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IT 1972
Originaltitel:Delirio Caldo
Alternativtitel:Crime
aka. Delirio Caldo
aka. Delirium
Länge:97:34 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Renato Polselli
Kamera:Ugo Brunelli
Musik:Gianfranco Reverberi
Darsteller:Mickey Hargitay, Rita Calderoni, Tano Cimarosa, Christa Barrymore, Wiliam Darni, Raoul Taucher, Carmen Young, Steffy Steffen, Cristina Perrier, Katia Cosorich
Vertrieb:filmArt / Media Target
Norm:PAL
Regionalcode:2
DVD-Start:05.05.2014 (Kauf)



Inhalt
Der Psychiater Dr. Herbert Lyutak und seine Frau Marcia leben zusammen in einer unglücklichen Ehe. Nur bei seiner Arbeit als psychologischer Berater der örtlichen Polizei findet er ein Stück Erfüllung. Nach dem grausamen Mord an einer jungen Frau gerät er bald selbst in die Ermittlungen der Polizei und steht als Täter unter Verdacht. Wie im Delirium wird Lyutak von andauernden Halluzinationen geplagt und gesteht seiner Frau schließlich seine schreckliche Tat. Schweren Herzens beschließt Marcia, ihren Mann gegenüber der Polizei zu decken. Die Ermittlungen überschlagen sich erneut, als weitere unmenschliche Morde das Umfeld um Lyutak erschüttern. Auch ein unscheinbarer Parkwächter heftet sich an seine Versen. Dieses Mal kann er es aber nicht gewesen sein ...

Bild
Format1,78:1 (anamorph)
NormPAL
 Der auch unter "Delirium" bekannte Giallo-Klassiker liegt im anamorph kodierten Format von 1,78:1 vor und hinterlässt selbst auf großen Diagonalen einen positiven Eindruck. Die Schärfe ist fast durchweg auf einem ordentlichen Niveau, wobei die schlecht fokussierten und deswegen oftmals schwammigen und unscharfen Einstellungen auf produktionstechnische Mängel zurückzuführen sind. Der Detailbereich ist überdurchschnittlich gut, Farben werden frisch und kräftig wiedergegeben, und der Kontrast arbeitet solide und zeichnet ein sehr tiefes und sattes Schwarz. Das sorgt leider dafür, dass dunkle Flächen etwas sumpfig wirken und in den Nachtaufnahmen einige Details verloren gehen. Bildrauschen ist durchweg wahrzunehmen, wirkt aber wenig prägnant. Störende Bewegungsunschärfen fallen nicht auf, und die leichten, stehenden Rauschmuster rücken nur auf sehr großen Diagonalen stärker in den Fokus. Ein paar Bildunruhen sind ebenso zu verkraften wie die wenigen Defekte und Verschmutzungen, die auf der Vorlage zu finden sind. Bis auf ein leichtes Banding bei Farbübergängen arbeitet die Kompression ruhig im Hintergrund. Da die anderen Versionen als Bonusmaterial angegeben sind, fließen diese nicht in die Bildbewertung mit ein.
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Ton
FormateDolby Digital 1.0 Mono (ungefiltert, dt.), Dolby Digital 1.0 Mono (gefiltert, dt.), Dolby Digital 1.0 Mono (ital.)
SpracheDeutsch,Italienisch
UntertitelDeutsch, Englisch (nur in der Sexfassung)
 Die deutsche Monospur liegt als "gefilterte" und als "ungefilterte" Version vor. Beide klingen sehr gut aufgeräumt, weitgehend rauscharm und bieten eine ordentliche Sprachverständlichkeit mit nur geringfügigen Überlappungen im Hochtonbereich. Die großen Unterschiede beider Fassungen sind darin zu finden, dass die gefilterte Version einen geringeren Rauschpegel hat und weniger kratzig ausfällt. Der Filtereinsatz wurde dezent vorgenommen, wodurch die Tonspur weder muffig noch dumpf klingt. Die Synchronisation ist der Brüller vor dem Herrn und darf wahrlich als Synchronperle deutscher Billig-Tonstudios bezeichnet werden.
Da der Film sich ohnehin schon viel zu ernst nimmt, sorgt die Synchronisation für permanente Zwerchfellpenetration. Trotz einiger bekannter Stimmen, scheint sich damals niemand wirklich darüber Gedanken gemacht zu haben, was sie da überhaupt vertonen. Es wurde teilweise wortwörtlich aus dem Italienischen übersetzt, was für eine Menge Schenkelklopfer sorgt. Die italienische Sprachfassung klingt leider sehr kratzig und ist deswegen kaum noch verständlich im Dialogbereich. Dafür gibt es allerdings Untertitel, die zum Glück nicht auf der deutschen Synchronisation basieren. Schaltet man diese während der deutschen Fassung zu, wird es sogar noch spaßiger. Stellenweise wird im italienischen Original im Off gesprochen, was in der deutschen Fassung einfach unterschlagen wurde. Umgekehrt wurden nicht nur irgendwelche Wörter hinzugedichtet, sondern so übersetzt, dass es im Deutschen keinen Sinn mehr eribgt. Z. B. wenn Marzia ans Telefon geht und im Original immer wieder "Hallo?" sagt, wird im Deutschen daraus "Bitte!", was in Kombination mit der Mimik der Darsteller für Partystimmung sorgt. Interessant ist auch die Vergewaltigungsszene am Anfang des Films. Dort hört man nicht nur die Schreie und das Stöhnen der Frau in Deutsch, sondern auch gleich den Originalton im Hintergrund. Ganz großes Kino, muss man einfach erlebt haben!
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Extras
Extras
  • 12-seitiges Booklet von Heiko Hartmann
DVD 1: (Italienische Originalfassung & Sexfassung)
  • Audiokommentar von Pelle Felsch und Christian Kessler
  • Promo-Trailer zu "Das Grauen kommt nachts" (2:16 Min.)
  • "The Theorem of Delirium" - Interviews mit Renato Polselli und Mickey Hargitay (14:23 Min.)
  • Alternative Sexfassung (93:41 Min.)
DVD 2: (Deutsche Vietnamfassung & Deutsche Kurzfassung)
  • Deutsche Vietnamfassung (99:23 Min.)
  • Deutsche Kurzfassung (79:01 Min.)
  • Alternative Szenen der US-Fassung (29:45 Min.)
  • Italienischer Fotoroman (PDF-Datei)
VerpackungKeepCase
 Beim Bonusmaterial gibt filmArt Gas und spendiert den Käufern zur Hauptfilmfassung noch drei weitere Filmversionen verteilt auf zwei DVDs. Da wäre die knapp 94-minütige Sexfassung, die um einige nette Sexszenen erweitert wurde. Allerdings liegen diese in unterirdischer Qualität vor und wollen auch nicht so recht in den Film hineinpassen. Die Fassung lässt sich ebenfalls in Deutsch und Italienisch betrachten, wobei die hinzu schaltbaren Untertitel auf Englisch vorliegen (wäre beim Hauptfilm auch nett gewesen). Weiterhin befindet sich auf der zweiten DVD die deutsche "Vietnam-Fassung", die mit einer Laufzeit von 99 Minuten zu Buche schlägt.
Der Sinn dieser Version war es, dem Zuschauer verständlich zu machen, warum Herbert so durchgeknallt ist: Die Produzenten nutzten die Gelegenheit, den damals populären Vietnamkrieg etwas in den Vordergrund zu rücken. Dafür wurden einige Kriegssequenzen zu Beginn und am Ende des Films eingefügt. Wie auch bei der "Sexfassung" nahm filmArt die qualitativ gute italienische Fassung als Vorlage und fügte die schlechteren Szenen einfach ein. Zum Abschluss enthält die Disc noch die deutsche "Kurzfassung", die um knapp 14 Minuten erleichtert wurde. Diese kann im Gegensatz zur "Vietnamfassung" in Deutsch und Italienisch betrachtet werden. Untertitel gibt es allerdings nicht.

Es fehlt die US-Fassung des Films, die nochmal 29 Minuten zusätzliches und alternatives Material bietet. Dieses Material ist zumindest einzeln in sehr guter Qualität als Bonus auf der zweiten DVD enthalten und zeigt einen komplett neuen Mord sowie einen mit einem anderen Ausgang. Hinzu kommen noch einige enorme Abweichungen zum italienischen Original. Selbst das Ende ist komplett anders. "The Theorem of Delirium" ist ein 14-minütiges Interview aus dem Hause Anchor Bay und Blue Underground mit Regisseur Renato Polselli und Hauptdarsteller Mickey Hargitay. Hier geht der Regisseur u. a. auf die Sexszenen im Film ein und darauf, dass er diese sehr ernsthaft und mit großem Respekt der Darsteller gegenüber umgesetzt hat. Da Sexualität in "Das Grauen kommt nachts" eine übergeordnete Rolle spielt, gehen beide auch da nochmal mehr ins Detail, was zu einem interessanten wie informativen Interview führt. Die italienischen Sätze wurden Deutsch untertitelt, wobei man Hargitays Part leider nicht übersetzte. Es wird wohl davon ausgegangen, dass jeder Käufer gute Englischkenntnisse besitzt. Abschließend enthält die Disc einen Promo-Trailer sowie einen Fotoroman als PDF-Datei.

Das Herzstück stellt aber wie so oft der Audiokommentar dar. Dieser wird von Christian Keßler und Pelle Felsch eingesprochen. Beide haben hörbar Spaß und amüsieren sich köstlich bei der erneuten Sichtung des Klassikers. Dabei werden wir Zeuge eines jubelnden Keßlers, der das für ihn bis Dato unbekannte Ende abfeiert. Muss man einfach gehört haben, nicht zuletzt wegen der tollen Hintergrundinformationen. Das 12-seitige Booklet enthält zudem einen sehr lesenswerten Text von Heiko Hartmann, einem guten Freund des Hauses.
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Fazit
"Doktor schnell, die Mörder sind da!"

Ein Giallo ist "Das Grauen kommt nachts" nicht wirklich. Hier regiert der nackte Sleaze, und insgesamt steht "Delirium", so der US-Titel, vom Geist und der Machart her einem Jess Franco viel näher als beispielsweise einem Dario Argento.

Dr. Herbert Lyutak (oder "Herrrrrbert" - wie er sich selbst nennt) wird uns direkt in der Einleitung dieses schönen Films als Täter präsentiert, der seine Impotenz mit sadistischen Morden kompensiert. Dass es einen zweiten Täter geben muss, wird aber, wie oben geschildert, sehr schnell deutlich und von da ab wird es immer verwirrender, bis zum Schluss alle Beteiligten mehr oder minder unmotiviert in den Wahnsinn abdriften. Die Auflösung des schmierigen Geschehens ist nicht unbedingt schlüssig, aber immerhin ziemlich originell. Explizite Gewaltexzesse und Blutfontänen gibt es hierbei freilich nicht zu sehen, dafür aber umso mehr nackte Haut. Kontrastiert wird das aktuelle Handlungsgeschehen immer wieder mit surrealen, sado-masochistischen Traumsequenzen der hübschen Marcia, die sich gemeinsam mit ihrer Schwester und dem Hausmädchen (selbiges hört auf den ulkigen Namen Lolel) willig der Knute ihres kettenrasselnden Ehemannes unterwirft. In Marcias feuchten Träumen wird der unfähige Gemahl zum dominanten Berserker.

Für das Jahr 1972 kommt die ganze Thematik im Übrigen bemerkenswert explizit über die Bühne. Da gibt's die volle Sleaze-Packung mit vielen Hupen und haarigen Vaginen. Kettenrasseln und Peitschenknallen inklusive. Das hätte man von einem Film dieses Alters nicht unbedingt erwartet.
Der 2006 verstorbene Mickey Hargitay (Herrrrbert), seines Zeichens Exmann des bei einem mysteriösen Autounfalls ums Leben gekommenen Busenwunders Jayne Mansfield, drehte nach seiner Ehe vornehmlich obskure Horrorfilme und Western im sonnigen Italien. Hargitay wurde in Ungarn geboren und ging 1947 in die USA, wo er 1955 zum "Mister Universum" gekürt wurde. Man könnte sagen, er war der Arnie seiner Zeit. Okay, ganz so erfolgreich war Hargitay freilich nicht, aber er hat, genau wie der Gouvernator, schon einmal den Herkules gespielt – nämlich in "Die Liebesnächte des Herkules" aus dem Jahr 1960. In "Delirium" ergeht sich Hargitay in hemmungslosem, augenrollendem Overacting, was aber absolut zur Rolle passt. Den impotenten Lustmörder kauft man ihm sofort ab!
Rita Calderoni, die seine unterwürfige Frau Marcia spielt, hat in so schönen Filmen wie "Nude for Satan" mitgespielt. Im Kern ist "Delirium" tatsächlich so etwas wie eine verquere, höchst merkwürdige Liebesgeschichte, und Calderoni lässt in ihrer Rolle keinen Zweifel daran, dass sie ihren angetrauten Gemahl bis zum Wahnsinn liebt und alles für ihn tun würde. Dass sie auch nackig eine ziemlich gute Figur macht, sei nur nebenbei angemerkt. Der Rest des Casts ist relativ unbekannt, allerdings war die Schulterleckende Lolel ziemlich töfte, dies aber ebenfalls nur nebenbei!

Wie schon erwähnt, ist der Plot ziemlich verschlungen und seltsam. Die Krone wird dem Ganzen dadurch aufgesetzt, dass der Film in England spielen soll, obwohl hier – von Hargitay mal abgesehen – fast nur Italiener herumhüpfen und auch die Locations alles andere als "very british" wirken. Man hat dieses offensichtliche Problem gelöst, in dem man in einer Polizeirevier-Szene zwei Leutchen mit den typischen Bobby-Hütchen durchs Bild turnen lässt und eine rote Telefonzelle in einem italienischen Park platziert hat. Aber hey, das geht voll in Ordnung! Schließlich hat es Flutsch-Meister Franco ja auch schon einmal geschafft, dem geneigten Zuschauer Zürich als London des Jahres 1888 zu verkaufen.

Mit der Nummer 3 ihrer "Giallo Edition" haut filmArt wieder eine absolute Granate an abseitiger Filmkunst raus. Massig Bonusmaterial, drei weitere Filmfassungen und ein überraschend gutes Bild machen die Veröffentlichung von "Das Grauen kommt nachts" zum Must-have-Titel für Sammler des italienischen Exploitation-Kinos. Das 2-Disc-Set ist auf 1000 Stück limitiert und wird passend in einem gelben KeepCase ausgeliefert.



Bilder der DVD




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News"Das Grauen kommt nachts" - filmArt bringt Giallo-Klassiker im Mai
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