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USA 2000
Originaltitel:Citizen Toxie: The Toxic Avenger IV
Länge:108:50 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:Unrated
Regie:Lloyd Kaufman
Buch:Lloyd Kaufman, Patrick Cassidy, Gabriel Friedman, Trent Haaga, Adam Jahnke, Corey Kalman, Matt Levin
Kamera:Brendan Flynt
Musik:Wes Nagy
SFX:Barak Epstein, Matt Mastrella, Timothy Considine
Darsteller:David Mattey, Heidi Sjursen, Paul Kyrmse, Joe Fleishaker, Michael Budinger, Lisa Terezakis, Dan Snow, Debbie Rochon, Barry Brisco, Ron Jeremy, Corey Feldman, Rick Collins, Mark Torgl, Trent Haaga, Mitch Cohen, Caleb Emerson, Lisa Gaye, Yaniv Sharon, Bill Weeden, Jon Avner, James Gunn, Hank The Angry Drunken Dwarf, Tiffany Shepis
Vertrieb:Troma
Norm:NTSC
Regionalcode:0
Bildformat:1.33:1 (Vollbild)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Stereo
Sprache:Englisch
Untertitel:Englisch
Verpackung:KeepCase
Specials:
  • Kapiteleinleger
Disc 1
  • Director's Commentary
  • Actor's Commentary
  • Editor's Commentary
  • Wacky Outtakes (7:16 Min.)
  • Deleted Scenes:
    • Dick Culpa (0:22 Min.)
    • American Tragedy (0:49 Min.)
    • Let's Work (0:28 Min.)
    • Red Cuffs (0:56 Min.)
    • Counting Down (0:56 Min.)
    • Benoius Noseches (0:12 Min.)
    • No Smoking (0:21 Min.)
    • Noxie Kills (0:15 Min.)
    • Right Leg (0:13 Min.)
    • Mommy Complains (0:23 Min.)
    • Tito Knows The Truth (1:10 Min.)
    • Howl (0:21 Min.)
    • Prepared Speech (0:20 Min.)
    • Chester Flashback (0:19 Min.)
    • Sara Gets Pregger (0:24 Min.)
    • Praise Jesus (0:30 Min.)
    • Noxie's Press Conference (4:04 Min.)
    • Lloyd Kaufman Wins Award (1:58 Min.)
    • Urine Town (0:19 Min.)
  • Citizens Of Tromaville:
    • Tito/Toxie in Car (0:42 Min.)
    • Tour Of Toxie's Shack (2:00 Min.)
    • Meet Claire (0:42 Min.)
    • Time-Lapse Toxie (1:29 Min.)
    • Meet Tito (1:57 Min.)
    • Zork's Big Break (6:14 Min.)
    • Taco Retard Interview (1:44 Min.)
    • Ron/Al in Tromaville (6:22 Min.)
    • Kinky Finkelstein (7:37 Min.)
    • Hank (2:19 Min.)
    • James Gunn (2:39 Min.)
  • Troma Trailers & Toxic Stuff:
    • Make Your Own Movie (1:45 Min.)
    • Troma.com Commercial (1:05 Min.)
    • Citizen Toxie Trailer (3:33 Min.)
    • Terror Firmer Trailer (2:08 Min.)
Disc 2
  • Preproduction (14:38 Min.)
  • Toxie Moldi Test Make-Up (3:01 Min.)
  • Script Meeting 4pm (8:02 Min.)
  • Apocalypse Soon (137:23 Min.)
  • Appendix:
    • Meet Armondo The Production Assistant (4:13 Min.)
    • Natte Explosion (2:20 Min.)
    • Midgets (4:24 Min.)
    • Trent's Death (1:48 Min.)
    • Old Lady Head Crush (1:43 Min.)
    • Wild Lines With Lisa Gaye (4:30 Min.)
    • Naked Old Guy (0:56 Min.)
    • Penis Monster Dies (2:37 Min.)
    • Playboy/Tromaville Launch (13:24 Min.)
  • Clyde Lewis Dubs Toxie (1:54 Min.)
  • NYC Premiere (4:46 Min.)
  • LA Premiere (4:00 Min.)
  • Rashomoron Part 1 (7:00 Min.)
  • Sitges (2:55 Min.)
Als die Windelmafia die Tromaville Highschool stürmen und die geistig behinderten Schüler als Geiseln nehmen, werden die Mächte von Toxie und seinem Gehilfen, dem unglaublichen Superhelden Lardass, gebraucht, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Doch eher Gegenteiliges ist der Fall, denn eine Bombe explodiert, die nicht nur Lardass in die ewigen Jagdgründe schickt, sondern auch einen Tunnel zur Paralleldimension von Tromaville öffnet. Dort, im gefährlichen Amortville, scheint es zu jeder Person aus Tromaville das böse Gegenstück zu geben. Auch Toxie hat mit Noxie einen diabolischen Gegner gefunden, der fortan an Toxies Stelle dessen friedliche Heimat terrorisiert.


- "15 years ago, A mop boy named Melvin Fyrd fell into a case full of toxic waste and became a hideously deformed creature of superhuman size and strength, he became ... The Toxic Avenger, the first superhero from New Jersey! Then came two shitty sequels, sorry about that. This is the real sequel." (Erzähler)

Was waren 2000 bzw. 2001 doch für großartige Jahre für Troma-Fans. Neben dem heiß erwarteten "Terror Firmer", der nach Aussagen des Studios neue Maßstäbe setzen sollte - worin auch immer -, sollte nach gut 10 Jahren das Flaggschiff des Studios wiederbelebt werden: "The Toxic Avenger IV", der in kurzer Ansprache die zwei "back-to-back" produzierten Sequels von 1989 gleich völlig übergeht und somit den Anschluss an den 1985 entstandenen, mittlerweile zum Kult-Trash erhobenen "The Toxic Avenger" sucht.


- "How did they do that: To achieve the illusion of exploding a school filled with special students, the effect wizards blew up a warehouse filled with special students!" (Abspann)

Tromas gute Filme begannen jeher mit einem massiven Aufgebot an absurden Situationen und billigen, aber effektiven Special Effects und es scheint, als müsse man mit "Citizen Toxie" (welcher Film wird hier wohl durch den Dreck gezogen?) alles Vorangegangene toppen. Wir betreten eine Schule für geistig Zurückgebliebene (wundervoll bezeichnet als "School for special students") und die Hölle beginnt für jeden gutgläubigen Menschenrechtler und Anhänger der "political correctness"-Unsitte, denn wenn Troma ihre Späße bisher schon weit getrieben haben, dann werden hier endgültig alle Grenzen gebrochen. Wir schauen dem kunterbunten Treiben zu, wie Debbie Rochon ("Tromeo & Julia", "Terror Firmer") den Haufen völlig doofer Schüler vorführt, die sich gerade mitten in ihrer Festwoche zu Ehren ihrer mexikanischen Freunde hinter der Grenze befinden und sich debil aufführend Takos ins verzogene Gesicht schmieren, rumblödeln oder einfach nur spastisch herumzucken. Man verstehe mich nicht falsch, aber Tromas Art, Randgruppen derart überzogen darzustellen und ihnen jeden Charakterzug anzudichten, den sich das Klischeedenken nur ausmalen kann, mag für den einen zwar völlig untragbar und empörend sein, ist in meinen Augen aber ein wichtiges politisches Statement und eine Reflektion unserer Gesellschaft, die nur zu gern solche Minderheiten mit Missachtung ausgrenzt. Auch wenn es mitunter schwer fällt, diese Botschaft aus dem exploitativen Sumpf hervorzuheben, so ist sie doch im gesamten Film über zu jeder Sekunde existent. Mit anderen Worten: Hier ist nichts normal, die Menschheit ist so degeneriert und missraten, wie es nur irgendwie möglich ist und das ist schon immer ein guter Ausgangspunkt für Troma-Filme gewesen.



So gesellt sich alsbald die Windelmafia in die anarchische Runde, um unter den hilflosen Schüler Geiseln zu nehmen, sie mit riesigen Brüsten zu ersticken, zu verprügeln oder anderweitig zu terrorisieren. Das komplette Chaos beginnt, die ersten Geiseln werden erschossen und vor der Schule sammelt sich der für Troma-Filme übliche Menschenauflauf aus Lebenskünstlern, Selbstdarstellern oder einfach nur lustig aussehenden Statisten, darunter Lemmy "Motörhead" Kilmister, der das bald blutige Geschehen mit trockenem Humor kommentiert. Die Polizei schickt bald den ersten Nachrichten-TV-Trupp ins Gebäude, wo sich die Moderatorin, ein leckeres Bikini-Girl, in Toxie verwandelt. Die folgenden Szenen sind völlig unglaublich und derart mit Fäkalhumor zugekleistert, dass es einen starken Trash-Geschmack erfordert, um hier heil rauszukommen, denn Toxie und sein Gehilfe Lardass, der immer wieder durch seine unmenschliche Körperfülle auffallende Joe Fleishaker, räumen unter der Windelmafia auf, zerschlagen Köpfe, wühlen in Därmen, reißen Gliedmaßen ab, dass es eine wahre Freude ist! Hier wird der "Gross Out"-Level wird mit einem Aufgebot an Matsch, Blut, Sperma, Gedärmen und Scheiße sogar soweit hochgefahren, dass jeder Veronika Moser-Fan vor Scham erröten wird. Da muss die Putzkolonne entweder den Löwenanteil des Budgets verschlungen haben oder sämtliche Sets wurden nach dem Dreh umweltgerecht abgefackelt. Das Ganze gipfelt in einen dramatischen Zeitbomben-Countdown von phänomenalen 5 Sekunden, die sich im fertigen Film über ca. 10 Minuten ziehen und natürlich der finalen Explosion der Schule, die dazu führt, dass sich Toxie auf einmal an völlig anderer Stelle wiederfindet und die eigentliche Geschichte, falls man die überhaupt als solche bezeichnen kann, ihren Lauf nimmt.


- "You know Toxie, I used to think that you were one of those namby pamby pussy-footin' mother fuckers. You know, one of these bleeding heart heroes that always makin' my job difficult. But you're actually a bad guy. You're allright." (Sgt. Kazinski)

Die ohnehin schon verdrehte Tromaville-Welt wird um ein Paralleluniversum erweitert - Amortville, der Schauplatz von Gewalt, Verbrechen, sexueller Perversion und seltsamen Gestalten, also der komplette Gegensatz zum plauschigen Tromaville, das von Frohsinn und Glückseligkeit bestimmt ist. Hier hat jeder Charakter aus Tromaville seinen bösen Gegenpart. Beispielsweise aus dem Superhelden Lardass wird der unglückliche Prostituierte Chester, sozusagen die widerlichste Verkörperung des schwulen Straßenstrichs, die ein Skript je hervorgebracht hat, und Toxies Freundin Sarah wechselt vom blinden Tollpatsch zum gehörlosen Liebessklaven ihres gewalttätigen Mannes. Denn auch Toxie wird mit seiner bösen Variante konfrontiert, dem "evil offender Noxie", der währenddessen in Tromaville seine Streifzüge macht und dort für Verderben sorgt. Als gelungenste Satire wird Dan Snow, bisher in jedem "Toxic Avenger"-Teil vertreten, mittels rot-weißer Armbinde, markantem Mittelscheitel und spitzem Schnauzer zum bekanntesten Diktator der deutsch-österreichischen Geschichte gemacht, der gleich seinem "Vorbild" die Anwohner Tromavilles tyrannisiert. Aber nicht nur Sgt. Kazinski ist schwarz, auch sein Trupp rekrutiert sich aus Asiaten und Schwarzen, die fortan als Hitler-Doubles die Mattscheibe bevölkern und natürlich im Stechschritt und mit angehobenen Ärmchen ihre Zugehörigkeit klar machen. Kann man Nazis eigentlich besser parodieren und den Rassismus entwaffnen, als das braune Gesocks so darzustellen? Das schafft natürlich nur Troma!


- "I'll be back motherfucker if there's a sequel. I'LL BE BACK!!" (Melvin)

Der Gross Out-Humor mit all seinen Furz- und Comic-Geräuschen zieht sich dabei durch den gesamten Film, der weiterhin mehr ein Sammelsurium aus Ideen, das von Szene zu Szene lebt, als ein ganzheitlicher Film, bei dem man eine professionelle Regie erkennen kann. In dieser Hinsicht bleibt sich Troma also treu, was seine Fans sicherlich erfreuen wird, da der unkontrollierbare, impulsive Stil seit jeher den Charme der Haus eigenen Filme ausgemacht hat. Unter anderem wird auf der Rückreise halt im Himmel gemacht, wo der kleinwüchsiger Gott weilt, der gemeinsam mit seinem Schergen die tödlichen Krankheiten an seine Schäfchen verteilt und sich über seine letzte große Erfindung, AIDS, amüsiert, die noch tödlicher als alles bisher Dagewesene ist. Solche Dinge, aber auch die gezielte Verarschung des behinderten Physikers Stephen W. Hawking muss man abkönnen, um gut im Film klar zu kommen, denn treffsicher ist der Humor nicht immer, aber zumindest schön derb. Bestes Beispiel dürfte die Verfolgungsjagd sein, inkl. Car-Crash mit Überschlag, der wahrscheinlich noch die nächsten 300 Troma-Filme ausstaffieren wird, bei dem die Rentnerin auf der Straße erst beim zweiten Anlauf ("Hang on Noxie, I can't pass THIS up!") zersemmelt wird, dann aber in schönster Nahaufnahme, bei der man so ziemlich alles aus der gorigen Trickkiste holt, was den Grand Guignole-Fan erfreut. Auch Toxies heftiger Kampf im Krankenhaus gegen das Nazipack dürfte jeden Splatter-Fan erfreuen, denn was da Kunstblut verspritzt wird, macht sogar dem Zombierasenmähermann Konkurrenz. Diese Szene, bei der sich zum Ende ein Berg von Leichen in einem See aus Blut türmt, wurde übrigens oft in diversen Publikationen werbewirksam veröffentlicht und verfehlt auch im Film nicht seine Wirkung, insbesondere wenn Entombed das Ganze akustisch mit ihrem treibenden "Seeing Red" unterstreichen.


- "Allright, you can go back to Tromaville, but you gotta do me two favors! First you gotta kick the asses of all the murderers and child rapists! And, you tell the pope, stop talking about me, he doesn't know me. He's an asshole! And tell him that his hat looks fuckin' stupid." (God)

Troma versucht sich aber nicht nur in Superlativen bei den Effekten, sondern bemüht sich auch, möglichst viel der Vorgängerproduktionen, ob nun direkt zur Serie gehörend oder nicht, mit in "Citizen Toxie" einfließen zu lassen. So gibt es ein Wiedersehen mit Sgt. Kabukiman, der nach Exzessen und Karriereabsturz nun mit leichten Alkoholproblemen zu kämpfen hat und auch das Penismonster aus "Tromeo & Julia" ist wieder mit dabei. Aber auch sonst scheint so ziemlich jeder Darsteller, der in den letzten 10 Jahren bedeutende Rollen bei Troma gespielt hat, mit dabei zu sein. Melvin-Darsteller Mark Torgl aus dem Original schließt den Kreis zwischen Teil 1 und Teil 4, aber auch Original-Toxie-Darsteller Mitch Cohen ist in einem Cameo zu sehen als Rassist, der mit schwarz verkokeltem Gesicht in die behutsamen Hände des örtlichen Ku-Klux-Clan übergeben wird. Weiterhin konnte man eine Menge namhafter Gesichter für kleinere Rollen verpflichten, von denen ich nur ein paar herausgefunden habe. Unter anderem sind zu sehen das Powergirl Julie Strain, Porno-Legende Ron Jeremy als Tromaville-Bürgermeister mit einer herben Todesszene, Regisseur Eli Roth ("Cabin Fever", "Hostel"), 80er-Jahre-Teenstar Corey Feldman ("The Lost Boys", "Meine teuflischen Nachbarn"), kurz Tiffany Shepis ("Tromeo & Julia"), Bill Weeden ("Sgt. Kabukiman N.Y.P.D.") und zu hören Spiderman-Schöpfer Stan Lee, aber ich vermute mal, dass sich noch einige mehr unter den Unmengen an Darstellern versteckt haben.


Ich glaube, hinsichtlich der Ausstattung dieser Special Edition kann niemand etwas der Independent-Filmschmiede vormachen. Vor allem lohnt es sich, die zwei DVDs nach Hidden Features abzusuchen, die gibt es nämlich zahlreich und sind meist mehr als nur kurze Filmschnipsel. Die erste DVD hat gleich drei Audiokommentare, wobei einer natürlich wieder den sehr interessanten Ausführungen von Lloyd Kaufman zusteht, der Unmengen an Dingen über die Produktion zu erzählen hat und nebenbei die "Do's" und "Not Do's" des Independent-Filmemachens erklärt. Der Darstellerkommentar wurde separat für jede Person aufgenommen, so dass hier keine richtige Stimmung aufkommt. Trotzdem haben die Leute hier einiges zu erzählen, was manchmal auch über die sehr subjektive Sichtweise eines Lloyd Kaufman hinausgeht. Zusätzlich gibt es noch einen dritten Audiokommentar vom Schnittmeister, den ich mir dann aber nicht mehr angehört habe. Denn schon bis hierhin hat man über 3 Stunden mit dem Anhören der Kommentare verbracht. Die erste DVD enthält aber nicht nur diese Specials, sondern neben einem feinen Menu mit Sound und Bewegung, das im Stile eines Comics aufgemacht ist, noch lustige Outtakes und eine Unmenge an Deleted Scenes. Hier bekommt Kaufman einen Oscar verliehen und regt sich dann herrlich über den Unsinn der Film Academy und ihres Preises auf, denn die Independent-Industrie so dringend braucht wie eine Furunkel am Hinterteil. Unter den "Citizens Of Toxie" geht es erstmals los mit direkten Behind The Scenes-Aufnahmen, wobei hier stets kurze Clips vorliegen, die verschiedene Charaktere neben dem Set beleuchten, u.a. Toxie in der Maske, die witzigen Casting-Bemühungen eines Nebendarstellers und kurze Interviews - ausnahmsweise auch mit ernsthaftem Hintergrund! Den Rest dieser DVD besorgen die Trailer zu Kaufmans zweitem Buch, zur Troma-Webseite und natürlich den beiden Filmen "Citizen Toxie" und "Terror Firmer".

Auf DVD Nummero 2 geht es erstmal mit Einblicken in die Preproduction-Phase los, wobei drei kleinere Features vorliegen. Das Erste dreht sich komplett ums Casting und einige Testszenen, im Zweiten wird Toxie das erste Mal seine Maske verpasst bzw. diese erstellt und im Letzten sitzen alle Skriptautoren zusammen und diskutieren neue Einfälle, wobei diese auch mit Szenenauschnitten bzw. sogar nicht mehr enthaltenen Szenen verdeutlicht werden. So richtig geht's aber mit dem über zweistündigen Making Of namens "Apocalypse Soon" los, das bei der Laufzeit natürlich auch eine Kapitelauswahl besitzt. Hier gibt es einen wirklich sehr guten Einblick in die Arbeiten während des Films, die Kaufmans Bemühungen, den Zuschauern detailliert aufzuzeigen, wie ein Low Budget-Film gedreht wird und welche Tricks und Kniffe anzuwenden sind, hundertprozentig umsetzt. Kaufman ist dabei direkt als Hansdampf in allen Gassen zu sehen, der die gesamte Crew anweist, motiviert, manchmal auch zurechtrückt. Denn viele Dinge gehen dabei schief, der Zeitplan wird nicht eingehalten, das Equipment versagt oder die Crew säuft bis in die frühen Morgenstunden durch. Im Anschluss kann man sich noch ein paar weitere, kurze Making Of-Clips anschauen, die im großen Making Of wahrscheinlich keinen Platz mehr hatten. Das ist aber noch längst nicht alles, denn es folgen die verschiedensten Dokumentationen über die Filmfestivals und die Synchronarbeiten für die Toxie-Figur. Alles in allem dürfte man mit den unterhaltsamen, ziemlich typischen Troma-Comedy-Extras lange Zeit beschäftigt sein. Da ist es auch nicht wichtig, dass Standardextras wie Filmografien nicht dabei sind, denn die vermisst man überhaupt nicht.


Nun zu etwas weniger Tollem: Die technische Seite der DVD. Wenn Kaufman von "one of the finest DVDs ever made" spricht, dann meint er nicht die Umsetzung des Films in Bild und Ton, wie man auch an dieser US-DVD erkennen muss. Gefilmt auf 35mm, hat man zwar ein überaus farbprächtiges Bild, das der überdrehten Handlung Schwung gibt und das blutig-bunte Gematsche adäquat auf den Schirm bringt, aber von etwas Besonderem würde ich hier nicht sprechen. Eher von einem besseren VHS-Bild, denn beispielsweise der Kontrast leiht sich von diesem Medium den dunklen Anstrich und die vielen, sich in Schatten verlierenden Details. Auch ungewöhnlich für eine aktuelle DVD-Produktion (die DVD erschien kurz nach der Fertigstellung des Filmes) sind die doch immer wieder mal verstärkt auftretenden Verschmutzungen. Minutenweise wird man davon verschont und dann mischt sich wieder eine Szene unter, die aussieht, als ob man in den Archiven gekramt hätte. Die Grundschärfe des Materials bleibt hinter den Erwartungen zurück, ist teilweise sogar ziemlich dürftig und Ränder neigen zu leichtem Auslaufen. Vor allem auch wegen der auffälligen Kompression, denn der setzt das Rauschen und das unruhige Bild insgesamt zu. So entsteht des Öfteren Blockbildung und jede Menge Artefakte auf gleichfarbigen Flächen. Ein bisschen mehr als die Leistung einer durchschnittlichen DVD, die beispielsweise gut Laser Paradise abliefern könnte, hätte ich schon erwartet.


Wer sich auf die englischen Untertitel verlässt, der kann sich nicht auf viel verlassen. Zu oft schleichen sich Fehler ein, sogar Artefakte vom Untertitel-Mastering (Timecodes zur Platzierung) kommen öfters vor, das Timing passt selten und auf herkömmlichen Röhrengeräten gehen die Untertitel zu weit zum Rand, so dass diese dort teilweise im Overscan-Bereich verschwinden, was in einigen Fällen sogar auf Geräten ohne Overscan passieren kann. Wer die Dinger erstellt hat, muss ganz klar ziemlich besoffen gewesen sein oder hat nebenbei an der Konsole gespielt. Ansonsten herrscht auch hier Ernüchterung, denn zu mehr als Stereo hat es nicht gereicht. Die Musik hätte sicherlich durch dickeren Bass von einem 5.1-Modus profitiert, der Klang ist aber ohnehin nicht so weit astrein, dass sich das lohnen würde. Zumindest sind die Stereoeffekte merklich platziert und es gibt keine groben Aussetzer im Ton oder ständiges Rauschen. Die Stimmen sind sogar bestens herauszuhören und können mit moderaten Englischkenntnissen verstanden werden.


"Citizen Toxie" mag noch einige Längen besitzen und wird sicherlich nicht über den Status eines Freak-Filmes hinausgelangen, Tromas unverkennbare und nonkonforme Art versprechen dem Zuschauer aber von Anfang bis Ende herrlich schlechte Unterhaltung voller Sex, Gore und Nonsense-Humor, die in Deutschland vielleicht nur schwer eine Freigabe ab 18 Jahren erlangen wird. Ohnehin dürfte die Eindeutschung bei vielen der Witze schwer fallen, z.B. wenn die Lehrerin ihrer bekloppten Klasse zuruft, sie sollen sich ducken und vor den Gewehrsalven in Deckung gehen ("Duck!") und die sich auf einmal hoch erhoben im Ententanz üben, was ein herrlich fieses Blutbad gibt. Für Zartbesaitete sei eine Warnung rausgegeben, dass sowohl die explizite Gewalt als auch einige fiese Witze (man denke an die Abtreibungsklinik, bei der der Pfarrer und der ausführende Arzt sich wegen der bevorstehenden Operation freudig in die Hände klatschen) euren Geschmack aus der Verankerung reißen könnte. Mit der technischen Umsetzung gewinnt die DVD keinen Blumentopf, bei der Ausstattung kann man aber voll zufrieden sein. Es ist darauf zu achten, dass man auch die Unrated-DVD erwischt, die ebenfalls erhältliche R-Rated-Version musste doch gehörig Federn lassen. Und dann sollte man auch gehörigst drauf schauen, dass man auch wirklich die Doppel-DVD erwischt, denn vom ungeschnittenen Film scheint noch eine Einzel-DVD-Variante im Umlauf zu sein. Ansonsten: KAUFEN!!!


Film++++--
Bild+++---
Ton+++---
Bonus++++++


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Citizen Toxie: The Toxic Avenger IV (Special Collector's Edition)
Citizen Toxie: The Toxic Avenger IV (3-DVD Special-Tromedition)
Nove ospiti per un delitto - Neun Gäste für den Tod (Italian Genre Cinema Collection No. 13)
Toxic Avenger, The (3-Disc Ultimate Edition)
News"Citizen Toxie - The Toxic Avenger IV" von Cult Movies Ent.
Citizen Toxie - The Toxic Avenger IV (Director's Cut, 2DVD)
Citizen Toxie: The Toxic Avenger IV (3-DVD Special-Tromedition)
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