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DK, NO, SE 2005
Originaltitel:Naboer
Alternativtitel:Next Door
Länge:72:32 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:Keine Jugendfreigabe
Regie:Pål Sletaune
Buch:Pål Sletaune
Kamera:John Andreas Andersen
Musik:Simon Boswell
Darsteller:Kristoffer Joner, Cecilie A. Mosli, Julia Schacht, Anna Bache-Wiig, Michael Nyqvist
Vertrieb:Legend / Universum FIlm
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, DTS 5.1 (nur dt.)
Sprache:Deutsch, Norwegisch
Untertitel:Deutsch
Specials:
  • Audiokommentar mit Kristoffer Joner und Pål Sletaune
  • Deutscher Trailer (1:36 Min.)
  • Original-Kinotrailer (1:36 Min.)
  • 3D-Animationsskizzen (3:23 Min.)
  • Hinter den Kulissen (14:30 Min.)
  • The Girls Next Door: Interview mit Cecilie A. Moslund Julia Schacht (3:36 Min.)
  • Production Design: Interview mit Jack von Domburg und Pål Sletaune (5:05 Min.)
  • Nicht verwendete Szenen, wahlweise mit/ohne Audiokommentar von Pål Sletaune (11:05 Min.)
  • Trailershow:
    • Chopper (1:51 Min.)
    • Temmink (1:05 Min.)
    • Irreversibel (1:36 Min.)
    • The Bunker (1:34 Min.)
    • Ken Park (1:25 Min.)
    • Hardcore (0:54 Min.)
    • Menschenfeind (1:33 Min.)
    • A Hole in my Heart (0:47 Min.)
Gerade macht John (Kristoffer Joner) eine schwere seelische Krise durch, denn seine langjährige Beziehung mit Ingrid ging in die Brüche. Als sie vor der Tür steht, um ihre restlichen Sachen abzuholen, sieht man in seinem Gesicht förmlich die verzweifelte Hilflosigkeit. Nachdem Ingrid scheinbar wieder in das Auto ihres neuen Freundes eingestiegen ist, macht John die Bekanntschaft seiner hübschen Nachbarinnen Kim und Anne. Bizarr ist nur, dass er die Wohnung nebenan vorher niemals beachtet hat. Das Verhalten der beiden Frauen ist allerdings mehr als eigenwillig. Anne hat die Beschützerrolle für Kim übernommen, weil jene in dieser Wohnung von Männern überfallen und zwei Tage lang vergewaltigt wurde. John soll nun in den ziemlich verdreckten Räumen der Nachbarwohnung die Aufpasserrolle für den von Phobien geplagten Kim für eine kurze Zeit übernehmen. Komischerweise wissen die beiden Nachbarinnen genauestens Bescheid über seine Beziehung mit Ingrid und begründeten dies damit, dass die Wände dünn sind. Zunächst abweisend willigt John schließlich doch ein, dass er für ein paar Stunden bei Kim bleibt. Er hat sich auf ein Spiel eingelassen, aus dem er scheinbar nicht mehr herauskommt. Kim umgarnt ihn mit ihrem Lolitacharme so, dass John die Kontrolle verliert und sich seinen Obsessionen zu ihr hingibt. Der Liebesakt der beiden ist erschreckend. Mit Faustschlägen malträtieren sich Kim und John gegenseitig, sodass ihre Körper im Sexakt über und über in Blut getränkt sind. Das was danach folgt ist der pure Wahnsinn: Terror, Sex, Gewalt und Schizophrenie, denn nachdem John von beiden Frauen festgehalten wurde, verliert er die Kontrolle und die Realität existiert einfach nicht mehr ...
Na einwandfrei, endlich eine Entdeckung, die man in der Form auf der Rechnung hatte. Von den Veranstaltern als einer ihrer Favoriten des Programms betitelt, erntete der norwegische (Mystery)-Thriller auch bei dem Publikum durchweg positive Resonanzen. Zunächst wurde man richtig gefesselt von den vordergründigen Vorgängen, die dann ganz hinterlistig den Protagonisten, aber auch den Zuschauer im gewissen Maße in den Wahnsinn trieben. Regie führte Pal Sletaune, der damals seinen Hollywood-Einstandsfilm mit Interner Link"American Beauty" machen sollte, doch diese große Chance aus unerfindlichen Gründen ablehnte. Nun hat er sich seinen eigenen Film geschrieben, und der kann sich auch international blicken lassen. Vergleiche hinken bei Filmen ja immer, doch es ist nicht von der Hand zu weisen dass sich Pal Sletaune von Roman Polanskis Interner Link"Ekel" und natürlich von den David Lynch-Filmen "Blue Velvet" und Interner Link"Lost Highway" lenken ließ, um aus diesen Stützfeilern einen eignen kreativen Film zu formen. Versteht das nicht falsch, es werden hier keine Handlungsstränge kopiert, sondern es stellt sich nur das gleiche Feeling ein wie bei den angesprochenen Vorbildern. Das ist dann ganz große Kunst der Inszenierung, wenn jeder Wimpernschlag der Darsteller die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers erntet und man sich von dem kleinsten Hinweis zum anderen hangelt, um endlich hinter das Geheimnis der mysteriösen Vorgänge zu kommen.
Die kurzen 76 Minuten kommen einem gar nicht so kurz vor, dermaßen wird man von "Naboer" aufgesogen, wie es analog im Film mit John geschieht, indem er sich in den labyrinthischen, nicht endeten und verdreckten Gängen des Appartements verirrt. Die Auflösung kann man unter Umständen erraten, wenn man deutet, aus welcher Kiste John die Utensilien seiner verlorenen Liebe Ingrid herausnimmt. Doch zunächst ist es ungemein faszinierend, aber gleichermaßen abstoßend, wie die verführerische Kim mit ihrer anziehenden Schlampenerotik John um den Finger wickelt und ihn als scheinbar normalen Mann zu einem mit sadomasochistischer Ader mutieren lässt.



"Naboer" ist aufgrund dieser expliziten Vermengung zwischen Erotik und Gewalt, die dann in einem ekstatischen Liebesakt von John und Kim endet, der erste Film seit 17 Jahren, der in seinem Heimatland das seltene 18+ Siegel bekam. Mitunter für das Gelingen der beklemmenden Atmosphäre verantwortlich ist die unverkennbare Handschrift eines der vielseitigsten Soundtrackspezialisten, Simon Boswell. Der Mann, der vielen Italo-Horrorfilmen, wie etwa Interner Link"Demons", Interner Link"The Church", oder Interner Link"Dust Devil", Interner Link"M.A.R.K. 13" bis hin zu Interner Link"Lord of Illusion", "Perdita Durango" oder "Shallow Grave" - um nur einen Bruchteil zu nennen - das musikalische Gesicht gegeben hat. Die Darsteller sind natürlich international eher unbekannt, was dem Film aber in keiner Weise schadet. Vor allem Kristoffer Joner, einem Kevin Bacon nicht unähnlich, spielt sich hier als Mann von nebenan, der sich in ein psychisches Wrack verwandelt, den Arsch ab. Die Erotik, die der Film vermittelt, ist trotz des schlampigen Auftretens von Kim, die von der Newcomerin Julia Schacht verkörpert wird, in dem schäbigen Umfeld ziemlich knisternd. Dass diese ambivalente Empfindung der erotischen Faszination beim Zuschauer trotz der nihilistischen Destruktion auftritt, können wir ebenfalls dem Können des Regisseurs zuschreiben.



"Manche Türen sollten nie geöffnet werden ..."

Kommen wir nun zu deutschen DVD-Veröffentlichung aus dem Hause Legend Entertainment. Da "Next Door" ein sehr dialoglastiger Film ist, gibt sich die Abmischung auch dementsprechend frontlastig. Die Dialoge sind dabei zwar überwiegend gut zu verstehen, wirken aber nicht so sauber und klar, wie man es sich gewünscht hätte. Vielmehr werden die Stimmen hin und wieder etwas verschluckt und zeigen deutliche Schwächen im Dynamikbereich. Die Effektlautsprecher werden hierbei überwiegend für die Musik oder gezielt eingesetzte Effekt genutzt, welche dann aber etwas kraftlos und ohne wirklichen Tiefenbass gestreut werden. Der deutsche DTS-Ton unterscheidet sich nicht sonderlich von der Dolby Digital-Spur und der norwegische 5.1 Mix wiederum setzt sich lediglich im Dialogbereich von den beiden anderen Tracks ab. Er wirkt hier etwas angepasster, dafür aber auch etwas zu dumpf und bei weitem nicht so dominant wie der deutsche Track.
Der Kontrast ist sehr hart gewählt, offenbart uns aber ein überwiegend satten und kräftigen Schwarzwert. Leider werden in dunklen Szenen einige Details verschluckt und helle Flächen erscheinen recht steil und etwas unnatürlich, was allein schon durch die wechselhafte Farbgebung als gewolltes Stilmittel auszumachen ist. Die besagte Farbgebung wechselt hierbei zwischen einem erdigen und einem grünen bzw. blauen Farbton hin und her und auch die Schärfe erscheint recht wechselhaft. So wirkt der anamorphe Widescreen-Transfer in den Totalen sehr weich, dank sichtbarer Nachschärfung, welche sich durch leichte Doppelkonturen und eine knackige Kantenschärfe zu erkennen geben, wirkt das Bild aber nie wirklich unscharf. In den Nahaufnahmen erreicht der Transfer sogar recht gute Werte, welche aber durch stehende Rauschmuster und sichtbaren Hintergrundrauschen getrübt werden. Die Kompressionen machen hierbei einen angenehmen Eindruck, offenbaren jedoch hin und wieder dezentes Blockrauschen und leichte Artefaktebildung im Hintergrund. Dafür ist die Vorlage nahezu frei von Verschmutzungen und Defekten.


Das Bonusmaterial sieht auf den ersten Blick mehr aus, als es schlussendlich ist, dennoch dürfen wir uns nicht beklagen. Neben dem sehr interessante, wie informativen Audiokommentar mit Regisseur Pål Sletaune und Darsteller Kristoffer Joner, welcher deutsch untertitelt wurde, darf weder der deutsche, noch der Original-Kinotrailer, sowie eine obligatorische Trailershow fehlen. Weiterhin gibt es einen knapp 15minütigen Einblick hinter die Kulissen, welcher sogar deutsch Untertitelt wurde, aber insgesamt leide zu kurz ausgefallen ist. Dabei ist das gezeigte wirklich sehenswert und neben Set- / und Drehaufnahmen, gibt es noch Statements der beteiligten - warum nicht mehr davon? Die 3minütigen 3D-Animationsskizzen zeigen in Rendergrafik eine animierte Führung durch das Haus. Nicht sonderlich interessant, was nicht nu daran liegt, dass alles recht trostlos ausschaut, sondern das hier jeglicher Informationsgehalt fehlt.
Etwas interessanter wird es beim knapp 4 Minuten langen Interview mit den beiden hübschen Hauptdarstellerinnen Julia Schacht und Cecilie A. Mosli, sowie ein 5minütiges Interview mit Pål Sletaune und Jack von Domburg welche ein wenig über das Produktions-Design in Next Door" sprechen. Beide Interviews sind zwar recht kurz, aber wurden dafür ebenfalls deutsch untertitelt. Zum Schluss werden uns noch 11 Minuten an nicht verwendete Szenen spendiert, welche wahlweise mit Regiekommentar abgespielt werden können. Leider war es das dann auch schon und wir können froh sein, dass wir zumindest etwas bekommen haben, vor allem der Audiokommentar, der das Herzstück der Extras darstellt. Die Kaufhaus-DVD wir zudem mit einem Schuber ausgeliefert.


"Next Door" ist ein intensives Erlebnis - ein wahrer Geheimtipp, der in keiner Sammlung fehlen sollte und mit Sicherheit noch für Gesprächsstoff sorgen wird. Die DVD aus dem Hause Legend Home Entertainment ist glücklicherweise völlig ungekürzt und die 18er Freigabe ist ausnahmsweise einmal gerechtfertigt. Technisch befindet die DVD sich auf einem soliden Level, hätte allerdings in allen Belangen etwas besser ausfallen dürfen. Doch produktionsbedingt dürfen wir mit Bild und Ton zufrieden sein und dank einer ansprechenden Präsentation, stellt man sich "Next Door" gerne ins Regal.


Film++++++
Bild++++--
Ton++++--
Bonus+++---


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