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FR, IT 1973
Originaltitel:Grande bouffe, La
Alternativtitel:Blow-Out
aka. Grande abbuffata, La
aka. Grande Bouffe, The
Länge:124:35 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Marco Ferreri
Buch:Marco Ferreri, Rafael Azcona, Francis Blanche
Kamera:Mario Vulpiani
Musik:Philippe Sarde
SFX:Paul Trielli
Darsteller:Marcello Mastroianni, Michel Piccoli, Philippe Noiret, Ugo Tognazzi, Andréa Ferréol, Solange Blondeau, Florence Giorgetti, Michèle Alexandre, Monique Chaumette, Henri Piccoli, Maurice Dorléac, Simon Tchao
Vertrieb:Kinowelt
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.66:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Specials:
  • Pappschuber
  • Trailer (3:03 Min.)
  • Interview mit Andréa Ferréol (17:21 Min.)
  • Weitere Trailer:
    • Million Dollar Baby (2:29 Min.)
    • Mr. und Mrs. Smith (2:24 Min.)
    • Bitter Moon (2:25 Min.)
    • Delicatessen (2:03 Min.)
    • Die flambierte Frau (3:44 Min.)
Vier Freunde entschließen sich zum Freitod durch eine große Fresserei. Genussvoll zelebrieren sie in einer Pariser Villa mit allen erdenklichen Raffinessen und Sinnesfreuden ihr selbst gewähltes Schicksal.
Es ist ziemlich schwer, aus dieser Orgie der Völlerei, die sich zweckgemäß "Das große Fressen" nennt, so etwas wie einen gut erklärbaren Sinn herauszufiltern. Dieser Film IS(S)T mehr, als er denn etwas bedeutet, eine Bestandsaufnahme, eine Satire, ein finsterer Gag.


Vier Freunde unterschiedlichster Couleur treffen sich zu einem verlängerten Wochenende mit dem Plan, sich zu Tode zu essen. Sie haben keine Ahnung, ob sie es schaffen, aber sie sind überzeugt, dass es funktionieren kann. Dabei wird dieser Plan in den ersten zwei Dritteln niemals wörtlich ausgesprochen, sondern kommt erst langsam aber sicher fragmentarisch ans Tageslicht. Regisseur Ferreri stellt seine Delinquenten vor und führt sie zusammen, alles Weitere ist Begleitung einer Orgie aus Sex und Nahrungsmitteln mit der Kamera.

Für alle, die wirklich einen Sinn benötigen, sei gesagt, dass sie es (vermutlich) aus Abscheu und Lebensmüdigkeit tun und vielleicht auch aus Freundschaft, aber das kann man nur vage aus den Charakteren destillieren.


Marcello (Mastroianni) - hier tragen alle handelnden Figuren die Vornamen ihrer Darsteller - ist ein Pilot und Schürzenjäger. Sein Leben besteht, außer gutem Essen, vornehmlich aus Sex, pausenlos, ununterbrochen. Er ist der Widerstrebendste der vier, da ihm der Sex vor dem Essen kommt und bekommt somit Probleme, die Idee in die Tat umzusetzen. In der Abgeschiedenheit des alten Hauses wird ihm nach und nach klar, dass sein sexueller Appetit über ihn selbst hinausgewachsen ist und spürt langsam aber sicher die Leere seiner Existenz. Er sucht nach Abwechslung, indem er an einem alten Bugatti herumschraubt, ein Inbegriff der Männlichkeit (er hat in ihm und mit den Ersatzteilen Sex), den er wieder zum Laufen bekommen muss, was er schließlich auch schafft. Trotzdem ist Wagen am Ende sein Tod, denn aus seinem leeren Selbst (dem Haus) gibt es kein Entkommen.


Michel (Piccoli) ist Fernsehproduzent, ein Mensch, der auf sein Äußeres und seine Figur und Fitness achtet. Kulturell hochentwickelt und gebildet, doch äußerlich oft mehr Fassade. Er flieht vor der Realität durch reichlich geäußerten Selbsthass und Zynismus, den er über die Menschheit und seine Freunde ausgießt, ohne vulgär zu sein. Wie wenig er noch innerlich menschlich, er selbst ist, beweist das Unterdrücken seiner Triebe, seiner wahren Bedürfnisse, die er zurückhält, kaum ans Tageslicht lässt. So sind denn auch seine unterdrückten Blähungen, die ihm die gute Erziehung verbietet, sein Ende, indem ihm vollgefressen die Gedärme platzen.


Ugo (Tognazzi) ist Meisterkoch und führt die drei in ihrem kulinarischen Exzess. Sein Faible ist es, stets sämtliche Fäden in der Hand zu halten, Meisterschaft zu zeigen. Er ist der Herr der Küche und somit Herr des Hauses. In der Gewissheit, Delinquent und Henker gleichzeitig zu sein, indem er sein Bestes aufbietet, um sein tödliches Ziel zu erreichen, blüht er als Zeremonienmeister des Todes regelrecht auf. Ihm soll Achtung und Bewunderung gezeigt werden, auch wenn er sie nicht verlangt. Sex steht bei ihm in Verbindung mit Essen und Andréa Ferréols Hingabe an seine Schöpfungen beweist ihm die Richtigkeit seiner Annahme. Zum Schluss wird er ein absolutes Meister- und Monsterwerk der Kochkunst und der Kalorien erschaffen, eine Schönheit, die niemand anrühren möchte. So nimmt er denn das Werk selbst in die Hand und überfrisst sich, während ihm einer runtergeholt wird.


Philipe (Noiret) schließlich ist Kind geblieben. Zwar Richter von höheren Weihen, ist er immer noch ein Muttersöhnchen, das nie Mutterliebe erhalten hat, stattdessen bis zum heutigen Tag von der ältlichen, aber monströs vollbusigen Amme abhängig ist, im Leben und auch sexuell. Er selbst ist ein nöliges Kind, irgendwo zwischen Weisheit und der Gier nach Anteilnahme und Bemutterung. Ferréol wird seine Mutter, seine Frau und sein liebevoller Todesengel sein, die in ihrer sexuellen und kulinarischen Fülle den perfekten Menschen darstellt, zu viel für ihn und zu komplex bei seinem Vorhaben. Ganz zum Schluss gibt sie sich ihm ganz hin, indem sie ihm zwei gigantische essbare Brüste komponiert, bei deren Vertilgung er in ihren Armen stirbt, einsam und unverstanden, doch vielleicht mit einem Hauch von Glück.


Andréa (Ferréol), eine Lehrerin, die sich mehr zufällig in das Haus verirrt und von der Morbidität, aber auch von ihrer Essgier dort gehalten wird, dient am Ende als Helfer und Begleiter, als Geliebte und Verbindungsglied, eine unsagbar voluminöse Masse aus Wollust, Mütterlichkeit und Gier, Antrieb zum Durchhalten und letzte Verbindung zu einer nicht-zynischen Weltsicht.


"Das große Fressen" ist ein harter Brocken. Es gibt kaum Spannung, keine wirkliche Dramatik, nur einen stabilen roten Faden, der sich durch das Menu zieht und immer wieder neues, köstliches Essen. Für normale Zuschauer dürfte es kaum durchzustehen sein, wenn sich die Freunde in Plattitüden ergehen, wie die Wilden durchs Haus vögeln, philosophieren, fressen und noch mal fressen, sich angiften, wieder liebhaben, einander ignorieren, rülpsen, fluchen und übers Ficken diskutieren. Für 1973 ist der sicherlich geradezu obszön gewesen und auch heute ist er in seiner nüchternen Direktheit ein schwerer Brocken, wenn sich vier gestandene und berühmte Schauspieler mit derlei Profanitäten bewerfen. Der Film ist eine Monstrosität, die mit nackter Haut und Unmenschlichkeit nicht spart, vielleicht schon fast ein pornographischer Film, aber mit viel Lust an der Darstellung und Komposition von Körpern und Nahrung, bisweilen sogar absurd bis ins Mark (die Toten sehen den Lebenden aus Kühlschränken beim Weiteressen zu).

Wer also mit dem Film nicht viel anfangen kann, mag beruhigt sein. Das muss man auch nicht, aber allein die Existenz dieses stillen Infernos der Fleischeslust beweist, was alles mit dem Medium Film möglich ist. Meisterhaft köstlich, aber schwer im Magen.


Zuerst ein Lob an die tolle Verpackung: Der Pappschuber aus stabilem, rauen Material besitzt ein Sichtfenster, durch welches man auf das Cover der darunterliegenden Amaray schauen kann, welches eine etwas andere Gestaltung besitzt. Auf der DVD bietet sich uns zuerst ein Trailer an, welcher wohl dem deutschen Originaltrailer entspricht, bei dem jedoch die Filmausschnitte durch die restaurierten Fassungen ersetzt worden sind. Nicht alles im Trailer kam schließlich im Film vor, weswegen einige wenige Sekunden merklich von dieser Qualität abfallen. Besser wäre es hier gewesen, das alte Material komplett aufzulegen, bei einem Trailer kann man schließlich auch mit schlechterer Qualität leben. Das zweite Extra ist ein von Kinowelt eigens produziertes, längeres Interview (oder ein Monolog) der weiblichen Hauptdarstellerin Andréa Ferréol, die in schnellen Worten ziemlich gut die Umstände beim Filmdreh und den Skandal, der sich damals um den Film entwickelte, beschreibt, natürlich deutsch untertitelt.


Die große Lobhudelei über die perfekte Restauration kann ich nicht ganz nachvollziehen. Als sehr gelungen kann man die Auflösung bezeichnen, in der sich zwar ein feingranulares Rauschen fest macht, welches den guten bis sehr guten Eindruck dahingehend aber kaum negativ beeinflussen kann. Es ist teilweise sogar hervorragend, wie gut der Detailgrad trotz des hohen Alters des Materials noch ausgeprägt ist. Bei den Farben muss man aber ein wenig Kritik einstecken: Immer wieder wird trotz guter Kolorierung Blässe und ein leichter Hang zu grünlicher Färbung erkennbar. Der Kontrast gibt hellen Elementen durch leichte Überstrahlung stets einen romantischen Schimmer mit, die Erkennbarkeit der dunklen Elemente ist aber gut. Trotz des Rauschens und einem leichten Flackern, vielleicht hervorgerufen durch die Partikelbewegung, bleibt die Kompression gelassen und es gibt keinerlei Defekte im Bild, welches im Originalformat von 1.66:1 anamorph abgetastet wurde.


Anfangs nimmt man noch ein wenig das hintergründig mitschwingende Rauschen war, es schwindet aber bald und ist später nur noch als leises Rascheln existent. Die Stimmen sind im Französischen stärker verzerrt, aber auch etwas klarer ausgeprägt. Im Deutschen kann man sehr zufrieden sein mit der alten Synchro, die nur selten etwas dumpfe oder kernige Anwandlungen hat. Er gefällt mir wegen des insgesamt geringeren Grundrauschens sogar noch etwas besser als der O-Ton, zu welchem deutsche Untertitel zuschaltbar sind.


Film++++++
Bild++++--
Ton++----
Bonus++----


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