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USA 2005
Originaltitel:Shadowboxer
Länge:89:32 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Lee Daniels
Buch:William Lipz
Kamera:M. David Mullen
Musik:Mario Grigorov
SFX:Kevin Fanning
Darsteller:Cuba Gooding Jr., Darnell Williams, Helen Mirren, Joseph Gordon-Levitt, Macy Gray, Marilyn Yoblick, Marvina Vinique, Matt Higgins, Ryan Sands, Stephen Dorff, Tom Pasch, Vanessa Ferlito
Vertrieb:Sony Pictures
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:18.09.2007 (Verleih) / 18.10.2007 (Kauf)
Specials:
  • Making of (12:23 MIn.)
  • Trailer (1:59 Min.)
Rose ahnt nicht, dass dieser Auftrag ihr letzter sein wird. Sie und ihr Stiefsohn Mikey arbeiten als Auftragskiller. Moralische Zweifel hatte Rose noch nie, ihre Aufträge führt sie mit präziser Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit aus, und so hatte sie auch Mikey erzogen. Aber als Rose jetzt ihre hilflose "Zielscheibe" Vickie vor sich sieht, lässt ihre professionelle Kaltblütigkeit sie im Stich. Vickie ist hochschwanger, und ausgerechnet jetzt setzen die Wehen ein! Dieses kurze Zögern, in dem Augenblick, in dem Rose ihre Waffe auf die wehrlose Vickie richtet, wird ihr gesamtes Leben verändern ...
"Feeling Protected Is Very Seductive" - Werbezeile

Nicht nur aufgrund der Starbesetzung dürfte "Shadowboxer" für Thriller-Fans genau der richtige Titel sein, sondern vor allem wegen dem überraschend vielschichtigen Drehbuch aus den Federn von William Lipz und der angenehm untypischen Erzählung und Regiearbeit von Lee Daniels, dessen melancholisch angehauchte Geschichte bei weitem keine leichte Kost darstellt und für viele Zuschauer von daher nur schwer zugänglich sein dürfte.
Als kalter und emotionsloser Auftragskiller überzeugt Cuba Gooding jr. genauso wie Helen Mirren ("Queen", Interner Link"Heißer Verdacht"), welche als krebskranke Mentorin abermals eine beachtlich Leistung abliefert. Umso verwunderlicher ist es, dass "Shaodowboxer" in Deutschland nur als Direct-to-DVD-Veröffentlichung herauskommt und seine Kinopremiere lediglich auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest feiern durfte. Dabei ist das Gezeigte doch einfach viel zu gut, um in den staubigen Regalen großer Elektromärkte zu verschimmeln. "Shadowboxer " ist ein ungewöhnlicher, gar wilder Genre-Mix. Unkonventionell in der Erzählstruktur arbeitet Regisseur Lee Daniels sechs Jahre in knapp 90 Minuten ab, ohne sein Publikum zu verwirren oder sein Werk unausgegoren wirken zu lassen. Vielmehr kompensiert er die Geschichte auf die wichtigsten Punkte und büßt dabei keinerlei Qualität ein.



Im Mittelpunkt steht Mikey, wie immer mit sehr viel Hingabe gespielt von Cuba Gooding jr. (Interner Link"Judgment Night"), ein Eiskalter Killer, dessen Verhältnis zu Rose (Helen Mirren) im gesamte Film nie wirklich ersichtlich wird. Auf der einen Seite hat die krebskranke Killerin ein sexuelles Verhältnis mit ihm und auf der anderen Seite gilt sie als Mentor und Mutterfigur, wodurch das Publikum nur schwerlich einen Bezug zu den beiden finden kann - zumal sie für den Tod unzähliger Menschen verantwortlich sind. Dennoch erzählt Daniels den Film aus ihrer Sicht: Sie sind die Helden, welche die hochschwangere Vickie (Vanesa Ferlito) vor dem Tod retten. Doch vielmehr ist es so, dass ihr Freund und Gangsterboss Clayton (Überraschend gut - Stephen Dorf) das Duo auf seine Frau angesetzt hat. Doch Rose bekommt Gewissensbisse und hilft Vickie deren Kind auf die Welt zu bringen, anstatt sie umzubringen. Von Clayton totgeglaubt, verstecken sich alle Vier und führen ein fast normales Leben, bei dem Mikey immer wieder Aufträge annimmt, um den Wünschen Roses gerecht zu werden und die Familie über Wasser zu halten. Denn insgeheim wünscht sich Rose nichts sehnlicher, als dass Mikey endlich eine eigene Familie hat und er seinen blutigen Beruf endlich an den Nagel hängt.
Nach dem Tod von Rose ziehen die Drei zusammen in ein Haus, Vickie studiert und Mikey kümmert sich um den Jungen, der ihn längst als Vater ansieht. Doch die Ruhe wird jäh gestört, als Clayton erfährt, dass seine Freundin und sein Sohn noch leben und so muss Mikey erneut zur Waffe greifen.



"Shadowboxer" ist keine leichte Kost, hält sich weder an einen konventionellen Erzählstil, noch geht er Kompromisse zu Gunsten der Publikumsverträglichkeit ein. Vielmehr ist er genau das, was eine unabhängige Produktion ausmacht und wandelt irgendwo zwischen Geniestreich und Standardkost. Dabei wird er von den Darstellern getragen. Jeder Einzelne erledigt seinen Job mehr als nur routiniert und einmal nicht unter dem Druck eines großen Studios stehend. So merkt man ihnen an, dass sie mehr und mehr in ihren Rollen aufgehen und Dinge tun, die sie sich vorher sicherlich nicht getraut hätten. So darf Stephen Dorff (Interner Link"Blade") mal wieder einen richtigen Fiesling spielen, ohne Übertreibung das Arschloch heraushängen lassen und bekommt solche grandiose Szene, in der er eine Prostituierte von hinten nimmt und dabei von anderen gestört wird. Kurzerhand schnappt er sich seine Knarre, sein Kondom noch auf dem Bürzel tragend, geht zu ihnen hin und knallt sie wutentbrannt ab. Beim Ficken will er nunmal nicht gestört werden, was er seiner rechten Hand auch unschwer zu zeigen gibt, als er ihn danach direkt in das Bein schießt. Hört sich lustig an, doch "Shadowboxer" ist alles andere als lustig. Ruhig und düster inszeniert, spürt man in jeder Sekunde die innere Zerissenheit Mikeys, der seit Kindheit an nichts anderes als Tod und Gewalt kennen gelernt hat und plötzlich vor der Situation steht, ein Kind zu lieben und zu beschützen. Doch wie kann jemand lieben, der selbst nie geliebt wurde ...?



Hinzu kommt, dass "Shadowboxer" trotz seiner maßgeblich ruhigen Inszenierung immer wieder zu Schockieren weiß und dennoch stets kunstvoll bleibt. So ist die poetischste Szene, als Mikey mit Rose im Wald schläft. Verfremdet mit Filtern verschmelzen beide zu einer Einheit. Diese einzige Sequenz baut teilweise mehr Emotionen auf als alle Szenen der beiden Top-Darsteller im ganzen Film zusammen. Und als Mikey seine Rose auf ihren Wunsch während des Aktes die Pistole an die Schläfe hält, so zerstört Daniels den perfekten Moment des Glücks mit nur einem einzigen Schuss und lässt den Zuschauer verstört auf den Nackten und verschmutzen Körper Mikeys starren, wenn dieser seine Rose in der Erde verschart.
Doch die "Härte" findet sich auch auf andere Weise im Film wieder. So z.B. als Clayton einem Kerl, der "wahrscheinlich" dessen Frau gevögelt hat, auf einem Billardtisch fesselt und ihm einen zerbrochenen Queue in den Anus rammt. Eine Sequenz, welche zwar im entscheidenden Moment abgeblendet wird, doch es reicht allein schon die Vorstellungskraft und der blutbeschmierte Queue aus, um nervös auf seinem Sessel hin und her zu rutschen.



"Shadowboxer" ist ein Independent-Film, wie man ihn schon lange nicht mehr gesehen hat. Ein kleiner Geheimtipp für all diejenigen unter euch, die bekannte Storyelemente einfach mal etwas anders erleben wollen und dabei komplett auf Hollywood typische Klischees und Prüditäten verzichten können und wollen. Ein Film über sinnloses und notwendiges Töten, über Familie und den Weg, den ein jeder selbst wählen muss, wenn es darum geht, diese zu beschützen. Sicherlich nicht ganz so tiefgründig oder gar grandios wie CronenbergsInterner Link"History of Violence", aber diesem ihm ähnlich, zeigt auch "Shadowboxer" auf ein stets melancholische Art und Weise, dass Gewalt nur Gegengewalt erzeugt und auf jede Aktion die passenden Reaktion folgt. Somit überkommt einen auch eine Gänsehaut, wenn Mikey am Ende zu Vickie und dem Jungen sagt, dass sie aufpassen müssen, da die bösen Menschen immer wieder kommen und die Kamera auf den Jungen zeigt, der einfach nur eiskalt antwortet: "Dann töten wir sie eben auch.". Mit diesen Worten verlässt uns der Film und der Kreis schließt sich ...



"Eddie, what'd I tell you about talking when I'm fucking, huh?" - Clayton

In der letzten Zeit haben wir uns immer über die recht unscharfen Bilder, sowie die teilweise mangelhafte Kompression bei Sony Picture-DVDs geärgert. Umso erfreuter waren wir, als dieses Manko bei den letzten Titeln nicht mehr auftrat. Auch der Widescreen-Transfer von "Shadowoxer" weiß zu gefallen und überzeugt mit satten und kräftigen Farben, welche sehr warm gewählt wurden. Der Kontrast wurde absichtlich erhöht und lässt somit helle Bildteile recht steil wirken. Dafür werden in dunklen Bildteilen keine nötigen Details verschluckt, wobei man dazu sagen sollte, dass der Schwarzwert stilbedingt mehr ins Grünliche tendiert. Die Kantenschärfe überzeugt mit sauberen Konturen, der Schärfegrad ist überraschend hoch ausgefallen und überzeugt vor allem in Close-Ups von Gesichter mit einer sehr Detail verliebten Wiedergabe, während dem Bild in Totalen etwas an Tiefe fehlt, wir aber insgesamt von einer guten Schärfe sprechen können. Lediglich auf Großbildschirmen muss diese etwas einbüßen. Dezentes Bildrauschen trübt den Sehgenuss in keiner Sekunde und bis auf leichtes Blockrauschen auf homogenen Flächen arbeitet selbst die Kompression tadellos. Defekte und Verschmutzungen sind dem Transfer fremd und selbst in Bewegungen bleibt der Transfer sehr ausgewogen.
Der deutsche Dolby Digital 5.1-Mix bietet eine saubere Sprachwiedergabe, der Score wird sehr natürlich auf alle Kanäle gelegt und erzeugt eine solide Räumlichkeit. Für etwas mehr Raumgefühl sorgen dezent eingesetzte Umgebungsgeräusche, wobei sich ein Großteil der Abmischung im Frontbereich abspielt und Genre bedingt kaum mit direktionalen Effekten und Surroundspielereien aufwarten darf. Zudem fehlt es dem Mix etwas an Dynamik und Kraft, was sich beim englischen Mix ähnlich verhält. Für einen eher dialoglastig Film wie "Shadowboxer" ist die Abmischung aber durchaus gut ausgefallen. Optional lassen sich deutsche und englische Untertitel hinzuschalten.
Die Extras beschränken sich auf den Original-Kinotrailer und ein 12minütiges Making of. Letzteres wurde deutsch untertitelt, gewährt uns einen schönen Einblick hinter die Kulissen und lässt Cast & Crew zu Wort kommen. Dem Featurette fehlt es zwar etwas an Tiefe, aber mit einer gewissen Länge wäre es sicherlich noch interessanter geworden.



"Shadowboxer" ist ein kleiner Geheimtipp mit Starbesetzung. Sauber und raffiniert inszeniert hebt er sich aus der Schwemme der üblichen Thriller hervor und bietet uns deutlich mehr als typische Film Noir-Ware. Allein schon der Soundtrack von Mario Grigorov spricht eine ganz eigene Sprache und unterstützt Daniels innovativen, gar eigenwilligen Erzählstil in jeder Minute. Die DVD wartet zudem mit einem guten Bild, einer soliden Tonabmischung und einer leider mageren Ausstattung auf. Einen Blindkauf sollte man vielleicht nicht unbedingt riskieren, aber meine uneingeschränkte Empfehlung hat "Shadowboxer" auf jeden Fall.


Film+++++-
Bild+++++-
Ton++++--
Bonus+-----


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NewsAlle Infos zum 21. Fantasy Filmfest
"Shadowboxer" mit Oscar®-Preisträgerin Helen Mirren und Cuba Gooding, Jr.
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