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UK 1988
Originaltitel:Jack the Ripper
Länge:189:33 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:David Wickes
Buch:David Wickes, Derek Marlowe
Kamera:Alan Hume
Musik:John Cameron
SFX:Effects Associates
Darsteller:Michael Caine, Lewis Collins, Armand Assante, Ray McAnally, Susan George, Ken Bones, Jane Seymour, Harry Andrews, Lysette Anthony, Roger Ashton-Griffiths, Peter Armitage, Desmond Askew, Trevor Baxter, Mike Carnell, Ann Castle, Deirdre Costello, Jon Croft, Angela Crow
Vertrieb:I-On
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.78:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Deu), Dolby Digital 5.1 (Eng)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Specials:
  • Audiokommentar
  • Dokumentation (7:00 Min.)
  • Totenscheine (5 Seiten)
  • Die Akte (36 Seiten)
  • Unveröffentliche Szenen (21:37 Min.)
London im Jahre 1888. Ein Killer schleicht durch die engen Gassen des Stadtteils Whitechapel. Seine Opfer sind Prostituierte, die er mit eiskalter Präzision umbringt und grausam verstümmelt. Inspektor Abberline und sein Assistent Godley versuchen den Mörder zu fassen. Durch die intensiven Ermittlungen des Scotland Yard zieht sich das Netz um den Täter immer fester zusammen.
Sein Name ist Legende: Jack the Ripper - Das Ungeheuer von London.
Jack the Ripper-Verfilmungen gibt es bekanntlich reichlich und man kann wohl getrost sagen, dass ein Großteil davon mehr oder weniger ohne Probleme zu vernachlässigen ist. Bestes Beispiel dafür dürfte der optisch zwar grandiose aber inhaltlich reichlich leere "From Hell" sein, der erst vor wenigen Jahren in den Kinos lief. So ist es dann auch wenig verwunderlich, dass eine der Besten, wenn nicht sogar die beste filmische Umsetzung der realen Morde am Ende des 19. Jahrhunderts in London eine britische TV-Produktion ist. Die ist übrigens exakt 100 Jahre nach den Morden gefilmt worden und beruht auf Polizeiunterlagen und behauptet zumindest, der Wahrheit sehr nahe zu kommen.


Optisch wird so zwar wenig Opulentes geboten, dafür hat der Film mit einer Laufzeit von guten 3 Stunden, im TV lief er als Zweiteiler, genügend Zeit um sich sowohl der Geschichte als auch den Figuren in aller Ruhe mit der nötigen Tiefe zu widmen. Die Theorie, die der Film bei der Mördersuche und letztlichen Auflösung bietet, ist dabei keine Neue, wird aber gemeinhin als sehr plausibel betrachtet. Das Entscheidende ist hier aber weniger das Wer, sondern vielmehr wie es zur finalen Enttarnung kommt. Und bis es soweit ist, schafft es der Film ohne Probleme, den Zuschauer vor den Bildschirm zu fesseln. Immer wieder bekommt der Zuschauer, ebenso wie die Hauptfigur Fred Abberline, neue Hinweise, die Zahl der Verdächtigen ist auch nicht gering und alle hätten sie Motive und Gelegenheit gehabt die letztlich 5 Morde zu verüben.


Gekonnt zieht der Film die Spannungsschraube an und lässt nicht mehr locker. Sicherlich beachtlich, da es doch genug Filme gibt, denen eben dies nicht einmal über 90 Minuten gelingt. Einen erheblichen Teil trägt dabei sicherlich auch die sehr gute Besetzung bei. Das Ermittlerduo Michael Caine, als Abberline, und Lewis Collins als Sgt. Godley, harmoniert prächtig und spielt sich immer wieder geschickt die Bälle zu. Dabei dürfen neben aller Spannung natürlich nicht die Wortgefechte, die mit herrlichem britischen Humor ausgetragen werden, fehlen. Mit Armand Assante, Jane Seymore, Ken Bones, Peter Armitage und Susan Georg bietet auch der Supportcast einige bekannte Gesichter, die ebenso wie das Ermittlerduo bestens ausgewählt wurden und ihren Rollen auch genügend Leben einhauchen können um das Interesse hoch zu halten.


An der Optik des Films merkt man zwar immer wieder, dass man sich "nur" in einem TV-Film befindet, aber sowohl die Kostüme als auch die Kulissen brauchen sich nicht hinter großen Hollywood-Produktionen zu verstecken. Das London des Jahres 1888 wurde perfekt eingefangen und das East End wirkt auch entsprechend schmutzig und verkommen. Die Morde des Rippers werden zwar fast ausschließlich im Off begangen, aber der Film spart doch nicht mit der ein oder anderen blutigen Szene, wobei diese sicherlich nur Nebensache sind, denn es geht hier sicherlich nicht darum mit dem Einsatz von viel Kunstblut zu überzeugen. Viel mehr gelingt es dem Film durch seine sehr gute Charakterzeichnung zu überzeugen. Caine spielt den Abberline als Mann mit Schwächen und Fehlern, der aber, einmal bei seiner Ehre gepackt, bis zum bitteren Ende an der einmal aufgenommenen Fährte bleibt. Sicherlich ist er kein strahlender Held, aber er wird auch nicht so überzeichnet dargestellt wie es zuletzt Johnny Depp in "From Hell" getan hatte.


Das anamorphe Bild ist von Anfang bis Ende überzeugend. Es gibt natürlich ein paar Makel, z.B. dass die Schärfe maximal gut ist, nicht aber, weil es etwa dauerhaft an Details fehlen würde, sondern weil das gesamte Bild trotz Nachschärfung an Konturen und Details nicht sehr plastisch aussieht. Wie man anhand der stehenden Rauschmuster in Bewegungen erkennt, ist dies dem Rauschfilter zu verdanken, der trotzdem noch in angemessenem Maße eingesetzt wurde. In Anbetracht des Alters ist das Ergebnis hierfür aber sogar überdurchschnittlich, denkt man z.B. an Umsetzungen moderner Serien. Abzüge erbringen selten auftretende, punktuelle Störungen und der merkliche Grünstich des Films. Hier dürfte die Farbgebung trotz der sicherlich thematisch bevorzugten Tristesse ein wenig kräftiger ausfallen. Gegenüber der Vorschau auf den zweiten Teil, die dem Ende des ersten Teils angehangen wird, hat man sich hier aber schon deutlich gesteigert, denn das Material scheint vorher sehr farbarm gewesen zu sein und der Bildstand war auch deutlich unruhiger. Die Kompression arbeitet sehr variabel, erzeugt also kaum Fehler, ein Rauschen ist nicht zu erkennen. Wegen Schärfe und Rauschfilter ist das Ergebnis insgesamt nur knapp 4 Punkte wert, sehr viel mehr erwartet man aber kaum von diesem TV-Zweiteiler.


Zwar bietet der englische Ton eine neuere 5.1-Abmischung, diese äußert sich aber nur sehr dezent durch einen wärmeren und etwas helleren Klang bei der Musik. Ein Raumton kommt dabei freilich nicht auf, man vermisst sogar ein wenig die sonst im Nachhinein aufgesplitteten Effekte, die von Zeit zu Zeit mal über Rears erklingen könnten. So bleibt das Geschehen auf die Front beschränkt, ist dort bestens verständlich, auch wenn die Dialoge nicht mehr so fein aufgelöst sind, wie es der heutige Standard verlangen würde. Das selbe gilt auch für den deutschen Stereoton, der keine Übersteuerungen oder Rauschen vernehmen lässt, sehr direkt ist, aber auch nicht über TV-Niveau hinauskommt, weil die Stimmen etwas zu drückend abgemischt sind. Die deutsche Synchro ist sehr gelungen, favorisieren würde ich aber den britischen Originalton, der den Film noch ein wenig mehr Authentizität verleiht. Falls man hier leichte Verständnisprobleme hat, Aussprache und Wortwahl sind schließlich nicht ganz einfach, bekommt man deutsche Untertitel geboten, die zwar nicht die englische Version übersetzen, dafür aber gut lesbar und fast fehlerfrei sind.


Den Audiokommentar über die gesamte Spielzeit sprechen der Film unabhängige Produzent Jonathan Sothcott, Regisseur David Wickes und Produktionsassistentin Sue Davies. Sothcott agiert in etwa als Moderator, aber der Kommentar ist ohnehin flüssig und sehr aufschlussreich, weil es nicht ausschließlich um die technische Umsetzung geht, sondern vor allem um die Legende "Jack The Ripper". Anfangs war das Projekt recht klein, bis man auf bislang zurückgehaltene Akten zurückgreifen konnte und somit die Geschichte authentischer gestalten konnte. Wickes präsentiert verschiedenste Theorien über Jack The Ripper und beschreibt letztlich, dass die im Film Vorgestellte diejenige ist, die wohl am wahrscheinlichsten für alle am Projekt Mitarbeitenden war. Dabei vergaß man leider, den Audiokommentar auch einzudeutschen, so dass man schon ein wenig der englischen Sprache gewachsen sein muss, um den interessanten Ausführungen folgen zu können.
Bei der Dokumentation handelt es sich um ein etwas älteres Feature, das im Stile einer True Crime-Dokumentation aufgebaut ist und kurz die Tathergänge der 5 Morde umreißt. Das Ganze ist etwas rucklig beim Bild, besitzt aber eine deutsche Übersetzung. Die originalen Totenscheine von Jack The Rippers Opfer werden in einem eigenen Menupunkt nachgereicht. Wesentlich umfangreicher ist dann "Die Akte", eine genauere Schilderung der Morde mit Abdruck einiger Bekennerschreiben dieser Zeit. Die unveröffentlichten Szenen, allesamt mit Timecode versehen, sind leider auch nicht eingedeutscht, dafür aber mit einer Spielzeit von über 20 Minuten sehr umfangreich.


Diese TV-Version der wohl berühmtesten Mordserie in England ist ohne Zweifel ein wahres Kleinod unter den TV-Mehrteilern. Dank einer hervorragenden Besetzung, stimmiger Ausstattung und einer konstanten Spannungslinie gelingt es hier wirklich ohne Probleme den Zuschauer zu fesseln und ihn für 3 Stunden in das London des Jahres 1888 zu entführen, wo er einem mitreisenden Polizistengespann bei der Aufklärung der Mordfälle beiwohnen kann. Uneingeschränkt zu empfehlen, auch wenn man sich (noch) nicht für die Ripper-Morde interessiert und keine Vorkenntnisse mitbringt. Spannung pur und beste britische Mit-Rate-Krimi-Ware.


Film+++++-
Bild++++--
Ton+++---
Bonus+++---


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