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IT 1968
Originaltitel:Quella sporca storia del west
Alternativtitel:Johnny Hamlet
aka. That Dirty Story of the West
Länge:91:03 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Enzo G. Castellari
Buch:Francesco Scardamaglia, Enzo G. Castellari, Tito Carpi, Bruno Corbucci (Idee), Sergio Corbucci (Idee)
Kamera:Angelo Filippini
Musik:Alessandro Alessandroni, Audrey Nohra, Francesco De Masi
SFX:Gino Vagniluca
Darsteller:Andrea Giordana, Gilbert Roland, Horst Frank, Enzo G. Castellari, Ignazio Spalla, Françoise Prévost, Stefania Careddu, Manuel Serrano, Franco Latini, Giorgio Sammartino, Gabriella Grimaldi
Vertrieb:Koch Media
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Mono)
Sprache:Deutsch, Italienisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Specials:
  • 4-seitiges Booklet
  • Doku: Strange Storys from West (33:58 Min.)
  • Deutscher Trailer (2:50 Min.)
  • Italienischer Trailer (3:00 Min.)
  • Bildergalerie (149 Bilder)
Hamlet im Wilden Westen: Django ist erschüttert, als er erfährt, dass sein Vater ermordet wurde. Das Vermögen der Familie ist während seiner Abwesenheit an seinen Onkel Claude überschrieben worden, der Djangos Mutter geheiratet hat. Das heitere, glückliche Zuhause von einst ist vorbei, statt dessen herrschen Machthunger und Gewalt. Bis Django durch einen Hinweis von John, einem Freund seines Vaters, Nachforschungen anstellt, um dem unterträglichen Zustand auf den Grund zu kommen. Sein Hass ist grenzenlos und seine Rache ohne Gnade.
Nach einer Idee von Sergio Corbucci (Interner Link"Django", "Leichen pflastern seinen Weg") adaptiert der junge Enzo G. Castellari (Interner Link"Keoma", Interner Link"Ein Haufen verwegener Hunde") William Shakespeares "Hamlet" im Stil des Italowestern. Obwohl, abgesehen von der Prämisse, nicht mehr sonderlich viele Parallelen übrig blieben und einige Zitate auch arg bemüht integriert wurden, überzeugt "Django - Die Totengräber warten schon" mit einer unwahrscheinlich versierten Inszenierung Castellaris. Der talentierte Filmemacher machte nach seinen ersten Regiearbeiten schnell Fortschritte und zeigt hier zum ersten Mal, wie formvollendet und ausgeklügelt er einen simplen Stoff mit einer unverwechselbaren Umsetzung zu einer besonderen Erfahrung verwandeln kann.



Selbstverständlich existiert auch hier im Originalton kein Django, der ohnehin völlig fehl am Platz wäre und erneut das Resultat einer fehlgeleiteten Synchronisierung darstellt. Im Original eigentlich auf Johnny Hamlet getauft, verkörpert Andrea Giordana ("Die im Staub verrecken") einen heimkehrenden Soldaten, dem aufgrund eines beunruhigenden Albtraums vorab schon eine böse Ahnung schwant.
Tatsächlich muss er zuhause feststellen, dass sein Vater ermordet wurde, sein Onkel Claudio (Horst Frank, Interner Link"Django und die Bande der Gehenkten", "Drei Vaterunser für vier Halunken") inzwischen mit seiner Mutter zusammen ist und seine Verlobte Betty (Gabriella Grimaldi), die Tochter des Sheriffs, zu einer Heirat mit einem Widerling gezwungen wurde. Diese neuen Tatbestände treffen ihn nach seiner Ankunft völlig unvorbereitet und sorgen gleich für viel eine vergiftete Stimmung, während schon am Grab zwei Schläger (Ignazio Spalla und Ennio Girolami!) den trauernden Sohn provozieren wollen.
Immerhin hat sein liebestoller Onkel noch den mexikanischen Banditen Santana, der angebliche Mörder, unter die Erde gebracht, aber daran möchte Django nicht so recht glauben. Dafür profitieren einfach zu viele Personen vom Dahinscheiden seines Vaters und auch John (Gilbert Roland, "Das Gold von Sam Cooper", "Für ein paar Leichen mehr"), ein alter Freund seines Vaters und Johns einziger Verbündeter, misstraut dem allzu glatten Frieden.



Wer zumindest über rudimentäre Kenntnisse von "Hamlet" verfügt und nebenbei Horst Franks oftmals dem Type-Casting unterworfene Rollenauswahl kennt, weiß bis dato auch schon längst, dass etwas faul im Staate Dänemark sein muss. Das Kaff heißt hier übrigens Danark und auch ansonsten finden sich in den Namen der Beteiligten jeweils Hinweise auf ihre Pendants in Shakespeares Original wieder.
Trotzdem verfügt "Django - Die Totengräber warten schon" über einen sehr effektiven Spannungsbogen, der der Natur des Italowestern zugrunde liegt, wo das impulsive Handeln den vernünftigen Alternativen vorgezogen wird. Deswegen setzt Django ohne lange zu zaudern auch alles daran dem wahren Mörder seines Vaters auf die Schliche zu kommen. Bestätigung erhält er schnell durch zwielichtige Figuren, die ihn entweder zusammenschlagen oder gleich umbringen wollen. Würde John nicht jedes Mal ein wachsames Auge auf ihn einwerfen und eingreifen, hätten die sogar Erfolg.


Castellaris geniale Inszenierung erweist sich dabei durchgehend als ein visuelles Erlebnis voller ungewöhnlicher, eigentlich genrefremder Stilrichtungen. Versehen mit einem dezent surrealen Touch, einer kräftigen Farbgebung und für das Genre untypisch optischer Versiertheit, glänzt dieses Mal nicht nur seine bekannt virtuose Kameraarbeit, die mit den ungewöhnlichsten und innovativsten Einstellungen den Sehgewohnheiten des Publikums immer wieder mit neuen Höhepunkten versorgt, sondern auch die Ideenvielfalt gepaart mit der außergewöhnlichen Tricktechnik. So sind beispielsweise die spiegelnde Wassertränke zum Schluss oder der Sprung in den Saloon mit gezogenem Schießeisen absolut prachtvolle Momente, die kaum jemand so perfekt beherrschte wie Castellari. Sein Film badet förmlich in Eye-Candys ohne die Geschichte dabei aus den Augen zu verlieren. Seien es die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen oder die beeindruckenden Lokalitäten, wie der düstere Höhlenfriedhof, kaum ein Moment, wo man als Zuschauer nicht einmal inne halten möchte, um sich verblüfft umzuschauen. Die Mühle am Fluss gehört sicherlich genauso dazu wie die beiden Kreuzigungen und jene Szene, in der die Kamera Djangos Gesicht umkreist. Subjektive Kameraperspektiven oder symbolträchtige Gesten, nahezu im Minutentakt kredenzt Castellari sehenswerte Momente, die in ihrer hohen Frequenz ihresgleichen suchen.

Die daraus resultierende Stimmung ist natürlich eine ganz eigene und bewegt sich trotz zünftiger Schlägereien und brutalen Shootouts nicht mehr so nah am klassischen Italowestern, was in diesem Fall aber positiv gemeint ist. Die innovative Gestaltung der klassischen Literatur hievt "Django - Die Totengräber warten schon" nämlich in die Oberliga des Genres. Um sich inhaltlich keine mangelhafte Substanz oder eine bloße Abkupferung vorwerfen zu lassen, schrieb Castellari das Drehbuch zusammen mit dem erfahrenen Autoren-Workaholic Tito Carpi entsprechend um. Er erzählt die Geschichte in einem flotten Tempo ohne ausufernde Dialoge, strickt die Charaktere ein wenig um und nähert den Ablauf den klassischen Eigenschaften des Italowestern weiter an. Diese Wesenszüge entsprechen dann auch wieder Genre.



Spannend verläuft der Plot vor allem für Denjenigen, der die weltberühmte Vorlage nicht kennt. Django, der sich lange unsicher ist, stellt seinen Onkel zur Rede, aber erhält keine befriedigende Antwort, kann mit einem Indiz, das auf den wahren Mörder seines Vaters hinweist und neben seinem Leichnam von John gefunden wurde, lange nichts anfangen, forscht weiter und muss sich immer wieder Gesindel vom Hals schaffen, das ihn tot sehen will. Er prüft, ob Tote wirklich tot sind und stöbert sie notfalls auf, um sie zur Rede zu stellen. Die regelmäßigen Konfrontationen bestätigen ihn aber nur noch in der Annahme auf der richtigen Spur zu sein, bringen ihn aber auch in immer größere Schwierigkeiten, die er irgendwann nicht mehr allein bewältigen kann.

Das Drama nimmt also seinen Lauf und die Darsteller tragen ihr Bestes zum Gelingen bei. Aus der Riege bekannter Gesichter ragt allerdings nicht Andrea Giordana sondern Horst Frank heraus, der in seiner Rolle offensichtlich diebischen Spaß hat. Dass Francesco De Masi mit einem seiner tollen Scores gemäß Situation die richtigen Töne anschlägt und mit "Find a Man" einen der besten Titelsongs des Genres geschrieben hat, muss eigentlich nicht weiter erwähnt werden. Die markige Stimme von Maurizio Graf vergisst man als Zuschauer so schnell nicht.
Egal, ob die abgebrannten Schausteller Django mit Hinweisen versorgen oder wiederum auf Shakespeare verweisen, oder der wirklich nur angedeutete trockene Humor sein Ziel findet, überall lassen sich kleine Details entdecken, die widerspiegeln mit wie viel Leidenschaft Castellari hier zu Werke ging und mit geschultem Auge bis zum Schluss keinen qualitativen Einbruch duldet. Die atmosphärisch düstere und tragische Gestaltung lässt nämlich nicht unbedingt den Schluss zu, dass Django seine Rache auch tatsächlich bekommt. Etliche tragische Elemente weisen im Vorfeld nämlich auf das Gegenteil hin und spätestens wenn man ihm einen Mord anlasten will und bekreuzigt, sprechen die herben Bildkompositionen eine sehr deutliche Sprache.



Bis zum Finale muss Django einiges über sich ergehen lassen, bis er die Wahrheit freigeschaufelt und den besudelten Namen seines Vater auch reingewaschen hat. Konfrontiert mit Selbstvorwürfen und Ungewissheit hat er ohnehin sehr an der Sache zu knabbern. Seine Gegner machen es ihm auch nicht leicht und da selbst der Sheriff gekauft wurde, machen sich die Verbündeten auch sehr rar. Hinzu gesellt sich die Verachtung für seine Mutter, die schon vorher ein Verhältnis mit Claudio hatte und am Ende noch eine wichtige Rollen spielen soll. Trotz der für einen Italowestern ungewohnt komplexen Situation läuft aber alles auf die klassische Habgier hinaus und am Ende balgt sich auch alles in einem grandiosen Shootout um eine Wagenladung Gold. Speziell die letzten Minuten des Films mit einem klassischen Duell bieten dann noch einmal tolle Momente für symbolische Gesten des Regisseurs.

Genreliebhaber kommen um diesen Film also kaum herum. Ein Grund ist auch die ungewöhnlich gut funktionierende Dramaturgie, die vor allem zum Ende hin den Zuschauer packt und mitschleift als sich zum großen Showdown alles zuspitzt. Ich möchte gar nicht näher auf den Inhalt des Films eingehen, aber so geschickt, wie Castellari auf der einen Seite konzentriert an seiner sorgfältigen Inszenierung werkelt und als Erzähler ohne auch nur einen einzigen Aussetzer sehr spannend die Suche nach der Wahrheit wiedergibt, möchte man eigentlich meinen, dass der Film über den Status eines Geheimtipps längst hinaus sei.



Die DVD erscheint in einem gelben Mediabook mit Schuber und sticht rein optisch schon ins Auge, wobei wir lieber das original Artwork gehabt hätten. Dafür kann die DVD bildtechnisch einiges und wartet mit einem wirklich hervorragenden anamorphen Widescreen-Transfer auf, der kaum Grund zur Klage zulässt. Die Farben sind knallig und bunt, vielleicht sogar eine Spur zu bunt und der Kontrast macht ebenfalls einen sehr ausgeglichenen Eindruck. Die Schärfe befindet sich ebenfalls auf einem sehr hohen Niveau und wartet mit einer sehr schönen Kantenschärfe auf, welche wahrscheinlich durch Nachschärfung erreicht wurde. Auch der Detailbereich offenbart vor allem in Nahaufnahmen viele Details und fällt lediglich in den Totalen hin und wieder etwas ab. Ansonsten bekommen wir aber ein schön knackig scharfes Bild zu Gesicht, was in Anbetracht des Alters schon eine Leistung ist. Die Kompressionen arbeiten sauber und unauffällig im Hintergrund und selbst Bildrauschen ist hier kaum als störend auszumachen. Lediglich kleinere Defekte und Verunreinigungen, sowie an zwei, drei Stellen auftretende härtere Defekte (Laufstreifen, Rollenrisse) sind hier noch auszumachen. Zudem ist die Bewegungsschärfe in Kameraschwenks nicht immer optimal. Dennoch vergeben wir hier gut und gerne fünf Punkte.
Hier liegt uns ein Film vor, der im Original mit deutschen Untertiteln genossen werden sollte, weil die deutsche Synchronisation die eigentliche Thematik des Filmes stark verfälscht. Zudem wurden damals sowieso knapp 10 Minuten herausgeschnitten, welche nun deutsch untertitelt vorliegen. Dabei handelt es sch unter anderem um den kompletten Prolog und das gesamte Ende des Filmes.
Die deutsch Synchronisation liegt hier in Mono vor und bietet eine gute Verständlichkeit, offenbart aber auch dezentes Rauschen im Hintergrund. Ansonsten bekommen wir einen ausgesprochen sauberen Monotrack spendiert. Die italienische Monospur hingegen klingt ein wenig dumpfer, sollte aber dennoch die erste Wahl sein.



Kommen wir nun zum Bonusmaterial auf der Disc. Neben einem 4seitigen Booklet mit Hintergrundinformationen, sowie dem deutschen und italienischen Originaltrailer und einer Bildergalerie, dürfte die 33minütige und exklusiv von Koch Media produzierte Dokumentation "Strange Stories from the West" das Herzstück der Scheibe sein. Neben Komponist Franceso De Masi, kommen hier auch Regisseur Enzo G. Castellari und Franco Nero zu Wort, welche eine Menge über diesen Film zu erzählen wissen, jedoch auch über andere Produktionen sprechen. Dass Castellari und Nero sehr sympathische Kerle sind, dürfte jeder seit ihrem Auftritt im "Geheimnisvollen Filmclub BUIO OMEGA" wissen, und auch hier erzählen sie sehr viel und gerne über ihre Filme. Dass dieses Featurette deutsch untertitelt wurde, versteht sich fast schon von selbst.


Der Begriff "stimmungsvoll" trifft es nicht einmal richtig. "Django - Die Totengräber warten schon" ist ein zwar ungewöhnlicher Italowestern, aber trotzdem ein absolutes Highlight des Genres. Zu verdanken hat dieses Highlight seinen Status der versierten Inszenierung Enzo G. Castellaris, der hier sein gesamtes Können in die Wagschale wirft und mit sichtlichem Engagement sorgfältig jede Szene vorbereitet hat.
"Django - Die Totengräber warten schon" gehört zu den leider zu seltenen Genrebeiträgen, wo alles zusammenpasst. Die Regie ist top, die Darsteller spielen durch die Bank weg auf einem hohen Niveau, das gute Drehbuch versucht sich nicht nur an ausgetretenen Pfaden und die Musik ergänzt das Stück entsprechend. Famos inszeniert, mit toller Action versehen, dabei aber immer spannend und undurchschaubar. Wahrhaft ein Klassiker!

Die technische Umsetzung wird diesem Klassiker dann auch - bis auf kleine Mankos - gerecht und vor allem bildtechnisch erstrahlt "Django - Die Totengräber warten schon" in einem neuen Glanz. Leider ist das Design der DVD-Edition etwas gewöhnungsbedürftig, sollte aber niemanden vom Kauf abhalten ...


Film+++++-
Bild+++++-
Ton++----
Bonus+++---


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