UK 2005
Originaltitel:Descent, The
Alternativtitel:Descent, The - Abgrund des Grauens
Länge:95:24 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:BBFC18
Regie:Neil Marshall
Buch:Neil Marshall
Kamera:Sam McCurdy
Musik:David Julyan
Darsteller:Shauna Macdonald, Natalie Mendoza, Alex Reid, Saskia Mulder, MyAnna Buring, Nora-Jane Noone
Vertrieb:Pathe
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, DTS 5.1
Sprache:Englisch
Untertitel:Englisch für Hörgeschädigte
Specials:
  • Audiokommentar von Regisseur und den Darstellerinnen
  • Audiokommentar von Regisseur und der Crew
  • Making Of (41:18 Min.)
  • 9 Deleted/Extendet Scenes
  • Outtakes (5:14 Min.)
  • Cast und Crew-Biographien
  • Bildergalerie
  • Storyboard-zu-Film-Vergleich (10:27 Min.)
  • Trailer (0:57 Min.)
  • Trailer 2 (1:02 Min.)
  • Teaser (0:56 Min)

Sarah (Shauna Macdonald), Juno (Natalie Mendoza), Beth (Alex Reid), Rebecca (Saskia Mulder), Sam (MyAnna Buring) und Holly (Nora-Jane Noone), Freundinnen mit der Affinität zu Extremsport, verbringen tief in den Appalachen ein gemeinsames Wochenende, um in ein noch wenig bekanntes Höhlenlabyrinth abzusteigen. Schon nach kurzer Zeit entdeckt die Gruppe einen Durchgang zu einem nicht eingetragenen System.

Manchmal gibt es Filme, die sogar noch diejenigen zu erstaunen vermögen, die eigentlich schon viel Genrearchetypisches gesehen haben - oder zumindest zu sehen glaubten. "The Descent - Abgrund des Grauens" ist ganz sicher so ein Film, und hat man sich erstmal mit dieser Tatsache vertraut gemacht, merkt man, dass er sogar noch viel mehr ist.


Neil Marshall fiel zunächst durch seinen Independentstreifen "Dog Soldiers" (2002) auf. Diese mit verschiedenen Zitaten gespickte Werwolfsmär konnte nicht so recht überzeugen, denn auch wenn die Idee soweit einen gewissen naiven Charme aufweisen konnte, kam die Umsetzung zu unausgegoren daher. Man muss ganz klar sagen, dass das enorme Potential Marshalls in diesem Fall bestenfalls erahnbar war, legt der Brite mit seinem zweiten abendfüllenden Werk doch eine geradezu beängstigende Qualitätssteigerung an den Tag.

Mit Filmen wie "Wrong Turn", "High Tension" und jüngst "House of Wax" erlebte der Backwoodfilm einen überschaubaren, aber nicht zu leugnenden Auftrieb, vor allem da der graphische Survivalhorror selbst erstaunlicherweise zunehmend stärker betont wurde. "The Descent" kann seine Nähe zu dieser kleinen Entwicklung des Subgenres recht offensichtlich nicht leugnen und überrascht umso mehr: Er setzt dem Ganzen noch eins drauf.


Die Geschichte ist zunächst bewusst simpel gehalten: Sechs Frauen steigen in ein Höhlensystem herab, tief in den Wäldern im Nirgendwo, mit dem Ziel, ein Wochenende lang den alltäglichen Problemen ausgedehnten Extremsport unter Freundinnen vorzuziehen. Wie unkonventionell schon diese Ausgangssituation ist, wird dem Zuschauer erst später bewusst, denn zunehmend muss man überrascht feststellen, dass sowohl auf vermeintliche Slasherversatzstücke als auch allzu vorhersehbare Handlungsteile verzichtet wurde. Die Charaktere sind äußerst angenehm angelegt, man erfährt nur so viel, wie notwendig ist, um mit ihnen zu leiden. Das Glück, dass gut konzipierte Figuren auch adäquat dargestellt werden, hat man selten, erst recht nicht in diesem Genre. Hier funktioniert es tatsächlich. Es ist fast erstaunlich, wie sehr einem die Darsteller nicht auf die Nerven gehen, meint man doch zu glauben, dass relativ sinnfreies Gekreische und besonders unnützes Handeln mittlerweile feste Bestandteile im modernen Horrorfilm sind.


In der Natur der Sache liegt es, und da kann "The Descent" keine Ausnahme machen, einen Charakter besonders herauszustellen, sowie mindestens eine weitere, ebenbürtig gezeichnete Figur diesem gegenüberzustellen. Sarah soll demnach die Identifikationsfigur des Films sein. Dieser Umstand mag trotz der recht begrenzten Sympathie für jene soweit funktionieren, doch wird sich zeigen, dass Marshall die Erwartungen des Zuschauers hier konsequent ad absurdum führt. Es sei nur erwähnt, dass der Film auch in dieser Hinsicht keinerlei Zugeständnisse an ein Kino-mit-Ruhepausen verwöhntes Publikum macht. Zu unerwartet kommen die extremen und ihre Wirkung nicht verfehlenden Schocks, die eigentlich absehbaren und trotzdem erschreckenden Wendungen und kompromisslosen Horrormomente, die von selten so intensiv dargestellten Klaustrophobieszenen bis hin zu regelrecht barbarischen Details das ganze Spektrum des in diesem Rahmen auf Zelluloid zu bannenden Terrors abdecken.

Dabei ist es wirklich beachtlich wie sehr Marshall auf seine Idee vertraut. Der ruhige, dezente Score schleicht sich unauffällig ins Unterbewusstsein, während die Kamera so nah bei den Protagonisten agiert, dass das aus technischer Sicht handwerkliche Ziel, sich als Zuschauer bestenfalls völlig im Geschehen zu glauben, doppelt geglückt ist. Stilistisch überzeugt der Film auf ganzer Linie, insbesondere durch seinen reduzierten Lichteinsatz und der sehr authentischen Ausstattung. Seine Wirkung verfehlt "The Descent" auch deshalb nicht, weil er stets glaubwürdig bleibt. Obwohl mit fortschreitender Handlung die Grenze zwischen Mensch und Natur immer mehr zu verwischen scheint, bleibt man gefesselt und erschreckt in jener Starre, die einen bereits mit dem Anfang heimsuchte und den Zuschauer permanent, ja beinahe schon penetrant anspannt, sodass die Nerven schon kurz nach dem Abstieg in das Höhlensystem blank liegen. Zeitweise tangiert der Film beinahe etwas zu stark die Grenzen unterhaltsamer Spannung, zumindest wenn man bereit ist, sich hinreichend auf das Gebotene einzulassen.


Obwohl der Großteil des Films im Dunkeln spielt, überrascht die englische DVD mit einem grandiosen Bild, bei dem selbst in problematischen Szenen keine Kompressionsmängel auszumachen sind. Der perfekt ausgeglichene Kontrast und die enorme Schärfe sorgen darüber hinaus für die notwendige Menge an Details und lassen das Bild sehr plastisch wirken, was sich fantastisch auf den Filmgenuss auswirkt. Durch die knalligen Farben und den sehr guten Schwarzwert wirkt das Bild sogar noch besser als im Kino und verschafft der DVD damit die volle Punktzahl.

Auch beim Ton hat man sich kräftig ins Zeug gelegt und neben einem ohnehin schon sehr guten Dolby Digital 5.1-Ton wurde ein herausragender DTS-Mix erstellt. Dieser beigeistert mit extremsten Tiefbassattacken und ist auch hörbar direktionaler abgemischt als die Dolby Digital-Version, was die unheimliche Atmosphäre stark unterstützt. Selbst in ruhigen Szenen sind leise Geräusche klar und deutlich auszumachen, Dialoge gut verständlich und die Möglichkeiten einer Surroundanlage werden konsequent ausgereizt. Englische Untertitel sind vorhanden, allerdings leider nur für Hörgeschädigte, was den Zuschauer unnötig vom Geschehen ablenkt und durch die zusätzlichen Texteinblendungen auch einige der Schocker versauen kann.


Um bei Bild und Ton keine Einschränkungen eingehen zu müssen, wurden alle Extras bis auf die beiden Audiokommentare, einmal vom Regisseur und den Darstellerinnen und einmal vom Regisseur und der Crew, auf die zweite DVD verlegt. Auf dieser finden sich ein ausführliches Making Of, neun verlängerte Szenen, Outtakes, Biographien, eine Bildergalerie, ein Storyboardvergleich und Trailer. Außer dem Making Of sind die restlichen Extras eher belanglos und beschränken sich auf den gängigen Standard, ein paar Interviews wären noch wünschenswert gewesen. Die verlängerten Szenen sind interessant, haben aber aus gutem Grund nicht den Weg in den fertigen Film geschafft. Besonders hervorzuheben sind noch die sehr schön animierten Menüs.

Man sollte sich Marshalls Film bestenfalls so unvoreingenommen wie möglich zu Gemüte führen, da die hauptsächliche spannungserzeugende Reizquelle die unbehagliche, Angst erzeugende Ungewissheit über inhaltliche Entwicklungen ist. Insbesondere durch das Spiel mit Sehgewohnheiten- und Erwartungen manifestiert sich der wahre Horror im Unterbewusstsein des Zuschauers, entwickelt sich eine zunehmende Tour De Force der Emotionen. Nicht zuletzt deshalb wird man zwangsläufig zu dem Urteil kommen, dass "The Descent" zu einem der besten Horrorfilme seit langem zählt.

Die englische Doppel-DVD kommt im Pappschuber und ist trotz der mäßigen Extras klar zu empfehlen, vorausgesetzt man verfügt über gute Englischkenntnisse, denn die verschiedenen Akzente der Schauspielerinnen sind nicht immer leicht zu verstehen. Die herausragende Bild- und Tonqualität überzeugt genauso wie der Film auf ganzer Linie.


Film: 6/6
Bild: 6/6
Ton: 6/6
Bild: 2/6



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