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USA 1980
Originaltitel:Out of the Blue
Alternativtitel:No Looking Back
aka. Dynamit Punk
aka. Explodierende Träume
Länge:89:33 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Dennis Hopper
Buch:Gary Jules Jouvenat, Brenda Nielson, Leonard Yakir, Dennis Hopper
Kamera:Marc Champion
Musik:Tom Lavin, Neil Young
Darsteller:Linda Manz, Sharon Farrell, Dennis Hopper, Don Gordon, Raymond Burr, Eric Allen, Fiona Brody, David L. Crowley, Joan Hoffman, Francis Ann Pettit, Glen Pfiefer, Carl Nelson, David Ackridge, Jim Byrnes, Glen Fyfe, Murdine Hirsh, John Anderson, Howard Taylor
Vertrieb:Koch Media
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Mono)
Sprache:Deutsch (alte Kinofassung), Deutsch (TV-Fassung), Englisch
Untertitel:-
Verpackung:DigiPack
Specials:
  • 22-seitiges Booklet mit einem Essay von Thomas Willman
Film-DVD
  • Audiokommentar von Dennis Hopper, Paul Lewis und John Alan Simon
  • Original-Kinotrailer (2:22 Min.)
  • Radiospot (1:02 Min.)
  • Bildergalerie (59 Bilder)
Bonus-DVD
  • Interview mit Dennis Hopper (92:54 Min.)
Cindy "CeBe" Barnes hat wenig Grund zur Hoffnung. Ihr Vater Don, ein Trucker, sitzt seit Jahren im Knast, weil er mit seinem Laster im Suff einen Schulbus gerammt hat und dabei etliche Kinder zu Tode kamen. Ihre heroinsüchtige Mutter Kathy arbeitet als Bedienung in einem Diner, mit dessen Besitzer sie eine Affäre hat. Als sich CeBes Leben scheinbar zum Guten wendet, explodieren ihre Träume endgültig und sie holt aus zu einem letzten schockierenden Akt der Verzweiflung.
"Dieser Film ist ein Meisterwerk" - Jack Nicholson

Unrecht hat der gute Nicholson wahrlich nicht, jedoch würde ich nicht soweit gehen und "Out of the Blue" als Punkfilm bezeichnen, denn dies ist Dennis Hoppers sozialkritischer Beitrag auf keinen Fall. Vielmehr knallt Hopper uns seine eigene unorthodoxe, gar streitsüchtige Art, sowie seine anarchistischen Weltanschauung schonungslos und eiskalt vor den Latz. Vielleicht nicht mehr so schockierend wie noch vor 26 Jahren, als der Film in Cannes für Furore sorgte und als erster "heimatloser" Beitrag in die Geschichte des Festivals einging. Jedoch immer noch hart und verstörend genug um sein Publikum am Ende recht hilflos zurückzulassen.



Kanada wollte mit diesem "Schundprodukt" nichts zu tun haben, aber eigentlich wollte niemand wirklich etwas mit Hopper zu tun haben, der aufgrund seiner Drogen- und Alkoholsucht, sowie seiner Streitlustigkeit in Hollywood verschrien war und eigentlich nach dem grandiosen "Easy Rider", sowie dem finanziellen Desaster "The Last Movie" hätte nie wieder ein Fuß in das Mekka der Filmemacher bekommen sollen. Doch Hopper hatte Glück, Mut und genügend Beziehungen, den Part von Leonard Yakir zu übernehmen, welcher mit der Produktion reichlich überfordert war und kurzerhand das Handtuch warf. Hopper nutzte die Gunst der Stunde, änderte kurzerhand das Drehbuch um, so dass viele Szenen komplett neu gedreht werden mussten, baute neue Charaktere ein, holte neue Leute ins Team und machte so aus einem schmalzigen TV-Drama ein unbequemes Stück Zelluloidgeschichte, in dem sich Hopper als Alkoholiker mehr als einmal selbst zu spielen scheint.
Doch auch wenn Hopper "Out of the Blue" als rebellischer Aufschrei einer Punk-Generation sieht, steht der Punk, dessen Bedeutung Hopper nur oberflächlich bis gar nicht ankratzt, niemals im Mittelpunkt. Vielmehr ist es die Verwahrlosung der Gesellschaft, die innerliche Armut, welche nicht in Geld aufzuwiegen ist. Hoppers Charaktere wirken trotz ihren starken 70er/80er Jahre Bezug nahezu zeitlos und lassen sich auch heute noch auf unsere Gesellschaft projizieren. Die innere Leere, Perspektivlosigkeit, Inzest und Drogenkonsum sind keine Krankheit der 70er oder 80er Jahre, sondern zeitlos und allgegenwärtig. Nur leider werden sie heute verpackt in familientauglichen Unterhaltungssendungen, aalglatt, sauber poliert und überwiegend politisch korrekt dargestellt. Und genau das ist es, was "Out of the Blue" nicht ist. "Political correct" zu sein war auch nie Hoppers Wunsch, vielmehr wollte eher mitten durch, ohne Rücksicht auf Verluste. Und gerade deshalb ist seine dritte Regiearbeit so unbequem geworden und sorgte dafür, dass es ganze acht Jahre und zig kleinere und größere Rollen dauerte, bis Hollywood ihn überhaupt wieder in Erwägung zog, in einem weiteren Film die Regie zu übernehmen. Doch ich glaube, das war Hopper ziemlich egal, den er hatte schon damals sein Ziel erreicht. Auch wenn "Out of the Blue" ein Spätzünder war, sprachen alle über ihn und er bekam fast überall die positivsten Kritiken. Hopper zeigte der gesamten Filmindustrie wieder einmal den Stinkefinger. Das Problemkind Hollywoods - von vielen wegen seiner Offenheit gehasst und gemieden und von den anderen seit Jahrzehnte als Filmemacher und Schauspieler mehr als nur akzeptiert, zeigte es allen ...



"Out of the Blue" ist ein Großer unter den kleinen Filmen geworden, der abgesehen von Multitalent Dennis Hopper mit einem hervorragenden und glaubhaften Cast aufwarten konnte. Vornweg die damals bereits 19jährige Linda Manz (Interner Link"The Wanderers"), welche hier die 15jährige CeBe spielt und damit eine oscarreife Leistung eines rebellischen Teenagers absolviert. Auch Sharon Farrell ("McQuade, der Wolf") als Heroinsüchtige Mutter überzeugt an der Seite von bekannten Gesichtern wie z.B. Don Gordon (Interner Link"Omen III - Barbara's Baby") und Raymond Burr ("Perry Mason", "Der Chef"). Burrs Charakter sollte im Übrigen damals im Mittelpunkt der Geschichte stehen und die junge CeBe aus ihrer ausweglosen Lage heraus verhelfen. Doch Hopper strich nahezu alle Szenen mit Burr und lies ihn lediglich als leise Stimme der Vernunft in zwei kleinen Szenen im Film vorkommen. Dass dies Burr ganz und gar nicht gefallen hat, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht mehr zu erwähnen ...



"She's 15. The only adult she admires is Johnny Rotten"

Für einen sagen wir mal Low Budget-Film aus dem Jahre 1980 hat sich Koch Media sichtlich Mühe gemacht, das vorhandene Material in bestmöglicher Qualität auf DVD zu präsentieren. Zwar wirken die Farben nicht in jeder Szene angenehmen natürlich und werden hin und wieder ein wenig verwaschen dargestellt, jedoch trübt dies den Sehgenuss zu keinem Zeitpunkt. Der Kontrast liefert ebenfalls eine solide Arbeit ab, wirkt hin und wieder in hellen Flächen etwas zu grell und in dunklen Szenen kann es schon einmal vorkommen, dass feine Details verschluckt werden. Das Schärfeverhalten befindet sich auf einem angenehmen Level, wobei die Detailschärfe zu Gunsten des eingesetzten Rauschfilters sehr häufig zurückstecken muss. Dies ist dann auch das größte Manko des anamorphen Bildes. Der eingesetzte Rauschfilter lässt zwar nur selten Bildrauschen zu, die daraus entstehende Detailarmut lässt den Transfer aber an Tiefe missen. Zudem stören die stehenden Rauschmuster und auch leichte Blockbildung ist hin und wieder auszumachen. Ansonsten halten sich die Kompressionen angenehm zurück und auch Defekte und Verschmutzungen fallen nur selten störend auf. Lediglich der etwas zu unruhige Bildstand sollte hier noch bemängelt werden.
Koch Media spendiert uns neben der englischen Originalspur und der alten deutschen Kinosynchronisation noch die "aktuellere" Fernsehsynchronisation. Diese dürfte für den Liebhaber der Kinofassung aber eher unwichtig sein, da hier nicht nur Musikstücke und Umgebungsgeräusche abgeändert bzw. ganz weggelassen wurden, sondern die gesamte Synchronarbeit nicht so kernig und rau daher kommt wie bei der Kinoversion. Jedoch muss man der TV-Synchro zu gute halten, dass sie sich im Gegensatz zur Kinofassung deutlich öfters am Score der englischen Fassung hält und somit in puncto Musik meist die vom Regisseur gewollte Musikuntermalung abliefert. Von daher haben beide Fassungen ihre Berechtigung, wer den Film aber noch von damals kennt, wird mit der TV-Version so schnell nicht warm werden.
Kommen wir jetzt aber zur Qualität der drei Tonspuren. Die Kinosynchro klingt etwas heller und klarer, die Dialoge sind hervorragend zu verstehen, dafür klingen sie stellenweise etwas kratzig und blechern. Auch die Musik wird sehr kräftig aus dem Frontbereich wiedergegeben, was hin und wieder ein recht unnatürliches Klangbild verursacht. Die TV-Version lässt deutlich an Dynamik vermissen, ist dafür aber weder kratzig noch blechern in der Dialogwiedergabe, welche sich insgesamt etwas besser in das Geschehen einbringt und sich nicht in den Vordergrund drängt. Somit darf man die Fernsehsynchronisation als gelungener bezeichnen, jedoch klingt sie auch etwas dumpfer und offenbart wenigere Hintergrundgeräusche. Die englische Spur ist klarer und natürlicher als beide deutschen Fassungen, was vor allem im Musikbereich deutlich auffällt. Dafür hätten die Dialoge etwas besser verständlich sein können, wirken dafür aber meist recht natürlich. Deutsche Untertitel fehlen hier leider komplett.
Bevor ich zum Bonusmaterial dieser Special Edition kommen, möchte ich hier noch das hübsche, mit Musik unterlegte DVD-Menü erwähnen, welches zwar nur teilanimiert ist, dafür aber sehr stilvoll daher kommt. Die Extras auf der Hauptfilm-Disc enthalten neben einer umfangreichen Bildergalerie, einen Radio-Spot und dem Original-Kinotrailer, noch einen ausführlichen Audiokommentar mit Regisseur Dennis Hopper, Produzent Paul Lewis und Verleiher John Alan Simon, welche sehr viele Informationen und Anekdoten über die Produktion, sowie die Wirkung des Filmes auf das Publikum, nach heutigen Gesichtspunkten, zu berichten haben. Leider fehlen hier deutsche Untertitel. Auf der zweite DVD finden wir ein Interview mit Dennis Hopper aus den 80er Jahren, welches mit einer Laufzeit von knapp 90 Minuten sehr ausführlich geworden ist und komplett untertitelt wurde. Hier spricht Hopper nur über "Out of the Blue", sondern gewährt uns ein schönen Einblick in sein bisheriges Schaffen. Abgerundet wird diese Special Edition mit einem 22seitigen Booklet mit einem Essay von Thomas Willman über Dennis Hopper und natürlich "Out of the Blue". Zudem wird diese 2-Disc-Edition mit Pappschuber ausgeliefert. Das Design ist schlicht gehalten und erinnert an alte Punk-Fanzines.



Der bittere Beigeschmack von "Out of the Blue" ist nachhaltig und man wird noch lange an diesem unbequemen, nach Diesel und Alk riechenden Meisterwerk zu knabbern haben. Aber genau das ist es, was Hopper erreichen wollte und auch geschafft hat. Zeitlosigkeit, die Generationen überdauern und das Publikum zum Nachdenken anzuregen. Wer hier also ein fernsehntaugliches Sozialdrama erwartet, sollte sich warm anziehen, denn die Wirklichkeit findet man nicht, wenn man eine rosafarbene Brille trägt ...
Die DVD aus dem Hause Koch Media darf in keiner Sammlung fehlen und wartet altersbedingt mit einer wirklich hervorragenden Umsetzung auf. Pflichtanschaffung ...


Film++++++
Bild+++---
Ton++----
Bonus++++--


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