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D 2009
Originaltitel:Captain Berlin versus Hitler
Länge:74:32 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Jörg Buttgereit
Buch:Jörg Buttgereit
Kamera:Thilo Gosejohann
Musik:Mark Reeder, Peter Synthetic
Darsteller:Jürg Plüss, Adolfo Assor, Claudia Steiger, Sandra Steffl, Rafael Banasik, Michael Waechter, Jörg Buttgereit, Uwe Meier, Annette Borchardt
Vertrieb:Media Target
Norm:PAL
Regionalcode:0
DVD-Start:29.10.2009 (Kauf)



Inhalt
Dr. Ilse von Blitzen ist hochzufrieden. Nach Hitlers Tod hat sie sein Gehirn retten können und 1973 ist der technische Fortschritt so weit, dass sie das Hirn in einen neuen Körper transplantieren kann. Dazu hat sie aus den Leichenteilen der tollsten Deutschen das Flickwerk Germanikus gebastelt. Doch wie erweckt man Germanikus zum Leben? Dracula soll weiterhelfen, er kennt sich mit dem ewigen Leben aus. Doch der bekannte Transsylvanier hat mit Hitler ideologische Probleme. Denn Dracula ist Sozialist, schließlich kommt er aus dem Osten. Da taucht Captain Berlin auf, Hitlers Nemesis, der seit Kriegsende als linker Journalist gearbeitet hat. Denn einerseits sieht er die Möglichkeit, Hitler endgültig zu vernichten, und andererseits muss er seine Tochter Maria retten, die unterdessen in die Fänge Draculas geraten ist.

Bild
Format1,78:1 (anamorph)
NormPAL
 Es ist nahezu unsinnig, eine Wertung in Punkten in diesem Bereich abzugeben, denn es wurde mit relativ einfachen Mitteln auf Digital Video gefilmt und später das Bild mittels Filter an echtes Filmmaterial angepasst. Laut Buttgereit sah das Ausgangsmaterial anfangs eher steril, nach der Filterung allerdings sehr interessant aus. Man muss sich es sich so vorstellen, dass diverse kleine Kratzer bis hin zu kurzem Rollenverschliss zu sehen sind und auch dei Farben angepasst wurden. Das Schwarz ist etwas aufgehellt, die Farben wurden ebenfalls etwas vergilbt, um den Effekt von Material aus den 1970er Jahren zu simulieren. Auch die Schärfe scheint zurückgefahren, denn das anamorphe Bild ist nicht sonderlich detailreich, an Konturen sogar etwas weichgezeichnet. Insgesamt passt das, denn das schwierige Unterfangen, aus einem Bühnenstück einen Film zu machen, gelingt besonders durch die stilistische Bearbeitung des Materials.
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Ton
FormateDolby Digital 2.0
SpracheDeutsch
Untertitel-
 Lediglich die Musik klingt peppig und kräftig, der Rest ist der Akustik einer Bühne geschuldet. Die Schauspieler müssen für die Vorstellung lauter reden als es beim Film üblich ist, was in einigen etwas lauten, manchmal auch leisen Sprechpassagen resultiert. Verständlich bleibt es trotzdem ziemlich gut. Zu den einfachen Dialogteilen gesellen sich in Ausnahmefällen ein paar hinzugemischte Effekte. Auch hier ist es nicht nötig, eine Bewertung zu vergeben.
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Extras
Extras
  • Hundemarke
  • 12seitiges Booklet
  • Audiokommentar
  • Originaltrailer (1:24 Min.)
  • Backstage-Report (10:02 Min.)
  • Bildergalerie (4:55 Min.)
  • Weltpremiere in Gelsenkrichen (15:24 Min.)
  • Export-Version (74:32 Min.)
  • Kurzfilme:
    • Captain Berlin (10:09 Min.)
    • Captain Berlin gegen Hyxar (1:49 Min.)
  • Trailer:
    • Captain Cosmotic (2:08 Min.)
    • Operation Dance Sensation (1:56 Min.)
VerpackungKeepCase mit FSK-Wendecover
 Wer eine der ersten 1000 Stück dieser DVD-Auflage erwischt hat, darf sich glücklich schätzen, denn der bekommt etwas von der Vorgeschichte Captain Berlins berichtet: In Comic-Form beschreibt "Operation Untergang", wie der erste Attentatsversuch auf Hitler fehlschlug. Auch die ersten filmischen Schritte des Superhelden aus der Bundeshauptstadt sind auf dieser DVD vorzufinden: Interner Link"Captain Berlin - Retter der Welt", der Auftakt des Mythos von 1982, zeigt frühe Gehversuche des Regisseurs, der sich passenderweise gleich selbst in die Hauptrolle gesetzt hat und gegen Mr. Smith und dessen teuflische Welteroberungspläne antreten muss. Die etwa 10 Minuten sind zwar etwas zu lang und komplett blutleer, aber mit einigen witzigen Szenen gespickt, z.B. einem Kampf gegen den Oberbösewicht und dessen Schergen auf einem Parkplatz. Das vermutlich mit Freunden gedrehte Werk zeigt außerdem Bela B. Felsenheimer als Freak in einer seiner ersten Rollen. Während es dieses Frühwerk bereits auf diversen DVDs zu sehen gab, z.B. auf einer Auflage von Interner Link"Nekromantik" und der Kurzfilm-Sammlung Interner Link"Hot Love", dürfte der wesentlich kürzere und lustigere "Captain Berlin gegen Hyxar" den meisten noch unbekannt sein. In diesem hat es ein seltsamer Weltraumkopfgeldjäger auf Captain Berlin abgesehen, der allerdings kurzen Prozess mit seinem Widersacher macht.
Wie "Captain Berlin versus Hitler" entstand, wird ausführlich im Audiokommentar beleuchtet. Jörg Buttgereit und Thilo Gosejohann, der die Theateraufführungen mitgefilmt und später endbearbeitet hat, haben mehr zu erzählen, als die knapp 75 Minuten Laufzeit hergeben. Es geht um den gesamten Produktionsprozess, um die Nachbearbeitungstricks, aber auch um die Vorbilder zu diesem Film, was das Zuhören sehr interessant macht. Dazu kommt eine kurze Reportage, die die Regiearbeit Buttgereits im Theater und die Proben zeigt. Im Anhang kann man sich die "komplett ungeschnittene" Fassung des Films anschauen, eine Zeitrafferversion, die tatsächlich aus einer Kameraperspektive am Stücke aufgenommen wurde. Die Bildergalerie zeigt weitere Momentaufnahmen des Bühnenstücks und ein paar Presseausschnitte. Die Filmpremiere wurde am 6. März 2009 in den Räumen des Geheimnisvollen Filmclubs Buio Omega abgehalten. Die dazugehörige 15minütige Dokumentation zeigt Buttgereit und Gosejohann vor allem auf der Bühne, wo sie ihr Werk vorstellen und Fragen beantworten. Die Export-Version unterscheidet sich in den Texteinblendungen auf Sprechblasen von der deutschen Fassung und kann wie die Kurzfilme englisch untertitelt wurden. Mark Reeder, der während den Aufführungen die Klangeffekte live eingspielt hat, spricht etwa die erste Viertelstunde einen Audiokommentar auf Englisch dazu ein. Den Abschluss des Bonusbereichs bilden Trailer. Außerdem gibt es ein weiteres Gimmick für Frühentschlossene: Die ersten 500 Exemplare enthalten neben dem Booklet zusätzlich eine doppelseitig bedruckte Hundemarke inklusive Kette.
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Fazit
Eigentlich sollte es ja nur ein persönlicher Videomitschnitt seines Bühnenstücks sein, das vier Aufführungen erfuhr und danach vermutlich selbst für den Regisseur Jörg Buttgereit in Vergessenheit geraten wäre. Also wurde Nachwuchsfilmlegende Thilo Gosejohann (Interner Link"Captain Cosmotic", "Ingo Jownes und die schlimme Mumie") zu den Aufführungen eingeladen, der gemeinsam mit einem ehemaligen Studienkollegen auf DV mitschnitt. Später entstand daraus die Idee, diese Versionen stilistisch aufzupeppeln und als Film auf die Zuschauerschar loszulassen, die die limitierte Theateraufführung in Berlin verpasst hatte.
Herausgekommen ist eine interessante Mischung aus der Einfachheit eines Bühnenstücks und der Dynamik eines Films, auch wenn daraus kein "typischer" Film geworden ist, wie man ihn von den Machern aus Berlin bzw. Niehorst gewohnt ist.
Inhaltlich wird es dafür wild, denn Buttgereit lebt seine Superhelden- und Trash-Leidenschaft komplett aus, indem er die sonst eher trocken betrachtete Historie rund um Adolf Hitler und Nazideutschland parodiert. Sein Protagonist, der klassischen Maske-und-Umhang-Weltenretter Captain Berlin, den er 1982 erstmalig mit zwei Interner LinkKurzfilmen in Szene setzte, wird in den 1970er Jahren mit dem wiederbelebten Gehirn seines Erzfeindes und dessen Gehilfin Ilsa von Blitzen konfrontiert, die mit Hilfe Graf Draculas die Welt beherrschen wollen.
Die auf wenige Schauplätze beschränkte, aber bunt ausgefüllte Geschichte rund um einen Führer, dessen Hirn in einen tumben Roboter implantiert wird, einen eigenwilligen Vampir (das "Monster aus dem Ostblock") und den Helden, der ganz nach Peter Parker-Vorbild seinen Lebensunterhalt als Redakteur (ein "linker Schreiberling") verdient, würde jeden Trash-Filmer eine Freude bereiten, bietet sie doch massig Möglichkeiten, in den Bereichen Science Fiction, Phantastik und realer Geschichte zu wildern. "Captain Berlin versus Hitler" ist ein kurz gefasster, dialoglastiger Beginn einer Idee, die hoffentlich noch eine Fortsetzung erfährt - dann vielleicht als richtiger Spielfilm, denn die Dramatik der Bühne lässt sich trotz vielfältiger Filmstilmittel nur bedingt auf die heimische Leinwand bringen. Die Absurdität der Geschichte, die Situationskomik, die vom Publikum mit Gelächter belohnt wird, und der Comic-Stil könnten vor echten Filmkulissen nämlich noch mehr erreichen.

Die DVD ist sehr gut ausgestattet, die technischen Grundlagen allerdings soweit modifiziert, dass eine Wertung kaum noch möglich ist. Wer sich mit dem Gedanken erwärmen kann, dass er hier "nur" ein abgefilmtes Theaterstück mit Filmoptik bekommt oder aber ein riesiger Trash-Fan ist, der sollte einen Blick riskieren.



Bilder der DVD




Druckbare Version
NewsSex. Murder. Art. - Retrospektive Jörg Buttgereit vom 8. bis 28. Januar in Düsseldorf
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