Filmische Spieladaptionen enden zum Großteil in einem absoluten Debakel. Meist wird die Spielidee lediglich aufgegriffen und ein abstruses und völlig unzureichendes Drehbuch darum geschrieben, das dem Ursprung nur selten gerecht wird. Zwar kann auch dann, wenn nur mehr ein paar Charaktere aus dem Spiel übernommen werden, Unterhaltung geboten werden, viele dieser Adaptionen entpuppen sich aber als Schnellschüsse, die durch den populären Titel lediglich Geld scheffeln möchte und sich als Murks herausstellen.
"Double Dragon" gehört eindeutig zu den besseren Vertretern des Genres und war zusammen mit "Super Mario Bros." 1994 maßgeblich daran beteiligt, den spielerischen Spaß auch auf die Kinoleinwand zu bringen. James Yukichs Film offenbart sich zwar auch als substanzlose Adaption der Spielvorlage, doch gerade diese Unbeschwertheit sorgt letztendlich dafür, dass der Film eine Menge Spaß macht. Das Zielpublikum, nämlich der Fan des Spiels bzw. der junge Kinogänger, der sich das Spiel gleich nach dem Kinobesuch kaufen soll, wird mit familiengerechter Unterhaltung versorgt, die dank genügend Action-Sequenzen keine Langeweile aufkommen lässt und von den Schwächen des Drehbuchs ablenkt.
Wie üblich wird die vorhersehbare Gut-gegen-Böse-Geschichte abgeliefert, in der zwei ungleiche Brüder ein mächtiges, zweigeteiltes Amulett vor einem bösen und machthungrigen Industriellen schützen müssen. Mehr Handlung ist nicht auszumachen - Überraschungen auch nicht. Nach einem ersten Aufeinandertreffen mit dem Fiesling gilt es nur noch besagte Amuletthälfte zu schützen und auf eine günstige Situation zu warten, um dem Gegner dessen Hälfte abzuluchsen. Für Cineasten, die "Double Dragon" wegen seiner zahlreichen Albernheiten als überdimensionales Kasperletheater abtun könnten, dürfte dieses ewige Hin und Her etwas ermüdend sein. Kann man sich allerdings mit der trashigen, comichaften Inszenierung anfreunden, beginnt die Chose richtig Spaß zu machen, denn Action wird genug geboten. Die Kampfchoreografien sind nicht unbedingt die Besten, da viel nur angedeutet wird, weil es sich aber eh an ein junges Publikum richtet, geht das völlig in Ordnung. Ansonsten werden gut gemachte Explosionen und eine ordentliche Verfolgungsjagd auf dem Wasser geboten. Die Darsteller sind allgemein etwas blass und trotz bekannter Namen im Cast gelingt es keinem, seinen Charakter Tiefgang zu verschaffen - wen wundert's bei dieser Art von Film? Der junge Mark Dacascos ( "Crying Freeman") spielt einen der Brüder, Robert Patrick ( "Terminator 2") darf den Bösen mimen und Alyssa Milano ("Charmed") darf als Anführerin einer Kinder-Streetgang den Brüdern zur Hilfe eilen. Das endzeitliche New York (im Film "New Angeles" genannt) gefällt, auch wenn in einigen Szenen deutlich wird, dass im Hintergrund mit Matte Paintings gearbeitet wurde, was den trashigen Stil unterstreicht.
"Double Dragon" lässt den Spaß definitiv nicht zu kurz kommen, weswegen die 90 Minuten Laufzeit sehr zügig vergehen. Wer keine Erwartungen an den Film stellt, wird mit sinnfreier Unterhaltung belohnt. Einzig den Bezug zum Videospiel kann ich nicht so richtig herleiten, weil die aus dem Spiel bekannten Kampfanzüge in Rot und Blau erst gegen Ende auftauchen.
Die DVD aus dem Hause HDMV ist in allen Belangen zu empfehlen. Am meisten darf man sich aber darüber freuen, dass "Double Dragon" mit einer 10minütig längeren Laufzeit im Vergleich zur alten deutschen Fassungen aufwartet und erstmalig völlig ungekürzt erhältlich ist. Ehemals fehlende Szenen wurden sehr gut nachsynchronisiert und man kann kaum einen Unterschied zur alten Synchro feststellen. Eine Besonderheit gibt es bei dieser Veröffentlichung außerdem: Wer es lieber günstiger mag, bekommt den Film in einem KeepCase mit FSK-Wendecover. Für den Sammler hält HDMV ein chices, limitiertes MetalPak bereit, in dem zusätzlich ein A3-Poster steckt.
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