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USA 1984
Originaltitel:Streets Of Fire
Länge:89:53 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 18 Jahre
Regie:Walter Hill
Buch:Walter Hill, Larry Gross
Kamera:Andrew Laszlo
Musik:Ry Cooder, Fire Inc., Laurie Sargent, The Blasters, Winston Ford, The Fixx
Darsteller:Michael Paré, Amy Madigan, Diane Lane, Rick Moranis, Willem Dafoe, Deborah Van Valkenburgh, Richard Lawson, Rick Rossovich, Bill Paxton, Lee Ving, Stoney Jackson, Grand L. Bush, Robert Townsend, Elizabeth Daily, Mykelti Williamson, Marine Jahan, Ed Begley Jr.
Vertrieb:Universal
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.33:1 (Vollbild)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Surround
Sprache:Englisch, Deutsch, Französisch
Untertitel:Englisch, Deutsch, Französisch, Tschechisch, Holländisch, Ungarisch, Polnisch
Specials:
  • Original Kinotrailer (2:33 Min.)
Während eines Auftritts wird die Rocksängerin Ellen Aim (Diane Lane) von der Bühne herab gekidnappt. Ihr alter Freund Tom Cody (Michael Paré) begibt sich auf die Spur der Entführer. Bei diesen handelt es sich um die Bomber, eine Motorradgang unter der Führung des berüchtigten Raven (Willem Dafoe). In der Battery, einem heruntergekommenen Industriegebiet, in dem die Bomber regieren, kommt es zum Showdown.
- "Ich bin Soldat. Das war ich wenigstens bis vor einem Jahr. Dann sind mir die Kriege ausgegangen." (McCoy)


Walter Hill ("The Warriors", Interner Link"Red Heat", "Last Man Standing") gehört sicherlich zu den Regisseuren, die das Action-Kino der 80er Jahre am meisten geprägt haben. Sein Interner Link"Nur 48 Stunden" beispielsweise gehört zum Besten, was dieses Jahrzehnt auf dem humorigen Action-Sektor hervorgebracht hat. Mit "Straßen in Flammen" beschreitet Hill in gewisser Weise Neuland, verlässt sein gewohntes Terrain dabei allerdings keineswegs. Denn im Grunde bleibt auch dieser Film eine Action-Story, genau genommen sogar eine, wie sie simpler kaum sein könnte. Ist man nämlich einmal mit der groben Inhaltsangabe vertraut, so erwarten einen keine größeren Überraschungen hinsichtlich des Plots. Nachdem Cody seine Exfreundin aus den Klauen der Gang befreien konnte, meldet sich deren Boss zurück und fordert Cody zum Duell auf offener Straße heraus. Dies ist freilich nicht das einzige Western-Motiv, das in "Straßen in Flammen" auszumachen ist. Neben der Handlung, die Cody ebenso gut ein blondes Mädchen aus dem verfeindeten Indianerlager oder dem Saloon des Ölprinzen hätte befreien lassen können, dürfen auch diverse Elemente des Scores sowie zahlreiche Aspekte der Kameraarbeit als Referenz ans Genre verstanden werden.


Sowohl optisch als auch inhaltlich funktionieren derlei Verweise bestens. Einer der wichtigsten Faktoren, die den Western zumindest phasenweise so beliebt machten, war das Gefühl von Freiheit, das beim Zuschauer auch dadurch entstand, dass die Filme ihn in eine andere Welt entführten, deren Probleme und Gefahren er im Kino genießen, sich aber keine allzu großen, realen Gedanken darüber machen musste. Auf ganz ähnliche Weise funktioniert auch "Straßen in Flammen", in dem sich ebenfalls ein einsamer Held den die Straßen beherrschenden Gesetzlosen stellt. Auch hier wird der Bezug zur zeitgenössischen Lebensrealität auf ein Minimum reduziert.


Der Look des Films verstärkt diese Wirkung noch um ein Vielfaches, denn wie bereits der eingeblendete Text noch vor den Credits zeigt, befinden wir uns in einer Rock'n Roll-Fabel, die in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort spielt. Diese viel sagenden, aber unbestimmten Angaben erlauben die zahlreichen Anachronismen, die sich in "Straßen in Flammen" sammeln. Der offensichtlich (und erwartungsgemäß) aus den 80ern stammende Soundtrack klingt durch Straßen, deren Restaurants und Cafes im Stil der 60er gehalten sind, wohingegen die gesamte Szenerie an die 50er Jahre erinnert. An dieser Stelle darf auch einmal darüber nachgedacht werden, wie weit Walter Hill hier tatsächlich seiner Zeit voraus war. Schaut man sich die verschiedensten Comic-Verfilmungen des neuen Jahrtausends an, erinnern auch deren Settings auffallend häufig an die 50er Jahre. Ebenso verhält es sich mit den Polizeiwagen und -uniformen, die in ihrem Design ebenfalls an dieses Jahrzehnt angelehnt sind.


Die geistige Verwandtschaft zu mancher Comicverfilmung findet sich auch in der Gestaltung der Bösewichte wieder. Vor allem Willem Dafoe trägt hier ein Kostüm, welches aus heutiger Sicht wohl am ehesten als Mischung aus Anglerbedarf und Lack-Fetisch zu beschreiben ist. Ob man sich bereits damals darüber klar war, dass dieses Outfit für einige unfreiwillige Lacher sorgen würde, ist nicht bekannt, allerdings wird sich dies über zwanzig Jahre später kaum vermeiden lassen. Abgesehen davon ist die Battery aber durchaus imposant in Szene gesetzt, auch bei den weiteren Gangmitgliedern hat man auf allzu abgedrehte Kostüme verzichtet, was sie stimmiger und bedrohlicher erscheinen lässt. Aber auch sie haben keinen konkreten Stil, sondern stellen eher eine Mischung aus Rockabillys und Rockern dar, was einmal mehr zwei unterschiedliche Dekaden vereint und die Bomber zu äußerst interessanten Schurken werden lässt, wenngleich sie - ganz wie im Western - mit Ausnahme ihres Anführers allesamt absolut eindimensional bleiben.


Auf der Seite der Guten haben wir es hingegen mit den Genre-typischen Figuren zu tun. Michael Paré als schweigsamer Held dürfte nicht jedermanns Geschmack treffen, allein schon aufgrund seines doch etwas schmächtig geratenen Körperbaus, erfüllt seine Rolle aber ansonsten bestens. Seine ehemalige Liebe wird von Diane Lane verkörpert, wirkt eher wie ein Dummchen und wird eigentlich nie richtig sympathisch, was vielleicht auch daran liegen mag, dass sie mit dem obligatorischen Arschloch liiert ist. Da dieser Part von Rick Moranis (Interner Link"Ghostbusters") ausgefüllt wird, zweifelt man nicht nur an Ellens Verstand, sondern darüber hinaus auch an ihrem guten Geschmack. Dennoch versprüht Diane Lane, beispielsweise bei dem Live-Auftritt zu Beginn, mehr Sexappeal, als die meisten aktuellen Hollywood-Girlies in einem kompletten Film.


Der bereits erwähnte Moranis spielt hier wundervoll den ätzenden Billy Fish, Freund und gleichzeitiger Manager von Ellen, der durch obskure Karoanzüge und belustigend 'coole' Sprüche zwar etwas übertrieben daherkommt, aber allein schon aufgrund der Angriffsfläche, die er für die unterschiedlichsten Anfeindungen bietet, dem Film wahrhaft gut tut. Vervollständigt wird das Quartett durch Amy Madigan ("Stark - The Dark Half", "Female Perversions", Interner Link"The Day After"), deren toughe McCoy ausgezeichnet zwischen die anderen Figuren passt, kann sie doch anstelle des stillen Cody die garstigen Sprüche gegen Billy Fish abfeuern.


Zwar ist das Bild der DVD meist gut aufgelöst und auch frei von Kompressionsartefakten (siehe beispielsweise der anfängliche Live-Auftritt), was sich stellenweise leicht abschwächt, bei Farbe und Kontrast täte aber eine Nachbearbeitung Not. Trotz Alter und denkbarer stilistischer Tristesse überwiegen die dunklen Flächen doch zu sehr und die Farben scheinen sich manchmal etwas zu stark zu verlieren. Die Vorlage ist dafür bis auf wenige Kratzer gut in Schuss. Ein seichtes Rauschen liegt zwar auf dem Bild, was wohl unvermeidbar ist, es stört beim Anschauen aber selten. Die kurzzeitige schlechteste Qualität bietet eine kurze Übergangssequenz in Form eines Musikvideos ab der 46. Minute, die aussieht, als ob man hier wirklich eine Kassette von MTV gezogen hätte. Unbrauchbar wird diese DVD erst durch ihr Vollbildformat, welches natürlich nicht dem original Widescreen entspricht, sondern eher eine an den Seiten beschnittene Pan&Scan-Version ist. Dadurch ist die Bildkomposition in einigen Szenen natürlich völlig durcheinander, Darsteller bewegen sich auf der Kante zum Bildrand und man bekommt den Eindruck eines eingezwängten Bildes.


Egal ob nun O-Ton oder deutsche Synchro, die etwas frischer klingt, etwas kraftlos sind die Dolby Surround-Klänge schon, wobei man Glück hat, wenn der Score mal etwas Stereo-Breite verschafft. Aufregend wird es nämlich selbst in den Action-Szenen nicht, wobei grad die Herausarbeitung der massigen Explosionen noch etwas Lebendigkeit verschaffen würde. Auch die Filmmusik würde von einem etwas stärkeren Bass profitieren, ist aber soweit in Ordnung, verzerrt nur bei sehr genauem Hinhören und reicht für den passablen Eindruck.

Als einziges Extra darf der Kinotrailer antreten, wobei der nicht mal original ist, denn es ist kaum vorstellbar, dass der Film damals im arg beschnittenen Vollbild auf der großen Leinwand lief.


"Straßen in Flammen" wird Freunden bewährter 80er Action durchweg gefallen, bietet dazu aber noch die phantastischen und comichaften Elemente, die ihm, zumindest in Hinblick auf das Produktionsjahr, eine gewisse Originalität bescheren. Explosionen und Sprüche findet man reichlich, dafür bleibt die Story auf der anderen Seite recht dünn. An ihre Stelle tritt sozusagen der fast perfekt durchgestylte Look des Films. Kann man sich mit dieser Ausgangslage arrangieren und hat womöglich noch ein Faible für Western, so sollte man "Straßen in Flammen" definitiv einmal gesehen haben.


Film++++--
Bild+++---
Ton+++---
Bonus------


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