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IT 1956
Originaltitel:Vampiri, I
Alternativtitel:Devil's Commandment, The
aka. Evil's Commandment
aka. Lust of the Vampire
aka. Vampires, The
Länge:73:59 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Riccardo Freda, Mario Bava
Buch:Riccardo Freda, Piero Regnoli, J.V. Rhemo
Kamera:Mario Bava
Musik:Franco Mannino, Roman Vlad
SFX:Mario Bava
Darsteller:Gianna Maria Canale, Carlo D'Angelo, Dario Michaelis, Wandisa Guida, Angelo Galassi, Renato Tontini, Paul Muller, Charles Fawcett, Gisella Mancinotti, Miranda Campa, Antoine Balpêtré, Ronny Holiday, Joy Holliday
Vertrieb:Anolis
Norm:PAL
Regionalcode:0
DVD-Start:09.04.2009 (Kauf)



Inhalt
Der sogenannte "Vampir" trübt den romantisch-verklärten Blick auf Paris! Aus der Seine birgt die Gendarmerie wiederholt Frauenleichen: Ein unheimlicher Killer mordet in Serie und lässt lediglich die des roten Lebenssaftes zur Gänze beraubten Hüllen kaum erblühter Weiblichkeit in den kühlen Fluten zurück.
Der gewiefte Reporter Lantin begibt sich auf die Suche nach dem Mörder. Im Zuge seiner Ermittlungen lernt er die Duchess du Grand kennen und diese ihn lieben. Zu ihrem Leidwesen gehört das Herz des Reporters einer anderen. Bald schon verschwindet Lantins Freundin auf mysteriöse Weise.
Wissenschaftler Julien wiederum ist in Liebe zur Duchess entflammt und hat außerdem ein Lebenselixier kreiert, welches aus dem Blute junger Frauen gewonnen den natürlichen Alterungsprozess zu stoppen- und scheinbar ewige Schönheit zu spenden vermag. Langsam fügen sich die Geschehnisse zu einem furchtbaren Kaleidoskop des Schreckens zusammen ...

Bild
Format2,35:1 (anamorph, s/w)
NormPAL
 Das über 50 Jahre lang gereifte Filmmaterial wurde für diese DVD im breitwandigen Originalformat restauriert. Zumindest macht es den Anschein, denn die erfreulich geringe Anzahl von Kratzern und der ruhige Bildstand widersprechen dem Alter. Bei der Detailabbildung sind einige Anzeichen für eine Nachschärfung vorhanden, was hintergründige Objekte manchmal etwas zu sehr herausarbeitet. Zwei mal, nämlich wenn Joseph Signoret sich eine Beschriftung aus nächster Nähe anschaut, verschwimmt das Bild. Zumindest kann man es als Stilmittel erklären, wenn einem später mitgeteilt wird, was mit diesem Charakter eigentlich geschehen ist. Abgesehen von zwei weiteren Archivaufnahmen, die die Bildqualität kurz, aber heftig einbrechen lassen, ist die Detailarstellung fast schon hervorragend gelungen. Die auf starke Kontraste ausgelegte Ausleuchtung hilft diesem Eindruck, auch wenn es vorkommt, dass helle Flächen ein wenig überhellt aussehen. Bildränder werden weder verschluckt, noch hat man das Gefühl, dass der Hintergrund zu weich aussehen würde. Insgesamt ein nahezu sehr gutes Ergebnis.
 ++++/-

Ton
FormateDolby Digital 2.0 Mono
SpracheDeutsch, Italienisch
UntertitelDeutsch, Englisch
 Bereits die Musik im Vorspann klingt ein wenig schrill, entspricht aber dem, was man später im Film zu hören bekommt: ein wenig übersteuerte, aber sehr gut verständliche Dialoge. Sobald die Musik in den Hintergrund tritt, klingt sich auch sanfter. Wird sie komplett zurückgedreht, hört man etwas Grundrauschen in Form von Knistern durch. Das italienische Original hat einen etwas zu dumpfen Grundcharakter, was die Übersteuerungen auslöscht, aber auch der Vitalität des Klangs entgegenwirkt. Mit der sehr guten deutschen Übersetzung ist man also bestens bedient. Deutsche und englische Untertitel sind ebenfalls vorhanden.
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Extras
Extras
  • 12seitiges Booklet
DVD 1:
  • Audiokommentar
  • Paul Muller "C'est la vie" (69:40 Min.)
  • Dt. Trailer (Scope-Version, 2:34 Min.)
  • Dt. Trailer (Flat-Version, 2:42 Min.)
  • US-Trailer (1:37 Min.)
  • Versuch einer Rekonstruktion (4:22 Min.)
  • Filmografie Paul Muller (49 Seiten)
  • Bildergalerie (25 Bilder)
  • Filmprogramme (3:36 Min.)
  • Credits (1 Seite)
DVD 2:
  • Italienische Kinofassung (78:00 Min.)
  • US-Kinofassung (69:20 Min.)
VerpackungDigiPack im Schuber
 Diese Edition ist mal wieder etwas ganz Besonderes - nicht nur weil neben dem Film noch zwei weitere Fassungen enthalten sind, sondern weil die gesamte Gestaltung stimmt. Das beginnt beim Beilegheftchen, welches neben Stabangaben und Bildmaterial zwei einleitende Texte enthält. Thomas Wagner als bekennender Bava-Fan schreibt über den Film, während Uwe Rink über seinen Besuch und das Interview mit Paul Muller berichtet.
Der Film auf DVD 1 beginnt mit einer Einleitung jenes Schauspielers, welche ein kleiner Vorgeschmack auf das gut einstündige Interview mit ihm sein wird. In diesem erzählt er auf Deutsch so ausführlich und offen über sein gesamtes Leben, dass man garantiert nicht ausschalten möchte, bis man sich alles angeschaut hat. Man erfährt beispielsweise über seine Freundschaften zu anderen großen Filmemachern (z.B. Leni Riefenstahl), die Hintergründe zur Annahme der italienischen Staatsbürgerschaft und die Erlebnisse zur Zeit des Krieges. Es ist interessant zu erfahren, wie er zu seinen eigenen Filmen steht - dass er beispielsweise "Der Vampir von Notre Dame" gar nicht so sehr mag, weil ihm das Genre nicht zusagt. Muller plaudert sehr viel aus dem Nähkästchen, weiß aber auch, wann er Geheimnisse besser nicht verrät. Auf jeden Fall ist der sehr fit wirkende Interviewte ursympathisch - und ich beneide die Interviews, dass sie dieses Gespräch mit ihm führen durften. Der "Versuch einer Rekonstruktion" zeigt alternatives Material, welches der ursprünglichen Filmfassung von Riccardo Freda entspricht. Diese war etwas mehr auf das klassische Frankenstein-Motiv ausgerichtet und wurde erst später, mit der Übernahme der Fertigstellung durch Mario Bava, verworfen. Neben Trailern, u.a. in verschiedenen Bildformaten, wird natürlich das Schaffen von Muller nochmals per Biografie gewürdigt. Eine Bildergalerie, zwei eingescannte Filmprogramme, eine Danksagung an alle Mitwirkenden und natürlich ein stilvolles Menu sind aber noch nicht alles, denn man hat die beiden Filmspezialisten Christian Keßler und Marcus Stiglegger zu einem gemeinsamen Audiokommentar bewegen können. Diesmal geht es relativ sachlich zu, wobei nicht mit Interpretationen und individuellen Beobachtungen gegeizt wird.
Auf DVD 2 befinden sich zwei Alternativfassungen des Filmes, die qualitativ mit dem Hauptfilm auf DVD 1 mithalten können und jeweils die jeweilige Landeszielsprache und den deutschen Ton inklusive Untertitel anbieten. Besonders die US-Fassung, welche noch ein wenig kürzer als die Deutsche ist, gefällt mir wegen einiger schön grusliger oder zumindest angenehm spannender Szenen. Die Qualität dieses zusätzlichen Materials, das u.a. einige Hintergründe aufklärt, ist nicht ganz so gut wie der Rest des Films, fällt aber auch nicht so weit ab, dass man es bereuen müsste.
 +++++-

Fazit
Hier haben wir nun also jenen Film vor uns, der den Umbruch in der italienischen Filmgeschichte hin zum phantastischen Genre eingeleitet haben soll. Vor dem Krieg war Italien in diesem Bereich stark unterrepräsentiert und nach Kriegsende stand den Kinozuschauern natürlich erst mal etwas anderes im Sinn als Grauen und Gewalt. Regisseur Riccardo Freda ersann in "Der Vampir von Notre Dame" eine Vermischung aus klassischen, weil gothischen Horror-Film und moderner Krimigeschichte. Das wird aufgemotzt mit dem aus dem SciFi-Film beliebten Mad Scientist-Thema, denn wie man zeitig genug erfährt, sind die blutleeren Opfer nicht etwas das Resultat einer mittelalterlichen Phantasiegestalt, sondern diabolischer Forschungen, die sich mit lebensverlängernden bzw. lebensverkürzenden Maßnahmen beschäftigen - je nach dem, auf welcher Seite des OP-Tisches man sich befindet.
Die Ausleuchtung und Kameraführung von Mario Bava, der zum Drehende etwas überraschend auch noch die Regie und damit Fertigstellung des Filmes übernahm, orientiert sich am expressionistischen Schwarzweißfilm der Vorjahre, enthält also ein paar optisch aufregende Momente. Das macht den Film auch heute noch interessant, denn das Ambiente des alten Gemäuers, die interessant beleuchteten Sets und die Düsternis lenken etwas vom krimilastigen Geschehen ab. Jenes zeigt einen jungen Reporter, der den Ermittlungen der Polizei Vorschub leistet, indem er sich näher mit der Vampirgeschichte befasst - und schließlich tief am Abgrund seiner eigenen Vergangenheit wandelt. Auch wenn die Auflösung dem Zuschauer schon sehr zeitig auf dem Präsentierteller geliefert wird, wird er von der Erzählweise und natürlich den tollen Effekten und Tricks bei der Stange gehalten. Die Idee hinter "Der Vampir von Notre Dame" muss für die damalige Zeit erfrischend modern empfunden worden sein, denn der tragische Blutsauger von einst hat sich hier nun im Adel eingenistet und schlägt von dort aus im übertragenen Sinne seine Beißerchen in die Hälse des einfachen Volks. Allerdings macht der Film trotz seiner Fortschrittlichkeit einige Zugeständnisse an die Historie des weltbekannten Genre-Erfolgs, indem beispielsweise die unschuldige, holde Maid in Gefahr gerät, aus der sie vom "Ritter" (hier in Anzug statt in Rüstung) befreit werden möchte. Etwas Romantik muss eben sein!

Anhänger klassischer Horrorkost werden in "Der Vampir von Notre Dame" ein optisch wie inhaltlich reizvolles Werk widerfinden. Die deutsche DVD-Auswertung ist sowohl in der Verpackungsgestaltung als auch beim Bonusmaterial sehr lohnenswert.



Bilder der DVD




Druckbare Version
Vampir von Notre Dame, Der
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