Lange hat es gedauert bis "Demonium" von Andreas Schnaas in ungekürzter Form auch auf dem deutschsprachigen Markt erhältlich ist. War der Film recht zügig nach Fertigstellung im Ausland erschienen, mussten die deutschen Fans bis 2005 warten. Als die Fassung in den Videotheken stand, war das Geschrei jedoch groß, mussten doch ganze 4 Minuten vom Anbieter Sunrise herausgeschnitten werden, um eine Freigabe zu erhalten. Wieder ganze 4 Jahre später erscheint "Demonium" im Rahmen der von Laser Paradise neu gestarteten "Red Edition Reloaded" erstmalig ungekürzt in Deutschland.
Mit "Demonium" versucht Andreas Schnaas den Sprung vom Amateursplatter zum Independentfilm hin, denn anders als in seiner "Violent Shit"-Trilogie oder "Zombie 90" spritzt nicht unentwegt der rote Lebenssaft, sondern es wird versucht eine Geschichte zu erzählen, welche in der Tradition des italienischen Horrorfilms der 80er Jahre steht.
Zuerst gab es nur ein Teaser zu sehen, der für relativ viel Geld bei diversen Mailorder-Shops bestellt werden konnte (ich glaube, es waren damals 20 DM für 2 Minuten). Dieser Teaser war gelungen und konnte bereits eine morbide Atmosphäre einfangen. Leider sieht man aus diesem Teaser nichts mehr im fertigen Film, lediglich die Grundhandlung ist geblieben. Diese dreht sich um ein Serum, welches von einem wohlhabenden Wissenschaftler im Kampf gegen den tödlichen Krebs erforscht wird. Das Serum wirkt nur in der richtigen Menge und sorgt bei einer Überdosierung für einen blutigen Tod in kürzester Zeit. Kurz vor dem Durchbruch wird der Forscher Arnold Berger brutal ermordet. So kommt es, dass sich seine Erben in sein Schloss begeben, um der Testamenteröffnung beizuwohnen. Jedoch kann nur derjenige die Erbschaft antreten, der drei Tage in dem alten Gemäuer ausharrt. Genug Zeit für den Mörder, um sich den unerwünschten Besuch vom Leib zu halten. Natürlich geht es um das Serum, das für den Besitzer einen enormen Geldsegen bei den Pharmaindustrien bringen wird. Demnach stehen die Erben dem eigentlichen Vorhaben auch nur im Wege und machen immer wieder Bekanntschaft mit dem ominösen Serum.
Etwas problematisch für "Demonium" ist die sofortige Bekanntgabe der Täter und deren Hintergründe. Spannung oder Überraschungen dürfen somit nicht erwartet werden, denn davon hat "Demonium" kaum etwas zu bieten. Aus diesem Grund erhofft man sich als Zuchauer Unterhaltung aus einer ganz anderen Richtung, nämlich jener, die Schnaas' Frühwerke betreffen. Jedoch sind die Morde hier sehr dezent über die knapp anderthalb Stunden verteilt, verfehlen allerdings nicht ihre Wirkung. Im Vergleich zu "Violent Shit und Co. walzt Schnaas diese Szenen nicht minutenlang aus, sondern versetzt sie mit kurzen Schnitten. Dies sorgt dafür, dass Effekte nicht billig aussehen und demnach auch nicht ihre Wirkung verfehlen. Für die digitalen Effekte konnte sogar Sergio Stivaletti engagiert werden, wenngleich diese digitalen Arbeiten schnell als solche zu erkennen sind und den handgemachten Splattereien somit den Vorzug zu geben sind. Es gibt durchaus harte und blutige Szenen, doch aufgrund des spärlichen Einsatzes will der Härtegrad nicht sonderlich in die Höhe schießen.
Die Auswahl der Darsteller ist dafür gut gelungen. Mit amerikanischen Produktionen kann sich "Demonium" zwar nicht vergleichen, aber der Zeitgeist der 80er Jahre wurde dank der Akteure gut getroffen. Wie bei Werken von Fulci und Lenzi agieren die Darsteller zwar nicht glaubhaft, jedoch genregemäß treffend. Besonders die Gastrolle von Charlotte Roche hebt sich hervor, die als Nervensäge eine überzeugende Leistung abliefert, jedoch sehr schnell und sehr blutig wieder von der Bildfläche verschwindet. Kamera und Schnitttechnik sind ebenfalls gelungen und auch maßgeblich daran beteiligt, dass der Film sich vom Amateurniveau abhebt. Dennoch bleibt "Demonium" deutlich hinter den Erwartungen zurück, was an der fehlenden Dramatik liegt, wodurch kaum Atmosphäre aufkommt. Das ist etwas traurig, konnte man doch in einem schönen alten Gemäuer drehen, das eigentlich schon allein genug Ausstrahlung besitzt, um eine spannende Geschichte zu erzählen. So ist "Demonium" weder durchgängiger Splatter, noch tiefer Horror, weil für beides etwas fehlt. Demnach ertrinkt "Demonium" wie so viele Genre-Artgenossen auch im Mittelmaß. Dabei hat mit dem Teaser alles so gut angefangen ...
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