Extrem gespaltene Meinungen über diesen Film spiegeln auch meinen Erstkontakt wieder: Nach etwa 10 Minuten hätte ich die DVD am liebsten in die Ecke geworfen, nicht wegen Verfehlungen in der Umsetzung, sondern weil man sich inhaltlich auf fragwürdigen Boden begibt und einer Jugendszene voller Selbstdarstellung und teenagerhaften Coolness-Gehabe zuträglich ist. Wenn man sich anschaut, wie Kinder schwerreicher Eltern aus Langeweile die Scheinidentität von Randgruppen annehmen (treffende Bezeichnung liefert ein Zitat: "weiße Nigger"), um sich von ihrem wohlhabenden Umfeld abgrenzen zu können, kommt mir das kalte Grausen. Hier wird eben jenes Klischee einer HipHop-Szene transferiert, welches man beispielsweise in Musikvideos so "schätzen" gelernt hat. Doch nach Kurzem entwickelt sich alles zum besseren, vor allem zu meinem Wohlgefallen hin. Das falsche Spiel wird entlarvt, die "coolen Teens cruisen mit ihren dicken Cars durch die abgefucktesten Blocks von Downtown" und plötzlich merkt man (auch als Zuschauer), dass hinter der Fassade nichts steht, mit dem man dem echten Leben begegnen könnte, hier: der Kriminalität in den Ghettos.
Der erste Kontakt mit einer Dealer-Bande wird dann auch ein beklemmendes Ereignis für die vier Party-Hopper, welches dann auch die Spreu vom Weizen trennt: Während sich die Jungs ihre Baggypants volllullen, finden die beiden Freundinnen Allision und Emily Gefallen am finstren, aber doch charismatischen Hector und suchen dessen Kontakt. Natürlich wird aus dem Spiel mit dem Feuer, einer Mixtur aus Drogen, Party und ein paar heißen Blick, ein gefährliches Aufeinandertreffen zweier Welten, die sich zwar ähneln, aber doch grundverschiedene Ursprünge haben. "Havoc" wird an dieser Stelle richtig interessant, spitzt sich dramatisch zu und entwickelt sich zu einem sehr sehenswerten Film, der den Gangster-Rapper-Mythos mal ordentlich durchschüttelt und zum Überdenken anregt. Die beiden jungen Hauptdarstellerinnen liefern eine glaubwürdige Performance ab und durch das authentischere Setting verschwindet auch der penetrante Nebengeschmack, wenn sich die Kopien den Originalen stellen und merken müssen, dass sie ihren goldenen Käfig besser nie verlassen hätten. Damit kann man dann auch nicht mehr geltend machen, dass der Film auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten war, denn diese wird nach dem albernen Gehabe der ersten 10 Minuten sicherlich ziemlich vor den Kopf gestoßen. So, das darf man verraten, entwickelt sich aus der Situation auch eine Misere, denn während Jennifer schlau genug ist, frühzeitig den Rückzieher zu machen, ist ihre Freundin immer noch benebelt von den harten Jungs der sonstwievielten Street und ihrem gefährlichen Spiel ...
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