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HK 2005
Originaltitel:Sam Cha Hau
Alternativtitel:Divergence
aka. San cha kou
Länge:100:37 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Benny Chan
Buch:Ivy Ho
Kamera:Anthony Pun
Musik:Anthony Chue
Darsteller:Aaron Kwok, Ekin Cheng, Daniel Wu, Gallen Law, Angelica Lee, Jing Ning, Suet-Fei Chiu, Tony Ho, Jan Lamb, Eric Tsang
Vertrieb:Koch Media
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1 (Deu, Kant), DTS 5.1 (Deu)
Sprache:Deutsch, Kantonesisch
Untertitel:Deutsch
Specials:
  • Originaltrailer (2:07 Min.)
  • Making Of (15:20 Min.)
  • Footage Of Gala Premiere (2:08 Min.)
  • Weitere DVDs:
    • Narco (1:59 Min.)
    • Ab-Normal Beauty (1:51 Min.)
    • Tamara (2:10 Min.)
    • The Drone Virus (1:15 Min.)
    • Deal (2:08 Min.)
    • Mortuary (2:33 Min.)
    • Freeze Frame (2:17 Min.)
    • Lost (2:19 Min.)
Detective Suen verliert im Prozess gegen einen vermeintlichen Gangsterboss seinen Kronzeugen. Fortan begibt er sich allein auf die Suche nach dem Killer und stellt dabei fest, dass hinter dem Anschlag mehr steckt: Der Mörder des Kronzeugen scheint ein Serienkiller zu sein und Suen glaubt, dass dieser etwas mit dem mysteriösen Verschwinden seiner Freundin vor 10 Jahren zu tun haben könnte. Als dann auch noch der Sohn eines Millionärs entführt wird, vermutet Suen den Killer dahinter und nimmt die Verfolgung auf.
"Divergence" hat wie die meisten anderen Filme ein Anfang und ein Ende, und diese beiden Szenen passen auch zueinander; was dazwischen geschieht besitzt diese Eigenschaft nicht immer. Das ist dann auch das größte Problem: Man will mehr erzählen als nötig ist und mehr Figuren charakterisieren, als man braucht. Deswegen ist der Film auch kein straighter Cop Actioner, wie man ihn durchaus von Benny Chan (Interner Link"New Police Story", "Big Bullet", "Heroic Duo") erwarten könnte, sondern ein vertrackter Hongkong Murder Mystery. Das ist zumindest das Genre vom Anfang und vom Ende, der Mittelteil ist noch viel mehr.

Als der Cop Suen Siu-yan (Aaron Kwok) einen kriminellen Buchmacher von Canada nach HK überführt, wird ihm dieser unter den Händen vom Attentäter Koo (Daniel Wu) weggeschossen. Suen hätte den Mann unbedingt gebraucht, steht doch die Anklage wegen Geldwäsche gegen den Tycoon Yiu Tin-chung (Gallen Lo) nunmehr auf wackligen Füßen; dessen Anwalt To Hou-sang (Ekin Cheng) kann deswegen auch einen Prozess vermeiden. Nun wirds kompliziert: Yius Sohn wird entführt, Suen glaubt in Tos Frau Su Fong (Angelica Lee) seine vermisste Freundin zu erkennen und Koo gerät selber auf die Abschussliste.

Nun besitzt jede Episode seine eigenen speziellen Eigenschaften und auch seinen eigenen Beziehungspunkt, wobei je nach Sichtweise und Blickwinkel verschiedene Elemente hervorstechen und auffallen. Der Film teilt sich in Einzelheiten auf und schafft es nicht, diese wirklich miteinander zu verbinden; es passiert zuviel Verschiedenes. Er divergiert wirklich. Das ist noch nicht einmal die Hauptlast, aber die Vorgänge innerhalb der Narration sind bedeutender als die eigentliche Plotline. Das Ende konterkariert die Geschehnisse noch einmal nachträglich, wobei im Nachhinein viel Unwichtiges und Bedeutungsschwangeres auffällt, kein gutes Zeichen. Zudem besitzt der Erzählrahmen verschiedene Schwerpunkte, die ihn zwar auch mehr Tiefe verleihen, aber nicht immer auf die richtigen Punkte verlagert. Dabei ist die Struktur nicht kompliziert, sondern nur falsch betont, wodurch überhaupt erst Verwirrungen und fehlender Antrieb entstehen; man zieht Kreise statt den geraden Weg zu gehen. Manchmal fragt man sich nicht, was los ist, sondern wann es losgeht.


Die mangelnde Balancierung und die teilweise Fokusierung auf letztlich unnötige Figuren samt Geschehnissen schlagen sich nämlich in einem eher etwas behäbigen Tempo nieder. Er ist zu voll, um richtig Fahrt aufzunehmen; die Über-Konstruktion erschlägt das Fundamentale der Auseinandersetzungen. Ausgerechnet die wenigen Actionszenen konzentrieren sich rein auf die Spannungsdramaturgie; besonders die Verfolgungsjagd Suen/Koo zu Fuß über eine befahrene Straße und das anschließende Gefecht in einem Markt lässt eine Weile lang nicht locker.

Auf der Habenseite bekommt man eine ausgefeilte Personenzeichnung, die ihre Figuren ernst und wichtig nimmt. Wirklich fast jeder der nicht gerade wenigen gesetzten Darsteller bekommt eine innere Erklärung verpasst, die sich dann auch schon mal von der Hauptstory entfernt, um eine Wirkung zu entfalten. Suen hat seine große Liebe vor 10 Jahren von einer Sekunde auf die nächste verloren; er sucht seitdem wie verrückt nach ihr, ohne auch nur einen Anhaltspunkt zu finden. Auch ohne das Wissen erzählt zu bekommen, kann man sich denken, dass er deswegen Polizist geworden ist, dass er deswegen die TV-Show "Police Voice" moderiert hat, dass er deswegen innigen Kontakt mit Uncle Choi (Eric Tsang), dem Leiter der Vermisstenabteilung hat. Das sind alles nur winzige Details, aber auch dadurch spürt man seine Empfindungen besser, kann sein zwischen Freude und Trauer pendelndes Gefühl nachfühlen, als er sie wieder zu sehen glaubt.

Dieselbe Ausschweifung bekommen die anderen Akteure ab, wobei die drei prominenten Hauptdarsteller materiell gut als Bezug und Fixpunkte herhalten, obwohl sie allesamt nicht wirklich herausragend in ihrer Spielweise sind. Die Nebendarsteller sind allesamt großartig besetzt, aber letztlich verschwendet. Optisch wird die letale Atmosphäre stimmig initiiert, die Situationen klar und präsent bebildert. Kühle Bilder verstärken die ruhige Intensität der Ereignisse und kennzeichnen den aufgelösten Dualismus von Gut und Böse; formell also geschickt in der Darstellung einer überentwickelten, abstrakten Situation. Das Handwerk ist überzeugend. Man hätte dann nur wirklich die verschiedenen Erzählebenen voneinander trennen sollen, vielleicht doch mehr reines Genrekino konzipieren als ein Neo Noir Drama im Johnnie To-Stil zu versuchen.

Bei all den durchwachsenen Transfers asiatischer Filme tut "Hongkong Crime Scene" ansatzweise wieder richtig gut. Nicht hundertprozentig, weil es doch ein paar kleinere Ungereimtheiten gibt. Die Farben sind eine dicke Spur zu grünlich bzw. gelblich, um auch im europäischen Raum als natürlich aufgefasst zu werden, was wohl wieder eine Beigabe des Ursprungslandes ist, wo man diese Töne gern etwas stärker hervorhebt. Trotz weichem Kontrast ist der Schwarzwert durchaus angenehm, was nicht bedeutet, er könnte nicht noch kräftiger sein. Der anamorphe Transfer ist freilich frei von sämtlichen Verschmutzungen und durchaus frisch und detailliert, gerade kleinere Feinheiten werden aber aber vorschnell ausgelassen. Deswegen ist der Eindruck nur beim ersten Hinschauen wirklich sehr gut, etwas später entdeckt man dann noch einen Hauch von Ghosting und die Kompression ist ebenfalls durch Artefakte in schnellen Szenen vorbelastet.

Besonders im DTS-Modus ist der Raumklang omnipräsent. Der geschickte Einsatz der Musik trägt viel dazu bei, aber auch der Einsatz "echter" Effekte lässt hier einen "sehr" guten Eindruck entstehen. Dank dynamischer Leistungen, einem kraftvollen Bass und einer ordentlichen deutschen Synchro kann die DVD auch hier ordentlich punkten. Nur ist mir der Klang fast schon etwas zu brachial und ein Wechsel der Tonspur funktioniert nur übers Menu. Der kantonesische Ton, wahlweise mit deutschen Untertiteln, ertönt ähnlich gut, nur die Dialoge wirken hier etwas verhaltener.

Wie es so üblich ist bei Filmen Hongkong, bietet diese DVD noch ein viertelstündiges Making Of, welches zur Hälfte mit Filmszenen gefüllt ist und die andere Hälfte mit erläuterteten Kommentaren zubringt, und ein paar kurze, wenig gehaltvolle Aufnahmen von der Premierenfeier, an deren Schluss noch einige "Fans" Empfehlungen geben dürfen. Alle Extras, ebenso der Originaltrailer, besitzen deutsche Untertitel, sind aber trotzdem nur oberflächlich.


Film++++--
Bild++++--
Ton+++++-
Bonus+-----


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