JP 2004
Originaltitel:Marebito
Alternativtitel:Stranger from Afar, The
Länge:91:35 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 18 Jahre
Regie:Takashi Shimizu, Tomomi Miyashita, Kazuhiro Nakahara
Buch:Chiaki Konaka
Kamera:Tsukasa Tanabe
Musik:Toshiyuki Takine
Darsteller:Shinya Tsukamoto, Tomomi Miyashita, Kazuhiro Nakahara, Miho Ninagawa, Shun Sugata
Vertrieb:Alamode/Alive
Norm:PAL
Regionalcode:2



Inhalt
Takuyoshi verdient sich seinen Lebensunterhalt als freiberuflicher Kameramann. Für ihn der ideale Beruf, denn er verbringt den ganzen Tag damit alles und jeden mit seinen Kameras aufzunehmen. Dabei ist er ständig auf der Suche nach möglichst intimen Momenten anderer Menschen, emotionalen Ausbrüchen und besonders allem Morbiden. Er tut dies weniger um des Geldes wegen, als viel mehr um seinen vojeuristischen Drang zu befriedigen.
Sein zufällig aufgenommener Selbstmord eines Mannes in einer U-Bahnstation, der in zensierter Form in einer Nachrichtensendung ausgestrahlt wurde, lässt ihn jedoch nicht ruhen. Obwohl er seinen Alltag eher abgestumpft und gleichgültig an sich vorbeiziehen lässt, erweckt die Aufnahme Emotionen in ihm und er ist sich sicher, dass mehr hinter dem Ereignis steckt als auf den ersten Blick zu sehen ist. Seine Neugierde treibt ihn zurück an den Ort des Geschehens. Bewaffnet mit seiner Kamera erkundet er die dunklen Gänge des U-Bahn-Geländes und stößt dabei auf ein endloses Labyrinth aus Treppen und Schächten. Was treibt Menschen in den Selbstmord? Welcher Schrecken besitzt diese Kraft?

"Wenn es eine Tür dorthin gäbe, hätte ich den Mut sie öffnen?"

Bild
Format1.85:1 (anamorph)
NormPAL
 Die Bewertung fällt hier auf Grund des billigen DV-Ausgangsmaterials sehr schwer, auch wurden manche Szenen bewusst verschlechtert, um die Aufnahmen zu verfremden. Dies außer Acht gelassen, schwankt die Bildqualität von gut bis ausreichend. So wird ein scharfes, plastisches Bild schnell matschig sobald Bewegung ins Spiel kommt. Dann fallen Doppelkonturen und damit verbundene Unschärfe negativ auf. In manchen dunklen Szenen werden Hintergrundrauschen und Kantenüberschärfung sichtbar. Durch die Interlaced-Aufspielung kommt es bei progressiver Wiedergabe vereinzelt zu Flimmern. Dafür ist die Vorlage frei von Verschmutzungen, scharf und hat einen ausgewogenen Kontrast.
Bedenkt man, dass es sich um eine Billigproduktion handelt, kann man noch von einer der besseren deutschen DVDs aus dem japanischen Bereich sprechen und ich kann mir kaum vorstellen, dass die Japan-DVD da wesentlich mehr rausholen kann.
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Ton
FormateDolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Japanisch)
SpracheDeutsch, Japanisch
UntertitelDeutsch
 Der deutsche 5.1-Ton ist brauchbar und nutzt die Suroundlautsprecher, um die Geräuschkulisse etwas räumlicher zu verteilen. Insgesamt wirkt der japanische Stereoton aber hörbar klarer und sogar etwas räumlicher. Bei beiden Tonspuren sind die Dialoge klar verständlich. Die deutsche Synchronisation ist relativ gut gelungen, die deutschen Untertitel sind scheinbar richtige Untertitel und keine sogenannten Dubtitles (von der Tonspur abgetippte Untertitel). Da die Japan DVD soweit mir bekannt ist auch nur über Stereo Ton verfügt 4 Punkte.
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Extras
Extras
  • Interview mit Regisseur Takashi Shimizus (31:39 Min.)
  • Trailer "Hundstage" (1:55 Min.)
  • Trailer "Heimliche Spiele" (1:58 Min.)
 Das Interview ist sehr interessant und informativ. Leider gibt es weder einen Trailer zum Hauptfilm noch ein Making Of oder sonstiges spezifisches Bonusmaterial. Es stellt sich natürlich die Frage, ob es dies überhaupt irgendwo gibt.
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Fazit
"Marebito" ist Regisseur Takashi Shimizus Beitrag zur "Horror Bancho"-Serie, einem LowBudget-Filmprojekt, zu dem es noch drei weitere, eigenständige Filme anderer Regisseure gibt. Er entfernt sich damit so weit wie möglich von seinen Interner Link"Ju-On"- (bzw. "Grudge"-)Filmen, obwohl beide klar dem japanischen Horror-Genre zuzuordnen sind. Anstelle von Gänsehautattacken verschafft er uns sowohl einen Einblick in eine alptraumartige Zwischenwelt als auch eine makabre Erkundung der menschlichen Psyche, je nach Interpretion. Ob das Erlebte tatsächlich übersinnlicher Natur im H.P. Lovecraft ähnlichen Stil oder Psychoanalyse einer verwirrten Seele im Goßstadtdschungel ist, bleibt dem Zuschauer überlassen. Im Gegensatz zu den unzähligen Interner Link"Ring"-Rip-offs der letzten Jahre ist "Marebito" durch diese Vielschichtigkeit erfrischend anders als die übliche Horror-Massenware und zählt klar zu den Highlights der letzten Jahre. Es ist die filmische Darstellung eines Alptraums. Dabei geht es mit unter ziemlich blutig zu, wobei diese Einlagen fest in der Handlung verankert sind.

Technisch leidet "Marebito" etwas unter dem niedrigen Budget. Die visuellen Effekte der Zwischenweltsequenz haben aber trotz der sehr billigen Darstellung einen gewissen Reiz. Wie bei Billigproduktionen üblich sieht auch das Kunstblut sehr unrealistisch aus. Dafür sind die Aufnahmen an sich sehr gelungen und werden passend durch Toshiyuki Takines geheimnisvoll düstere Geräuschkulisse ergänzt. Shinya Tsukamoto ist wie geschaffen für die Hauptrolle des Takuyoshi, der genausogut aus einem seiner eigenen Filme entsprungen sein könnte, da eines von Tsukamotos eigenen Lieblingsthemen verarbeitet wird (die Desensibilisierung von Großstadtbewohnern). Mit einem anderen Darsteller wäre das Ergebnis sicher nicht so gut ausgefallen. Wenn Tsukamoto nicht grade mit seinen eigenen Filmen beschäftigt ist, bei denen er für gewöhnlich Regie, Kamera, Schnitt, Produktion und eine der Hauptrollen übernimmt, spielt er immer wieder gern hobbymäßig in anderen Filmen mit, besonders seine Rolle in Takashi Miikes Interner Link"Ichi - The Killer" ist schlicht grandios. Das nackte Vampirwesen "F", gespielt von der unbekannten Tomomi Miyashita, hat so gut wie nichts mit den klassischen Vampiren, wie man sie aus Bram Stokers Interner Link"Dracula" kennt, gemein, sondern erinnert eher an Jean Rollins erotische Blutsaugerinnen aus Frankreich.

Für alle die genug von Asien-Horror-Klischee Filmen haben ist dieses außergewöhnliche Werk genau das Richtige. Horror für Fortgeschrittene!






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