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DK, D, FR, UK 2005
Originaltitel:Dear Wendy
Länge:110:51 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:Keine Jugendfreigabe
Regie:Thomas Vinterberg
Buch:Lars von Trier
Kamera:Anthony Dod Mantle
Musik:Benjamin Wallfisch
SFX:Hummer Høimark
Darsteller:Jamie Bell, Bill Pullman, Michael Angarano, Danso Gordon, Novella Nelson, Chris Owen, Alison Pill, Mark Webber, Maria Charles, Trevor Cooper, Matthew Geczy, Teddy Kempner, Thomas Bo Larsen
Vertrieb:Legend / Universum Film
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.78:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, DTS 5.1 (nur dt.)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Specials:
Disc 1: Hauptfilm
  • Kommentar von Regisseur Thomas Vinterberg und Kameramann Anthony Dod Mantle (englisch, optional deutsche Untertitel)
  • Deutscher Kinotrailer (1:42 Min.)
Disc 2: Bonus-DVD
  • Interview: Thomas Vinterberg / Lars von Trier (16:50 Min.)
  • Making of "Dear Wendy" (25:01 Min.)
  • Neun Briefe an Dear Wendy:<
    • Thomas Vinterberg (1:55 Min.)
    • Mark Webber (0:54 Min.)
    • Thomas Vintergerg (1:42 Min.)
    • Alison Pill (2:59 Min.)
    • Danson Gordon (2:55 Min.)
    • Michael Angarano (0:52 Min.)
    • Jamie Bell (2:54 Min.)
    • Chris Owen (3:26 Min.)
    • Thomas Vinterberg (1:55 Min.)
  • Nicht verwendete Szenen mit opt. Audiokommentar von Regisseurs und Cutter (16:56 Min.):
    • Waffenraten (4:12 Min.)
    • Sebastians Taufe (1:32 Min.)
    • Zweite Parade (1:24 Min.)
    • Marshall Walker (2:19 Min.)
    • Alternatives Ende (7:27 Min.)
  • Poster- / Artwork-Galerie (26 Bilder)
  • Original Kinotrailer (1:43 Min.)
  • US-TV-Spot (0:41 Min.)
  • UK / US-Teaser (0:55 Min.)
  • UK / US-Trailer (2:00 Min.)
  • 8seitiges Booklet
Dick (Jamie Bell) lebt im heruntergekommenen amerikanischen Bergarbeiterstädtchen Estherslope. Der zurückgezogene Einzelgänger verbringt seine Tage damit, die Regale im Drugstore des Städtchens aufzufüllen. Eine vermeintliche Spielzeugpistole, die Dick im Trödelladen nebenan kauft, entpuppt sich als "the real deal", als echter Revolver. Sein Kollege Stevie (Mark Webber) merkt das als erster und zeigt Dick sein eigenes Schmuckstück, das den Namen "Bad Steel" trägt. Dick muss nicht lange überlegen, seine Pistole ist weiblich und wird fortan "Wendy" heißen. Beide sind sich einig, die seltsame, beinahe erotische Anziehung zu "Wendy" und "Bad Steel" steht ihrer pazifistischen Überzeugung nicht im Wege - im Gegenteil, Dick und Stevie spüren schon bald ein ganz neues, nie gekanntes Selbstbewusstsein. Gemeinsam mit einer Reihe anderer junger Ausgestoßener in der Stadt, gründen sie in einem verlassenen Minenschacht einen geheimen Club, die "Dandies". Ein Club, der auf den Grundsätzen des Pazifismus, doch gleichzeitig auf der Lehre von Waffen beruht. Trotz ihres festen Glaubens an die wichtigste aller Dandy-Regeln - "Ziehe niemals deine Waffe" - finden sie sich bald in einer misslichen Lage wieder, in der sie merken, dass Regeln dazu da sind, um gebrochen zu werden.
"One shot is all it takes."

Die Ehre als Closing Night-Beitrag des Fantasy Film Festivals 2005 wurde diesem kurioses Stück Kino zu Teil. Es ist schon ein Wunder, dass bei dieser Thematik für das kuriose Drehbuch überhaupt Geldgeber zu finden waren. Wenn man vorab das Script lesen würde, könnte man denken, dass dieser Stoff etwas zu unkonventionell wäre. Die kurze Zusammenfassung würde lauten: "Ein Junge schreibt seiner Waffe einen poetischen Liebesbrief: Dear Wendy...!"
Aus dieser irren Idee zauberte man dann folgende Geschichte: Ein paar Loser in einer Industriestadt in den USA gründen zusammen eine Bande, die ihren Idealismus dadurch definiert, indem sie das Dandytum, das aus dem 19. Jahrhundert herrührt, als Direktive für ihr Tun auswählen. D. h. also einen gewählte Ausdruck in der Sprache, kulturelle Wissbegierde, Oscar Wilde-Lektüre und Samtklamotten. Zudem stellen sie einige Regeln und Gesetze auf, denen sie bis zur Selbstaufopferung bedingungslos folgen wollen. Fetischgleich verehren sie ihre Schusswaffen, denen sie auch Namen geben, die sie aber eigentlich niemals zu Zerstörungszwecken anwenden würden. Der örtliche Cop (Bill Pullman) stellt dem Anführer der Dandy-Gang Dick (Jamie Bell) im Zuge eines sozialen Experiments einen schwarzen Straftäter zur Seite, um ihm durch seine angebliche Vorbildfunktion als Hobby-Bewährungshelfer den richtigen Weg zu weisen. Zufälligerweise ist dessen Oma auch die Haushälterin, die Dick erzogen hat. Das Problem, das letztendlich in einem Fiasko endet, ist im Prinzip sehr einfach.



Die ängstliche Oma soll nach fünf Jahren wieder ihr Haus verlassen, damit sie eine Nachbarin zum Geburtstag besuchen kann. Als Geleitschutz abkommandiert, schützt die Truppe mit ihren unzerrüttbaren Idealen die Oma bis in den Tod, weil es durch einige Verwicklungen zu einem Todesfall kommt, den der örtliche Cop zum Anlass nahm, ganze Schwadronen an Einsatzkräften gegen die zusammengewürfelte, sechsköpfige Bande zu stellen. Der Kaffee muss zudem in die Kaffeemaschine! Allerdings wurde die verrückte Story von niemand Geringerem als Lars von Trier ersonnen, die dieser dann von seinem dänischen Kollegen Thomas Vinterberg ("Das Fest") absolut undogmatisch inszenieren ließ. Denn bei "Dear Wendy" wurden auf die strikten filmischen Regeln der Dogma-Filme dankenswerterweise verzichtet. So wackelt kaum eine Kamera, ertönt zuweilen ein dramatisierender Soundtrack und die Lichtverhältnisse sind gut illuminiert. Einen vergleichbaren Film bekommt man selten unter die Augen, deshalb attestieren wir "Dear Wendy" einen eigenwilligen Status in der Filmlandschaft.
Im Prinzip hat Lars von Trier bei "Dear Wendy" ebenfalls eine Art "USA - Land of Opportunities"-Szenerie entworfen, denn bei jenen Filmen der Trilogie "Dogville", "Manderlay" und bald folgend "Washington" sind es Kreidezeichnungen in einem Raum, die als Kulissenteiler dienen, hier ist es der abgeschlossene und begrenzte Distrikt "Electric Park", der als Mikrokosmos entworfen wurde.
Bei einer Planzeichnung von Dicks Rettungssaktion kommt diese Assoziation direkt in den Sinn. Die Story karikiert schlussendlich den "American Way of Life" mit seinem Waffenfetischismus, den die erklärten Pazifisten-Dandies ohne Rücksicht auf Verluste bis zum bitteren Ende gehen wollen. Dabei bleibt die eigentliche romantisierende Intention der Underdogs nicht nachvollziehbar, denn soeben durch ihren Gemeinschaftssinn aus ihrem Versagertum zu Helden im Alltag erstarkt, werfen sie ihre soziale Errungenschaft durch ihren Fatalismus wieder weg. Prinzipien sind daher immer in irgendeiner Form fatal. Auch die einer Religion, die die jungen Leute sich selbst aufbauen. Dass es bei der Verrücktheit der Geschichte alleine durch die abstrusen Vorgängen zu einigen Lachern kommt, ist vorprogrammiert, denn wenn sie sich ihre Hodensäcke abklemmen, um sich vom Schmerz berauscht gestärkt in die Schlacht zu werfen, lachte das ganze Kino.



Legend sicherte sich schon früh die Rechte und schaffte es sogar, dass "Dear Wendy" im deutschen Kino lief. Warum die FSK ihm eine Freigabe unter 18 verwehrte, lässt sich an dem Zitat von Markus Popescu von Legend Film, der wiederum die FSK zitierte, erkennen: "Es bleibt bei der Einstufung KJ, hauptsächlich wegen einer "manischen und libidinösen Fixierung auf Waffen", befürchteter "Desorientierung von gefährdeten Jugendlichen" und der "Möglichkeit, dass er ein diffuses negatives Lebensgefühl von jugendlichen Außenseitern ... und falsche Vorbildmuster vermittelt" (Auszug FSK-Begründung). "Wichtiger Teil der Argumentationskette waren weiterhin die Vorfälle von Littleton und Erfurt". Zitat Ende ...

Schade, dass "Dear Wendy" durch die staatlichen Restriktionen fernab der nüchternen Filmkritik zu einem Politikum wurde und die Diskussion über einen sehenswerten Film in eine falsche Richtung gelenkt hat. Warum regt man sich nun auf, wenn die Protagonisten ihre Waffe als Sprachrohr benutzen, um ihre Regeln zu verteidigen ... zwar etwas im Kontext romantisiert, doch letztendlich müsste im Gegenzug jeder Action- und Westernfilm in Frage gestellt werden. Aber lassen wir nun die selbst angeprangerte Diskussion über die Gewaltverherrlichung und wechseln lieber zu hier vorliegenden 2-Disc Special Edition von "Dear Wendy".


Anamorph codiert hinterlässt der Transfer einen solide Eindruck und wartet mit einer guten Schärfe auf, welche aber etwas unter den eingesetzten Stilmitteln zu kämpfen hat. Richtig detailliert will das Bild einfach nicht werden und selbst in Nahaufnahmen von Gesichtern wirken diese noch zu weich und offenbaren stattdessen dezente stehende Rauschmuster. Auch die Kompressionen arbeiten nicht so sauber wie erwartet und so lässt sich im Hintergrund immer wieder Blockrauschen ausmachen. Dafür ist das Bild aber frei von Defekte und Verschmutzungen. Der Kontrast liefert eine gute Arbeit ab, verschluckt keine Details, zeigt dafür auch nur einen recht schwachen Schwarzwert, was aber durchaus so gewollt war. Zudem sind die Farben recht blass gewählt und können gerade noch als natürlich angesehen werden. Desweiteren liegt ein leichter "milchiger" Schleier über den Transfer - welcher nie aufdringlich erscheint, dafür aber die Atmosphäre des Filmes unterstreicht. Einziger wirklicher Wermutstropfen ist das leichte Nachziehen in Kameraschwenks.
Wer bei "Dear Wendy" einen brachialen Sound erwartet wird wohl etwas enttäuscht sein, den meist spielt sich der "Dialogfilm" nur im Frontbereich ab und lediglich im Bereich Musik, bei dezenten Umgebungsgeräuschen oder äußerst selten auftretenden Surroundeffekten, bekommen die Rears etwas zu tun. Das geschieht aber äußerst selten und selbst wenn die Möglichkeit besteht, mit Umgebungsgeräuschen Räumlichkeit zu erzeugen, bleibt der Effektbereich stumm und das Ganze klingt lediglich wie eine bessere Stereospur. Das mag dann vielleicht im Sinne des Erfinders sein, aber ist einfach verschwendetes Potenzial der DVD-Technik. Zumal der englische Track im Frontbereich noch einmal eine ganze Spur frischer und voluminöser wirkt. Die deutsche Front klingt deutlicher dumpfer und selbst der DTS-Track erweist sich als recht überflüssig. Optional lassen sich deutsche und englische Untertitel hinzuschalten.


Bis auf den deutschen Trailer, sowie den informativen und unterhaltsamen Audiokommentar von Regisseur Thomas Vinterberg und Kameramann Anthony Dod Mantle auf der Hauptfilm-DVD, welcher zudem noch deutsch untertitelt wurde, befinden sich sämtliche Extras auf der beiliegenden Bonus-DVD. Hier macht dann ein knapp 25minütiges Making of den Anfang, welches neben einigen Informationen seinen Werbezweck erfüllt und mit vielen Lobhudeleien aufwarten darf. Weiter geht es mit vier nicht verwendeten Szenen und einem alternativen Ende, welche optional auch mit Kommentar geschaut werden können. Egal für was man sich entscheidet - beide Male wurde das Gezeigte deutsch untertitelt, außerdem liegen die Szenen in guter Qualität und anamorph abgetastet vor. Danach folgt ein 17minütiges Interview mit Thomas Vinterberg und Lars von Trier. Ebenfalls deutsch untertitelt erfährt man eine Menge über die Idee zum Film und dessen Entstehung, man muss sich aber auch mit anschauen, wie beide sich ständig gegenseitig loben. Etwas humorvoller geht es in "Neun Briefe an Dear Wendy" zu, in dem neun Personen aus Cast & Crew der Pistole Wendy einen Brief schreiben und jeweils vortragen. Dies läuft vor Filmausschnitten ab, dauert insgesamt knapp 20 Minuten an und nimmt sich nicht sonderlich ernst.
Zum Schluss bekommen wir noch eine Poster- und Artwork-Galerie spendiert, sowie den Original-Trailer, zwei englische Trailer und ein TV-Spot. Abgerundet wird das Ganze mit einem 16seitigen Bookelt, welches neben Hintergrundinformationen noch ein Interview mit Lars von Trier beinhaltet.


"Dear Wendy" ist der perfekte Seitenhieb auf den "American Way of Life", politisch unkorrekt und stellt eine gelungen Satire aus den Federn Lars von Triers dar, welcher den Waffenfetischisten ordentlich den Stinkefinger zeigt. Die 2-Disc Special Edition erscheint in einem schönen aufklappbaren Digipack mit Pappschuber und wartet mit einer guten, obgleich nicht überragenden technischen Umsetzung auf, welche vor allem im Bereich Soundabmischung noch einiges zu wünschen übrig lässt. Dafür halten uns die Extras für einige Stunden auf Trapp und "Dear Wendy" wird man sich sowieso noch unzählige Male anschauen.


Film+++++-
Bild++++--
Ton+++---
Bonus++++--


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