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RU 2003
Originaltitel:Gvozdi
Länge:59:37 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Andrey Iskanov
Buch:Andrey Iskanov
Kamera:Andrey Iskanov
Musik:Andrey Iskanov, Alexander Shevchenko
SFX:Andrey Iskanov, Irina Nikitina, Alexander Shevchenko
Darsteller:Alexandra Batrumova, Svyatoslav Iliyasov, Irina Nikitina, Igor Orlov, Alexander Shevchenko, Victor Silkin, Andrey Iskanov
Vertrieb:Shock DVD Entertainment
Norm:PAL
Regionalcode:0
DVD-Start:29.05.2009 (Kauf)



Inhalt
"Nails" erzählt die Geschichte eines Auftragskillers (Alexander Shevchenko), welcher langsam aber sicher immer mehr dem Wahnsinn zu verfallen scheint. Eine einsame Seele, welche an einem Trauma zu leiden scheint. Angeheuert von der Regierung, für die schmutzigen Beseitigungen, erfüllt er seine Arbeit voller Pflicht, bevor er komische Dinge sieht und Stimmen in seinem Kopf hört. Um diese Stimmen zu unterdrücken, gibt es nur eine Methode: Und diese heißt Nägel ...

Bild
Format1,33:1 (Vollbild)
NormPAL
 Bildtechnisch merkt man "Nails" deutlich an, dass nur mit begrenzten Mitteln gearbeitet werden konnte. Die Ausleuchtung der dunklen Szenen ist gelungen, wodurch die schwarz/weiß Szenen meist gut zur Geltung kommen und der Kontrast dementsprechend einen angenehmen Eindruck hinterlässt. Auch wenn das Bild mit Farbe durchflutet wird, kann der Kontrast weitestgehend überzeugen. Die Farben jedoch wurden stark verfälscht, um einen neonähnlichen Effekt hervorzurufen. Dies sorgt dafür, dass zu keinem Zeitpunkt auch nur die Möglichkeit einer natürlichen Farbwiedergabe entsteht, was vom Regisseur aber so gewollt ist. Sehr negativ gestaltet sich die Kompression, die kontinuierlich für störende Artefaktbildungen und Blockrauschen sorgt. Weiterhin rauscht das Bild besonders in dunklen Szenen sehr stark und sorgt für Beeinträchtigungen der Schärfe, die ohnehin nur selten eine passable Detailwiedergabe zulässt. In Anbetracht dieses sehr speziellen Films fällt eine Bildbewertung schwer, da vieles den Stilmitteln des Regisseurs zu verdanken ist. Kompression und Schärfe gelten trotzdem als Hauptkriterien, da diese deutliche Defizite vorweisen, die so sicherlich nicht geplant gewesen sind. Unter zusätzlicher Berücksichtigung der geringen Mitteln kann man so noch 2 Punkte vergeben.
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Ton
FormateDolby Digital 2.0
SpracheDeutsch, Russisch
UntertitelEnglisch
 Sowohl für die russische Originalfassung als auch für die deutsche Synchronisation ist lediglich eine Stereoabmischung vorhanden, was aber ausreicht, da kaum Möglichkeiten im Film gegeben werden, die auch nur ansatzweise eine Entfaltung von Surround-Strecken bietet würden. Demnach bleiben die hinteren Lautsprecher stumm und das Geschehen spielt sich nur innerhalb der Front ab. In Anbetracht des sehr gewöhnungsbedürftigen Scores ist das sogar sehr angenehm, da man bei einer räumlichen Klangkulisse wohl dem Wahnsinn verfallen würde, wenn die Industrial-Klänge bei entsprechender Lautstärke auf das Gehör einwirken würden. Da nichts eine Dolby Digital 5.1-Abmischung rechtfertigen würde, ist es löblich, dass kein unnötiger Upmix erstellt wurde. Die Dialoge sind in beiden Sprachfassungen sehr sauber und werden gut verständlich wiedergegeben. Deutsche Untertitel sind nicht vorhanden, zumindest aber Englische, wodurch das russische Original nur mit entsprechenden Sprachkenntnissen zugänglich ist. Überlagerungen treten nicht auf und auch anderweitige Störfaktoren sind nicht auszumachen. Die deutsche Tonspur ist aber etwas lauter als das Original.
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Extras
Extras
  • Making of (31:22 Min.)
  • Originaltrailer (3:09 Min.)
  • Produktionsdesigns (1:05 Min.)
  • Fotoportraits 1 (6:25 Min.)
  • Fotoportraits 2 (2:25 Min.)
  • Soundtrack Produktionsfotos (26:56 Min.)
  • Interviews (24 Textseiten)
  • 4 Sammelkarten
VerpackungKeepCase im Schuber
 Das halbstündige Making of ist sehr interessant ausgefallen und ermöglicht Cast und Crew, sich zum Film zu äußern. Besonders Regisseur Andrey Iskanov hält viele Informationen parat und gibt aufschlussreiche Hinweise zu seinen Inspirationsquellen Lynch und Tsukamoto. Zwischen den vielen Interviewsequenzen werden kurze Blicke hinter die Kulissen geworfen, wodurch ein rundum gelungener Eindruck entsteht. Leider wurde auf deutsche Untertitel verzichtet. Wie beim Film gibt es auch hier neben der russischen Sprache englische Untertitel (hier: eingebrannt), was dem Großteil der Filmfans ausreichen wird. Bei einer deutschen Veröffentlichung wären aber auch entsprechende Untertitel von Vorteil. Das restliche Bonusmaterial besteht aus zwei Textinterviews mit dem Regisseur (ebenfalls nur in Englisch), dem Trailer zum Film und vielen Fotos vom Set und diversen Artworks. Letztendlich kann man sich noch einen Vorgeschmack auf Iskanovs Folgefilm "Visions of Suffering" holen, von dem es ebenfalls einen Trailer gibt. Weiterer Bestandteil der Shock Entertainment-Veröffentlichung sind 4 Sammelkarten, die sich im KeepCase befinden und Filmszenen enthalten.
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Fazit
Andrey Iskanov Debütfilm "Nails" ist schon ein sehr obskurer Brocken, der besonders Freunde von David Lynchs "Eraserhead" und Shin'ya Tsukamotos Interner Link"Tetsuo" ansprechen dürfte. Abstriche im Inszenierungsstil müssen jedoch hingenommen werden, da diesem russischen Independentfilm lediglich ein kleines Budget zur Verfügung stand und Iskanov vieles in Eigenarbeit übernahm.

Herausgekommen ist der Einblick in das Leben eines Auftragskiller, dessen letzter Auftrag der Zuschauer miterleben darf. Wirklich zurecht kommt er mit seinem ungewöhnlichen Beruf nicht, weswegen sein Leben ständig von Alpträumen begleitet wird, die dafür sorgen, dass er grotesken Halluzinationen ausgesetzt ist. Die einzige Möglichkeit, diesem Horror zu entrinnen, nimmt in einer etwas merkwürdigen Therapieform Gestalt an: Druckausgleich durch Eintreiben von Nägeln in das Gehirn. Doch lange hält diese Erleichterung nicht an, weil die Dinge um ihn herum noch merkwürdigere Formen annehmen und er vollends in einen Sog aus bedrohlichen Wahnvorstellungen gerät ...

"Nails" ist weit ab vom Mainstream, fast ein Kunstobjekt, welches durch die triste osteuropäische Kulisse einen gewissen Reiz versprüht, von seinem Zuschauer aber auch einiges abverlangt. Iskanov beginnt den Weg seines Antihelden mit Schwarzweißaufnahmen und einem teils nervenden Industrial-Soundtrack aufzuzeigen. Nach knapp 15 Minuten weichen die farblosen Szenen einem farbigen Bild - und zwar genau in jenem Moment, in dem der erste Nagel in den Kopf des Protagonisten einschlägt, was den Film völlig umkrempeln soll. Von nun an folgt eine Merkwürdigkeit der anderen, um jeweils in einen Akt der Gewalt zu gipfeln. Ein erzählerisches Muster ist kaum zu erkennen, dafür aber sehr obskure Situationen voller Sex, Gewalt und diverser Stilelemente.
Die neonartigen Farben, die den Film prägen, machen "Nails" vermutlich ebenso wenig wie die kaum vorhandene Handlung für den Durchschnittszuschauer leicht zugänglich, denn der Film lebt lediglich von einzelnen Szenenabläufen, die beeinflusst von den Vorbildern Lynch und Tsukamoto sehr surreal anmuten. Weil es ein experimenteller Film ist, ist ein durchkonstruiertes Handlungsgerüst auch nicht unbedingt erforderlich. Trotzdem lässt sich Iskanov unterstellen, dass er kein Drehbuch zur Hand hatte und nur einzelne, surreale Ideen mit einem minimalen Handlungsbogen verwob. Die im Film verwendeten Make-up-Effekte sind dann aber leider mehr schlecht als recht. Dass in diesem Bereich mehr möglich wäre, zeigen deutsche und amerikanische Independentregisseure doch immer wieder. Auch ist Iskanovs Inszenierungsstil stellenweise sehr gewöhnungsbedürftig, da die Kameraführung zu wünschen übrig lässt. Mit etwas mehr Liebe zum Detail könnte sein nächstes Projekt trotz geringem Budget zumindest auf filmischer Ebene überzeugen.

Dieses Debut ist ein kleiner Experimentalfilm geworden, der meint, künstlerischen Anspruch zu besitzen, aber nicht über genügend Facetten verfügt, um das auch verteidigen zu können, weil sich der Regisseur etwas überschätzt hat. Dennoch hebt sich "Nails" vom gängigen Wald- und Wiesen-Amateurfilm deutlich ab: Er bringt die Trepanation, also das Durchdringen eines festen Gegenstands wie der Schädeldecke, ins Gespräch. Schließlich ist diese martialisch anmutende Technik eines der ältesten chirurgischen Eingriffe der Medizingeschichte und wird heute noch aus religiösen Gründen in dieser Form betrieben. Für Filmliebhaber, die sich dafür interessieren, sicherlich eine Entdeckung.



Bilder der DVD




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