Da soll noch mal jemand behaupten, der deutsche Horrorfilm wäre tot. Eventuell im Tiefschlaf wie Dornröschen, aber ganz gewiss nicht tot, was uns Christian Theede mit der ProSieben-Fernsehproduktion "Gonger" vortrefflich beweist. Dabei möchte man zu Beginn, wenn in den Credits die deutschen Namen und der Sender zu sehen sind, am liebsten gleich wieder den Fernseher ausschalten. Das wäre ein großer Fehler, denn mit "Gonger" bekommt man einen gelungenen Horrorfilm geboten, der von asiatischen und amerikanischen Vorbildern geprägt ist, grundsätzlich aber zu den besten deutschen Horrorvertretern der letzten Jahre gehört. Vielleicht erfreut Theede Film auch gerade deswegen, weil in den letzten Jahren dieses Genre so unterrepräsent war.
Thematisch nimmt sich der Regisseur dem typischen, asiatischen Geisterfilm an, den man als US-Remake ständig um die Ohren gehauen bekommt. "Gonger" nutzt Vorbilder wie "The Grudge", basiert aber auf deutscher Historie und Schauplätzen, z.B. den friesischen Inseln Sylt und Amrum. Erzählt wird die Geschichte eines Ermordeten, der als Geist zurückkommt, um sich an der zweiten Generation seiner Mörder zu rächen. Im Fall von Theedes Film ist dies ein kleiner Junge, der als Geist für eine unheimliche Atmosphäre sorgt. Die Maskenbildner haben sich bei der Gestaltung etwas bei "The Grudge" bedient und sorgen damit für eine gehörige Portion Gänsehaut. Bis auf einen sehr originellen Storytwist am Ende nutzt man allerdings kaum eigene Ideen, sondern lässt die Geschichte nach bekannten Mustern ablaufen. Möglichkeiten, den Handlungsverlauf umzukrempeln, hätte es genug gegeben, werden allerdings nur ansatzweise verfolgt, vermutlich um auf Nummer sicher zu gehen. Trotzdem weiß "Gonger" weitaus besser zu unterhalten als amerikanische Klone asiatischer Geisterfilme.
Dafür sorgt Christian Theedes solider Inszenierungsstil, der mit "Gonger" seinen ersten Langfilm auf die Beine stellt und einen Achtungserfolg hinlegte. Das Zusammenspiel zwischen Bildsprache und Ton gelingt einfach sehr gut, in diesem Fall der Filmmusik, was besonders die im Nebel verhangene Spielplatzszene hervorheben kann. Aber auch die anderen Kulissen wie das Watt, finstere Gewölbe oder die tiefen Wälder können für eine bedrohliche Atmosphäre und Gänsehaut sorgen. Für den erfahrenen Filmfreund dürften die daraus resultierenden Schockmomente kalkulierbar sein, doch spürt man ständig die Bedrohung und wird von der Geschichte mitgerissen. Darstellerisch bewegt sich der Film ebenfalls auf sehr gutem TV-Niveau, weil es bis auf die Nebenrollen keine Schwächen zu entdecken gibt, aber auch keine preisverdächtigen Leistungen. Besonders Dario Stankewitz als Gonger verdient besondere Erwähnung, denn ohne sein Spiel würde dem Film viel von seiner Atmosphäre fehlen. Einzig die kaum vorhandenen Mordszenen, die lediglich als Resultat gezeigt werden, hätten etwas weiter ausgearbeitet werden können. Dies mag an der anvisierten, frühen Ausstrahlung des Filmes im Fernsehen gelegen haben, aber auch an Geldproblemen, die eine Ausweitung der Effektkunst nicht ermöglichten. Denn leider ist es immer noch so, dass der größte Arthausdreck mehr Fördergelder bekommt als eine Produktion aus dem phantastischen Bereich. Aber vielleicht sorgt Theedes Film endlich für weiteren Nachschub, von der kommenden Fortsetzung zu "Gonger" einmal abgesehen.
Definitiv ein Film der maßgeblich an der Wiederbelebung des deutschen Horrorfilms beteiligt ist und der trotz ebenso geborgten Ablaufmustern weitaus bessere Unterhaltung bietet als amerikanische Massenware.
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