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D 2004
Originaltitel:Reise ins Glück, Die
Alternativtitel:Journey Into Bliss, A
Länge:70:44 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Wenzel Storch
Buch:Wenzel Storch, Matthias Hänisch, Christian Keßler
Kamera:Wenzel Storch
Musik:Diet Schütte
SFX:Jörg Buttgereit, Michael Romahn, Marcel Caspers
Darsteller:Jürgen Höhne, Jasmin Harnau, Holger Müller, Frank Bauer, Jörg Buttgereit, Jeanette Eisebitt, Jan Hahne, Ralf Hammermeister, Matthias Hänisch, Marga Heinze, Maria Jösch, Katja Kiefer, Bernward Klimek, Lilian Martinez, Ralph Meyer, Annemarie Willberg, Edeltraut Zotzmann, Dana Weber
Vertrieb:Cinema Surreal
Norm:PAL
Regionalcode:0
DVD-Start:02.03.2009 (Kauf)



Inhalt
Kapitän Gustav will sich mit seinem Schneckenschiff zur wohlverdienten Ruhe setzen. Mit seiner bunt zusammen gewürfelten Mannschaft aus Mensch und Tier, zu der neben zahlreichen Eingeborenen auch ein Bär, eine Eule und fünf Frösche gehören, strandet er an einer geheimnisvollen Insel. Voller Freude bereitet man sich auf den Landgang vor, denn noch ahnt niemand an Bord, dass im Herzen der Insel ein böser König haust ...

Bild
Format1,66:1 (Letterbox)
NormPAL
 Was wäre die prächtigste Kulisse wert, wenn das Bild die Farbkraft und den Glanz dieser nicht wiedergeben könnte? Umso besser, dass das 35mm-Ausgangsmaterial eine sehr schöne Bearbeitung für diese DVD bekommen hat und die Farb- und Kontrastdarstellung somit hervorragende Werte erzielt. Lediglich ein paar überhellte Außenaufnahmen bekommt man zu Gesicht, dafür aber auch die Bauten in voller Pracht. Vermutlich wurde die Farbsättigung sogar noch etwas erhöht, um die märchenhafte Stimmung zu verstärken. Dazu kommt eine sehr ordentliche Detaildarstellung, die lediglich durch die nicht ganz saubere Kompression eingeschränkt wird. Je nach Szene ist das Material etwas verschmutzt, z.B. mit Kratzern oder Brandlöchern, aber irgendwie passt das auch zur Charakteristik des Filmes, der eine einheitliche Stilistik besitzt.
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Ton
FormateDolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0
SpracheDeutsch
Untertitel-
 Der deutsche Dolby Digital 5.1-Ton ist dank einer durchgängigen Nachsynchro eine sehr gut verständliche, direkte und wohklingende Angelegenheit. Dass man Surround eingeschaltet hat, bemerkt man nicht nur an der sauber auf die hinteren Lautsprecher verteilten Musik, sondern auch an einigen Effekten, die aber auch auf den Stereolautsprechern schon gut funktionieren. Außerdem sorgt der Subwoofer in einigen Szenen, z.B. während die Band spielt, für einen sehr fülligen Klang.
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Extras
Extras
  • Poster
  • 18seitiges Booklet
DVD 1:
  • Trailer:
    • Aaltra (1:39 Min.)
    • The Saddest Music In The World (3:10 Min.)
    • Blood Tea And Red String (2:09 Min.)
    • Der Glanz dieser Tage (1:36 Min.)
    • Sommer der Liebe (1:38 Min.)
DVD 2:
  • Wie man aus Düngerstreuern und Güllepumpen ein Schiff baut (54:42 Min.)
  • Die Herren mit der schwachen Blase (101:30 Min.)
  • Der Cumshot in den Beichtstuhl (23:13 Min.)
  • König Knuffi erinnert sich nicht (26:02 Min.)
  • Das vergessene Happy End (22:39 Min.)
  • Werbeclip zum Making Of "Sommer der Liebe" (5:00 Min.)
  • Werbeclip zum Making Of "Der Glanz dieser Tage" (6:39 Min.)
VerpackungDigiPack
 Auf der ersten Scheibe gibt es neben einem tollen Menu mit Szenenbildern Trailer aus dem Cinema Surreal-Programm, die gesammelten Extras folgen auf der zweiten Disc. Los geht's mit der knapp einstündige Dokumentation über die höchst aufwendige Konstruktion der Kulissen, die allesamt aus Schrott gefertigt wurden. Die Künstler erzählen von den abenteuerlichen Zeiten des Materialsammelns, von der Verarbeitung, von Zu- und Unfällen und wie es eigentlich war, in einer ehemaligen Salzlagerhalle bei sibirischen Temperaturen das größte Set zu bauen, das der deutsche Kleinfilm je gesehen hat. Fast doppelt so lang läuft "Die Herren mit der schwachen Blase", eine Dokumentation, die im Grunde noch mal alle Themen des Drehs abdeckt und abermals sehr amüsant vorgetragen wird. Es geht um die (schwierige) Arbeit mit den Tieren, die etwas leichtere mit Kindern, die Entstehung der Spezialeffekte, der Musik und insgesamt um den Spaß und den Stress, den so ein Filmdreh bereiten kann. "Der Cumshot in den Beichtstuhl" ist angelehnt an die Schneckenbegattungsszene gegen Schluss und erzählt von der Erstellung der Masken und Figuren. Auch der Schaffensprozess der Stopmotion-Sequenzen, von denen längst nicht alle im fertigen Film ankamen, wird vorgestellt. In "König Knuffi erinnert sich nicht" werden den Darstellern viele Jahre nach dem Dreh nochmal ihre Rollen gezeigt und dabei interviewt. Beim "vergessenen Happy End" bekommt man keine alternative Endsequenz vorgesetzt, sondern vielmehr die Tatsache, dass die Beendigung des Filmes lange Zeit in der Schwebe hing, weil Geldsorgen das Projekt vorzeitig stoppten. Gezeigt werden hier die Maßnahmen, die von einigen Prominenten ergriffen wurden, um den Film glücklicherweise doch noch zu einem Ende zu bringen. Ein weiteres bedrückendes Thema wird zu Beginn angesprochen: der überstürzte Abriss der gesamten Kulissen, die teilweise verschrottet und nur selten gerettet werden konnten. Außerdem werden einige Sprecher bei den Aufnahmen im Synchronstudio dokumentiert, was mit aktuellen Interviews angereichert wird. Zuletzt darf man mittels Making Ofs in Wenzel Storchs frühere Filme "Sommer der Liebe" und "Der Glanz dieser Tage" werfen. Beide werden übrigens bereits an anderen Stellen der Extras ausgiebig zitiert.
Damit wurde eigentlich alles (und noch viel mehr) geboten, was man von einer Doppel-DVD erwartet. Lediglich ein Audiokommentar wäre nett gewesen, wobei ich nicht ganz weiß, ob Regisseur Wenzel Storch überhaupt Lust darauf gehabt hätte, sein Werk zu kommentieren. Die Kauf-DVD befindet sich in einem mehrfach aufklappbarem DigiPack, das auf jeder Seite ein anderes, sehr schönes Filmbild zeigt. Ein Poster zeigt gezeichnete Filmfiguren und im Booklet befinden sich allerlei Informationen rund um "Die Reise ins Glück", z.B. Reaktionen auf den Film, Stabangaben, der Text zum "Tellerlip Girl", ein Interview mit dem Regisseur, ein Drehbericht und natürlich jede Menge untertiteltes Bildmaterial. Die Leihfassung gibt es dagegen nur in der Standardverpackung und ohne die zweite DVD.
Die DVDs sind nur mit einem Bild bedruckt und das DigiPack wird nicht durch eins der neuen FSK-Siegel verschandelt. Freigegeben ist "Die Reise ins Glück" aber ab 12 Jahre.
 +++++/

Fazit
Man wird vermutlich etwas irritiert sein von Wenzel Storchs monumentalem Psychedelic-Märchen oder schlichtweg begeistert - hoffentlich sogar beides, denn wenn es um den wenig mesbaren Begriff Einzelartigkeit geht, müsste dieser über einen Zeitraum von 10 Jahren produzierte Kleinfilm sehr weit oben thronen. Zumindest ist mir sehr lange kein solch lobenswerter und beeindruckender Film mehr untergekommen.
Weniger der Inhalt interessiert so sehr bei diesem Kunstwerk, sondern die Präsentation. Und in der steckt so unglaublich viel Arbeit, dass man sich manchmal wünscht, die Kamera würde einfach mal pausieren und die Details der erstklassigen Bauten, Kostüme und Gerätschaften näher betrachten, die zu großen Teilen aus Schrott entstanden. Mancher Filmemacher würde sich bereits glücklich schätzen dürfen, hätte er nur eine der verspielten Bauten in seinen Filmen unterbringen können. "Die Reise ins Glück" sprudelt vor niedlichen, amüsanten und auch kruden Ideen und ist trotzdem konsequent genug, sich nicht in Einzelideen zu verlieren, sondern die Figuren und ihre kurze Geschichte voran zu treiben.

Dass man mit allerlei ungewöhnlichen Dingen konfrontiert wird, dürfte nach dem Trick-Intro bereits klar sein. Konnte man denn schon mal einen Film sehen, in dem Frösche ein Auto kurzschließen und gegen den Baum setzen, ein Bär nach zu viel Met reihert, Gehirne vom populären Waschmittalmaskottchen Clementine "gewaschen" werden und die Schergen des Königs ständig Wasser lassen müssen (auch auf Kinder)? Vermutlich nicht!
Dass König Knuffi ein Sangria saufender, verwarzter Diktator ist, schreckt hoffentlich genauso wenig ab, wie der Umstand, dass Storch zusammen mit Kinderdarstellern und mehr oder weniger dressierten Tieren schon ins Märchengenre vorstößt - aber ein Märchen für Erwachsene. Sein sympathisches Sammelsurium von Kuriositäten darf durchaus als vielschichtig aufgefasst werden. Tabus kennt der Film weder im erzählerischen, noch im gestalterischen Sinne, wird dabei aber auch nicht vulgär.

Der Zuschauer wird vermutlich dauerhaft ein Lächeln auf dem Lippen haben, sei es nun aus Begeisterung für die Schönheit des Werkes oder wegen der herzlichen Witze. Besonders gefielen mir der sächselnde, bodenständige Kapitän Gustav und die beiden griesgrämigen Propagandaminister, die jung und alt gleichweg verschrecken und immer einen saloppen Spruch parat haben. Aber auch der Auftritt der Eingeborenenkapelle (mit Max Raabe-Gesang), das mutierende Karnickel und die gesamte Einrichtung des Schneckenschiffs sind phantastisch gelungen. Wer also ein möglichst realitätsferne und trotzdem leicht goutierbare Filmerfahrung genießen möchte, der muss sich hier unbedingt bedienen!

Wenzel Storch und sein Team beweisen, dass aus Unmengen Schrott filmischer Edelzierrat entstehen kann, der in eine Dimension vorstößt, die vielen Zuschauern unbekannt sein wird. Die proppevollen zwei Discs im DigiPack, die man bisher nur vom Hersteller direkt beziehen kann, würdigen das Werk und sind sozusagen ein Geschenk an jeden Fan des abseitigen Filmvergnügens. Und wer sich noch unsicher ist, schaut sich bitte den Trailer im Internet an, denn der Film hält doppelt und dreifach das, was die beeindruckende Vorschau verspricht.



Bilder der DVD




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