Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
FR, D, IT 1975
Originaltitel:Important c'est d'aimer, L'
Alternativtitel:Importante è amare, L'
aka. Main Thing Is to Love, The
aka. Most Important Thing: Love, The
Länge:108:18 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Andrzej Zulawski
Buch:Christopher Frank, Andrzej Zulawski
Kamera:Ricardo Aronovich
Musik:Georges Delerue
Darsteller:Romy Schneider, Fabio Testi, Klaus Kinski, Jacques Dutronc, Claude Dauphin, Roger Blin, Gabrielle Doulcet, Michel Robin, Guy Mairesse, Katia Tchenko, Nicoletta Machiavelli, Claude Legros, Jacques Boudet, Gérard Zimmermann
Vertrieb:NEW Entertainment
Norm:PAL
Regionalcode:0
Bildformat:1,78:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Mono)
Sprache:Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:kleine Hartbox (oder limitierte große Hartbox)
DVD-Start:15.08.2007 (Kauf)
Specials:
  • Bildergalerie (28 Bilder)
  • Über "Nachtblende" (10:08 Min.)
  • Trailer (dt., 2:44 Min.)
  • Trailer (frz., 2:58 Min.)
  • Soundtrack (5 Musikstücke)
  • PC-Part
  • Trailershow:
    • Trio Infernal (2:55 Min.)
    • Die Bestie mit dem feurigen Atem (4:08 Min.)
    • Caroline Cherie (3:48 Min.)
Fotograf Servais Mont (Fabio Testi) lernt bei Dreharbeiten die schöne aber erfolglose Nadine Chevalier (Romy Schneider) kennen. Servais ist von der Anmut der Nachwuchsschauspielerin überwältigt. Er versucht der gebrochenen Frau näher zu kommen. Doch Nadine ist verheiratet. Ihr Ehemann ist der labile Schauspieler Jacques (Jacques Dutronc). Um sie dennoch für sich einzunehmen, produziert Servais mit dem deutschen Darsteller Karl Zimmer (Klaus Kinski) ein Theaterstück mit Nadine als Hauptdarstellerin. Das Stück finanziert er mit Pornoaufnahmen. Doch die Premiere ist ein Fiasko und so nimmt die Tragödie ihren Lauf ...
Nadine Chevalier (Romy Schneider) sitzt auf ihrem Filmpartner. Es ist eine miese, sensationalistische Pornoproduktion, für die sie hier ihren Körper hergibt. Um sie herum das geschäftige Chaos der schmuddeligen Filmcrew, allen voran, die vulgäre Regisseurin, die sie dazu antreibt, endlich den von ihr geforderten Dialog zu sprechen. Doch Nadine Chevalier kriegt den Satz nicht über die Lippen - obwohl sie beteuert, eine echte Schauspielerin zu sein. Nadine scheitert an dem Satz "Ich liebe dich", da sie zu viel privaten Schmerz und innere Zerrissenheit mit diesem Satz verknüpft. In dem Augenblick absoluter Verzweiflung, macht der Fotograph Servais (Fabio Testi) heimlich Paparazzi-Aufnahmen von der scheiternden Darstellerin. Der Anbeginn von Andrzej Zulawskis "Nachtblende", der Anbeginn einer komplizierten Liebe.


Zulawski, schon immer ein Provokateur, der sein Handwerk als Assistent bei Andrzej Wajda erlernte, schuf mit "Nachtblende" einen schwierigen, komplexen Film, der wie ein halluzinatorisches Drama wirkt. Die Geschichte, die er nebenher erzählt ist wackelig und unausgewogen. Zulawski geht es bei seinem Film darum, seine Figuren an die Grenzen ihrer Existenz zu führen. Er sieht sich gerne die Figuren Schneiders, Testis und Jacques Dutroncs an, wie sie kurz vor dem Zusammenbruch stehen, wie sie mit ihrem seelischen Überleben kämpfen. Dass er dabei eine nicht hundertprozentig runde Erzählweise an den Tag legt, ist dabei vermutlich notwendig, wie auch kalkulierte Absicht.


Nach der oben beschriebenen Szene kommen sich Nadine und Servais näher. Servais verliebt sich schnell in die Mittdreißigerin, erkennt aber auch gleichzeitig, wie unzufrieden sie mit ihrem Leben ist: Eigentlich möchte sie endlich als anspruchsvolle Schauspielerin anerkannt werden, bekommt jedoch nur Angebote aus der Sexfilmbranche. Auch scheint ihre Ehe mit Jacques (Dutronc) nicht glücklich. Einst rettete er sie vor der Prostitution, doch wirkliche Liebe scheint zwischen dem verschrobenen Clown und der schwermütigen Künstlerin längst verflogen. Nadine lässt Servais so weit an sich heran, dass er zumindest diese Dinge über sie erfährt, begegnet ihm daraufhin dann allerdings kalt.

Um die Schauspielerin für sich zu gewinnen, nimmt Servais wieder Aufträge von dem Mafiosi Mazelli (Claude Dauphin) an, der ihn für fragwürdige Porno-Fotoshootings überdurchschnittlich bezahlt. Mit dem Geld finanziert Servais klammheimlich eine gewagte Theaterproduktion des homosexuellen Inszenators Messala, unter der Voraussetzung, Nadine würde einen wichtigen Part bekommen. "Richard III." wird gespielt, und Nadine soll als Lady Anne neben dem exzentrischen, maßlosen Karl-Heinz Zimmer (Klaus Kinski) spielen. Doch das Stück gerät zu einem desaströsen Flop, und die Spannungen im Leben zwischen Nadine und den beiden Männern werden immer komplizierter und gewagter.


"Nachtblende" ist ein Schauspielerfilm. Ohne die psychisch und physisch intensiven Leistungen von Romy Schneider, Fabio Testi und Klaus Kinski, die sich hier an den Rand des Wahnsinns spielen, wäre der Film nur halb so viel Wert. Der Rest macht die barocke Stimmung aus. Die Welt, in der die schicksalhaften Figuren wandeln, ist düster und ohne Glück. Testi spielt den Fotographen, der zwar viele lukrative Angebote bekommt, aber seinen künstlerischen Anspruch unterordnet, und nur die Bilder schießt, die von ihm verlangt werden - zumeist nackte Körper. Ein Loser. Ganz ähnlich die Schneider: Ihr Talent wird verschwendet. Während sie von einer Karriere auf den großen Theaterbühnen und vor den Kameralinsen der einflussreichen Regisseure träumt, kann sie gerade mal auf ein Engagement in einem billigen Exploitation-Streifen namens "Nympho-Kuda" zurückblicken. Kinskis Figur ist ein exzessiver Schauspieler, der sich selbst als unterschätzt und unverstanden ansieht. Ein Narzisst ohne Natürlichkeit, ohne die Liebe, die Testi und Schneider bewegt.


Zulawskis Position in dem chaotischen Reigen aus Liebe, Moral und Abhängigkeit ist meist die eines Beobachters. In wenigen Szenen, beispielsweise in der Sequenz, in der sich Testi und Dauphin als dessen Gangster-Mentor eine Aussprache unter freiem Himmel liefern, scheint Zulawski sich die Optik wirklich an die Figuren heranzutrauen. Viel lieber versteckt er sich voyeuristisch, wie die Auftraggeber des Fotographen, hinter der authentischen Kamera und lässt seine Darsteller theaterhaft agieren. Die selten eingesetzte, dafür um so lauter in den Vordergrund gemischte, schwere Filmmusik Delerues scheint manchmal das einzige, filmtechnische Spiegelbild für die zögerliche Liebe zwischen Schneider und Testi zu sein.


"L'Important c'est d'aimer", so der Originaltitel, der übersetzt "Was zählt, ist Liebe" bedeutet, ist eine pessimistische Reflektion Zulawskis auf das Leben mehrere Künstler - seien sie Schauspieler oder Fotographen (oder Regisseure), die ihr Leben und ihre Leidenschaft für die Kunst irgendwo zwischen dieser und dem Kommerz arrangieren müssen, und die darüber hinaus ihren Halt bei ihrer anderen, menschlichen Liebe finden müssen. Zulawski ist dabei nie freundlich oder heiter, sondern immer kritisch und fast schon dekadent. "Nachtblende" ist ein Skandalfilm. Brutal, nackt, obsessiv und intensiv. Ein Filmgenuss der komplizierteren Art.


Wieder einmal ist es New Entertainment gelungen, einen Klassiker in guter Qualität und vor allem ungekürzt auf die Sammler loszulassen. Verpackt in einer kleinen Buchbox (zur Auswahl stehen 2 Motive) oder als limitierte große Hartbox weiß auch die Verpackung zu gefallen.
Dass es bei dem Produktionsjahr im Bereich Tonspuren nur Mono gab, dürfte als selbstverständlich angesehen werden und so schuf man auch keinen unnötigen Upmix sondern präsentiert alle drei vorhandenen Tonspuren in einer sehr gut verständlichen Monoabmischung. Ein wenig Rauschen und gelegentliches Knacksen ist wahrnehmbar, doch niemals störend. Am besten kann die französische Fassung in der Qualität überzeugen, da sie sich dynamisch und kraftvoll gibt. Optional können deutsche Untertitel zugeschaltet werden.

Die Bildqualität kann altersbedingt ebenfalls überzeugen. Wenn man mit dem französischen Trailer vergleicht, der im Bonusmaterial vorhanden ist, sieht man, dass das Bild etwas dunkel geraten ist. Ansonsten wird eine gute Farbwiedergabe geboten. Die Schärfe geht in Ordnung, hätte aber etwas kräftiger sein können, da das Bild stellenweise etwas weich wirkt. Kleinere Verschmutzungen sind auszumachen und ein leichtes Bildrauschen ist vorhanden. Einzig etwas störend wirkt sich die Kompression aus, da sie immer wieder durch Blockbewegungen auffällt. Dennoch kann man mit dem Bild mehr als zufrieden sein.


Auch die Auswahl an Extras kann überzeugen und präsentiert den Originaltrailer sowie den deutsche Kinotrailer. In einer Bildergalerie werden Aushangsfotos und Poster des Films gezeigt. Diese gibt es auch wieder separat auf dem beliebten PC-Part zum Ausdrucken. Als Besonderheit wurden noch der Soundtrack und ein Rolltext von Michael Püttmann auf die DVD gepresst. Letzterer ist sehr informativ und lohnt das Lesen bei musikalischer Untermalung.

Man darf neidlos anerkennen, dass im Hause New Entertainment echte Filmfans sitzen, die neben einer immer erlesenen und gesuchten Auswahl an Filmen eine bestmögliche Qualität bieten wollen. Auch "Nachtblende" ist wieder eine sehr gelungene Veröffentlichung, die in keiner Sammlung fehlen sollte.


Film+++++-
Bild++++--
Ton++----
Bonus++----


Druckbare Version
IMDb.com OFDb.de



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.