Beim Fernsehen ist es wie auf der großen Kinoleinwand: Hat ein Film Erfolg, muss zügig eine Fortsetzung her. So geschehen beim Pro 7-Quotenhit "Gonger - Das Böse vergisst nie", bei dem sehr schnell feststand, dass eine Fortsetzung produziert wird. Das Ende wurde offen gelassen und der Storytwist schuf Raum für genügend Interpretationen, doch leider kommt "Gonger 2" trotz dieser Vorlage zu keiner Zeit auch nur ansatzweise an seinen Vorgänger heran. Sowohl beim Drehbuch als auch beim Regisseur wurden Fehler gemacht, denn für Christian Theede übernahm Philipp Osthus im Regiestuhl platz. Die Änderung des Mysterie-Thrillers auf einen religiösen Horrorfilm mit kritischem Blick auf die Kirche wirkt etwas zusammengeschustert. Bereits die Eingangssequenz in Indien ist dermaßen lächerlich und völlig aus der Luft gegriffen, dass man sich die Frage stellt, ob das Team hinter "Gonger 2" wirklich wusste, was es da tat. Nichts ist von der mysteriösen und unheimlichen Stimmung des ersten Teils geblieben. Stattdessen wird eine Zitatesammlung amerikanischer und japanischer Horrorfilmen aufgefahren, die keine einzige eigene Idee mehr mitbringt. Von "Final Destination" über "A Nightmare on Elm Street" bis hin zu "Die Fürsten der Dunkelheit" ist hier alles eingeflossen, was im Horrorgenre einen Namen hat. Das kann funktionieren, ist bei "Gonger 2" aber völlig in die Hose gegangen. Da hilft es auch nicht, wenn betont wird, dass es schließlich eine deutsche Produktion ist. Christian Theede hat es doch vorgemacht, wie bekannte Muster frisch umgesetzt werden können. Osthus hingegen scheitert an seiner Inszenierung und lässt "Gonger 2" zu einem einfallslosen Verschnitt aus diversen Horrorfilmen werden, die zu keinem Zeitpunkt Spannung bietet und an der Vorhersehbarkeit krankt.
Obwohl Dario Stankewitz im ersten "Gonger" als namensgebender Geist eine tolle Figur abgab, wurde ihm im zweiten Aufguß viel zu wenig Leinwandpräsenz zuteil. Stattdessen muss man sich mit einer Horde Teenager zufrieden geben, die in bester Ghostbuster-Manier dem unheimlichen Kind auf den Leib rücken wollen, letztlich aber nach dem 10-kleine-Negerlein-Prinzip dem Gonger zum Opfer fallen. Das Budget für aufwendige Außenaufnahmen wurde gespart, weil die Teens bei ihrer Geisterjagd im Schloss bleiben. Zimmer gibt es dort zur Genüge, Schauwert bieten diese allerdings nicht. Dafür wurden die Tötungssequenzen etwas blutiger gestaltet, wenngleich diese auch nicht von der hanebüchenen Story ablenken können, die lediglich durch etwas wie Selbstironie aufgelockert hätte werden können. Doch weit gefehlt, denn "Gonger 2" nimmt sich sehr ernst und möchte auch so verstanden werden. Eine Ausnahme ist jene Szene, in der sich die Gruppe zum Titelsong von "Ghostbusters" in Bewegung setzt, was allerdings zum Abschalten animiert, weil es ein sehr billiger Effekt ist. Zumindest darstellerisch wird solides Mittelmaß geboten. Neben schon erwähntem Dario Stankewitz ist auch wieder Sebastian Ströbel dabei, dessen Rolle allerdings verheizt wird. Positiv sticht zumindest die audiovisuelle Umsetzung hervor, denn diese ist auch der einzige Faktor, der sich mit dem Vorgänger messen kann und für etwas Stimmung sorgt.
"Gonger 2" bleibt leider weit hinter den Erwartungen zurück. Es ist zu hoffen, dass der angekündigte dritte Teil wieder von Christian Theede inszeniert und von einem fähigen Drehbuchschreiber erdacht wird. Technisch ist die DVD dafür eine Steigerung, denn sowohl Bild als auch Ton wissen zu überzeugen. Das Bonusmaterial ist mit einem sehr ausführlichen Making of ebenfalls zu empfehlen.
|