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CAN, USA 1999
Originaltitel:Storm of the Century
Alternativtitel:Sturm des Jahrhunderts, Der
aka. Stephen King's Storm of the Century
Länge:252:47 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Craig R. Baxley
Buch:Stephen King
Kamera:David Connell
Musik:Gary Chang
SFX:Frantic Films, Gajdecki Visual Effects, Movie Magic, Netter Digital Animation, Steve Johnson's XFX u.a.
Darsteller:Tim Daly, Colm Feore, Debrah Farentino, Casey Siemaszko, Jeffrey DeMunn, Julianne Nicholson, Dyllan Christopher, Becky Ann Baker, Spencer Breslin, Myra Carter, Nada Despotovich, Kathleen Chalfant, Jeremy Jordan, Ron Perkins, Steve Rankin, Adam Zolotin, Adam LeFevre, Denis Forest
Vertrieb:Warner
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.33:1 (Vollbild)
Tonformat:Dolby Digital 2.0
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch für Hörgeschädigte
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:14.10.2005 (Kauf)
Specials:-
Die kleine Insel Little Tall im US-Staat Maine wird von einem Jahrhundertsturm heimgesucht. Während die Bewohner gegen die entfesselten Naturgewalten ums Überleben kämpfen, taucht plötzlich ein geheimnisvoller Fremder in ihrer Mitte auf. Er nennt sich Linoge, und mit seiner Ankunft beginnt eine Serie beunruhigender Vorfälle in Little Tall. Doch erst als Linoge den Grund für seinen Besuch preisgibt, wird den Einwohnern bewusst, dass der Leibhaftige persönlich ihr Dorf in seine Gewalt genommen hat ...
Stephen King ist im Allgemeinen dafür bekannt, dass er so ziemlich die besten Grusel- und Horrorgeschichten schreibt, die es auf der Erde gibt. Seine Bücher strotzen in aller Regel nur so vor fantastischen Begebenheiten, die den Leser in den Tiefen seiner Urängste packen und mitreißen. Wenn es aber um die Drehbücher Kings geht, da spalten sich die Meinungen. Während sich der eine Teil der Cineasten von seinen Film gewordenen Ergüssen ebenfalls nur so vor Begeisterung gruseln lässt, so kritisiert der andere Teil, dass sie angeblich zu plump, zu langatmig und meist mit viel zu schwülstigen Dialogen vollgepackt sind. Da ich mich aber eher zu ersterer Gruppe zählen würde, kann ich diese Kritiken nicht nachvollziehen, selbst wenn ich es versuche. In meinen Augen hat King größtenteils auch als Drehbuchautor höchstes Talent bewiesen, vor allem was TV-Minis angeht, und hat bis jetzt eigentlich nur selten mal einen Ausrutscher (z.B. Interner Link"Golden Years") gehabt. Schon Interner Link"The Stand" war ein wunderbar packendes Grusel-Stück und mit dem "Haus der Verdammnis" hat King ebenfalls eine Glanzleistung abgelegt. "Der Sturm des Jahrhunderts" ist für mich nicht nur das beste TV-Film-Schauerstück aus der Kingschen Schmiede, sondern eigentlich der beste TV-Film, den es überhaupt gibt. Einfach deshalb, weil er wirklich an jeder Ecke brillant ist.

Das fängt schon bei der Story und dem Skript an, bei dem King sich wirklich in jeder Zeile selbst übertroffen hat. Es geht um ein kleines Inselvolk, das eines Tages von einem Orkan artigen Wintersturm heimgesucht wird. Sie alle suchen Schutz im Keller des Rathauses, bis sich der Sturm legt. Doch das wesentlich schlimmere Übel ist ein mysteriöser Mann, der sich derweil unter das Inselvolk gemischt hat: Andre Linoge. Nach einem ersten Mord wird er zwar verhaftet, doch auch aus dem Gefängnis schafft er es, einige Leute ins Verderben zu schicken, jedes Mal mit der Botschaft "Gebt mir was ich will und ich werde verschwinden"! Doch was ist es, was er will? Eines Abends wird er seine unmögliche Forderung stellen. Doch werden die Bewohner seiner Forderung nachgeben?
Stephen King hat sich hier eine Geschichte ausgedacht, wie sie besser wirklich kaum sein könnte. Hier gibt es wunderbare Charaktere, einen großartigen Spannungsaufbau, clevere Wendungen und Atmosphäre bis zum Abwinken. Und Längen sind absolut nicht auszumachen, trotz einer Laufzeit von knapp 253 Minuten. Nur kleinere Logiklücken sind, wie immer, vorhanden. Doch wenn man ehrlich ist, dann fallen einen diese Lücken überhaupt nicht auf bzw. fallen in keinster Weise ins Gewicht. Kurzum, King hat hier ein Drehbuch abgeliefert, was es bei den TV-Filmen des Genres kein zweites Mal gibt, nicht einmal von ihm selbst.

Faszinierend ist dabei vor allem die Teilung der Geschichte in drei Teile, die allesamt sowohl im Gesamtkontext als auch im Einzelnen zu überzeugen wissen. Der erste Teil, "Der Sturm kommt", befasst sich dabei mit der Storyeinführung und der Vorstellung der Charaktere. Dabei gelingt es King vor allem bei der Tiefenvergabe an die Figuren beste Arbeit abzulegen, die man im Horror-Genre so meist schmerzlich vermisst. Alle Figuren wachsen einem hier schnell ans Herz und ihr Handeln wirkt auf den Zuschauer zu jedem Zeitpunkt glaubwürdig und nachvollziehbar. Und der Bösewicht des Films, Andre Linoge, wirkt einem gleich zu Anfang, durch den Mord an einer unschuldigen alten Dame, unsympathisch und dennoch erschreckend faszinierend. Und schon in den ersten wenigen Sekunden stellt sich beim Zuschauer die Fragen, "Wer ist er?" und "Was will er?" Was er ist, wird einem dann zwar schon in diesem ersten Teil angedeutet, aber dennoch bleibt die Figur des Linoge packend und interessant. Sicher eine der kühlsten und bösartigsten Kreaturen, die King je erschaffen hat.


Im zweiten Teil, "Die zweite Nacht", wird dann vor allem die Frage nachdem was er verlangt, überdeutlich gestellt. Linoge zeigt, wieviel Macht er doch besitzt, dass mit ihm in keinster Weise zu spaßen ist und er auf jeden Fall ernst macht, wenn man ihm nicht gibt, wonach er verlangt. Dabei wird seine Botschaft "Gebt mir was ich will und ich werde verschwinden", fast schon etwas penetrant, immer und immer wieder eingeblendet. Mal nur auf einem Zettel geschrieben, mal auf einem Spiegel oder mit Blut auf einer Wohnungswand. Und der Zuschauer will dadurch, genauso wie die Inselbewohner, nur immer mehr wissen, was denn Linoge nun unbedingt haben will, dass er dafür so viele Menschen umbringt bzw. sie in den Tod schickt. Dass er kein menschliches Wesen ist, ist einem zwar schon längst klar, doch die Frage nach dem, was er will, bleibt stetig präsent. Nachdem dieser Teil, mit einem mächtigen Cliffhanger, jedenfalls vorbei ist, dürften all jene Zuschauer, die sich bis jetzt vom Sturm haben einfangen lassen, mehr als schlecht schlafen können, da die Spannung nun wirklich am Überkochen ist.


Der dritte und letzte Teil, "Die Entscheidung", bringt dann endlich Linoges wahres Gesicht zum Vorschein und die Frage, wonach er verlangt, wird endlich aufgeklärt. Doch sein Verlangen ist nicht nur abscheulich, sondern regelrecht untragbar. Nun stellt sich also eine neue Frage "Werden die Inselbewohner ihm geben, was er verlangt?". Zugegeben, die Antwort auf diese Frage ist im Grunde voraussehbar, denn die Strafe dafür, wenn sich die Bewohner dagegen entscheiden, ist schlimmer als man sich wohl je vorstellen könnte. Dennoch kann sich auch hier die Spannung bis zum fulminanten Schluss durchsetzen und die Diskussionsrunde der Inselbewohner bleibt zu jedem Zeitpunkt spannend und interessant, vor allem auch auf den Wegen der Argumentation, die wirklich bei jeder Figur glaubwürdig wirkt, auch wenn die Entscheidung, wie bereits erwähnt, schon voraus zu sehen ist. Und der Showdown überzeugt dann noch einmal mit einem Szenario der besten und eindringlichsten Sorte, die kaum einen Zuschauer kalt lassen dürfte. Absolut wunderbar.


Und auch beim Ausgang der Geschichte hat King nicht mit Kreativität gespart. Denn nachdem Linoge mit seiner "Beute" abgereist ist, entlässt King seine Zuschauer noch einmal mit einigen Eindrücken der Inselbewohner, was sie in der Zeit nach dieser schrecklichen Nacht erlebt haben. Er gibt einigen seiner Figuren mittels eines knapp 10minütigen Epilogs noch einmal eine kleine Geschichte mit auf den Weg, bevor, der Abspann beginnt abzulaufen und der Zuschauer noch einmal mit einer Fülle an Eindrücken zurück gelassen wird, u.a. mit der Erkenntnis, dass diese "drei Filme" wirklich viel zu schnell vorbei waren, obwohl sie eigentlich im Gesamtkontext genau die richtige Länge haben. Am Liebsten also gleich noch mal auf Anfang!


Aber nicht nur Stephen King führt seinen Teil zum Gelingen dieses grandiosen TV-Meisterwerks bei, auch Regisseur Craig R. Baxley, der später auch "Rose Red" in ein mustergültiges Licht tauchte, hat viel damit zu tun. Denn vor allem ihm ist es zu verdanken, dass "Sturm des Jahrhunderts" nicht nur mit einer grandiosen Geschichte und Spannung bis zum Schluss überzeugt, sondern vor allem mit einer Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Ich würde glatt behaupten wollen, dass es, auch unter Kinofilmen, keine zehn weiteren Streifen zu finden gibt, die so eine brillante Atmosphäre zu bieten haben. Grund dafür ist natürlich vor allem der Wintersturm, der wirklich in einer derartigen Brillanz auf Zelluloid gebannt wurde, dass es einem beim Zuschauen im Wohnzimmer stets und ständig eiskalt vorkommt, selbst wenn man die Heizung auf volle Pulle laufen lässt. Die optischen Effekte sind schier eine Wucht, vor allem wenn die eiskalten, tiefblauen Farbfilter zum Einsatz kommen oder die Dunkelheit den Bildschirm übermannt. Bestes Beispiel ist hierfür die Szene, in der der Strom im Gefängnis ausfällt und in der Dunkelheit plötzlich "nur" zwei dunkelrote Augen seitens Linoge zu sehen sind. Wer hier nicht einen Schock bekommt, dürfte wohl schon tot sein.


Weiterer Zulieferer für die brillante, nahezu unerreichbare Atmosphäre, ist zudem die Sounduntermahlung, die ebenfalls einmalig ist in ihrer Wirkung. Wenn Linoges Flüstern durch alle Ecken und Enden schwebt, dann ist Gruseln angesagt, wenn ein Leuchtturm unter gewaltigem Getöse zusammenbricht, dann ebenfalls. Und wenn der phänomenale, eigentlich dezente Score immer an den richtigen Stellen auf volle Pulle gedreht wird, dann dürfte der eine oder andere Zuschauer entweder starr vor Angst in seinem Sessel sitzen oder sich schon längst hinter dem Sofa verkrochen haben. Auch wenn die Musik von Gary Chang eigentlich nur minimalistisch ist, so besitzt sie eine Wirkung, die in ihrer Breite mindestens genauso viel Potenzial in Sachen Atmosphäre besitzt, wie John Carpenters Score zu Interner Link"Halloween". Es ist regelrecht ein Jammer, dass es diesen wunderbaren Score nirgends auf CD zu kaufen gibt.


Aber was wäre ein meisterlicher Film ohne seine Darsteller? "Der Sturm des Jahrhunderts" jedenfalls bietet ein Ensemble, welches man durchgehend nur in den höchsten Tönen loben kann. Da man sie allerdings nicht alle aufzählen kann, obwohl es wirklich ein jeder verdient hätte, möchte ich deshalb bloß einen von ihnen herausgreifen: Colm Feore, der den Teufel in Person, Andre Linoge, ein Gesicht gibt, das einfach nur unglaublich gut dargestellt ist. Seine Performance des eiskalten, durch und durch bösartigen und dabei dennoch immer dezent und ruhig bleibenden Linoges ist nicht nur Gold wert, sie ist schlichtweg das Beste, was die TV-Welt je erlebt haben dürfte. Egal ob man sich seine Mimik und Gestik betrachtet, seine Art und Weise dem Bösen das Leben einzuhauchen oder seinen Umgang mit den anderen Darstellern. Er ist einfach nur zu jedem Zeitpunkt erschreckend gut und bringt seine Figur so gruselig und schaurig herüber (im positiven Sinne), dass es nur so eine Freude ist. Hier hat die Casting-Agentur wirklich aller beste Arbeit abgeliefert und einen Darsteller präsentiert, der es eigentlich verdient hätte, zu den ganz Großen in Hollywood zu gehören! Absolute Spitze, kann man da nur sagen!


Dass dem Film ein bläulicher Filter auferlegt wurde, der dem eisigen Treiben die kühle Optik verleiht, ist wohl mehr als plausibel. Auch die Düsternis, die sich durch den Film zieht, spielt zusammen mit der Thematik, nur ist der Kontrast in dunklen Szenen mitunter etwas schwach. Nicht nur hier kann "Sturm des Jahrhunderts" nur schwierig mit einer Kinoproduktion mithalten. Auch die Schärfe erreicht oftmals nur befriedigende Werte, weil sie deutlich hinter den Erwartungen einer Major-Label-Auswertung liegt. Grad in Bewegungen verliert der ohnehin etwas weiche, fürs TV nicht untypische Transfer noch mehr an Plastizität. Die Kompression lässt nur manchmal Blockrauschen erkennen, was z.B. auf einer feinen Bretterfassade für Unruhe sorgt. Somit etwas hinter den Möglichkeiten.

Was wäre wohl alles möglich gewesen, wenn man sich an einen 5.1-Mix gewagt hätte. Wie man oft merkt, gibt es doch genügend Möglichkeiten, um die hinteren Lautsprecher aktiv in den Ton einzubinden, was beim Center bezogenen Stereoton natürlich nicht passiert. Der ist zwar gut verständlich und kann beispielsweise die Wettergeräusche ganz gut umsetzen, macht aber besonders bei den Dialogen einen flachen Eindruck. Hier fehlen sehr deutlich die Höheneinlagen und der Bass ist natürlich auch etwas zurückgefahren. Könnte also etwas heller und spritziger sein. Wer Lust auf den ähnlich klingenden englischen O-Ton hat, der kann zusätzlich deutsche Untertitel für Hörgeschädigte zuschalten.

Das Äußerliche hat Warner leider ebenso vernachlässigt wie das Zusammensammeln von Extras, denn das Covermotiv ist etwas einfallslos und die DVDs enthalten lediglich eine Texttafel mit Copyright-Hinweisen.


Das wohl beste und atmosphärisch dichteste TV-Schauerstück aller Zeiten, das wirklich in jeder Hinsicht gelungen ist. Angefangen bei seiner packenden Story, die in einem optimal geschrieben Skript perfekt verpackt wurde, um dann in einer Inszenierung umgesetzt zu werden, die im TV seines Gleichen sucht. Spannung und Atmosphäre werden hier in einer derartigen Breite abgeliefert, dass sie den Zuschauer wirklich zu jeder Filmsekunde packt und ihn nicht wieder loslässt, selbst wenn der Streifen schon längst zu Ende ist. Eine brillante Optik und ein phänomenaler Score, sowie eine höchst überzeugende Darsteller-Crew, geben diesem gruseligen TV-Leckerbissen dann den Rest. Wer sich also mal wieder perfekt gruseln lassen will und dabei dennoch nicht auf eine wunderbare Story, Marke Stephen King, verzichten will, der dürfte mit "Der Sturm des Jahrhunderts" einen Film vorfinden, der ihn auch noch beim 100. Mal einen gehörigen Schrecken in die Glieder fahren lässt. King und TV-Ware "at it's best". Es gibt in diesem Bereich wirklich kaum etwas Besseres und zum Kurs von etwa 5 € ist man nahezu hypnotisch verleitet, reinzuschauen.


Film++++++
Bild+++---
Ton+++---
Bonus------


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