wirkung der Fights damit enorm. Ein wahrer, knallharter, ja monumentaler Kampf der Titanen, den er da entfacht, denkwürdig in seinen Bildern. Während der brachiale, grobe Hung wie ein Fels in der Brandung, schier unverwüstlich seinen Mann steht, glänzt Yen mit unglaublich agilen Moves und geht in erstaunliche Nachkampfattacken über. Yen belässt es in diesen Momenten größtenteils beim Realismus, wird von Hung umhergewirbelt, klammert sich an ihn wie eine Klette und rollt sich in ihn verkeilt über den Boden. Wirework kommt nur dezent zum Einsatz und auch deswegen ist speziell dieser Fight eine Offenbarung der Superlative. Ok, ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus ...
Das dann folgende, unberechenbare Ende dieser Auseinandersetzung ist etwas untypisch, aber logisch und auf seine Art sehr nihilistisch, denn der Kreis schließt sich letztlich damit.



Zugunsten des Finales, das etwa die letzten 20 Minuten des Films in Anspruch nimmt, muss sich das Drehbuch im Vorfeld einiges zurechtkonstruieren, doch wenn man sich daran stößt, zieht man sich an Details hoch und das hat der Film eigentlich nicht verdient, denn er ist ansonsten eine runde Sache. Auch deswegen stört der fehlende Tiefgang nicht so sehr. Denn im Grunde bietet jeder der Drei genug Material für ein eigenes Drama. Yam, sein Tumor, seine Tochter und Yen, sein Zwiespalt, sein Gewissen oder auch Hung, der zwar böse bleiben muss, aber zum ersten Mal Vaterfreuden erfährt und von Mutter nebst Nachwuchs alles Unheil abhalten will. Es geht für dieses Trio mehr als um das simple Durchsetzen ihrer eigensinnigen Ziele und dies sind dann die Momente, die "Sha Po Lang" von Actionblockbustern made in the U.S.A. abgrenzen.
Dabei sind speziell Hungs erste Verhaftung, die Fälschung der Beweise und seine späteren Haftumstände doch noch arg unglaubwürdig. Doch wie gesagt, das soll nicht so sehr stören. Der bis letzte durchdachte Plot ist wirklich das Letzte, auf das man achten sollte. Außerdem ist auch Yip sich wie fast jeder der jüngeren Hongkong-Filme der Metropole als Spielort sehr bewusst, woraus einige optische Leckerbissen wie die nächtliche Skyline, das Lichtermeer und einige, düstere Hinterhöfe und urbane Seitengassen resultieren. Fehlende Atmosphäre kann man "Sha Po Lang" auch deswegen kaum vorwerfen.



Ascot Elite liefert uns einen wirklich guten Transfer, der vor allem durch seinen hohen Schärfegrad zu gefallen weiß. Selbst in Totalen wirkt das Bild sehr detailliert und scharf, überzeugt mit sauberen und meist knackigen Konturen und einer beachtlichen Tiefenschärfe. Dass man seitens des Verleihs nicht versucht hat, das vorhandene Bildrauschen mit dem Einsatz von Filtern zu reduzieren, macht sich also doch bezahlt. Zwar geht das Rauschen etwas zu Lasten der Schärfe, was aber nur minimal auffällt. Demzufolge werden keine stehenden Rauschmuster erzeugt, was sehr schön in Close-Ups von Gesichtern ersichtlich ist, denn dort lässt sich nahezu fehlerfrei jede einzelne Pore erkennen. Die Farbgebung ist meist natürlich und satt, hin und wieder werden aber typische Stilmittel eingesetzt, worunter der Schwarzwert zu Leiden hat und der Kontrast nicht immer optimale Werte abliefert, dafür aber keinerlei Details verschluckt. Aufgrund der Normwandlung treten hin und wieder dezente Nachzieheffekte auf, was aber kaum wirklich auffallen dürfte und selbst die Kompression arbeitet nahezu tadellos. Defekte und Verschmutzungen lassen sich nicht ausmachen.
Tonal spendiert man uns jeweils zwei Dolby Digital 5.1-Tonspuren und zwei Stereo-Varianten. Letztere sind unnütz und rauben der Disc nur nötigen Speicher. Letztendlich klingt die Track sehr frontbetonend und die Rears werden lediglich für die Actionsequenzen oder dem Score wiedergegeben, wobei sich das meiste auf der Front ausbreitet und deutlich an Dynamik missen lässt. Hier hätten wir uns in beiden Tonspuren einen kräftigeren Bass und vor allem eine bessere Räumlichkeit gewünscht. Zudem wartet die kantonesische 5.1-Spur mit einer hörbar schlechteren Höhenwiedergabe auf, wodurch die deutsche Synchronfassung an erster Stelle steht. Wer sich dennoch für den Originalton entscheidet, der kann sich über deutsche Untertitel freuen.


Das Bonusmaterial ist leider etwas mager ausgefallen. Neben einer obligatorischen Trailershow, sowie dem Trailer zum Film und zwei TV-Spots gibt es ein 10minütiges Making of, welches sich schnell als PR-Filmchen herausstellt und Null Informationsgehalt aufweist. Selbst die 22 Minuten lange Pressekonferenz ist nur halb so interessant wie erwartet und dazu noch recht schlecht gefilmt. Zumindest gibt es deutsche Untertitel. Die DVD wird als KeepCase im edlen Metallschuber ausgeliefert und wurden von der FSK völlig ungekürzt mit einer KJ freigegeben.



Mit "Sha Po Lang" erfindet Yip freilich das Genre nicht neu oder revolutioniert es, aber er zeigt, dass es durchaus noch möglichst ist, sich in Hongkong erfolgreich auf traditionellen Pfaden zu bewegen, was in letzter Zeit ja nur noch selten der Fall war. Damit gereicht es ihm zwar nicht ganz zu einem Meisterstück, doch als geneigter Zuschauer kann man hier trotzdem vorbehaltlos abfeiern.
Ein paar Schwierigkeiten des sehr linearen Plots und der in der ersten Stunde leider unübersehbare Action-Mangel trüben den Spaß ein wenig, aber Donnie Yens selbst inszenierte Fights, insbesondere der Doppel-Showdown, sind bereits allein die DVD wert. Dass das Trio darüber hinaus noch schauspielern kann und seinen Figuren Dreidimensionalität einhaucht, was in diesem Genre nun auch nicht immer selbstverständlich ist, muss da nicht weiter erwähnt werden. Zudem erstaunt Wilson Yip mit einer Regie, die viele Klischees vermeidet und den Kampf auf Leben und Tod mit wirklichen Charakteren zu versehen, die weit mehr als x-beliebige Abziehbilder sind. Kernig, düster, tragisch und optisch versiert, bleibt da nur der Sprung in die Oberliga. Die DVD überzeugt vor allem beim extrem scharfen Bild, während Ton und Extras da eher als gutes Mittelmaß zu bezeichnen sind.


Film+++++-
Bild+++++-
Ton++++--
Bonus++----


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