Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
USA 2006
Originaltitel:Running Scared
Länge:116:46 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Wayne Kramer
Buch:Wayne Kramer
Kamera:Jim Whitaker
Musik:Mark Isham
SFX:Roman Tudzaroff
Darsteller:Paul Walker, Cameron Bright, Vera Farmiga, Chazz Palminteri, Johnny Messner, Michael Cudlitz, Alex Neuberger, Ivana Milicevic, John Noble, David Warshofsky, Bruce Altman, Brian Caspe, Jeff Caster, Idalis DeLeon, Ryan James, Todd Kramer, James Lambert, Julian Littman, Elizabeth Mitchell, Arthur J. Nascarella, Clara Perez, Karel Roden, Ellen Savaria, Jim Tooey
Vertrieb:e-m-s
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, DTS 5.1 (nur dt.)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:Steelbook
DVD-Start:13.07.2006 (Verleih) / 31.08.2006 (Kauf)
Specials:
  • 16seitiges Comic zum Film
  • Audiokommentar mit dem Regisseur
  • Interview mit den Darstellern (7:28 Min.)
  • Behind the Scenes (10:33 Min.)
  • Storyboard Clip (2:47 Min.)
  • Original Trailer (2:19 Min.)
  • TV-Spots
  • Bildergalerie
  • Weitere DVDs:
    • Attentat auf Richard Nixon (2:25 Min.)
    • Cry_Wolf (2:16 Min.)
    • State of Mind (2:12 Min.)
    • Flight 93 (1:33 Min.)
    • Sky Fighters (1:45 Min.)
    • Hypnos (1:49 Min.)
    • Ein ferpektes Verbrechen (1:04 Min.)
    • New Police Story (1:59 Min.)
    • The Machinist (0:54 Min.)
Als kleiner Mafia-Handlanger ist Joey Gazelle dafür zuständig, besonders heiße Waffen nach deren Gebrauch verschwinden zu lassen. Eigentlich erledigt er seinen Job zuverlässig, aber jetzt hat Joey ein Problem: Ausgerechnet der Revolver, mit dem ein Polizist erschossen wurde, fällt in die Hände von Joeys russischem Nachbarjungen Oleg. Mit Hilfe seiner Frau und seines Sohnes setzt Joey alles daran, die Waffe wieder in seinen Besitz zu bringen. Ihm bleibt nur eine Nacht, denn sowohl seine Kollegen vom Mob als auch die Russenmafia sowie der undurchschaubare Cop Rydell sitzen ihm im Genick. Doch Oleg ist nach einer Auseinandersetzung mit seinem brutalen Vater verschwunden. Und während sich der verzweifelte Joey an seine Fersen heftet, erlebt der Junge selbst unglaubliche Abenteuer, bei denen er Bekanntschaft mit Crack-Süchtigen, Prostituierten, einem unberechen-baren Zuhälter und einem psychopathischem Kinderschänderpaar macht...
"Sinn oder Unsinn, Realismus oder Übertreibung, Exzess oder satirischer Anstrich?"

Erst im "Lemony Snicket's Rätselhafte Ereignisse" nachempfundenen Nachspann wird deutlich, was Wayne Kramer hier wirklich seinen Zuschauern erzählt hat. Nämlich keinen überdrehten Actionfilm, sondern ein klassisches finsteres Märchen, getarnt als überharter Actionfilm. Allerdings ist die Tarnung bisweilen sehr gut gelungen und man weiß als Zuschauer nie so ganz, welche Absicht denn hier nun dahinter stecken soll, weil der Film seine Rezipienten permanent überfährt. Oberflächlich ist es ein einziger Wettlauf gegen die Zeit, Zeitrahmen ist nur eine Nacht, und der Kleinkriminelle Joey Gazelle (Paul Walker, Interner Link"Timeline") sitzt in der Patsche. Er hat nämlich als Absicherung nach einem verpatzten Drogendeal eine Mordwaffe seines Mafiachefs mitgehen lassen und nicht wie verlangt, vernichtet. Als der Nachbarsjunge jedoch die Waffe entwendet, um seinen brutalen Vater zu töten und anschließend in die Nacht flieht, beginnt für Joey ein Odyssee, die quer durch die Hölle führt und seinen Sohn, seine Frau und den Nachbarsjungen Oleg mit einbezieht.



Liest man die komplette Inhaltsangabe, kann einem schon ein Schmunzeln kommen, denn was Kramer da in seinem eigenen Drehbuch aufeinander häuft, ist schon der pure Wahnwitz. Die Mafia und die Russen, korrupte Bullen, ein durchgeknallter Nachbar mit John Wayne-Komplex und im Verlaufe der Nacht entspinnt sich um die halbwegs intakte uramerikanische Familie ein Pandämonium, wie man es noch nicht gesehen hat: brutale Zuhälter mit Gottkomplex, Drogendealer, durchgeknallte Koksopfer, brutale Schläger, angriffslustige Hehler und Zwischenhändler, nicht zuletzt zwei horrible Kinderschänder und eine ganze Übermacht von organisiertem Verbrechen obendrein. Das ist praktisch lächerlich in seiner Anhäufung, aber Kramer inszeniert fast ohne auch nur einen Hauch von Ironie, sondern schickt seine Protagonisten auf einen nicht enden wollenden Höllentrip, der nur selten gemildert wird (etwa durch eine mitleidige Prostituierte oder ein paar Vater-Sohn-Intermezzi).
Es scheint keine freundlichen oder normalen Menschen in dieser Umgebung zu geben und auch die Guten stehen dem Bösen meist hilflos gegenüber und können sich nur ihrerseits durch das Böse (also Gewalt) gegen sie erwehren, sprich: sie müssen selbst böse werden.



"Its Find The Gun, Or Death ..."

Die Welt ist schlecht, selten hat das jemand so konkret visualisiert wie Kramer, der die klassischen Motive Grimmscher Märchen so umgewandelt hat, dass man sie erst im Nachhinein erkennt. Der böse Vater, der sein Kind schlägt und verstößt; der durchgeknallte Zuhälter als Teufel persönlich; der Hehler in der Autowerkstatt, der mit seinem Schweißbrenner an den Drachen gemahnt; die Kinderschänder in ihrem opulenten Hexenhaus, der böse König, der den Helden immer wieder in die Gefahr schickt und ihm gnadenlose Fristen setzt, der Held selbst, der wie ein Dieb durch die Handlung schleicht und erst spät erkennen lässt, dass er ein Prinz ist.
Am Ende führt gegenseitige Selbstaufopferung zur Rettung, gegenseitig schützen sich Kinder und Erwachsene und stehen für ihr Glück ein, der böse Vater und die treulose Mutter nehmen sich das Leben, die Bösen zerfleischen sich gegenseitig.


Unter dem Märchenaspekt gesehen, ist der fließend und antreibende Film geradezu brilliant, ergänzt das alles aber noch durch Kameraspielereien, Schwenks, PC-Tricks, Rückblenden, Verzögerungen oder Beschleunigungen des Tempos. Das ist ebenfalls interessant, lässt aber den Ton der Erzählung ständig wechseln und hält (gewollt oder nicht) den Zuschauer über die Guten und die vielleicht-nicht-ganz-so-Guten im Unklaren. Das macht zwar unruhig, hält den Zuschauer aber bei der Stange. Interessanterweise ist die beste (und erschreckenste, aber auch befriedigendste) Sequenz im ganzen Film das Intermezzo mit den Kinderschändern, ein freundliches Pärchen, das scheinbar hilfsbereit den russischen Jungen vor seinem Vater bewahrt. Doch schon der über-freundliche Ton warnt und so findet sich Oleg in einer komplett abgeriegelten Wohnung wieder, in welcher die beiden offenbar Pornofilme mit den Kindern drehen.
Als es Joeys Frau schließlich gelingt, in die Wohnung einzubrechen, ein bunter, aber auch steriler Traum mit zwei stillen Kindern in ihren Betten, wird die ohnehin bedrohliche Situation immer alptraumhafter, bis sie nacheinander erst den erstickenden Jungen und später die Video und darauf noch die Mordwerkzeuge, mit denen man Leichen zerteilen kann findet. Natürlich ist das in der Menge abstrus, denkt man aber an die belgischen Kindermorde, ist die Realität gar nicht so fern und Teresa (Vera Farmiga, Interner Link"Departed - Unter Feinden", Interner Link"Dummy") erlöst den Zuschauer mit einem märchenhaften Racheakt aus diesem Teil des Alptraums.



"Running Scared" ist sicher kein bewusst auf Metaebene angelegtes Gegen-die-Zeit-Drama, dafür betont es die Exploitation-Element viel zu sehr und setzt auf Blut und Graumsamkeiten (vor allem gegen Ende als die Gewalt im Eisstadion eskaliert), beweist aber mehr Grundlagen als das typische Ballerfilmchen, dem die Gewalt an sich zum Selbstzweck genügt. Nichts für typische Zielgruppen, aber ein Film an den man sich erinnert ...

"It's Not How Far You Go For The Truth ... It's How Fast You Get There."

"Running Scared" schlug in den USA ein wie eine Bombe, in den deutschen Kinos konnte er sich leider nicht gegen die hiesige Konkurrenz behaupten, fand dennoch schnelle seine Fangemeinde, nicht zuletzt wegen der sehr fragwürdigen FSK16-Freigabe, obgleich der Film nur so voller Gewalt strotzte. Kramers Actionthriller kassierte fast überall positive Kritiken und selbst Quentin Tarantino lobte den Film in den höchsten Tönen.
Die milde FSK-Freigabe kam dem Dortmunder Label e-m-s gerade gelegen, denn so war die Vermarktung gesichert und jeder Online-Shop durfte "Running Scared" in ihr Sortiment aufnehmen. Zur Anregung des Konsums des sich ohnehin wie geschnittenes Brot verkaufenden Filmes spendierte die e-m-s den Fans eine limitierte Steelbook-Auflage, welche unserem Review zu Grunde liegt und welche als besonderen Bonus ein 16seitiges Comic enthält, welcher die ersten Minuten des Filmes aufzeichnet. Markant und kantig gemalt, kann dieser von Pj Loughran recht blutig illustrierte Comic bisher nur in den USA gekauft werden und liegt auch hier nur in Englisch vor. Jedoch ist das natürlich noch nicht alles, was uns an Extras geboten wird. Neben der obligatorischen "Trailershow", einer Bildergalerie, sowie dem Originaltrailer und diversen TV-Spots finden wir hier noch einige Storyboard-Clips, welche ebenfalls von PJ. Loughran gezeichnet und später für die Comics verwendet wurde. Neben fünf kurzweiligen, aber dennoch recht interessanten Interviews gibt es noch ein knapp 10minütiges Behind the Scenes-Featurette, welches leider deutlich zu kurz ausgefallen ist. Das Herzstück der Extras ist aber der Audiokommentar mit Regisseur Wayne Kramer, der hier eine Menge über die Produktion zu berichten weiß. Leider spendierte man dem Kommentar keine deutschen Untertitel.


Ingesamt vielleicht ein bisschen wenig an Bonusmaterial, dafür rockt der Soundtrack gewaltig! Direkt zu Beginn werden alle Kanäle perfekt genutzt und man hat das Gefühl, mitten im Raum zu stehen und die Kugeln, welche umherfliegen, förmlich zu spüren. Neben druckvolle und tiefe Bässe, überzeugt sowohl der Dolby Digital 5.1 Track als auch der DTS Mix mit einer beeindruckenden Dynamik und selbst in den wenigen ruhige Sequenzen werden die Effektlautsprecher sehr harmonisch genutzt und bietet eigentlich immer etwas für die Ohren.
Egal ob Score, Umgebungsgeräusche oder brachiale Effekteinlagen - hier wird es nie langweilig und selbst im Dialogbereich gibt es nicht zu bemängeln. Zwar klingt der englische Dolby Digital 5.1 Mix in den Stimmen etwas natürlicher, dies darf aber diesmal als reine Geschmacksache betrachtet werden. Uns gefällt der etwas steriler wirkende deutsche Ton etwas besser. Optional lassen sich deutsche Untertitel hinzuschalten. Der deutsche DTS 5.1 Track klingt in einigen Passagen dezent voluminöser, unterscheidet sich ansonsten aber kaum von der Dolby-Spur.

Auch Bildtechnisch liefert und die e-m-s ein feines Ergebnis ab, obgleich der anamorphe Transfer durch die extremen Stilmittel eine Menge zu tun bekommt. Um für einen besonders einprägsamen und düsteren Look zu sorgen, wurde hier nicht nur mit verschiedenen Farbfiltern gearbeitet, welche mal warme und dann wieder kühle Töne zu bieten haben, sondern auch der Kontrast wurde teilweise sehr hart gewählt, was zur Folge hat, dass helle Flächen sehr stark überstrahlen. Dafür wird uns aber überwiegend ein wirklich sattes Schwarz geboten und Details gehen in dieser schnell geschnittenen Bilder- und Farbflut kaum unter. Die Schärfe macht hierbei ebenfalls einen wirklich guten Eindruck, vor allem im Detailbereich wird uns einiges geboten (wir sind schon auf die HD-DVD-Variante gespannt). Leider kann das Niveau nicht kontinuierlich gehalten werden, wobei das Bild gerade in den Totalen hin und wieder etwas weicher wird. Ein weiterer Punkt ist das recht grobkörnige Bild, sowie leichtes Bildrauschen im Hintergrund, welches immer wieder auszumachen ist. Defekte und Verschmutzungen sind dem Transfer jedoch fremd, dafür arbeiten die Kompressionen nicht immer sonderlich sauber und zeigen hin und wieder leichtes Blockrauschen.


Das Bild rauscht ganz haarscharf an der vollen Punktzahl vorbei und lediglich der Ton konnte uns bedenkenlos überzeugen. In puncto Extras hätten wir uns etwas mehr gewünscht, dafür spendiert man uns jedoch ein schickes Steelbook. Die Amaray-Version enthält kein Bonusmaterial.
"Running Scared" sollte in keiner Sammlung fehlen. Harte Action, schnelle Effektgewitter, welche erbarmungslos auf den Zuschauer einprasseln und eine interessant erzählte und vor allem inszenierte Geschichte, zeichnen Kramers Werk ebenso aus wie durchweg gut und vor allem überzeugend agierende Darstellerriege. Unser Actiontipp des Jahres: Hart, kompromisslos und einfach gut ...


Film+++++-
Bild+++++-
Ton+++++-
Bonus+++---


Druckbare Version
IMDb.com OFDb.de



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.