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UK 1965
Originaltitel:Tomb of Ligeia, The
Alternativtitel:Grab der Lygeia, Das
aka. Edgar Allan Poe's The Tomb of Ligeia
aka. Last Tomb of Ligeia
aka. Tomb of the Cat
aka. Ligeia
Länge:78:21 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Roger Corman
Buch:Edgar Allan Poe, Robert Towne
Kamera:Arthur Grant
Musik:Kenneth V. Jones
SFX:Ted Samuels
Darsteller:Vincent Price, Elizabeth Shepherd, John Westbrook, Derek Francis, Oliver Johnston, Richard Vernon, Frank Thornton, Ronald Adam, Denis Gilmore, Penelope Lee
Vertrieb:MGM/Sony Pictures
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 1.0
Sprache:Deutsch, Englisch, Französich, Italienisch
Untertitel:Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Griechisch, Italienisch, Niederländisch
Specials:-
England, Anfang des 19. Jahrhunderts: Verden Fell hat den Tod seiner geliebten Frau Ligeia nie verwunden und lebt mit einem alten Diener zurückgezogen in einer halbverfallenen, ehemaligen Abtei. Eines Tages lernt er jedoch Lady Rowena kennen und obwohl er anfangs ihre Gesellschaft scheut, verliebt er sich in sie und heiratet erneut. Doch als er nach der Hochzeitsreise mit ihr in die Abtei zurückkehrt, dauert es nicht lang und seltsame Dinge geschehen: Rowena wird von einer geheimnisvollen schwarzen Katze terrorisiert, leidet an Alpträumen und ihr Mann verschwindet Nacht für Nacht in irgendeinem geheimen Kellergewölbe. Ligeia, die dem altägyptischen Ewigkeitskult huldigte, hat nach wie vor Macht über den Willen ihres Witwers ...
"Even on her wedding night she must share the man she loved with the "female thing" that lived in the Tomb of the Cat!" - Werbezeile 1965

Roger Corman, der in einer weiteren Ausreizung des Poe-Themas längst keine künstlerischen Perspektiven mehr sah und Angst vor permanenten Selbstzitaten hatte, beschloss den Zyklus zu beenden und legte mit "Tomb Of Ligeia" ein Abschiedswerk vor, das heute wohl als der absolute Höhepunkt der Reihe betrachtet werden kann. Das von Robert Towne (der später auch Polanskis "Chinatown" schrieb) verfasste Drehbuch ist ein psychologisch verschachteltes Gothic Horror-Melodram, in dem sich wesentliche Elemente der Poe-Vorlage wiederfinden - so z.B. der Tod der schönen Geliebten und deren Wiederkehr im Körper ihrer Nachfolgerin, und die alte Abtei als Ort der Handlung. Die nekrophile Thematik der Erzählung wird hier jedoch noch weiter ausgebaut und die Obsession des Protagonisten ruft durchaus Erinnerungen an Hitchcocks "Vertigo" wach. Vincent Price verkörpert diesen Antihelden behutsam, mit viel Einfühlungsvermögen und Verzicht auf jegliche Theatralik: Sein Verden Fell erscheint als ein unterkühlter, fragiler Ästhet; von Kopf bis Fuß in Schwarz, die Augen hinter einer undurchdringlichen dunklen Brille verborgen, lebt er inmitten einer Unmasse antiker Altertümer in einer halbverfallenen Abtei und zieht die Gesellschaft seiner Kunstschätze der anderer Menschen vor. In seiner Übersensibilität und seiner Weltflucht erinnert er an Roderick Usher, ist aber zugleich ein viel diffiziler gestalteter Charakter, hinter dessen beherrschter Maske sich eine obsessiv-leidenschaftliche Natur verbirgt. Anders als Usher ist Fell durchaus willens, aus seinen selbstgewählten Fesseln auszubrechen, nach der Heirat mit Rowena (hervorragend dargestellt von Elizabeth Shepherd, die zugleich auch Ligeia verkörperte), scheint ihm dies sogar für kurze Zeit zu gelingen. Doch Ligeia hält ihn über ihren eigenen Tod hinaus in ihren Bann. Es beginnt ein bizarres Dreiecksverhältnis zwischen Fell, Rowena und der toten Geliebten, deren Leichnam er in einem geheimen Gemach aufbewahrt - und die Toten scheinen schließlich die Oberhand über die Lebenden zu gewinnen.




"CAT or WOMAN or a Thing Too Evil to Mention?" - Werbezeile 1965

"Tomb Of Ligeia" wurde, wie auch ein Jahr zuvor "Masque Of The Red Death", in England gedreht und brachte ein absolutes Novum in den Poe-Zyklus ein: Erstmals gab es ausgedehnte Außenaufnahmen und Sonnenlicht. Dies widersprach eigentlich Roger Cormans bislang konsequent beibehaltenem Konzept der gewollten Künstlichkeit: "Freud mag wissenschaftlich genau dasselbe Thema erforscht haben, das Poe oder Baudelaire zuvor auf eine künstlerische Art verarbeitet hatten. Ich glaube, dass Poe die Macht und den Einfluss des Unterbewusstseins erkannt hatte. Für mich war die beste Art, das Unbewusste darzustellen, immer ein artifizieller, an die Grenzen des Studios gebundener Stil. Ich entschied mich also, niemals natürliche Außenaufnahmen zu machen. Wenn ich gezwungen war, das Studio zu verlassen, machte ich normalerweise immer Aufnahmen vom Ozean, denn ich glaube, dass das Meer eine komplexe Symbolik für die Menschen besitzt. ... Bis zu Tomb Of Ligeia hielt ich mich in den Poe-Filmen sehr strikt an diese Theorie."
Doch zu dieser Zeit suchte der Regisseur längst nach neuen Ausdrucksformen und Stilmitteln. Angeregt von Vincent Price, der sich schon Jahre zuvor gewünscht hatte, einmal einen Film in einer authentischen Ruine zu drehen, recherchierte Corman in britischen Archiven ausgiebig nach geeigneten Drehorten und stellte schließlich eine Liste von über 20 Abteien, Herrenhäusern, Schlössern und Burgen, die sich von England bis in den Norden Schottlands erstreckten, zusammen. An einem Wochenende mietete er sich einen Wagen und suchte in einer Marathontour nacheinander all diese Örtlichkeiten auf. Letztendlich entschied er sich für die alte Norfolk Abbey in East Anglia, eine pittoreske, verfallene Abtei, die in der Regierungszeit Heinrichs VIII. zerstört wurde. Die in dieser Ruine gefilmten Bilder besitzen eine ganz eigene, neue Qualität, die sich stark von den vorangegangenen Poe-Filmen unterscheidet, jedoch enorm zur Gesamtwirkung des Films beiträgt. Wenn die hagere, schwarze Gestalt Verden Fells bei gleißendem Sonnenlicht durch die labyrinthischen weißen Mauern spaziert, wirkt er ebenso wie diese, wie das Relikt einer anderen Welt; die reale Natur tritt hier an die Stelle der Studiolandschaften und unterstreicht hier die surreale Atmosphäre der erzählten Geschichte.




Vincent Price bezeichnete "Tomb Of Ligeia" als seinen persönlichen Lieblingsfilm aus Cormans Poe-Zyklus. Auch die Presse war begeistert, der Film erhielt exzellente Kritiken - die London Times verglich ihn sogar mit Jean Cocteaus "Orphée" - und Roger Corman bekam erstmals in seiner Laufbahn ernsthafte künstlerische Anerkennung. Doch diesmal hielt der Regisseur sich an seine Vorsätze und dies blieb sein definitiv letzter Poe-Film ...

"His first wife is dead- but still a little CATTY!" - Werbezeile 1965

Kommen wir nun zum technischen Teil. Leider kränkeln die MGM Classic-DVDs stets am fehlenden Bonusmaterial und so fehlt es auch hier an Extras, nicht einmal der Trailer wurde uns spendiert. Hier scheint man also kein Interesse an Recherchen zu haben, dabei gibt es weltweit so viele Fans und Sammler, welche genügend Material zusammentragen könnten. Sei's drum, dafür stimmt die Bildqualität bei diesem Klassiker. Neben kräftigen und satten Farben überzeugt auch der Kontrast, wobei dieser etwas hart ausgefallen ist und leider hin und wieder Details verschluckt. Dies merkt man vor allem in Szenen mit der schwarzen Katze, welche sich kaum vom dunklen Hintergrund abhebt. Die Schärfe ist dem Alter entsprechend solide ausgefallen, wirkt jedoch in den Totalen etwas zu weich und auch Nahaufnahmen lassen etwas an Detailschärfe vermissen, was auf den Einsatz von Rauschfiltern schließen lässt. Bildrauschen ist dementsprechend gering ausgefallen, lediglich hin und wieder bemerkt man noch eine leichte Körnung. Die Kompressionen zeigen leichtes Blockrauschen im Hintergrund und leider zieht das Bild in schnellen Schwenks sehr oft nach. Defekte und Verschmutzungen sind altersbedingt natürlich nicht wegzudenken, es hält sich aber in Grenzen und nur selten sind Kratzer und Dropouts in wirklich störenden Ausmaßen aufzufinden. Insgesamt dürfen wir also mit dem anamorphen Transfer zufrieden sein, da kann der etwas zu unruhige Bildstand auch nichts mehr dran rütteln.
Sämtliche Tonspuren liegen in Mono vor, wobei die deutsche Tonspur noch die beste Sprachverständlichkeit offenbart. Hier wird uns eine gute Sprachverständlichkeit geboten, lediglich dezentes Rauschen ist hierbei wahrzunehmen. Verzerrungen und anderweitige Störungen sind kaum zu bemängeln. Dafür klingt der englische Track deutlich natürlicher, aber auch leiser als die deutsche Synchro. Hierbei stören weder Rauschen noch Verzerrungen. Optional lassen sich diverse Untertitel durchschalten, worunter sich auch Deutsche befinden, was bei MGM leider schon lange kein Muss mehr ist.
Was bleibt ist einer der besten und leider letzten Poe-Verfilmungen von Roger Corman, gepackt in einer soliden deutschen DVD-Umsetzung, ohne Extras und mit einem DVD-Menü, welches sich nur auf Zeichen beschränkt (im Übrigen ein ganz schlechter Stil). Fans von Vincent Price und den Poe-Verfilmungen dürfen bei dem Preis natürlich zuschlagen, Auslandsveröffentlichungen haben leider auch kein Bonusmaterial.


Film++++--
Bild+++---
Ton++----
Bonus------


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NewsNeue Film-Klassiker bei 20th Century Fox
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