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AT 1997
Originaltitel:Funny Games
Länge:104:06 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 18 Jahre
Regie:Michael Haneke
Buch:Michael Haneke
Kamera:Jürgen Jürges
Musik:Georg Friedrich Händel, Pietro Mascagni, Wolfgang Amadeus Mozart, John Zorn
SFX:Danny Bellens, Willi Neuner, Mac Steinmeier
Darsteller:Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Arno Frisch, Frank Giering, Stefan Clapczynski, Doris Kunstmann, Christoph Bantzer
Vertrieb:Concorde
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, DTS 5.1, Dolby Digital 2.0
Sprache:Deutsch
Untertitel:-
Specials:
  • 4seitiges Booklet
  • Interview mit dem Regisseur Michael Haneke und dem französischen Filmkritiker Serge Toubiana (18:26 Min.)
  • Gesammelte Pressezitate (1 Seite)
  • Programmtips:
    • American Psycho (1:47 Min.)
    • Demonlover (1:41 Min.)
    • Brothers Grimm (2:32 Min.)
  • DVD-ROM-Teil mit Weblink
  • Hinweise (1 Seite)
Urlaubsbeginn. Anna, Georg und ihr kleiner Sohn Georg fahren in ihr idyllisch gelegenes Haus am See. Die Nachbarn, Fred und Eva, sind bereits angekommen. Für morgen ist man zum gemeinsamen Golfen verabredet. Während Vater und Sohn unter herrlichem Wetter das frisch renovierte Segelboot auftakeln, bereitet Anna das Abendessen vor. Plötzlich steht Peter, der junge, sichtlich wohlerzogene Gast der Nachbarn in der Haustür und bittet Anna um ein paar Eier. Bereitwillig kommt sie der Bitte nach, doch sie stutzt und fragt, wie er denn auf das Grundstück gekommen sei. Da sei ein Loch im Zaun, entgegnet Peter, Fred habe es ihm gezeigt ...
"Funny Games" ist der krasse Gegensatz zu jeglichem Popcornkino: Sperrig, inhaltsreich und schwer zu verdauen. Regisseur Haneke liefert eine Abhandlung über Gewalt, Voyeurismus und Abstumpfung. Mittels eines perfiden Tricks zwingt er den Zuschauer direkt Stellung zu nehmen. Aber erst einmal zur Story:


Anna, Georg und ihr Sohn Georg junior sind eine Heilewelt-Familie. Für zwei Wochen soll richtig schöner Urlaub passieren. Das ganze Programm: Golfen mit den Nachbarn, Grillen mit den Bekannten und auf dem See Bootfahren. Also alles, was sich eine Wohlstandsfamilie im Urlaub leisten muss. Ehe- und Hausfrau Anna ist eine phrasenschwingende, unsichere Frau. Der Bilderbuchurlaub wird durch zwei unliebsame Besucher gestört. Sie bekommen Besuch von Peter und Paul, zwei wohlerzogene junge Männer, die mit guten Manieren, aber abgrundtief bösen Absichten protzen. Scheinbar aus Spaß beginnen sie ein "Funny Game" mit der Familie: Dem Vater wird das Bein gebrochen, die Frau muss sich ausziehen, um zu beweisen, dass sie keine Fettröllchen hat, und so weiter. Auch drängt Peter der Familie eine Wette auf: Binnen 12 Stunden ist jedes Familienmitglied tot.


Jedes Mal, wenn es zu Gewaltszenen kommt, wendet sich die Kamera ab. Auch in der Sequenz, in der sich Anna erniedrigen muss und sich auszieht, sehen wir nur die Gesichter der Zuschauer. Unser Voyeurismus wird nicht befriedigt und aufgrund der konsequenten Verneinung sogar vor Augen gehalten. Aber der Film geht noch einen Schritt weiter: Verschiedene Male wendet sich Peter direkt an die Kamera, fragt den Zuschauer unverblümt, wie er das Geschehen findet. In einer wichtigen Szene fragt er sogar, auf wen das Publikum wetten würde - die beiden jungen Psychopathen oder die Familie? Wer ist sympathischer, zu wem hält der Zuschauer? Die ekelig-neureichen Spießer, die in jedem Satz eine nichtssagende, leere Phrase aussprechen? Oder die beiden "Terroristen", die das alles subversiv angreifen, unterwandern und im Keim ersticken? Die brutal und ekelerregend vorgehen, um ihre Opfer zu erschrecken und den Zuschauer zu provozieren? Die Wahl muss wohl jeder Zuschauer für sich selber treffen.


"Funny Games" ist wirklich harter Stoff. Er reflektiert die Mediengewalt, hält uns (besonders am Ende) grauenhaft vor Augen, das alles was wir sehen in gewisser Weise Fiktion und Realität in einem ist. Wieder haben wir einen komplizierten Kausalzusammenhang - Film imitiert Leben imitiert Film imitiert Leben? Vermutlich so in etwa. Und als sich der Film in ein Paralleluniversum spaltet, zeigt uns Haneke deutlich, dass das alles nur ein Film ist - oder doch nicht?

Aber auch die Medien kommen hier nicht gut weg. So rufen sich die beiden Killer wahlweise Peter und Paul, Tom und Jerry oder gar Beavis und Butthead. Und als die Fernbedienung dazu dient, den Triumph der Ehefrau zu verhindern, ist klar, was uns Haneke da sagen will.


Das Bild der deutschen Concorde-DVD ist ganzheitlich sehr weich, bietet also kaum Details, egal welche Aufnahme man sich gerade anschaut. Eine geringe Nachschärfung hilft dem auch nicht auf die Sprünge, dafür ist das Rauschen aber verschwindend gering. Die Farben sind auf passende Art und Weise dem wenig fröhlichen Film angepasst, nur der Kontrast neigt zu Überhellungen. Schaut man sich die anderen DVDs dieses Titels an, wird man kaum Besseres erblicken, was nicht bedeutet, dass man das nicht erwarten könnte. Besonders in stark abgedunkelten Szenen ist das Geschehen mit einem Farbstich beladen und nicht genügend ersichtlich. Artefakte seitens der Kompression oder erwähnenswerte Verschmutzungen bekommt man kaum zu Gesicht, dafür tritt aber während der wenigen Kameraschwenks stets eine geringe Verwischung auf. Höchst durchschnittlich also.


Alles mehr als Stereo ist für diesen Film überflüssig. Einzig die Eingangssequenz verlagert die Musik ein wenig auf die hinteren Kanäle, was kaum der Rede wert ist, aber danach ist Ruhe in der Surround-Welt. Die Dialoge sind dank deutscher Originalsprache sehr lebensnah, also nicht perfekt abgemischt, weil etwas weich, neigen aber zu leichten Übersteuerungen bei hoher Lautstärke. Trotzdem wird man damit völlig zufriedengestellt. Der DTS-Modus ist eine nutzlose Beigabe, höchstens etwas lauter, aber sicherlich nicht besser.

Das von der französischen DVD vielleicht schon bekannte Interview mit dem Regisseur wurde für diese DVD deutsch untertitelt. Es enthält wesentliche Gedanken Hanekes zu seinem Film, welche wirklich sehenswert sind, und unterstreicht seine Ausführungen meist mit Szenen aus dem Film, welche vom Gespräch teilweise überlagert werden. Als weitere Extras sei auf das Booklet verwiesen, welches kurze Biografien zu den vier Hauptdarstellern parat hält, als auch die Pressezitate auf einer Texttafel der DVD. Zusätzlich sind noch 3 Trailer anwählbar, leider keiner zum Film selbst.


Definitiv kann ich sagen, dass jeder (über 18) sich diesen brillanten Streifen ansehen sollte - schon alleine um seine eigene Lust an plastischer Gewalt und Abstumpfung zu überprüfen. Ein grauenhaftes Meisterwerk. Der vermutlich beste österreichische Film, den ich je gesehen habe. Anzumerken ist noch, dass Haneke bereits ein Remake seines, wie er selbst sagt, gespalten aufgenommenen Werks in Vorbereitung hat.


Film+++++-
Bild+++---
Ton+++---
Bonus++----


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Funny Games
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